Weltraumschrott live? Klick aufs Bild!
Obacht – wichtige Durchsage:
Weltuntergang doch zwei Tage früher – die Lustigen Jungs haben sich 1954 leicht verrechnet.
Darstellung der komprimierten Zeitläufte im Universum durch Thomas Boller
Knackis keltern Württemberger
«Für aktive Geniesser» – dort der kompletten Werbesprech.
entropie ist schön
das gegenteil ist schön
wachstum ist schön
veränderung ist schön
dasein ist schön
ordnung ist schön
das gegenteil ist schön
materie ist schön
energie ist schön
botanik ist schön
sanskrit ist schön
das gegenteil ist schön
verzieht ist schön
irrtum ist schön
bedeutung ist schön
wahrheit ist schön
das gegenteil ist schön
entropie ist schön
Eugen Gomringer (1925-2025)
Betschart Mauro vom STV Schwyz siegte im Stossen mit der 83,5 kg schweren Kartoffel beim ESAF 2025. Mit 3,98 Meter waren dies gerade mal 3 cm Vorsprung auf den Zweitplatzierten, welcher noch im Vorkampf den 21-jährigen Schweizer Rekord um 5 cm auf 4,16 Meter steigerte. Der neue Rekordmann übertrat leider bei seinem letzten Versuch den Balken, was ihn wohl den Sieg kostete.
PS: Schwingerkönig 2025 wurde ein lachender Dritter, da der Schlussgang unentschieden endete.
Es begann alles mit dem glatten Bruch der Schneide vom Buttermesser, welches im Einsatz kurz nach 5 Uhr knallend überraschte. Das Ersatzwerkzeug noch frisch eingeschweisst und wie üblich derart scharf, dass ein Stück Fingerkuppe beim Rüsten der Marschverpflegung daran glauben musste. Schmerzhaft wie immer, wenn ein nagelneues Victorinox-Küchenmesser zur Einweihung einmal mehr nach einem Blutopfer verlangt.
Eine zweite Ermahnung dann kurz nach Abmarsch am Quellwasser gespeisten Trinkbrunnen (über 300 alleine in Zürich, dienen für den Notfall, falls Strom ausfällt) direkt an der Bähnlistation, aus dem das Wasser nurmehr sparsam tröpfelte und die Trinkflasche entgegen des üblichen Rituals nur zur Hälfte gefüllt werden konnte, bevor die lautstark piepende Barriere zur Weiterfahrt mahnte.
Schreck Nummer drei dann in einer Aufwachphase im wieder-in-den-Schlaf-wiegenden Zug kurz vor Bern. Strompech! Ohne ausreichende Akkukapazität wird die Tour kaum zu machen sein, GPS und Rega sind ziemlich starke Sauger und safety first. Dank intensivem Studium von diversen Fahrplänen wurde per goldenem Schnitt die Möglichkeit Interlaken lokalisiert, wo mit einem ungeplanten Zwischenstopp der Kauf einer Stromquelle mit lediglich einer knappen Stunde Zeitverlust quasi en passant möglich war. Wetterbedingungen immer Nummer eins bei der Planung. Akku gleich auf zwei. Dann erst Proviant und Kleidung.
Die zweite Hochdrucktour der Saison sollte also ins Berner Oberland oberhalb des nach Grindelwald führenden Tal der Lütschine gehen. Grossartige Panoramen nach unten und oben wären garantiert. Mit einer schmucken Zahnradbahn ging es in der Holzklasse für alle gemächlich auf die Schynige Platte. Mit dabei eine Omnibusladung Magyaren, die vergnügt ohne Unterlass feixten, quatschten und ihre unbeschwerte Fröhlichkeit als pensionsberechtigte Golden Ager im Urlaub ungeniert auslebten. Deren Fröhlichkeit war fast ansteckend, während der Mitfahrer direkt neben mir mit einem kleinen aber lärmenden Akku-Van eher irritierte. War das ein weiteres Zeichen?
Meinereiner stutzig zwar, doch weiter wohlgemut, unterstützt durch kurze Lichtblicke unterwegs, welche erste Ausblicke auf das Epizentrum vom Vortag und das imposante Dreigestirn gaben. Eine einladende Raststätte für ein eventuelles nächste Mal kam in Sicht, diverse Leasingobjekte lungerten wohlfeil in der Flora während die prima gealterte Zahnradbahn gemütlich weiter rumpelte.
Oben dann ein uriger Empfang ganz nach dem Geschmack vom Tourismusbureau. Sämtliche Mitfahrenden entzückt ob des heimeligen Willkommengrusses. Die Alphornisten posierten gutwillig für Selfies bevor sie die Instrumente für den nächsten Gruss ablegten. Die eine Hälfte der Zahnradreisenden schwenkte direkt nach links zur Buvette, die andere Hälfte nach rechts oben in den angelegten alpinen Garten.
Der dritte Weg führte über die Geleise geradewegs in die Hochnebel-Landschaft, erste Orientierung sollten laut Plan die hoffnungsvolle Blicke auf die Majestäten gegenüber geben. Ob sich der Hochnebel doch noch lichten würde? Eher trübe Aussichten oder war dies bereits Menetekel Nummer vier? Letzte Gondel talwärts 18 Uhr, ein Zeitvergleich mit dem GPS-Tracking bestätigte trotz aller Startschwierigkeiten immerhin zwei kleinere Pausen. Nach einem guten Stück Bergweg dann wieder Alphörner – interessant, tönt aus der Ferne fast besser und damit war klar, dass der nächste Zahnradexpress mit Tagesausflüglern angekommen war.
Der Pfad wieder einmal sehr steinig, dafür garniert mit allerlei Berg- und Talseen, an deren Türkis man sich nie wirklich satt sehen kann. Die umgebenden Bergwände erinnerten an Meeresgestade, doch sind bestimmt eher Wetter, Wind und Wasser in sämtlichen Aggregatszuständen für die sanft gezogenen Narben verantwortlich. Der felsig-spitze Untergrund lies zunehmend an der Schuhwahl zweifeln, Terrain verlangte eher stabile Ortler als den Renegade. Manko Nummer fünf schon.
Immerhin liess das Dreigestirn in Sichtweite während des unablässigen Schleiertanzes denselben kurzfristig fallen, was Freude pur erzeugte. Das Schreckhorn aus leicht anderer und versetzter Perspektive dagegen fast gewöhnlich, da es nur wenige Tage zuvor bereits durchs Bild lief. Die Höhensonne briet munter weiter, der Schritt zwar immer geschmeidig, doch allmählich nimmer ganz so trittsicher auf dem endlos losen Gestein.
Für die nötige Atempause wurde dann pünktlich zur Halbzeit eingekehrt, einfache Hütte auf 2.3 und da das gute Pfund von und mit Dr. Birchler noch immer sättigte, tat es eine zu kalte Cola, um den Blutzucker für den noch steileren zweiten Teil der Passage parallel in die Höhe zu treiben. Zugegeben leicht fahrlässig und etwas pervers. Das permanente Aufstossen während dem nächsten Teilstück sorgte nachträglich für ein ziemlich schlechtes Gewissen. Reiner Frevel, kommt mit auf die Liste auf Position sechs.
Weiter immer weiter, genau wie das Wetter immer mehr zu machte. Frühstart in den Bergen immer angesagt, weil am Nachmittag die Bewölkung tendenziell zunimmt. Doch der Zeitverlust wegen Strommangel konnte nie ganz wett gemacht werden. Die vermehrte Eintrübung sorgte für leichte Erzürnung, zumal der Balkonblick just hier versprochen war. Ein Sek-Lehrer mahnte zur Mässigung, Schicksal immer noch härter.
Mit 89 Wetter vermutlich besser. Der überflüssige Zorn wurde am Weg abgeleitet, ohne Stock gings weiter über Stein. Eins, zwei Munkenpfiffe waren hörbar, links ein Steinadler gerade noch zu erkennen, doch das Faulhorn weiter im Dunst.
Das Faulhorn wurde im 19. Jahrhundert als «Damengipfel» bezeichnet, weil es keine alpinistischen Schwierigkeiten bietet. Sein Name hat jedoch nichts mit der Faulheit zu tun (der Aufstieg ist nämlich trotz allem recht anstrengend), sondern geht auf die lockeren Gesteinsschichten aus Mergel und Schiefer («Fulen») zurück, aus denen der Berg besteht.n
Die bittere und nüchterne Erkenntnis, dass der Höhepunkt besser ausfallen würde wich der Freude über den Zeitgewinn gepaart mit dem insgeheimen Versprechen, dem Damengipfel ein anderes Mal die fällige Aufwartung zu machen. Dann aber sollte die kostbare Zeit etwas besser und v. a. korrekt eingeteilt werden. Auf der Mängelliste die Position Sieben.
Imponierend wie kurz nach der Passhöhe ein Velofahrer ohne Motor hoch strampelte, meine aufmunternd gemeinten Allez-allez-allez-Rufe tapfer ignorierend.
Das Ziel nun klar vor Augen, stramm den Bergweg schleifenförmig abwärts, dabei im freien Gelände möglichst schneidend, nur um die eine oder andere Sekunde fast wie bei der Frankreichrundfahrt emsig zu hamstern wurden die Entgegenkommenden immer auffälliger und mehr. Ausflügler mit Sneakern, weisse lange Kleider und ebensolche Schlaghosen, Fotodrohnen über lagernde Picknicks. Unsicher staksende Touristen auf kaum steilen Wiesen, Ahs und Ohs wenn die gegenläufigen Massen bauchnabelfrei den Bergsee erblickten.
Abgekämpft und durchgeschwitzt mit laktatgesättigter Muskulatur kam ich mir langsam selbst wie ein Alien vor. Kein freundliches Grüezi mehr, arabisch-indische Sprengsel hier, russische Jeunesse dorée floskelte dort – wo bin ich denn hier gelandet?
Die angepeilte Bergstation in Kilometerferne hatte die Antwort in Form einer Warteschlange parat. Den Skywalk besser rechts liegengelassen und so schnell wie möglich wurde die Gondel bestiegen und nichts wie weg. Später im Tal dann völlig irre – Massen schoben sich durch ein kitschiges Grindelwald, eindeutig Kulturschock. Die Wildheit, Schroffheit und Einsamkeit in der Bergwelt, ausgelöst durch schiere Distanz und nur für einen Tag ausgeliehen, verlor sich abrupt. Ein kurzer Stopp im Dorfladen wegen kulinarischer Andenken unterbrach den Trubel.
Die Pöstlerin am Bahnhof Grindelwald entgegnete auf die Frage, was denn hier los sei nur lapidar «Es ist einfach zuviel.» Sie wohne nicht in Grindelwood und wäre froh darüber. Dito, doch kam die letztliche Erkenntnis erst beim Heimwärtsschaukeln. Touri-Hotspot CH halt oft spektakulär und Schönheit liegt immer in den Augen der Betrachterin und wo viele Lifte, da auch viel Leute.
Eigentlich ja Schnapsidee mitten in der Ferienzeit in die Titlisregion zu reisen, reiner Touri-Hotspot nach Pilatus und Jungfrau. Doch die guten Trainingsleistungen im Trockendock nahe dem Erholungsgebiet rund um die Teamunterkunft von Frau Gwinn & Co. erlaubten der Formkurve, dem Schönwetter und Blutdruck gemeinsam einen saisonalen Belastungstest einzufordern. Zudem konnte bei der langen Anfahrt beim Auffüllen der Akkus durch Müeslienergie im Zubringer gemütlich unterwegs mittels Karte die Tour manifestiert werden.
Von Engelberg in der Obwalder Sackgasse kann direkt auf gut Dreizwei geliftet werden inklusive Gletscherreste und in-die-Ferne schauen. Doch nach einem really amazing Palaver mit einer jungen New Yorkerin auf Europe-in-eight-days war an der Mittelstadion der vorzeitige Ausstieg geplant.
Have a nice one und und erst mal die örtliche Kapelle ansteuern, Alpsegen nie verkehrt.
Vier-Seen-Wanderung verhiess die alpine Planung, doch nervten die Tandemflüge der Helikopter schon etwas, welche unablässig Baumaterial auf den Gipfel vis-à-vis hievten. Klar, renovieren nur im Sommer während dreier Monaten möglich, doch vom Pfeifen der Murmelis war so anfänglich rein gar nichts zu hören. Gut ging es abseits des ersten Sees gleich den Pfad bergan und zwar ohne Bahn, die seitlich versetzt die verwöhnte Kundschaft (v. a. viele viele Biker!) bediente.
Zusammen mit den Helikoptern donnerte alsbald noch eine ganze Fliegerstaffel durch die Lüfte, Pilatus-Werke und Krieg sind bekanntlich beide nicht weit und etwas später dann bereits am dritten See jagten brüllende Düsenjäger vom Fliegerhorst Meiringen aus dem Nachbartal in Formation durch die Lüfte. Die spinnen die Flieger – vielleicht gibt es über die fehlfinanzierten F-35 sogar eine Wiederholung der Volksabstimmung!
Unterwegs bloss die Aussicht nicht vergessen, jawohl – trotz Lärm prächtig und angesichts der schweisstreibenden Anstrengung immer sehr belohnend fürs Auge & Gemüt. Natürlich dabei weiter aufmerksam auf mögliche Gefahren achten und drum besser wieder volle Konzentration am Berg! Auch weil die Downhill-Biker kaum bremsen und sowieso mächtig Betrieb auf der Piste war. Die Fokushose sass mindestens so stramm wie bei der berühmten Flugkünstlerin Frau Berger. Stets freundlich wurden sowohl die Entgegenkommenden wie die mit Geschwindigkeitsüberschuss Überholenden grosszügig vorbei gelassen, dabei immer schön grüssend und allmählich kam der Körper in der leicht berauschenden Höhenluft ganz gut in Trab. Von Pilatus lernen heisst siegen lernen.
Ab Jochpass endlich etwas ruhiger, die Baustelle Titlis lag quasi im Lärmschatten. See Nummer zwei recht idyllisch. Ach Natur, wie machst du das nur. Der Halbmond harmonierte zusammen mit den Wolken prächtig in der Kulisse und gut gibt es hier nicht so durchgeknallte Baumpiraten wie manch andernorts. Schmuck auch die zentralafrikanischen Medizinmann-Maske, die es wohl dank der Tektonik in der letzten Eiszeit hierher geschafft haben muss. Ein fürwahr verblüffender Fund!
Mitten in der Tour gerieten dann die stolzen Viertausender in den Blick und die stille Einsicht dräute, dass es mit jenen Majestäten in diesem Leben leider nichts mehr werden würde. Ausser ich zöge tapfer durch und bestätige so die späte Serie. Dann wäre mit 70 gar ein Fünfer fällig, völlig utopisch.
Die nächste Kapelle überraschte mit einer pilgernden katholischen Landvolk-Truppe aus Franken, die just ein Taizé-Lied anstimmten als ich den Raum betrat. Text und Melodie waren bekannt und so konnte wohlgemut in das Loblied eingefädelt werden. Ein kurzes und herzliches Gespräch über Gott und die Welt und das Wetter folgte, bevor der Blick auf ein Detail im Fenster etwas irritierte. Gut, braucht ein wenig teutonische Phantasie, doch sind da gewisse Ähnlichkeiten zu erkennen oder ist es eine der Höhenluft geschuldete Fata Morgana? Reines Blasendenken oder gar völlige Reizüberflutung?
Ja, die Sinnesreize werden schon mächtig gekitzelt auf so einem Gang und das ist auch der Grund der Mühen. Die Atem- und Bewegungsübung im freien Gelände lässt die Seele prima durch schnaufen, dem Geist eine freie Hand und das Herz weit werden. Einzig die Zeit bei je dreistündiger An- und Rückreise als Tagesausflug etwas arg knapp bemessen. Genusswandern geht anders. Doch die Marschtabelle eben gnadenlos und das Postauto wartet nicht. Zudem schwanden die Kräfte, zwei Drittel mit 11 km Distanz plus eineinhalb Tausend Höhenmeter in den Beinen mahnten allmählich zur kurzen Rast und Stärkung bevor das letzte Teilstück im Endspurt angegangen werden sollte.
Fast wäre es danach noch zu einem Stierkampf gekommen, doch als bekennender Angsthase weiss ich die riesigen Viecher grosszügig zu umrunden und sämtliche Sensoren in der Nackengegend aktiv zu halten. Bei solchen Hörnern selbstredend (und v. a. beruhigend zu dem mächtigen Tier!) und sowieso.
Am letzten See im Zielgebiet verhalf ein Panoramalift zu einer fünfminütigen Abkürzung, der Steinbock grüsste ein letztes Mal und das Murmeli zeigte zum Abschied freundlich die Zähne. Melchsee-Frutt wie Pilatus sehenswert, doch recht überlaufen, bei allem Verständnis für die paradoxe Praxis des real existierenden Kapitalismus im alpinen Gelände. Bautrieb schlägt urig.
Der Winter darf dort auch mal getestet werden, dann aber sicher ausserhalb jeglicher Ferien- und Flugzeiten. Zuhause dann die doofe Erkenntnis, dass Anfängerfehler wie im Fussball immer wieder passieren – komplett die Rückseite der Waden ignoriert und über Zwei ist UV gnadenlos, ich schwör. Reiner Redcalf halt.
In einem kurzweiligen Theaterstück wurde in Heilbronn das Pershing-Unglück im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses vor 40 Jahren verhandelt. Ausschliesslich Original Dokumente in Form von Bundestagsprotokollen, Präsidenten- und Ministerreden garniert mit Gemeinderatssprech wurden collagenhaft mit Slogans und Liedern der damaligen Friedensbewegung geschickt verwoben. Die gemeine Stimme von der Strasse durfte natürlich auch nicht fehlen.
Lieber eine Pershing im Garten, als einen Russen im Bett.
Rasch kippte jedoch die öffentliche Meinung und es kam zu Demonstrationen und Blockaden der US-Einrichtungen auf der Waldheide durch viele selbst eher konservative Bürger. Der Gemeinderat sprach sich einstimmig gegen den atomaren Stützpunkt aus. Reichlich kurios die Flucht des damaligen Verteidigungsministers Manfred Wörner aus dem Rathaus der Stadt vor aufgebrachten Einwohner über eine Hausmeisterwohnung und die Tiefgarage. Da er ihnen nicht Antwort und Rede stehen wollte wurde er klandestin nach draussen verbracht, wo er grusslos mit seiner Limousine flugs entschwand. Muttern bestätigte die Anekdote als wäre es gestern passiert, der städtische Hausmeister war wohl ein Bekannter…
Beim betroffenen Zeitzeugen wurden dunkle Erinnerungen wach – die Stationierung von Atomwaffen erzeugte quasi spiegelbildlich eine lokale Zielscheibe. Durch ein militärisches Planspiel namens Proud Prophet wurde bereits 1983 recht schnell deutlich, dass ein Konflikt zwischen NATO und Warschauer Pakt die reine Hölle auf Erden erzeugen würde und für keine der beiden Seiten zu gewinnen wäre. Es folgte ein radikales Umdenken der Reagan-Administration mit konsequenter Abrüstung des atomaren Overkills. Die letzten Pershing-Raketen verliessen Heilbronn schliesslich 1990 mit einer etwas paradox anmutenden Grussbotschaft.
Die ganze Absurdität der damaligen Zeit wird mit einem Blick auf die aktuelle Situation im Epilog des Schauspiels nochmals akzentuiert, wenn auf der Bühne klar und deutlich proklamiert wird, dass auf NATO-Gebiet aber auch in China, Russland, Iran und Indien mehr und mehr moderne Hyperschallraketen stationiert werden und so dem atomaren Tod wieder frischen Schub verleihen.
Die fünf jungen Darsteller:innen des Recherche-Stückes performten mitsamt diversen Gesangseinlagen («Marmor, Stein und Eisen bricht, In′s Gras wer ma beissen, ob’s uns schmeckt oder nicht. Alles, alles geht vorbei, durch die Pershing zwei») jedenfalls famos und genossen den langanhaltenden Applaus des Publikums völlig zu Recht.
Ein prima redigiertes und arrangiertes Stück jüngerer Zeitgeschichte!
Anlässlich der GV vom Kapellenverein konnte ein erfreulicher Formtest durchgeführt werden. Knappe Viertelstunde unter der Marschtabelle mit kontrolliert pochender Arteria carotis. Uri wie immer urchig mit sehr geschicktem Postautochauffeur, welcher den Verkehr auf den haarigen Serpentinen gekonnt und prima regelte. Die Bise blies böig über den hängenden Restschnee und drum blieb der Grill trotz der üblichen Cervelat-Reserve leider kalt. Gut waren die Apéro-Plättli im Vereinsheim ausreichend.
Nach der Brabbelkiste ist die Vorfreude auf augenzwinkernde Kunst riesengross! Mehr Hintergrund und Informationen zum explosiven Appenzeller Künstler gibt es gleich dort.
Eine linke widerständige Bewegung kommt vom theoretischen Ansatz her seit den 1960ern immer aus Bildungsmilieus und eine rechte aus einfacheren, nichtakademischen Milieus. Die Linke orientiert sich an Zukunftsutopien, die Rechte an Vergangenheitsmythen. Ersteres ist komplexer. Im Moment herrscht Drang nach weniger Komplexität und Sehsucht nach „alter Männlichkeit“, also gibt es Raum für rechts.
Trump ist aber kein Rechter, das sollte nun langsam klar sein! Der ist nur am eigenen Ruhm und Nutzen orientiert und wendet sich opportunistisch wo immer nötig. Im Moment gibt er den Rechten Zucker, da sie ihn unterstützen, da sie es waren, die zu seinen Gunsten das Kapitol gestürmt haben. Aber im Kern weiss er nicht wirklich, was er tut. Er ist eine Ausgeburt des Spektakels und hat weder Ideologie ausser „Deals“, noch kann er Theorien wirklich verstehen – sie interessieren ihn nicht, wenn er mehr als 10 Minuten reflektieren müsste. Er lebt nicht in der düsteren „Walhalla-Welt“ von Bannon und Co.
Ist es wirklich immer noch so schwierig, das Persönlichkeitsbild eines pathologischen Narzissten zu verstehen? Viele derzeitigen Anführer der Rechtspopulisten zeigen im Übrigen auffällige narzisstische und antisoziale Züge, aus solchen auffälligen Figuren kann man keine „Aufstandstheorien“ ableiten, denn sie sind ihr eigenes Universum und daneben interessiert sie nicht viel. Das „Spektakel“ produziert im Übermass Narzissten und einige schwemmt es nach oben.
Wenn wir belastbare Ansätze zur Festigung und Weiterentwicklung der Demokratien formulieren wollen, müssen wir pragmatisch gemeinsam das Beste aus den bisherigen Ideen herausfiltern, und darum aus den „Bubbles“ und unreflektierten Rollen herauskommen. Von den „Gebildeten“ kann man dafür mehr verlangen, denn sie haben in der Regel mehr Möglichkeiten zur Offenheit. Wenn linke Bewegungen das vermehrt anstreben, ist das halbe Problem schon gelöst, denn die Rechte handelt aus Positionen von Kränkung und niedrigerem Selbstwert heraus und Theorien sind nur ein Abwehrkonstrukt bzw. Aufwertungsphantasie.
Regina Probst, Kommentar in Republik
Modifizierter Toilettenwagen gesehen im Zürcher Helmhaus anlässlich der Ausstellung Wirtschaft mit Armut. Kunst ist Klasse!