Don’t Look Up

Das Astronomy Picture of the Century ist fix für den 13. April 2029 versprochen, wenn die RAMSES-Mission von ESA und JAXA den Asteroiden Apophis zusammen mit der Erde prominent im Hintergrund und Fokus der Bordkamera hat und mit der entsprechenden Tiefenschärfe im richtigen Moment während des nahen Vorbeiflugs der Auslöser betätigt wird. Mond war gestern.

Es wird einiges an Umsicht nötig sein, da sich exakt zu jenem Zeitpunkt zudem ein Chinesischer und ein US-Amerikanischer Satellit zum Stelldichein angekündigt haben. Eine Massenkarambolage gilt es dabei unbedingt zu vermeiden, um den Erdbahnkreuzer nicht versehentlich aus seiner glücklicherweise sich als eher harmlos erwiesenen Bahn zu kegeln. Auf fast allen Missionen sollen kleine CubeSats freigesetzt werden, welche bei einer Kantenlänge von gerade mal 10 Zentimetern relativ sanft auf dem Besucher landen können, ohne dessen Bahnkorrektur auszulösen.

Benötigt ab Mitte April 2029 vermutlich keine Montage mehr  | NASA

Nach der Entdeckung sowie den ersten Beobachtungen von Asteroid Apophis gab es eine zwar geringe Wahrscheinlichkeit von nicht ganz 3 Prozent, dass der über 300 Meter grosse Brocken ein Volltreffer werden könnte, doch sorgte dies bereits für eine Einstufung in der höchsten Risikoklasse der planetarischen Verteidigung. Mittlerweile kann ein Einschlag auf der Erde für die nächsten 100 Jahre statistisch ausgeschlossen werden. Allerdings könnte es die der Erde zugewandte Mondseite treffen, da die Bahn des aufgespürten Wiedergängers jeweils zwischen Erde und Mond hindurchführt.

Ein Meteor bis zu einem Zentimeter erzeugt eine gewöhnliche Sternschnuppe, bei grösseren Eindringlingen bis zu einem Meter wäre ein beeindruckender Feuerball bzw. Bolide zu sehen. Alles grösser als ein Meter heisst dann Asteroid und diese sind mehr oder weniger regelmässig um die Sonne rotierende Restbestände aus der Zeit der Entstehung des Planetensystems. Bei zehn Metern und mehr kommen wir dann schon in den Bereich von Chelyabinsk. Einer Grösse von 50 Meter entspräche etwa dem Einschlag im Barringer Krater in Arizona mit einer Meile Durchmesser oder dem Tunguska Ereignis, als 2000 Quadratkilometer Sibirischer Wald flach gelegt wurden. Bei Körpern wie Apophis und grösser sind gemäss ESA-Jargon dann sogenannte überregionale Schäden zu erwarten. Im Vergleich zum berüchtigten Dinokiller sind das freilich alles nur kleine Kieselsteine.

Bislang wurden 1,2 Millionen Asteroiden im Sonnensystem detektiert wovon 36’000 als Erdnahe Objekte gelten. Davon wiederum haben es ca. 5% auf die Risikoliste der ESA geschafft und geniessen damit besondere Aufmerksamkeit und Beobachtung. Momentan liegt ein gewisser Bennu mit einem jedoch negativen Impactscore (= Einschlag wird nicht erwartet) in Führung

Allerdings kam der überraschende Knaller von Tscheljabinsk 2013 direkt aus Richtung Sonne und konnte sich so vor frühzeitiger Entdeckung durch sämtliche Frühwarnsysteme clever tarnen.

Anti matters

Damit die im CERN bei Genf erzeugten Antiprotonen besser beforscht werden können, sollen sie von der magnetischen Umgebung des Teilchenbeschleunigers isoliert werden. In Düsseldorf (D) gibt es bereits eine geeignete und gut abgeschirmte Laboreinrichtung in Sachen Antimaterie. Nun hat man eine schrankgrosse Vakuum-Falle entwickelt und diese nahe dem absoluten Nullpunkt gekühlt, damit die Antimaterie dort drin wie unbeweglich verharrt und quasi als Stückgut auf einem Truck transportiert werden kann.

Als erster Transporttest wird die stromversorgte Falle am 24. März 2026 möglichst vorsichtig auf dem CERN-Gelände eine Runde drehen, bevor die 800km lange Fahrt ins Rheinland gewagt werden kann. Die Vorsicht ist in erster Linie nicht der Sorge einer explosiven Zerstrahlung der ca. 100 Antiprotonen geschuldet, da jene Teilchenmenge hierfür um einige Grössenordnung zu gering ist. Nicht einmal ein «Plopp» soll bei einem Misserfolg zu spüren sein. Doch ist das Erzeugen, Fangen und Abscheiden der Antimaterie durch den Teilchenbeschleuniger äussert langwierig und im kommenden Sommer wird die Anlage aufgrund einer turnusmässigen Revision für zwei Jahre stillgelegt. Von daher könnte es schon noch etwas dauern, bevor ein Überholen der schockgefrosteten Antimaterie auf einer europäischen Autobahn möglich erscheint.

Zweiradtragik

Bekanntlich kann der Diebstahl eines Velos recht schmerzlich sein (aua seit September), der Verlust des Velo-Mechanikers ist jedoch einfach tragisch. Nach tagelangem Koma ist der immer zuverlässige Benno nach einem fatalen Sturz auf feuchter Piste im Spital verstorben. Leitplanke und Schädel trotz Helm leider nicht kompatibel. Im Laden ist die Uhr noch auf Sommerzeit gestellt.

Das Ersatzrad ad interim wurde nach dem Schock ungläubig still nach Hause gestossen. Über den Tod sprechen oder schreiben ist eine Sache, wenn er dann so plötzlich und unvermittelt erscheint eine völlig andere.

Das neu georderte Velo steht in der kommenden Woche parat. Bei Benno wird es keinen Service mehr geben.

Summerboots over

Die Darbietung der pastellfarbenen Tanztruppe aus Barbarella-Zeiten dünkt selbst aus heutiger Sicht überraschend freizügig. Summer of Love, Flower Power und California Dreaming waren hoffnungsvolle Versprechen der popkulturellen Hegemonie des Westens, obschon die Sonne eben dort unterzugehen beliebt.

Nett aber, dass Herbst und Winter auf der Nordhalbkugel etwas kürzer sind als Rest…

Delikat Essen CXLIV

Beim letzten Zürcher Dönertestlauf konnte leider weder ein lokaler Tekbir noch Imren entdeckt werden; Yaprak beim Lochergut ganz ok, falls die Schlange nicht zu lang. Die Kalbsversion bei den Spaceboys passabel, das Interieur eher klinisch und steril, halt unterkühlter Züri-Style. Die obligatorischen Drehspiesse quasi unsichtbar, standen sie doch geruchsneutral ausserhalb des stark an ein Terminal erinnernden Warte- und Essbereichs.

Immerhin bis in die Stratosphäre hat der Zürcher Kebab es geschafft und die Jungs haben sogar Videomaterial hochgeladen. Axo, Preise aus Kreuzberger Perspektive ebenfalls astronomisch – 17 Stutz für ein gefülltes Taschenbrot. Im nächsten Leben werde ich Dönermann.

Lughnasadh

Heute begehen wir bekanntlich ein ursprünglich keltisches Fest, welches im Neuheidentum fröhliche Urstände zu feiern scheint.

Daher zum Festtag alle wichtigen Infos in Sachen Schnittertag von Yoga-Martina. Dazu ganz tolle Rituale zum fünften Jahreskreisfest von der Annika. Und von der Julia aus Austria unfassbar hübsche Fotos und prima Tipps zum thematischen Räuchern.

Lee Scratch Dada

Der Einsiedler Reggae Künstler Lee «Scratch» Perry wird im Zürcher Club Voltaire mit einer Ausstellung seines non-musikalischen Œuvres posthum geehrt. Gezeigt werden Werke seines Schaffens in der Zeit vom Blue Ark Studio, das er in seinem Schweizer Exil betrieb, nachdem das Black Ark Studio auf Jamaika in Flammen aufgegangen war. Zu sehen sind allerlei kunterbunte Artefakte, welche Lee Perry mit der ihm eigenen Art mit mystischem Universalismus aufgeladen hat. Quasi veredelte Fundstücke und Treibgut ganz im Sinne der DADA-Bewegung, die mit gesellschaftlichen Normen brach, Wort und Bild verschmolz und so eine eigene Mythologie erschuf. Kunst ist ist bei beiden nicht vom Leben getrennt und stiftet einen Gesamtzusammenhang, der Gegensätze verbindet.

Auf der Vernissage musste ich über die Kuriositäten viel schmunzeln, sogar die von Perry behandelte Studiotür ist ausgestellt sowie ein gigantischer Heizkörper mitsamt aller Verzierungen. Art brut par exellence. Da der Andrang am Eröffnungsabend recht gross war ist eine weitere Visite eingeplant, um die Details besser erkennen und verstehen zu können. Immerhin gewährt der Club dafür Zeit bis September.

Beim Teutates

Ein bereits 2021von der ISS abgetrenntes Batteriepaket wird nach dem unkontrollierten Eintritt in der Erdatmosphäre nicht restlos verglühen. Teile des 2.6 Tonnen Aggregates werden mutmasslich die Erdoberfläche erreichen werden. Da unsicher ist, wann der taumelnde Weltraummüll eintritt, sind diverse Möglichkeiten der Streuung errechnet worden.

Statistisch scheint es für Mitteleuropa gut auszusehen und diesmal wird nicht all zu viel von dem tonnenschweren Schrott hart aufschlagen. Sieht man sich jedoch die beeindruckende Animation aller die Erde umrundenden Teile auf der Internetseite Stuffinspace im erdnahen Weltraum an, werden möglichst genaue Bahnberechnungen auch künftig mehr als nötig sein, damit uns nicht der Himmel auf den Kopf fällt.