Christian Abbiati, Mario Manzukic, Gianluigi Buffon,
Salva Ballesta, Paolo Di Canio, Jelle Van Damme, Pavel Horváth,
Michel Morganella, Luis Suárez, John Terry,
Referee: Stephan Haase
Referenz: Ante Timmermans
Kragenhochsteller Eric Cantona huldigt auf dem Revolutionssender ARTE fünf kickenden Rebellen. Selbst die recht pathetisch wirkenden ständigen Grossaufnahmen der Cantonaschen Mimik mindern die beeindruckenden Geschichten abseits aller sonst üblichen Pass- und Laufwege keineswegs.
Direkt wohltuend ist die Botschaft, dass das Massenphänomen Fussball nicht nur der reinen Profitmaximierung dient, sondern — geschickt eingesetzt — das politische Bewusstsein aktiv fördern und prägen kann.
Heute in zwei Jahren ist Samstag und in Brasilia spielt Deutschland um Platz 3. Während des Turniers müssen dann nicht nur die europäischen Sofa-Coaches konditionsstark sein, sondern auch all die Corso-Fahrer, die wieder jedes noch so öde gewonnene Gruppenspiel im frühmorgendlichen Berufsverkehr behupen.
Bei der völlig nervend gehypten und billiges, aber teuer verkauftes Bier ausdünstenden Massenpsychose wäre doch wieder eine Veranstaltung im pazifischen Raum wünschenswert, so wie anno 2002, als sich nur die wirklichen Müßiggänger Liebhaber des gepflegten Balles bei frischen Croissants morgens um Acht im Strassencafé profund und schlagfertig anlässlich des Pflichtspiels USA gegen Mexiko austauschten.

Eröffnungsspiel: 12. Juni 22:00 Uhr
Gruppenspiele: 18:00 – 21:00 – 00:00 – 03:00 Uhr
Achtelfinale/Viertelfinale: 18:00 – 22:00 Uhr
Halbfinale: 22:00 Uhr
Spiel um Platz 3: 22:00 Uhr
Finale: 13. Juli 21:00 Uhr
(Alle Zeiten MESZ)
Der brave Jogi wurde einmal mehr ausgecoacht und lag schlichtweg falsch, weil er den tapferen treuen Schäferhund ohne Biss gegen den sechsbeinigen südländischen Feuerhund antreten liess:
In seiner teutonischen Sommerfrische ist dem Hobbyschweizer nun um einiges wohler, da er nicht mehr von dem dumpfen Sieg-Heil-Gegröle tetosterongesteuerterer Blödmänner belästigt wird. 2006 noch irritierte die schwarzrotgeile Scheinheiligkeit, mittlerweile ist die entschieden zu dick aufgetragene Deutschtümelei bestenfalls unfreiwillig komisch.
Und sowieso: dem betriebswirtschaftlich optimierten Erlebnisfussball Bierhoffscher Prägung fehlt halt einfach der Punch.
Forza!
Eben noch schwärmten die Alt-Hippies mit einer psychedelischen Antwort für Timothy Leary völlig losgelöst ums Zentralgestirn herum, dideldum.
…let the sunshine, let the sunshine in, the sun shine in…
War bei dem Trip zu viel Sonne im Spiel oder liegt es an den zur Pause injizierten Vitaminen, wenn die Kickerei plötzlich eigenartig ausartet. Die Hellenen verwandeln sich in Däninnen, Gomez trägt einen Pferdeschwanz und der Réthy Belá wirkt geradezu grotesk ins Töpperwien´sche verzerrt!
Statt Sommer of Love also nur Tutti Futschi?!
Und Bozsik?
Bozsik, immer wieder Bozsik! Der rechte Mittelläufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball – verloren diesmal, gegen Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund…
Die spinnen, die Magyaren.
Fussball ist ein Spiel. Für die Deutschen ist es Arbeit. Oder Krieg.
Laut Trainerstab sitzt der Stahlhelm auch ohne die ihnen ausgezogen wordenen Lederhosen akkurat auf dem Scheitel der Mannschaft und das Grossmachen ist als teutonisches Markenzeichen weithin anerkannt:

Spricht alles für den finalen Knüller Hellas – Teutonia. Aber aufgepasst:
Jeszcze Polska nie zginęła!
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Welche Fahne fehlt?
Anschauungsunterricht für die korrekte Handhabung einer Fahne gibt es wie immer bei Youtube oder live an Schwingfesten. Für ganz Eifrige gibt es in Zell am Ziller sogar ein reines Fahnenmeer.
Scheint halt doch reiner Männersport zu sein….
Nach selbst für das Niveau von Operettenligen ziemlich peinlichen und chaotischen Saisonverlauf hat die Schweizer Super League tatsächlich vorläufig ein Ende gefunden, obwohl Sions störrischer Präsident weiter gegen alle und jeden prozessiert.
Rein rechnerisch wäre das zur Rückrunde ausgeschlossene Xamax allein mit den in der Vorrunde erzielten Punkten nicht einmal nach kaukasischer Arithmetik abgestiegen! Clever veräusserte der FC Zürich zur Saisonhälfte fast alle Leistungsträger, als der direkter Abstieg dank des Konkurses von Neuchâtels ausgeschlossen war. Der weiter abgewirtschaftete Stadtrivale Grashopper Club entging der Blamage Barrage nur wegen der 36-Punkte-Strafe gegen Sion, das jedoch gegen Aarau die Relegation vermeiden wird, um weiterhin als Schwarzes Schaf mittun zu können.
Aufsteiger Super Servette schaffte nicht nur im letzten Moment den nicht für möglich gehaltenen Lizenzerhalt, sondern sogar überraschenderweise die Qualifikation für die Qualifikation zur Europa-League!
«Alors nous pourrons continuer à écrire de nouvelles pages de la grande histoire du Servette FC, en visitant l’Albanie, la Macédoine, le Biélorussie ou même l’Azerbaïdjan.»
Was wie ESC klingt, ist granatfarbener Fan-Humor pur.
Allez Servette!
Immer wieder mal wird in der Schweiz von einer Alpenliga im Verbund mit Österreich phantasiert, ganz Pfiffige wollen die Balltreter von Chemie Basel am liebsten gleich in der Grosskantonalen Bundesliga anstossen sehen. Grund für derlei Gedabkenspiele ist die mangelnde Attraktivität und wirtschaftliche Schwäche der heimischen Liga. So ist in der laufenden Saison die Zerfallsrate der von einem Kernenergie-Unternehmen gesponserten Super League weiter angestiegen, was aber keineswegs zu Einbussen an deren Unterhaltungswert führt.

Intoxinierter Flashmob auf Kirschkernsuche
Neuchâtel wurde wegen Insolvenz schon zur Halbzeit aus dem Rennen genommen und der Tschetschenische Eigner aufgrund ungetreuer Geschäftsbesorgung vorsorglich inhaftiert. Sion bekam wegen diverser Transfervergehen einen Abzug von 36 Punkten aufgebrummt, ist sogar mittlerweile wieder leicht im Plus, prozessiert jedoch munter weiter gegen UEFA, FIFA und nationalen Fussballverband. Beim überschuldeten Aufsteiger Genf ist der Besitzer zwar noch Freigänger aber abgängig; der Verein hofft nach Konkursantrag auf ein 7 Mio-Wunder. Mitaufsteiger Lausanne erscheint derweil sportlich kaum wettbewerbsfähig.
Bei einer Liga von gerade mal 10 Teams eine stolze Ausfallquote und — 100% Welsch! Angesichts der von der Welschwoche aufgedeckten Feierlaune der untrainierbaren Griechen der Schweiz wundert das nicht: leicht benebelt die Kirsche erst finden und dann noch treffen zu müssen, ist keine einfache Übung. Nachhilfe gibts gratis nach Klick aufs Bild…
Auch der Hobbyschweizer hat sich beim Studium der Yülcel-Kolumnen zum globalen Prollsport vor Lachkrämpfen den Bauch gehalten. Sowohl letztes Jahr bei den Jungs, wie auch dieses Jahr bei den Mädels waren die Leser-Reaktionen in der TAZ die perfekt abgeschmackte Zutat. Zumeist völlig humorbefreit hat sich die grünalternative Spiesserschaft mit Leserkommentaren tapfer selber blamiert und ziemlich nackig gemacht.
Die 30 Riesen sind als Schmerzensgeld völlig ok und der Wrobel Ignaz tät sich bestimmt mitfreuen:
„Dürfen darf man alles – man muß es nur können.“
Auf der Suche nach dem original Schweizer Proletariat wurde beim Besuch eines geheimen Trainingslagers die helvetische Verelendung augenfällig. Selbst aktive Fussballer können sich — zumal als letzter Mann marginalisiert — hierzulande keinen Barbierbesuch leisten!

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Auf dem offiziellen Mannschaftsphoto im Saisonheftli stellt sich der arme Mann trotz seines haarigen Handicaps selbstbewusst in den Vordergrund. Dabei war doch vorhersehbar, dass bei solch akuter Behinderung eines Torhüters Surprise Zürich in der Konkurrenz keine besonders tolle Überraschung gelingen würde.

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In ausländischen Freizeit-Ligen scheint zumindest der Friseurbesuch für das fussballernde Proletariat noch einigermassen erschwinglich zu sein, wie das folgende Beispiel eines vorbildlichen Balljungen zeigt:
Nachdem im Zürcher Fussball-Derby der in der Weltklasse-Stadt angesagte lässig-schicke und vintagemässig voll auf Understatement gebügelte Dresscode nicht ganz so eingehalten wurde, wird es künftig vermutlich ein paar Geisterspiele im zugigen Letzigrund geben.
Dem ganzen Schlamassel vorangegangen war ein pupertärer Fahnenklau und der daraufhin überschäumende Testosteronpegel gab dem Fest schliesslich den Rest. Tatsächlich sind Hools & Fools im international zweitklassigen Schweizer Fussball noch immer erstklassig.
Beim vom Hobbyschweizer am selbigen Nachmittag en passant beäugten Viertligaspieles (2:7) sah dagegen selbst die Stadionwurst anregend familienfreundlich aus. Und Schwingfeste sind sowieso der reinste Kindergeburtstag mit lauter SVPlern netten Würsten.
Diego Orlando Benaglio (* 8. September 1983 in Zürich) ist ein Schweizer Fussballtorhüter.
Stephan Lichtsteiner (* 16. Januar 1984 in Adligenswil) ist ein Schweizer Fussballspieler.
Johan Djourou (* 18. Januar 1987 in Abidjan, Elfenbeinküste) ist ein Schweizer Fussballspieler ivorischer Herkunft.
Philippe Sylvain Senderos (* 14. Februar 1985 in Meyrin) ist ein Schweizer Fussballspieler spanisch-serbischer Abstammung.
Reto Ziegler (* 16. Januar 1986 in Genf) ist ein Schweizer Fußballspieler.
Blerim Džemaili (* 12. April 1986 in Tetovo, SFR Jugoslawien, heute Mazedonien) ist ein Schweizer Fussballspieler albanischer Abstammung.
Gökhan Inler (* 27. Juni 1984 in Olten) ist ein Schweizer Fussballspieler mit türkischer Abstammung.
Xherdan Shaqiri (* 10. Oktober 1991 in Gjilan, SFR Jugoslawien) ist ein Schweizer Fußballspieler kosovarischer Herkunft.
92. Min: Nassim Ben Khalifa (* 13. Januar 1992 in Morges) ist ein schweizerisch-tunesischer Fussballspieler.
Granit Xhaka (* 27. September 1992 in Gjilan, Kosovo) ist ein kosovo-schweizerischer Fussballspieler.
88. Min: Gelson Fernandes (* 2. September 1986 in Praia, Kap Verde) ist ein Schweizer Fussballspieler.
Admir Mehmedi (* 16. März 1991 in Gostivar, Mazedonien) ist ein Schweizer Fussballspieler.
84. Min: Innocent Emeghara (* 29. Mai 1989 in Lagos, Nigeria) ist ein nigerianisch-schweizerischer Fussballspieler.
Eren Derdiyok (* 12. Juni 1988 in Basel) ist ein Schweizer Fussballspieler mit kurdischen Wurzeln.
Ottmar Hitzfeld (* 12. Januar 1949 in Lörrach) ist ein deutscher Fußballtrainer.
Im Mai wurde der Schweizer Erstligaverein Xamax Neuchâtel von einem milliardenschweren Rohstoffhändler übernommen. Der tschetschenisch-stämmige Mogul feuerte fast die gesamte Belegschaft auf und neben dem Platz und kündigte sämtliche Sponsorenverträge. Sodann wurde etwas Tschetschenen-Ornament ins neugestaltete Vereinswappen eingepflegt und die Aufmunterung des Publikums erfolgt nun zusätzlich in Kyrillisch.
Überdies wollte der Oligarch den Geldwaschvollautomaten Fussballclub in Neuchâtel Xamax Vainach* umbenennen, was jedoch aus technischen Gründen (Einsendeschluss verpasst) noch versagt blieb.
*„Der Begriff Vainach (Unser Volk) für das tschetschenisch-inguschische Ursprungsvolk ist (…) patriotisch stark aufgeladen“
PS: Zum Saisonauftakt erlitten 5.000 Hobby-Tschetschenen bei immerhin freiem Eintritt eine 0-3 Heimniederlage.
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[edit 25.07.2011]
Entlassung des gesamten Trainerstabes nach Auswärtsniederlage am zweiten Spieltag.
[edit 26.07.2011]
Tschetschenen-Zar verfügt die Absetzung des (von ihm selbst eingesetzten) Vereinspräsidenten.
[edit 20.08.2011]
Die bislang sieg- und torlose Tschetschenen-Filiale Xamax schiesst zwei Tore und holt drei Punkte in Zürich.
[edit 18.01.2012]
Xamax Flasche leer: Auschluss aus dem Ligabetrieb.
[edit 02.02.2012]
Ende Januar kommt der tschetschenische Clubbesitzer wegen «ungetreuer Geschäftsbesorgung» in U-Haft.
Mia olma na ceder brischar.