Exakt 92 Antiprotonen durften eine vier Kilometer lange Runde drehen.
No antinucleon was hurt during the test.
Schlagwort: Kosmologie
Aurora Alert
Das Maximum der Sonnenaktivität im laufenden Sonnenfleckenzyklus wird für dieses Jahr erwartet. Hübsche und aktuelle Bilder vom Polarlicht eingefangen von der Allsky Camera in Schweden (Kiruna) gibt es per App direkt aufs iPhone oder Android.
Bergstrahlung
Am 23. September 2023 überquert die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn am Himmel um 08:50 Uhr MESZ den Himmelsäquator von Nord nach Süd. An diesem Tag beträgt die Dauer des lichten Tages sowie der Nacht auf der Nord- und Südhalbkugel theoretisch jeweils genau 12 Stunden. Dieses Ereignis wird als Tagundnachtgleiche oder als astronomischen Herbstanfang auf der Nordhalbkugel bzw. Frühlingsanfang auf der Südhalbkugel bezeichnet. Weil aber die Atmosphäre das Sonnenlicht an den Himmel lenkt, auch wenn die Sonne knapp unter dem Horizont steht, ist der Tag bei Herbstbeginn tatsächlich 12 Stunden und 12 Minuten lang. Am 26. September ist dann wirklich Herbst, zumindest was die längeren Nächte angeht. Mehr zu Jahreszeiten dort.
Elektroschub
Reiselust
Das europäische Zentrum für hochenergetische Teilchenphysik mit dem zwischen Frankreich und der Schweiz 100 Meter tiefergelegten weltweit längsten Teilchenbeschleuniger war das Traumziel – der Large Hadron Collider – die grösste Maschine, die je von Menschenhand erbaut wurde.
Mit dem Zug ging es durchs nette Fribourger Werteland, wo gleich drei (3!) Füchse auf freier Wildbahn aus dem Zugfenster erspäht werden konnten. Kurz später dann auf der Corniche der grandiose Ausblick auf den Lac Léman, wenn einen die Aussicht auf die aufgrund der Rhône-Mündung leicht türkis glitzernde Côte mit der Haute Savoie auf französischer Seite fast blendet. Eines der tatsächlich schönsten Motive der Postkarten-Schweiz, drüben die Bergriesen in Frankreich, etwas hinten dann der gigantische Mont Blanc, der bei Lausanne ziemlich breite See, welcher sich in Fahrtrichtung Genf leicht verengend krümmt. Auf Schweizer Seite die zahlreichen Weinberge des Laveaux, links die sich erhebende Pforte ins pittoreske Wallis und rechts der Höhenzug des Mittelgebirges Jura. Bald rückt dann der Jet d`eau in Genf mit seiner 140 Meter hohen Wasserfontäne ins Bild. Beim Staunen aus dem Fenster fiel mir ein, dass es tatsächlich 10 Jahre her sind, seit ich zuletzt diese Tour machte.
Durstiges Abenteuer
Geplant war eigentlich (ja genau, dieses Wort deutet wie meist das schiere Gegenteil an) die Strecke des unterirdischen Teilchentunnels ausgehend beim Besucherzentrum des Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire (CERN), dem in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg gegründeten Zentrum für die (friedliche) europäische Kernforschung, oberirdisch mit dem Fahrrad zu befahren. Es gibt eine 55 Kilometer lange Velotour und wohlweislich wurden extra dafür (Höhenmeter!) E-Bikes am Bahnhof Genf reserviert, damit auch meine genetisches Mitteilchen Lust an der Sache gewänne. Doch an einem der heissesten Tage dieses Sommers war jenes Unternehmen vielleicht doch etwas zu gewagt und wir stellten das Programm grosszügig um. Die sorgsam recherchierte Tour ist aufgehoben, aber natürlich nicht aufgeschoben, versprochen! Zumal im Herbst das neue Besucherzentrum beim CERN öffnen wird…
Velocity
Das E-Biken selbst macht zugegeben schon ganz schön viel Spass; so ein sanfter Teilchenbeschleuniger im Hintern ist eine zwar dem Zeitgeist entsprechend leicht hedonistische, doch durchaus angenehme Anschuberfahrung. Quasi Warp für Arme, ein weitgehend schweissfreies obschon Nabelschnur gebundenes Versprechen aufs Perpetuum mobile, eine auf Kinderarbeit basierte überhand nehmende Seuche und dabei permanent auf der Veloüberholspur. Und tatsächlich – wer bremst verliert. Kavalierstart, gelbdunkelrote Ampeln und andere Verkehrsdelikte sind gewissermassen immanent, wenn Energie im Überfluss vorhanden ist. Typisch Entropie halt. Schlussendlich redigiert das Chaos die Verwässerung.
Particle of the Universe
Beim
CERN angekommen stand zunächst der Besuch des Science Doms an, eine multimediale und interaktive Ausstellung zum direkt an der Landesgrenze gelegenen Olymp der internationalen Gilde der Teilchenforscher. Schön haben sie potente Sponsoren für das schicke Gebäude gefunden, ein vorbildlich recyceltes Relikt von der Schweizer Landesausstellung Expo.02.
Kulturell interessant und etwas belustigend die bekanntlich meist dramatisierenden Wortschöpfungen in Sachen CERN: Urknallmaschine, Gottesteilchen sowie die absurde Gefahr eines künstlich erzeugten schwarzen Lochs, als die damals völlig freidrehende und heute mutmasslich querdenkende Beschwerdeführerin 2010 vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht ihre unbegründete Angst vor einem Neustart des LHC ernsthaft verhandeln liess. Von mir aus hätte das CERN für derartige Clownerien gerne ein schwarzes Löchlein aus dem Hut zaubern können.
Unbekannt ist oft, dass das WWW wie wir es lange schon kennen und schätzen eben dort erdacht und entwickelt wurde. Bei insgesamt 23 beteiligten Nationen bestimmt nicht die schlechteste Kommunikationstechnik, zumal die überwiegende Mehrheit der Forscherinnen nicht in situ sondern remote mitarbeitet.
Im Science Dome konnten auf den Bildschirmen Infos abgerufen werden; nebenstehend die Ansicht von oben des grossen Teilchenbeschleunigers LHC, auf 11 Uhr der Flughafen Genf, Detektor LHCb nebenan. Standort Dome ist bei ATLAS auf 14 Uhr; ATLAS ist dabei der grösste der Teilchendetektoren. Jenes Gerät ist immerhin 25 Meter hoch und 46 Meter lang, Atlas hierfür Hilfsausdruck. Die Grösse und Vielschichtigkeit des Detektors sorgt dafür, dass sowenig Information wie möglich entfleucht und dafür alle möglichen und unmöglichen Teilchenteile aufgespürt und dokumentiert werden können. Irre gigantisch, irre responsiv, irre Teilchenphysik.
Rekordzahlen
An einem solch heissen Tag war gut zu wissen, dass sie vor Ort den kältesten Kühlschrank auf Erden haben – Minus 271 Grad, damit die supraleitenden Metalle quasi keinen inneren Widerstand bilden.
Nur so schaffen sie es dort die Protonen auf 99,9999991 % (!) der Lichtgeschwindigkeit mit Hilfe von Elektro-Magneten zu beschleunigen. Ob nachhaltig, später dann.

Während die Teilchen in dem 27 km langen Tunnel rasend schnell und zwecks beabsichtigter Kollision gegenläufig unterwegs sind, sind an vier Stellen sog. Detektoren aufgebaut, also Experimente, welche den Zerfall bzw. dessen Endprodukte aufspüren und messen. Dadurch versuchen die Wissenschaftlerinnen so nahe wie möglich dem Urknall auf die Spur zu kommen und bestenfalls herauszufinden, was die dunkle Materie (dunkel weil bislang unbekannt) ausmachen könnte.
Dunkle Materie und dunkle Energie (Variable Λ bzw. Lambda, jene bislang ebenfalls unbekannte kosmologische Konstante) haben tatsächlich 96% Prozent Anteil am grossen Ganzen – Lebewesen wie wir und sämtliche Materie in den Sternen und Gaswolken dazwischen machen hingegen gerade mal 4 % der Masse im Universum aus.
Wissen schafft Unwissen
Dies führt zu einer naheliegenden Paradoxie: je mehr man weiss, umso mehr weiss man nicht. Bekanntlich gibt es das Gewusste, das Wissen um das Unwissen und – als unsichtbare Kirsche auf der Sahne – das Nichtwissen um das Unwissen.
There are known knowns; there are things we know we know. We also know there are known unknowns; that is to say we know there are some things we do not know. But there are also unknown unknowns – the ones we don’t know we don’t know. (D. Rumsfeld)
Fertigteilchen
Nach der Laune machenden multimedialen Lerneinheit folgte das ermüdend lange Warten an der Rezeption, um einen der Zutrittscodes für die 90-minütige Führung zu erhalten. First come first serve and no online booking stand auf der Homepage; schlechte Erfahrungen hätten zu dieser nicht eben gastfreundlichen Prozedur geführt. Sollen sie doch nen Taler nehmen dafür, könnten sie wieder ein Kilo Strom davon kaufen. Vielleicht aber auch Deal mit den Steuerzahlern. Jedenfalls verblieb nach erfolgter Registrierung und Start der Kurztour ein Bruchteil Zeit für einen persönlichen Teilchentest.
Dieser erfolgte jenseits der Grenze direkt bei einem Carrefour, der dank der schnellen Elektronen via Velo in Nullkommanix erreicht wurde. Die Teilchen wurden für ganz passabel befunden und die mechanische Spaltung erfolgte geschwind. Etwaige Zerfallsprodukte konnten nicht eindeutig detektiert werden, zu süss und klebrig war die Masse.
Radioactivity – is in the air for you and me
Flugs retour bei der Führung wurde uns dann ein mittlerweile ausser Dienst gestellter ehemalige Teil eines Beschleunigers plus Detektor gezeigt; leider ist es für Laien nicht möglich unter die Erde zu gelangen, um das aktuelle Gerät vor Ort in Augenschein zu nehmen. (Dort wäre ebenfalls eine Velotour möglich, Radweg wäre vorhanden) Hehres Ziel bleibt, beim nächsten Besuch nicht mehr ganz als Laie zu gelten.
Bei der Fragerunde zum Abschluss im hübsch ausgeleuchteten Teilchendetektor stand unsere Führung Rachel auffallend weit vorne an der leicht geöffneten Türe nach draussen, als sie eine Frage nach Radioaktivität bejahte und mitteilte, dass erst seit 10 Jahren der Besuch zu der Alt-Anlage überhaupt möglich sei. Eine Rest-Strahlung sei dabei noch immer in der von ihr entferntesten Ecke des Raumes messbar. Darum also stand sie im heissen aber strahlungsarmen Türspalt! Sicher reiner Vernunftsentscheid, macht man mehrere Führungen pro Tag.

Tatsächlich hatte ich das Warnschild hinten glatt übersehen, wahrscheinlich wegen der bereits erhaltenen heftigen solaren Strahlendosis eines glühenden Sommertages. Vielleicht aber auch, weil es im nur spärlich beleuchteten Raum auf etwa Kniehöhe angebracht war. Dosimeter gab es keine zum Zugangs-Badge.
Gescheites Werkzeug immer wichtig beim Forschen; beim jährlichen Boxenstopp der vibrierenden Teilchen werden die Muttern der Röhre dann alle wieder schön festgeschraubt.
Gigantonomie
Das Graffity am Kontrollzentrum gibt ungefähre Grössenvorstellungen von ATLAS wieder, virtueller Rundgang dort. Die Anlage selbst wird im 3-Schicht Betrieb rund um die Uhr gefahren, Wartungsarbeiten sind jeweils im Winter (wegen Strombedarf, der übrigens aus Frankreich kommt – Atom, ick hör dir trapsen).

Das Forschungszentrum CERN benötigt laut Rahel ein Terawatt pro Jahr; gemäss Wikipedia beläuft sich die installierte Windkraftleistung ganz Europas (Stand 2022) auf 255 Gigawatt, gerade ein Viertel der allein vom CERN benötigten elektrischen Energie. Sie wollen aber künftig Strom sparen, versprach unsere Tour-Guide. Das Aufspüren des Higgs-Boson in 2012 war der bisherige Höhepunkt am CERN. Ein Lego-Modell von ATLAS mit der Unterschrift des zum Ritter geschlagenen Peter Higgs steht in einer Vitrine und auch im Kontrollzentrum (vorne rechts unten).
Alle Signale standen auf grün, die Teilchen rotieren fröhlich vor sich hin und das Higgs-Feld jubiliert. Das ist nämlich das wirklich verrückte an diesem Boson: es hat selbst gar keine Masse, verleiht aber anderen Teilchen welche durch das von ihm erzeugte Feld. Quantentheoretische Mechanik halt. Für mich eine weiterhin rätselhafte Welt von obskuren Partnerteilchen ohne feste Bindung. Ganz zu schweigen von irgendwelchen Austausch- oder gar Geisterteilchen.
Geht doch: bei über 23 Billiarden Kollisionen immerhin fast 12 Millionen Higgs-Bosone;
macht 1 Higgs pro 1,988916 Milliarden Bangs, falls der Taschenrechner nicht schwindelt.
Einen netten Einblick in den ATLAS-Detektor, dessen Grösse und Installation sowie die Arbeit vor Ort nebst immanenten wie frustrierenden Nicht-Wissen gibt der erst jüngst veröffentlichte und hochinteressante Vortrag aus der LMU München von Prof. Dr. Otmar Biebel auf Youtube.

Der Kanal Urknall, Weltall und das Leben, auf welchem das obige Lehr-Video veröffentlicht wurde, ist übrigens immer einen Besuch wert. Man erhält hier mehrmals pro Woche durch fachkundige Überbringer interessante Botschaften aus dem Kosmos und darüber hinaus. Keineswegs Nerdfunk, sondern faktenbasierte Wissenschaft für wissbegierige Laien. Dem aufrichtigen Kommentar von User @faktisletztenendes kann ich mich bedenkenlos anschliessen: «Ich bin so dankbar, dass es diesen Kanal gibt, er bewahrt mich vor der vollkommenen Verdummung. Ich behaupte nicht, dass ich alles verstehe, aber zumindest macht es mich nicht blöder als ich bin. Danke für eure Angebote.»
Grösser, schneller, weiter
Der wissenschaftliche Fortschritt erscheint fast wie Hase gegen Igel, Theorie gibt vor und der Praxistest verifiziert anschliessend. Oder auch nicht. Wie viel Wunsch ist wohl hier die Mutter der Gedanken? Sabine Hossenfelder bemängelt schon länger die Überhandnahme der theoretischen Wissenschaft und die Mängelliste der ungelösten physikalischen Probleme ist mittlerweile ziemlich lang geraten. Nach Hossenfelders Überzeugung «sind die zahlreichen Postulate neuer Teilchen typisch. Darin macht sie ein karriereförderndes Schema aus: Man identifiziere ein bekanntes offenes Problem, das auf natürliche Weise durch Einführung eines neuen Teilchens gelöst werde, wobei es von Vorteil sei, dieses mit Eigenschaften auszustatten, die erklärten, warum es bisher nicht entdeckt worden sei und warum das in nicht allzu ferner Zukunft doch möglich sein werde. Durch Modifikation der Eigenschaften könne dieser Zeitpunkt immer weiter in die Zukunft hinausgeschoben werden» (aus Hossenfelders-Wikipedia Eintrag).
The Lords of the Ring
Um entscheidend weiterzukommen – durch mehr Energie und mehr Radius – wollen die Kern-Wissenschaftler gerne einen 100 Kilometer-Ring bauen, falls die europäischen Steuerzahler dies genehmigen. Ein Beschluss zum Future Circular Collider soll möglichst vor dem Ablauf der erwarteten Einsatzzeit des LHC Mitte der 2030er Jahre fallen. Die Kosten pro Einwohner der internationalen Trägerschaft belaufen sich momentan auf einen Kaffee pro Person pro Tag rechnete die rasend schnelle Führerin lapidar vor. Vielleicht käme dann noch Gipfeli dazu, rechne ich im Stillen weiter. Dabei haben die CERN-Wissenschaftler bereits heute eine Datenmenge, welche erst 2040 abgearbeitet sein wird. Doch vielleicht hilft die eine oder andere Besucherin ja bald mit.

Noch Fragen?
Ob wirklich alle Menschheitsfragen durch die Forschung im CERN beantwortet werden können, bleibt zweifelhaft. Wobei dies gar nicht nötig wäre und ein Rest Geheimnis als immer währendes Rätsel gewissermassen durchaus ein geistiger Gewinn sein könnte. Ob als Spielfeld für Religion, Philosophie oder andere Rituale bliebe hierbei egal. Ein Leerfeld muss nicht immer zwingend besetzt werden, selbst wenn der menschliche Forschungsdrang und Wissensdurst dies so sehr erstrebt. Dass die Redundanz unserer geistigen Kapazität überhaupt erlaubt über die reine Lebenserhaltung hinaus grosse Fragen stellen zu können, könnte ein Fingerzeig der Evolution in Richtung kosmischer Achtsamkeit sein.
Peace out.
Eisberg voraus
Nach dem antiken Mathematiker Euklid von Alexandria ist die just gestartete und bislang prima laufende ESA-Mission Euclid benannt, die in den kommenden sechs Jahren am Lagrangepunkt 2 gleich neben James Webb die mysteriöse dunkle Materie und Energie lokalisieren und beforschen soll. Euklids «Elemente» soll laut ETH übrigens das meist gedruckte Werk nach der Bibel sein. Doch ähnlich wie man von Euklids Leben sonst so gut wie nichts weiss, bleibt auch das Universum selbst weiterhin ein gigantisches Rätsel.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass im Weltall die gesamte sicht- und detektierbare Materie gerade mal 5% ausmacht, der weit überwiegende Rest jedoch soll aus dunkler Materie bestehen bzw. dunkle Energie beinhalten. Dies ist abgeleitet davon, dass sich Licht über lange Strecken einerseits anders krümmt als erwartet sowie Sterne nicht durch Zentrifugalkraft aus den galaktischen Systemen quasi herausgeschleudert werden, obwohl sie in den Enden der Spiralarme physikalisch viel zu schnell unterwegs sind. Zum anderen ist die beschleunigte Expansion des Universums noch immer nicht verstanden und die Schuld daran wird hier der dunklen Energie gegeben. Während andernorts Wissenschaftler unter Schrebergärten auf der Lauer nach dem Licht im Dunkel liegen, wird der ESA-Satellit während seiner prognostizierten Laufzeit rund ein Drittel des Himmels kartieren.
Bis dahin ein bereits acht Jahre alter Erklär-Film, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Egal wie viel Energie in den letzten Jahren bereits im LHC verfeuert wurde, ausser Higgs war nicht viel gewesen und die dunklen Teilchen blieben schön verborgen. Der Start von Euclid wiederum lag wegen dem finsteren Putin etwas im Schatten, doch Space X half nun aus und die Hoffnung bleibt, dass die Erleuchtung kommen möge, bevor uns allen der Saft aus geht.
Keine Kosmologische Konstanz
Von der Krise in der Kosmologie hört man vermehrt allerorten. So machte Sabine Hossenfelder bereits seit Längerem darauf aufmerksam, dass es eine geradezu unwissenschaftliche Versessenheit wäre, mit Symmetrie und mathematischer Schönheit im Universum zu rechnen. Die theoretische Physik beispielsweise würde Teilchen bzw. Abläufe und Schemata quasi «erfinden», damit die Theorie wiederum zu den Teilchen et vica versa passt. In der experimentellen Teilchenphysik würden Dinge studiert, von denen man gar nicht wisse, ob es sie überhaupt gäbe. L’Art pour l’art quasi. String-Theorie und Multiversum nur Hilfsausdruck für Hilflosigkeit. Seit geraumer Zeit sei nichts mehr handfest gemessen oder bewiesen worden, was nun des Rätsels Lösung – die Relativitätstheorie stimmig mit der Quantenphysik zu vereinen — näher gekommen sei.
Lambda Grossmeister
Im Gegenteil: alle Messungen zeigen, dass das beschleunigt expandierende Universum sowie Alter und Zustand der diversen Typen von Galaxien und Sternhaufen experimentell nicht zu erklären sind. Dunkle Energie und Dunkle Materie würden zwar in die Gleichung mit eingerechnet und doch geht diese einfach nicht auf. Die Berechnung der Hubble-Konstante liefert dabei ganz unterschiedliche und verwirrende Resultate. Neue und bessere Teleskope, verfeinerte Messungen und mehr Empirie chaotisieren eher als dass sie ordnen. Populärwissenschaftlich bringt es Harald Lesch verständlich auf den Punkt, nämlich dass es momentan schlicht kein Lösung gibt und satte 95 Prozent der Materie des Universums weiterhin sprichwörtlich unbekannt im Dunklen liegen. Womöglich wird die Ausgangslage (Bing Bang) falsch interpretiert, womöglich gelten die physikalischen Gesetze doch nicht überall gleich, womöglich ist unser Blick in Zeit und Raum verzerrt.
Der Endkampf zwischen Materialismus und Mystizismus jedenfalls scheint weiter unentschieden.
Präsolare Körner
Zusatzfrage:
Es heisst:
Während des Urknalls herrschte eine Temperatur mit 10 hoch 32 Grad Kelvin.
Wieviel ist das in Grad Celsius?
neunundneunzig Quintillionen
neunhundertneunundneunzig Quadrilliarden
neunhundertneunundneunzig Quadrillionen
neunhundertneunundneunzig Trilliarden
neunhundertneunundneunzig Trillionen
neunhundertneunundneunzig Billiarden
neunhundertneunundneunzig Billionen
neunhundertneunundneunzig Milliarden
neunhundertneunundneunzig Millionen neunhundertneunundneunzigtausendsiebenhundertsechsundzwanzig
Komma
fünfundachtzig Grad Celsius.
Astronomy Picture of the Day
Das beobachtbare Universum gemäss der schicken Bearbeitung bei Wikimedia (dort klickbar!). Mehr eindrückliche Bilder und Fotos gibt es täglich frisch & neu bei der NASA. Von klein nach gross wird das Weltall in der Sendung Sternzeit vom DLF dekliniert.
Sternstaubneutronen
Zu Beginn allen Seins war das Nichts. Die absolute Leere. Dann wurde diese Leere angefüllt mit einem Hauch von Energie. Diese Energie durchwehte die Leere von links nach rechts, von rechts nach links. So schwankte sie hin, so schwankte sie her. Dabei wurde die Energie immer unruhiger, immer aufgewühlter, immer aufgeregter. Bald flatterte sie durch das Nichts, aber sie konnte nicht heraus. Denn es gab kein Aussen. Da wurde die Energie so stark, dass sie schliesslich die Leere zerriss. Als die Leere platzte, gebar sie Raum und Zeit, Materie und Antimaterie. Und eine einzige, wilde Urkraft, die all das zusammenhielt. Denn es war der Beginn allen Seins, von Natur und Leben, bis hin zu jedem einzelnen Menschen. Die Geburt des Universums.
(aus: Der Urknall – Ein physikalischer Mythos, SWR2 Wissen 2022)
Wie sich Wissenschaft quasi selbst mythologisiert, ein interessantes Feature zum Hören und Lesen. Moderne physikalische Annahmen erzeugen immer exotischer klingende Theorien, immer mehr neu erdachte Teilchen, welche kaum verifiziert, geschweige denn gemessen oder gesehen werden können. Geisterteilchen nur Hilfsausdruck. Schon weil das Dunkel von Energie und Materie selbst vom Urknall nicht erhellt wird. Wobei dieser sowieso im Dunklen verharrt, Stichwort Ereignishorizont.
Plump verkürzt: als Antagonist vom Wissensschatz produziert Wissenschaft mehr Fragen als Antworten.
Next Impact
Am Freitag den 13. April 2029 werden sich die Erdbahn und die Flugbahn von Asteroid Apophis kreuzen – bei einem Abstand von ca. 10% der Monddistanz, also knapp 37.000 km wird der auf 330 bis 370 Meter geschätzte steinerne Brocken bei guten Bedingungen sogar für das Auge sichtbar sein. Was dann noch knapp vorbei gehen sollte, könnte beim folgenden Date in 2068 zum Streifschuss, wenn nicht Volltreffer werden.
Die Prophezeiung der Nachtigall
Neuesten Bahnberechnungen zufolge ist momentan eine jährliche Verschiebung von 170 Metern Richtung Heimatplanet erkennbar, was der fortwährenden Annäherung des kosmische Besuchers an die Sonne geschuldet ist. Sollte diese Abweichung weiter anhalten, wird der Superbolide aka Gott des Chaos zumindest durch die die Erde umzäunende Satelliten-Hecke fräsen. Allerdings wird das noch zuvor anstehende Rendezvous 2029 einen bislang nicht gesicherten Effekt auf die künftige Reise des Erdbahnkreuzers haben. Vielleicht fungiert ja die jüngst aufgefundene Metall-Stele in den Bergen Utahs als Peil- oder Störsender. Entfernt.
Im Worst-Case-Szenario stünde jedenfalls die prophetische Brigade im gut getarnten Nachtigall-Imbiss zur fatalistischen Schicksalsdeutung allzeit bereit. (edit 2020-12-01) Oder eine Ersatz-Stele.
Himmelszeichen
Astrologische Rätselrunde schafft es zumindest in den Untertitel:
Zum Glück sind es immer noch Astronomen, die Kometen entdecken und beobachten. Astrologen sind oft in Kreuzberger Falafel-Buden zu finden, und haben im Frittierdunst metaphysische Erwartungen nebst spiritueller Erscheinungen. Jedenfalls ist der sich im «Todeskampf am Abendhimmel» befindende Komet ATLAS sehr bald wieder zerbröselte Geschichte. Der neue kosmische Held am Frühjahrshimmel heisst nun zwar nicht Mahdi, sondern wissenschaftlich trocken C/2020 F8 SWAN, aber wäre so gerade noch mit unbewaffnetem Auge beobachtbar, falls er sich von unserer Sonne schön erwärmt nicht ins Nichts vaporisiert.
Touchdown
Eine sehr aufwändig komponierte Dokumentation der neuntägigen Apollo 11 Mission zum Mond und zurück in Echtzeit ist dort abrufbar.
Intermeditation
Was warum wie aussieht, wenn der Blick auf bzw. in ein Schwarzes Loch fällt, zeigt dieses kurzweilige Erklärvideo in erkenntnisreicher Weise. Richtig schräg wird die Sache dann gegen Ende, sobald die Anschaulichkeit quasi von hinten durch die Brust direkt ins Auge geht.
If you feel you are in a black hole, don’t give up.
There’s a way out.
New World Order
Planetengeburtstationen as seen by ALMA
(Atacama Large Millimeter/submillimeter Array)
Eiszwerge
Mit Peanut Ultimate Thule als Planetesimal hat die NASA ihren Spass. Mal schauen, was für Früchtchen im Kuipergürtel noch auf die Sonde warten…
Wandelsterne
Ursprünglich sollte die Kometenmission Rosetta der ESA den (nach Klick!) zeitgerafft rotierenden 4P/Wirtanen besuchen. Durch eine Fehlfunktion einer Ariane-Rakete war das Zeitfenster für einen Besuch nicht mehr einzuhalten, sodass stattdessen bekanntlich Churyumov-Gerasimenko anvisiert und der Kometenlander schliesslich dort ausgesetzt wurde.
Farnham et al. (CBET 4571) report a rotation period of 8.91 hr, based on the coma morphology seen in CN (see figure). Repetition over at least eight rotations is consistent with a conjecture that the nucleus is in a state of simple rotation. (University of Maryland)
Mitte Dezember wird sich der periodisch umlaufende Wirtanen der Erde bis auf 30 Mondentfernungen annähern und unter Umständen sogar fürs unbewaffnete Auge in der Nähe der Plejaden sichtbar, aber kein Vergleich zu solch grossartig leuchtenden Vorbildern wie Hale-Bopp anno ´97 sein. Das schafft auch nicht das Kunstprojekt Orbital Reflector, welches just mit einer Falcon 9-Rakete in eine Umlaufbahn gebracht wurde und ähnlich hell wie die Sterne im Grossen Wagen (Bär) leuchten soll. Mal schauen.




















