Abartig schräge Döner-für-1-Cent-Aktion in Heilbronn (D). Wartezeit eine Stunde.
Schlagwort: Kapitalismus
Manger les riches
Offizielle 1. Mai-Demonstration – Bilanz
Ab 9.30 Uhr besammelten sich mehrere tausend Personen beim Helvetiaplatz zum bewilligten 1. Mai-Umzug. Kurz nach 10.30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug auf folgender Route in Richtung Innenstadt in Bewegung:
Helvetiaplatz – Ankerstrasse – Kanonengasse – Militärstrasse – Kasernenstrasse – Gessnerbrücke – Usteribrücke – Usteristrasse – Löwenstrasse – Bahnhofplatz – Bahnhofstrasse – Uraniastrasse – Rudolf-Brun-Brücke – Limmatquai – Bellevueplatz – Sechseläutenplatz.
Die Umzugsspitze traf um 12.15 Uhr auf dem Sechseläutenplatz ein. An der Demonstration nahmen auch mehrere hundert zum Teil vermummte Personen teil, die der linksautonomen Szene zuzuordnen sind. Aus diesen Kreisen wurden mehrfach Böller und Rauchpetarden gezündet. Entlang der Umzugsroute kam es zu diversen Sprayereien.»

Live Funkbild
Kulturrevolution
Der Fertigsuppenhersteller Knorr aus Heilbronn wurde erst von Maizena in Hamburg geschluckt, dann folgte der Erwerb durch Bestfoods in New Jersey gefolgt vom Weiterverkauf an Unilever in zunächst Rotterdam dann London und jetzt wird McCormick & Co. aus Maryland die noch aktuellen Restbestände übernehmen. Dazu gehört auch das Schweizer Nationalheiligtum Aromat – eine Glutomatbombe sondergleichen und wie andernorts Salz und Pfeffer ein lukullisch wie sozial egalitärer Standard auf dem helvetischen Esstisch. Durch raffiniertes Marketing verdrängte jene in Thayngen direkt an der Grenze zu Deutschland hergestellte Streuwürze der ehemaligen Knorr-Tochter das vorherrschende Maggi aus dem gerade mal 10 Kilometer entfernten Singen einst innert kürzester Zeit.
Erbswurstbauch – Werbeplakat von Leonetto Cappiello, ca. 1934
In der Deutschschweiz jedoch regt sich ob der feindlichen Übernahme aus Übersee Widerstand und wieder einmal wird die eidgenössische Eigenständigkeit idealisiert und Identität mit Geschichte verschwurbelt. Eine Online-Kampagne («Aromat ghört dr Schwiiz») wurde gestartet und erfährt einige mediale Resonanz, zumal ein weiterer Ausverkauf Schweizer Markenwerte beklagt und für eine nationale Rettung recht kräftig geweibelt wird.
Um diese etwas hysterisch anmutende Geschmacksverirrung aufgrund permanenter Indoktrination durch generationsübergreifende Geschmacksverstärkung besser einordnen zu können empfiehlt sich ein Besuch auf einem Schweizer Online-Marktplatz, wo für die im Winter 25/26 erschienene limitierte Edition von Kartoffelchips geradezu Unsummen verlangt und geboten werden. Und das sogar für leere (!) Verpackungen.
Womöglich entsteht aus naiv unbeabsichtigter Globalisierungskritik ein VEB Aromat. Und prima ginge Nestlé (Frankfurter Gene, Maggi!) gleich darin auf.
Die neoliberale Ordnung mit ihren lang gehegten Glaubenssätzen liegt in Trümmern. Die ‹regelbasierte› internationale Ordnung ist tot und mit ihr die Credos des Freihandels, des freien Wettbewerbs und der freien Konkurrenz. Jedoch bleiben die erhofften positiven Effekte dieses Zerfalls aus. Vielmehr offenbart sich die destruktive Natur des imperialistischen Monopolkapitalismus immer deutlicher und mittlerweile nicht mehr nur in der globalen Peripherie.
Send the Billionaires to Mars
Stadionär
Delikat Essen CXLII
Werbewirkung
In einer Ausstellung im Museum für Gestaltung in Zürich wird Oliviero Toscani mit einer Retrospektive bedacht, welche erstmals sein gesamtes Werk umfasst. Der ab 1983 als Werber für Benetton bekannt gewordene Fotograf, Creative Director und Bildredakteur hat ohne vorherige Deutschkenntnisse seine Ausbildung an der Vorgängerin der ZHDK in den 1960ern gemacht und damit die Basis für seine internationale Karriere gelegt. Nach einem Stipendium in den USA kam er in Kontakt mit Andy Warhol und dessen legendärer Factory. Aus jener Zeit stammen auch die meisten Portraits der Ausstellung, die in Zürich gezeigten spätere Arbeiten umfassen beispielsweise die Bildwände «United Colors of Sexes» von 1993 zur Biennale.
Die kontroversen Kampagnen für das italienische Modehaus Benetton thematisierten Gender und Rassismus, Ethik und Ästhetik. Teilweise wurden die schockierenden Plakatmotive vor Gerichten verhandelt, oft verboten und vielmals geächtet, wobei sie gleichzeitig immer Gesprächs- und Diskussionsstoff boten. Den Vorwurf er wolle mit seinen Eyecatchern Pullover verkaufen konterte er damit, dass er mit den Pulloverkampagnen gesellschaftliche Realität abbilden wolle. Zum Tode geweihte AIDS-Kranke, brennende Autowracks nach einem Attentat durch die Mafia, blutgetränkte Kleidung eines Opfers im jugoslawischen Bürgerkrieg, Kopulation eines dunklen Hengstes mit einer weissen Stute. Was heute noch immer stark wirkt ohne zu verstören war damals meist Skandal. Die Bildsprache von Toscani bleibt weiterhin gut verständlich und als Werbung schlicht ikonisch.
Gesundheit!
Delikat Essen CXXXVI
SB Teestube am Fusse des Uetlibergs – kulturelle Aneignung anyone?
Prinzipiell versus Principality
Umsturz im Ländle?
Probleme fürs Fürstentum?
Erbmonarchie in Gefahr?
Scheint fast so.
Die angebliche Gründung einer Liechtensteiner Kommunistischen Partei wird von einem sog. Aktionsbündnis unterstützt, deren punkige Provokation im Netz der Dumpfbacken wiederum mit dem schlichten Wunsch nach «Todesstrof» goutiert wird. Putzig das.
Enshittification
Auf einem Vortrag zum Auftakt der Transmediale in Berlin benutzt der bekannte kanadische Netzaktivist und Autor Cory Doctorow seine in den USA zum Wort des Jahres gewählte Wortschöpfung «Enshittification» (≈ Scheissifizierung, Verschlimmscheisserung) zur Beschreibung jener Metamorphose, in welcher digitale Plattformen durch ein Produkt Versprechungen auslösen, diese jedoch nicht einhalten und in der Folge aufgrund ihrer Marktmacht solches Verhalten zu unzufriedenstellenden Erfahrungen der Beteiligten führt.
Doch ist dies nicht sowieso der normale Spielverlauf im kapitalistischen Monopoly?
So what’s enshittification and why did it catch fire? It’s my theory explaining how the internet was colonized by platforms, and why all those platforms are degrading so quickly and thoroughly, and why it matters – and what we can do about it.
We’re all living through the enshittocene, a great enshittening, in which the services that matter to us, that we rely on, are turning into giant piles of shit.
It’s frustrating. It’s demoralizing. It’s even terrifying.
I think that the enshittification framework goes a long way to explaining it, moving us out of the mysterious realm of the ‚great forces of history,‘ and into the material world of specific decisions made by named people – decisions we can reverse and people whose addresses and pitchfork sizes we can learn.
Enshittification names the problem and proposes a solution. It’s not just a way to say ‚things are getting worse‘ (though of course, it’s fine with me if you want to use it that way. It’s an English word. We don’t have der Rat für englische Rechtschreibung. English is a free for all. Go nuts, meine Kerle).
But in case you want to use enshittification in a more precise, technical way, let’s examine how enshittification works.
It’s a three stage process: First, platforms are good to their users; then they abuse their users to make things better for their business customers; finally, they abuse those business customers to claw back all the value for themselves. Then, they die.
Ohrenzeugenbericht dort, Bewegtbilder hier, Originalmanuskript da.
Abschliessend hier gleich noch ein Zitat aus einem aktuellen Newsletter, welcher die Heilsversprechen von Big Tech als arglistige Täuschung entlarvt:
Back then (2025) there was hope, a belief that these companies were building the future and selling it to us in a seemingly-honest transaction, and a level of trust that tech companies were so profitable because they were making cool stuff. Tech had banked a great deal of goodwill, adding depth and connectivity to our lives, making information easier to find and take action upon, delivering anything we wanted faster than we’d ever got it before. It was exciting to imagine what Apple, Amazon, or Facebook might do next.
Sadly, we found out. Big tech — with venture capital by its side — spent a decade mistreating, manipulating and misleading governments, consumers and the media in the pursuit of greed, taking advantage of society’s optimism in the name of eternal growth.
Weniger ist mehr

Olle Kamelle City-Maut.
Frage an die Statistik: wenn von 6% Stimmberechtigten ganze 54.5% mit «Ja» stimmten,
wieviel % legten dann absolut gerechnet «Nein» ein? F.D.P. nur Hilfsausdruck.
Hartung

Der orangene Riese plakatiert grün.
Stadt-Land-Graben
Nett dass es Schneller-Höher-Weiter-Teurer-Städte-Rankings gibt, doch für das rurale Leben im ländlichen Gebiet sowie im Trikont (ausser Harare) hat dies vermutlich nurmehr dialektischen Einfluss. Preistreiberei existiert in der kapitalistischen Mehrwertschöpfung schon immer und ist quasi systemisch. Die Singapurisierung der Schweiz und die Verschweizerung Europas wird weiter fortschreiten und sind dergestalt soziale Menetekel, die der künftigen Gesellschaft noch etliche Sorgen bereiten dürften. Die gegenseitige Abhängigkeiten von Energie, Nahrung und Arbeit werden die entstehenden Klüfte der Absurdität kaum überbrücken können und die zunehmende Tribalisierung der multiplen Blasen erschwert eine reibungslose Kommunikation und führt eher zu vermehrter Zuspitzungen. Und so wird das Verständnis füreinander auf unserer hübschen Erdeninsel nur noch mehr geschmälert.
Amen.
Love all, trust few, do wrong to none.
“Love all, trust a few,
Do wrong to none: be able for thine enemy
Rather in power than use; and keep thy friend
Under thy own life’s key: be check’d for silence,
But never tax’d for speech.”
All's Well That Ends Well
Delikat Essen CXXIX
Delikat Essen CXXVIII
Änderungen sind kostenpflichtig beim Metzgerstadl-Sonnenwirt in Stein am Kocher
Armer Reichtum

Wie und warum Reichtum arm macht und wieso der übermässige Reichtum weniger alle betrifft beschreibt ein aufschlussreicher Artikel im Online-Magazin REPUBLIK dort.
Und noch ein republikanischer Nachschlag in Sachen religiöser Kapitalismus hier.
Resonanz
Die Natur des Menschen ist so eingerichtet, dass er seine Vervollkommnung nur erreichen kann, wenn er für die Vollendung, für das Wohl seiner Mitwelt wirkt.
(Karl Marx, Abituraufsatz 1835)
Manager-Sozialismus
Nach dem Grounding von 2001 crasht nun eine weitere CH-Institution grandios. Ein klassischer Bank Run wurde zum Todesstoss für die alteingesessene Institution am Paradeplatz. Scheitern aber gilt nicht und wird im Kapitalismussprech gern noch als Erfolg kaschiert. So finden sich in einer ganzseitigen Anzeige bei NZZ und Blick die Bonmots «Fusionsvertrag», «Zusammenschluss», «Übergang» was jedoch eher Übernahme, Ausverkauf und vielversprechendes gleichwohl riskantes Schnäppchen mit staatlicher Garantie lauten sollte.
Die unverfrorene Schönfärberei tönt frivol, zumal die Kader der Credit Suisse unzählige Bankenskandale fabrizierten und dabei ihr Missmanagement dank der Bonuszahlungen von 42 Milliarden Franken alleine in den letzten 20 Jahren lauwarm ausbadeten.
Die nun neu entstehende Megabank mit einer Bilanzsumme von 1,5 Billionen Franken wird gemessen am Bruttoinlandsprodukt 2022 in Höhe von 771 Milliarden Franken fast doppelt so gross wie die gesamte Volkswirtschaft der Schweiz.
Failed too big.











