Kulturrevolution

Der Fertigsuppenhersteller Knorr aus Heilbronn wurde erst von Maizena in Hamburg geschluckt, dann folgte der Erwerb durch Bestfoods in New Jersey gefolgt vom Weiterverkauf an Unilever in zunächst Rotterdam dann London und jetzt wird McCormick & Co. aus Maryland die noch aktuellen Restbestände übernehmen. Dazu gehört auch das Schweizer Nationalheiligtum Aromat – eine Glutomatbombe sondergleichen und wie andernorts Salz und Pfeffer ein lukullisch wie sozial egalitärer Standard auf dem helvetischen Esstisch. Durch raffiniertes Marketing verdrängte jene in Thayngen direkt an der Grenze zu Deutschland hergestellte Streuwürze der ehemaligen Knorr-Tochter das vorherrschende Maggi aus dem gerade mal 10 Kilometer entfernten Singen einst innert kürzester Zeit.

Erbswurstbauch – Werbeplakat von Leonetto Cappiello, ca. 1934

In der Deutschschweiz jedoch regt sich ob der feindlichen Übernahme aus Übersee Widerstand und wieder einmal wird die eidgenössische Eigenständigkeit idealisiert und Identität mit Geschichte verschwurbelt. Eine Online-KampagneAromat ghört dr Schwiiz») wurde gestartet und erfährt einige mediale Resonanz, zumal ein weiterer Ausverkauf Schweizer Markenwerte beklagt und für eine nationale Rettung recht kräftig geweibelt wird.

Um diese etwas hysterisch anmutende Geschmacksverirrung aufgrund permanenter Indoktrination durch generationsübergreifende Geschmacksverstärkung besser einordnen zu können empfiehlt sich ein Besuch auf einem Schweizer Online-Marktplatz, wo für die im Winter 25/26 erschienene limitierte Edition von Kartoffelchips geradezu Unsummen verlangt und geboten werden. Und das sogar für leere (!) Verpackungen.

Womöglich entsteht aus naiv unbeabsichtigter Globalisierungskritik ein VEB Aromat. Und prima ginge Nestlé (Frankfurter Gene, Maggi!) gleich darin auf.

Die neoliberale Ordnung mit ihren lang gehegten Glaubenssätzen liegt in Trümmern. Die ‹regelbasierte› internationale Ordnung ist tot und mit ihr die Credos des Freihandels, des freien Wettbewerbs und der freien Konkurrenz. Jedoch bleiben die erhofften positiven Effekte dieses Zerfalls aus. Vielmehr offenbart sich die destruktive Natur des imperialistischen Monopolkapitalismus immer deutlicher und mittlerweile nicht mehr nur in der globalen Peripherie.

Das Zürcher 1. Mai Komitee

 

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