Kulturrevolution

Der Fertigsuppenhersteller Knorr aus Heilbronn wurde erst von Maizena in Hamburg geschluckt, dann folgte der Erwerb durch Bestfoods in New Jersey gefolgt vom Weiterverkauf an Unilever in erst Rotterdam dann London und jetzt wird McCormick & Co. aus Maryland die noch aktuellen Restbestände übernehmen. Dazu gehört auch das Schweizer Nationalheiligtum Aromat – eine Glutomatbombe sondergleichen und wie andernorts Salz und Pfeffer ein lukullisch wie sozial egalitärer Standard auf dem helvetischen Esstisch. Durch schlaues Marketing verdrängte die direkt an der Deutsch-Schweizer Grenze in Thayngen hergestellte Streuwürze der ehemaligen Knorr-Tochter das vorherrschende Maggi einst innert kürzester Zeit.

Erbswurstbauch – Werbeplakat von Leonetto Cappiello, ca. 1934

In der Deutschschweiz jedoch regt sich ob der feindlichen Übernahme Widerstand und wieder einmal wird die eidgenössische Eigenständigkeit idealisiert und Identität mit Geschichte verschwurbelt. Eine Online-KampagneAromat ghört dr Schwiiz») wurde gestartet und erfährt einige mediale Resonanz, zumal ein weiterer Ausverkauf Schweizer Markenwerte beklagt und für eine nationale Rettung recht kräftig geweibelt wird.

Womöglich entsteht aus unbeabsichtigter Globalisierungskritik ein VEB Aromat. Und prima wäre es ginge Nestlé (Frankfurter Gene, Maggi!) gleich darin auf.

Die neoliberale Ordnung mit ihren lang gehegten Glaubenssätzen liegt in Trümmern. Die ‹regelbasierte› internationale Ordnung ist tot und mit ihr die Credos des Freihandels, des freien Wettbewerbs und der freien Konkurrenz. Jedoch bleiben die erhofften positiven Effekte dieses Zerfalls aus. Vielmehr offenbart sich die destruktive Natur des imperialistischen Monopolkapitalismus immer deutlicher und mittlerweile nicht mehr nur in der globalen Peripherie.

Das Zürcher 1. Mai Komitee

 

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