Erdapfelweitstoss

Betschart Mauro vom STV Schwyz siegte im Stossen mit der 83,5 kg schweren Kartoffel beim ESAF 2025. Mit 3,98 Meter waren dies gerade mal 3 cm Vorsprung auf den Zweitplatzierten, welcher noch im Vorkampf den 21-jährigen Schweizer Rekord um 5 cm auf 4,16 Meter steigerte. Der neue Rekordmann übertrat leider bei seinem letzten Versuch den Balken, was ihn wohl den Sieg kostete.

PS: Schwingerkönig 2025  wurde ein lachender Dritter, da der Schlussgang unentschieden endete.

Sechser im Letzi

Schweizer Rekord beim Frauenfussball: 18.300 Zuschauer*innen erfroren fast wie immer im zugigen Zürcher Stadion. Eine forsche junge Schweizerin aus Barcelona ohne Stutzen sowie eine technisch elegant agierende Kielerin aus Frankfurt fielen trotz Tartanbahn besonders auf. Für die Heimfans gab es nur wenig erwärmendes zu sehen, der Gäste-Fanblock nebenan hatte dafür mehr Grund am völlig losgelösten Wedeln der Fahnen.

Wie sich die Bilder gleichen – insgesamt sechsmal ging der Blick in den Block zur Linken

Der grosse Kanton liess dabei den Gastgeberinnen der Frauen-EM 2025 kaum Chancen und netzte humorlos weil hoch überlegen gleich sechs Tore ein. Fürs Auge sehr gefällig fielen dabei gleich fünf Treffer in der hiesigen Kurve. Vorausschauend wurde die Novizin auf den Umzug zahlreicher Pressefotografen vom einen zum anderen Tor in der Halbzeit hingewiesen. Aber Fussballstadion geht anders.

Reisegefährder

Ein erheblicher intoxinierter Fahrgast trug die Jeans beinahe in der Kniekehle. Mit sich führte er eine grosse Plastiktüte voller Bierdosen. Ringsum blieben die Sitze fast alle leer, während der laute und schwer verständliche Trinker permanent Selbstgespräche führte.

Völlig verständlich, dass der gute Mann sein überflüssiges Wasser sofort nach Ankunft in Zürich HB ganz ungeniert direkt auf dem Perron brünzelte. Reine Jahrhundertflut.

Interessant aber, wie vor dem inneren Auge mit zu Beginn noch etwas leichter Unschärfe allmählich das Bild von einem zünftigen Almabzug in schlichtem Schwarzweiss erschien.

Reines Welttheater

Das traditionsreiche Welttheater auf dem Klosterplatz in Einsiedeln feiert den 100sten, wobei – genötigt durch die Seuchenjahre – die Spiele um vier Jahre verzögert erst darum punktgenau im Jubiläumsjahr landen konnten. Ein Spielvolk von 500 Laien aus dem Ort agiert unter professioneller Anleitung den Sommer über vor der barocken und gewaltigen Kulisse der Klosterkirche der Benediktinerabtei. Angelehnt an das Werk von Pedro Calderón wird das einst streng christliche Lehrstück seit 1924 ungefähr alle zehn Jahre gegeben und dabei erst seit 2000 allmählich in etwas zeitgemässere Formen überführt, was nicht ganz ohne Reibungen geschieht, da das Kloster selbst ein gewichtiges Wort bei Planung und Durchführung mitzureden hat. Für die 2020 geplante Aufführung wurde Schriftsteller und Theatermacher Lukas Bärfuss engagiert, der quasi ausgehend von der Unmöglichkeit eines Welttheaters in heutiger Zeit trotz der Warteschleife eine eindrucksvolle Interpretation schuf.

Für die vorletzte Aufführung dieser Saison konnte noch geschwind ein Ticket ergattert werden und voller Vorfreude ging es in hoch in den Kanton Schwyz, zumal das spätsommerliche Wetter versprach ebenfalls mitzuspielen. Gleich beim Verlassen des Zubringerzuges wurde – hallo Kulturschock – die würzige Landluft mit diesem leichten, dem Städter fremden Odium von mindestens Tier bis frisch ausgebrachter Jauche vor der nahenden Regenzeit olfaktorisch deutlich.

Auf der Tribüne dann direkt neben meinem Platz eine Freiwillige von Arbeiter Samariter Bund Einsiedeln, die das Stück bereits achtmal unfallfrei sehen durfte und zur Dernière anderntags verdientermassen zur Belohnung einen Ehrenplatz in der Loge erhält. Wenn ich gross bin werde ich auch Samariter…

Ein König, ein Bauer, ein Reicher, ein Armer, die Schönheit und die Vernunft sind die ursprünglich vorgesehen Parameter des spätmittelalterlichen Stückes. Eben jene symbolhaft dargestellte Metaphern seien laut der Figur des Regisseurs – welcher in der heutigen Version quasi Gott ersetzt – nicht gewillt weiterhin mitzuspielen. Die Geschichte sei schlicht auserzählt und das Welttheater daher abgesagt heisst es lapidar. Ein Junge und ein Mädchen sind für die Rolle der ungeborenen Kinder eingeplant und daher über die kurzfristige Annullierung masslos enttäuscht. Das junge Mädchen möchte die Absage jedoch trotzig nicht akzeptieren, will unbedingt spielen und nur dank ihres unbändigen Willens sowie der gütigen Mithilfe einer harlekinesk die Welt verkörpernden Schauspielerin beginnt der Reigen dann doch noch. Die ehrwürdigen Protagonisten akzeptieren und nehmen ohne weiter mitzutun in ihrer den Kontrast zur Jetztzeit verstärkenden altertümlichen Kostümierung auf einer Seitenempore eine passive Zuschauerrolle ein, nur um im Verlauf des Abends eine(r) nach dem anderen abzutreten, um derart szenisch einen Punkt oder gar Rufzeichen zu setzen. Bemerkenswert: lediglich die Schönheit verweilt bis zuletzt im Stück und räumt ihren Platz nicht.

Das junge Mädchen wird im Verlauf des Stückes mehrmals durch jeweils ältere Versionen bis hin zur Greisin ersetzt und allen gemeinsam führt das Streben nach Glück, Macht, Reichtum und Schönheit durch Höhen und Tiefen bis zur finalen Erkenntnis der eigenen Endlichkeit. Der Kreis schliesst sich, als alle Versionen des Mädchens zusammen auftreten, die älteren Versionen vom Tod begleitet abtreten und nur das Mädchen unbedingt weiter «spielen» möchte und lautstark nach Spielkameradinnen ruft. Nach einer kurzen Pause bangen Wartens kommen schliesslich aus allen Ecken des riesigen Platzes Kinder angerannt und das Spiel beginnt so von neuem, endet aber an jenem Abend in einem grossen Finale aller Beteiligten.

Eine tolle und wichtige Rolle spielte bei der Aufführung Musik und Gesang, live von einer vorzüglichen Kapelle mit kompetenten Sängerinnen plus Chor vorgetragen. Licht und Sound weben ein dichtes Netz, Rauch- und Knalleffekte sowie aufsteigende weisse Tauben akzentuieren überraschend und geschickt die Handlung. Die Bildersprache rauschhaft: Aufmärsche mit roten Fahnen, Verslumung durch Verelendung, martialische Totalität durch Grössenwahn, Bilderstürmerei und Klosterraub, schockierende Kinderschändung und eigene Ignoranz – alles da und nichts bleibt unerwähnt. Welttheater halt und grandios nur Hilfsausdruck für das imposante Licht- und Schattenspiel vor und auf der klösterlichen Kulisse. Mehrfach sorgen auf einer Art Metaebene slapstickhaft auftretende Bühnenarbeiter im Lauf des Stückes für eine humorvolle Erdung.

Das Mysterienspiel in jener stark modernisierten Fassung war einfach phänomenal und die Spielfreude der Laien ansteckend. Wohltuend zudem, dass an einem eigentlich recht konservativen Ort eine progressive Weltsicht soviel Zuspruch finden kann; anscheinend gar kein Widerspruch in der Ruralität oder einer, welcher womöglich nur im bornierten Städter haust. Auch das anfänglich irritierende Odium war zum Ende hin gar nicht mehr spürbar, und so ging es doppelt immunisiert wieder runter ins Tal mitsamt den vielen glücklich verzauberten und dankbaren Festspielbesuchern in einer übervollen Südostbahn.

Lughnasadh

Heute begehen wir bekanntlich ein ursprünglich keltisches Fest, welches im Neuheidentum fröhliche Urstände zu feiern scheint.

Daher zum Festtag alle wichtigen Infos in Sachen Schnittertag von Yoga-Martina. Dazu ganz tolle Rituale zum fünften Jahreskreisfest von der Annika. Und von der Julia aus Austria unfassbar hübsche Fotos und prima Tipps zum thematischen Räuchern.

Igor kanns

Zur Begrüssung hat Pianist und Kurator Igor Levit das Programm vom Luzerner Klavier-Fest kurz vorgestellt, nicht ohne besonderen Hinweis auf seinen ebenfalls politisch voll korrekten Bro, nämlich den gefährlichen Daniel, welcher am Sonnabend laut Levit nur wegen ihm sein einziges Solokonzert in 2024 spielen wird! Vermutlich wird zur Kunstfreiheit referiert und der Hobbyschweizer kann den konzertanten Vorsommer weiterhin livehaftig geniessen. Ob das Klavier eventuell mit Strom verstärkt wird, wird sich weisen dann.

Zum Aufwärmen der puren Handarbeiten am Eröffnungsabend gab es etwas Bach, gefolgt von einem hübschen Brahms-Konzert und nach der Pause die wirklich tolle Interpretation der 3. Sinfonie von Beethoven in der Klavier-Version von Liszt. Nach der gefühlvollen und heftigen viersätzigen Bearbeitung des Flügels schwappte der stehende Applaus nur so durch den Saal, Bravo-Rufe allerorten und auch sonst war für CH-Verhältnisse eine sehr ausgelassene Stimmung im Saal – alle waren hin und weg von der faszinierenden Darbietung eines wahren Könners.

Als Betthupferl gabs fürs artige Publikum noch den Mittelsatz aus der Pathétique-Sonate vom Beethoven-Zyklus zum sanften Runterkommen. Richtig wohltuend und mir war bereits vorher klar, dass der Igor zum Schluss noch einen Beethoven-Joker ziehen wird. Überragend gespielt Herr Levit!

Apropos, falls Nemo mit seiner Scheibe gewönne stünde mit dem KKL ein prima ESC-Austragungsort zur Verfügung, kleine aber feine Schuhschachtel mit überragender Akustik!

Blocherbande

Meinem Bild der Schweiz – und dem Land an sich – haben Christoph Blocher und seine Bande enorm geschadet. Ich fand es immer schon absurd, dass die, die am schweizerischsten tun, der Schweiz in den letzten fünfzig Jahren mehr geschadet haben als alle Linken und als alle die anderen, die sie sonst immer verteufeln.

Warum hat Blocher dem Land geschadet?

Ganz einfach: Er hat es polarisiert. Er hat die schon bestehende, normale, manchmal fast schon versöhnliche Polarisierung hochgezüchtet. (…) Ich habe mich mein ganzes Leben mit der Sprache befasst und weiss: Wer den Ton verschärft, will die Fronten verhärten. Und verhärtete Fronten machen ein Land mit der Zeit kaputt.

Martin Suter im NZZ-Interview

Do simmer dehei

Beim grossen eidgenössischen Anlass Unspunnenfest wurde der Abonnementsieger im Stossen mit der 83.5 kg schweren Urkartoffel Schuler Remo (SZ) von Hutmacher Urs (ZH) mit überragenden 3.98 Metern und neuem Fest-Rekord geschlagen. Dritter Im Final wurde Hunziker Simon (AG); das strenge Reglement wurde eingehalten.

Hitziges Bergeln

Die fast völlig ausgetrockenete Luft bildet die Konturen der bergigen Landschaft scharf ab. Alles scheint nah und fern zugleich. Eine temporäre Verharmlosung des Unbills der kommenden Wetter. Die anhaltende Seuche der Irr- und Umwege trotz Ortskenntnissen wurde direkt vom Hausberg importiert. Aufstieg dennoch in Rekordzeit, Tagesausflug gerettet – der Trainingsfleiss scheint Wirkung zu zeigen. Bewusste Trinkpausen erlauben dem Puls die Warnzone zu verlassen. Pater Michael empfiehlt anlässlich der Hitze zwei Bier. Die Alphörner schwören auf Wasser. Eine Warteschlange an der begehrten Grillierstation lässt nurmehr eine Cervelat zu. Die beim Warten dort angetroffene Ex-Wirtin vom Hotel Uri Rotstock war einst auf demselben. Wegen Schwierigkeitsgrad wurde der wunderschöne pyramidenförmige Gipfel bislang stets ausgeschlossene, sieht aber schon sehr verlockend aus. Der rüstige Holzhacker aus dem Isenthal inspiziert die Vorräte auf seinem gemächlichen Kontrollgang. Den frischen Ürner Chrütertee verspricht Knieweis auf Ende September. Passt perfekt zur Herbstklausur mit Handwerkstag.