Schwingermarkt

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Beim alle drei Jahre stattfindenden Eidgenössischen Schwingerfest unterlag der von Lidl.ch geponserte Seeländer Stiernacken Chrigu Stucki dem Emmentaler Sempach Matthias im Schlussgang. Obwohl Ersterer ein gutes Drittel mehr Lebendgewicht als der neue Schwingerkönig auf die Waage brachte, setzte sich Technik gegen Kraft durch. Als ich das Riesenbaby auf der Appenzeller Schwägalpschwingete erstmals leibhaftig beäugte, dachte ich zunächst er sei der Grüezini von Lidl, weil er dort auf Pappe aufgezogen lebendgross immer am Eingang rumsteht.

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Die hiesigen Statthalter von Herrn Schwarz bewiesen ein gutes Händchen, indem sie den Hünen als Markenbotschafter unter Vertrag nahmen, auch wenn dessen Vereinnahmung durch den aggressiv auftretenden ausländischen Discounter zunächst in der heimatverbundenen Schwingerszene gar nicht besonders gut ankam.

Dafür hat die Migros als Hauptsponsor des Schweizer Nationalsports nun die Genugtuung, die Königswürde weiterhin im eigenen Detailhandel fachgerecht verwursten zu können.

Ackermannzeitalter

Mitleser mainstreet philosophiert im Kommentarbereich auf Spiegel-Online zwar ohne Komma und anderen Schnickschnack, aber bei vollem Bewusstsein über die Folgen kapitalistischer Ausbeutungsmechanismen und empfiehlt Entscheidern zu­vör­derst ein gut bewährtes Ausstiegsszenario:

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Viele Menschen sagen das das Leben das einzige ist was wir haben und das man versuchen muss mit dem wenigen was wir sind und haben etwas anzufangen und es ist bedauerlich wenn sich Personen die finanziell gut gestellt sind keinen Sinn mehr im Leben sehen was auch sicherlich außerhalb des Arbeitslebens und des Arbeitsplatzes begründet sein kann weil man immer nur sieht das andere auch arbeiten und Geldverdienen und es die Hippies der Sechziger nicht mehr gibt die es immer ohne Arbeit oder mit wenig um die halbe Welt schafften und einfach zufrieden waren mit etwas Haschisch aus dem Gewächs des Hanfes. Nach einem erfolgreichen Arbeitsleben wenn man finanziell gut gestellt wäre könnte oder konnte man das dann immer noch in Erwägung ziehen. Aber die Zeiten haben sich geändert auch durch die Wirtschaft und Computer und eines erbitterten Konkurrenzkampfes wo jeder die Kosten minimiert . Gerade weil es heute Arbeit im Überfluss nicht mehr gibt wie in den sechzigern gibt es auch keine Bewegung mehr wie die Hippies die Arbeit schlicht und einfach ganz mies finden auch wenn es einen anderen Ausdruck dafür gibt.-
Aber jeder sollte daran glauben das die Hippies wiederkommen damit das Leben wieder Flower und Power wird und sich das Leben lohnt.

Eine Zeit ohne Perspektive zu Arbeit und Gewinn ist eine verlorene Zeit und natürlich kommt es auf das Verhältniss an. Selbsmorde in dieser Kategorie von Menschen deuten immer in diese Richtung und es ist traurig so etwas zu erleben auch für Herrn Ackermann und das muß man eben einfach verstehen und Aussteigen wie Herr Ackermann ist ein Weg den auch die Hippies immer bestritten und zum Glück führen kann.

Romans Horn

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Die Aeronauten sind eine ein­satz­freu­dige Nordost-Schweizer Männercombo, die — gestählt von Raum und Zeit — ihren während zweier Jahrzehnten erprobten Klanghorizont über die Hörerschaft bereiten und hierbei weder schlauen Liedtexten noch landläufigen Stromgitarren-Posen abgeneigt sind. Live lassen sie ganz gerne die Rampensau raus und unterhalten abgebrüht mit melodischem Tiefgang und witzigen Arrangements. Video-Tipp: Das Ende ist nah

Zero Points

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Update:

Wie üblich riss die Schweizer Delegation beim ESC nicht allzu viel. Was soll auch eine homophobe Freikirche beim europäischen Hochfest der Gay Community? Die Armee ohne Namen war in Malmö ohne Uniform einfach schlaff, zu brav und viel zu bieder.

Warum nur huldigen die Eidgenossen meist allzu gerne dem scheinheiligen Konsens? Der Stoiker Jack war doch ein überaus valabler Kandidat im hiesigen Vorentscheid und ebenfalls völlig neutral ununiformiert. Yeah.

Futtermischung

Bei den ausgewachsenen Schwingfest-Hauptpreisen kommt es öfter mal zu Gelenkproblematiken, was Angesicht einer schieren Masse von weit über einer Tonne Lebendfleisch auch nicht verwundert. Stutzen tat der Hobbyschweizer aber, als er vom vorzeitigen Ableben des diesjährigen Siegerstieres für das Eidgenössischen Schwingerfest erfuhr, zumal dieser ausgerechnet auf den Firmennamen des edlen Stier-Spenders, eines in der Schweiz marktbeherrschenden Kraftfutterherstellers getauft wurde. Dabei hatte das Vieh diesmal sogar eine eigene Homepage und, klärchen, ein Facebook-Fake. Traurig das. Also das und das, UND das. Es stand aber rasch Ersatz parat und so musste lediglich die Fellzeichnungs-Tapete im Internet ersetzt werden…

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Königswein für das Königstier

*Womöglich ist die Flaschenaufzucht doch etwas problematisch*

Zugzwang

Schach ist Sport ist Spiel ist Geschäft. Nach den russischen Diamanten in Zürich und dem aserbaidschanischen Erdöl in London sponsert als nächstes ein hoch diversifizier Russischer Allrounder das Spiel mit den Königen.

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Auf den 64 Schachfeldern messen sich im Kanton Zug gleich elf der Top-20 Grossmeister auf Kosten eines Herrn Vekselberg, einem gelernten russischen Oligarchen mit Wohnsitz im, ja klar — steuerbegünstigten Zug. In der aktuellen Forbes-Liste nimmt der geschäftige Dr. Victor mit schlappen 12 Milliarden Dollar den den, na? — 64. Rang ein. So kommt eines zum anderen: die Schachspieler versteuern günstig ihr Preisgeld und mit dem Zug von Zürich nach Cham geht es hin und zurück in exakt 64 Minuten.

Nächstenhiebe

Als ich unlängst mit Jim Knopf & Co. längst bestandene Abenteuer wiederholte, traf ich auch Frau Mahlzahn wieder, jene furchteinflössende Lehrerin der Drachenschule im Kummerland, welche ihren Schülern unablässig mit «Hieben» und «Karzer» droht. Für heutige Kinder müssen diese Lehrmethoden wie finsterstes Mittelalter erscheinen, dabei erschien Michael Endes Buch erst vor 50 Jahren und in der Echtzeit war die Redaktion der Schülerzeitung an meiner Schule damals tatsächlich in einer ehemaligen Arrestzelle untergebracht. Schulische Züchtigung war bereits geächtet und verboten, doch ganz dunkel vermag ich mich zu erinnern, dass es da tatsächlich den einen oder anderen Vorfall gab, der entrüstete Eltern an der Schule intervenieren liess, während andere wiederum lieber dem betreffenden Lehrer quasi „freie Hand“ lassen wollten.

Die im Gegensatz hierzu oft im Verborgenen ausgeübte körperliche Gewalt im Elternhaus ist allerdings unheimlicher. Noch unheimlicher wird es, wenn man über das harmlose klingende babywise stolpert und allerlei Seltsames über fundamental-christliche Erziehung erfährt, bei der Kinder gewaltsam zu gottesfürchtigen Wesen herangezogen werden. Auch im Grossen Kanton nebenan ist solch weltanschaulich motivierte Züchtigung momentan ein Thema.

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«Wer sein Kind lieb hat, der hält es stets unter der Rute, daß er hernach Freude an ihm erlebe. Beuge ihm den Hals, weil es noch jung ist; bleue ihm den Rücken, weil es noch klein ist, auf daß es nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde.» (SIR 30, 1+12)

Der richtige Umgang mit Kindern ist immer (wieder) eine Herausforderung, an der man viel öfter als einem selbst lieb ist grandios scheitert. Aber für manche Eltern wäre ein Hund dann doch angebrachter als ein Kind. Obwohl, womöglich bisse der dann kleine Kinder…

Das abschliessendes Urteil sei heute dem Schweizer Kinderarzt und Autor Remo Largo überlassen:
«Die Vorstellung, dass das Kind schlecht auf die Welt kommt und die Eltern ihm alles Schlechte austreiben und es zum Guten erziehen müssen, ist so alt wie die jüdisch-christliche Religion. Dahinter steckt die Angst, vom Kind überwältigt zu werden und die Kontrolle zu verlieren. So muss man einem Säugling das Schreien oder einem Kleinkind das Trotzen austreiben, damit diese Verhaltensweisen nicht immer schlimmer werden. Dahinter steckt auch das Bemühen, den Willen des Kindes zu brechen. Das Credo der antiautoritären Erziehung „Das Kind kommt gut auf die Welt“ ist genauso falsch. Die Kinder kommen weder gut noch schlecht auf die Welt. Wie sie werden, hängt vor allem von der Geborgenheit und Zuwendung ab, die sie erhalten, und von den Vorbildern, die sie im Verlaufe der Kindheit erleben.»

Feueralarm

boeoegg 2013, kinderumzug zürich 2013, sechselaeuten 2013Alle Jahre wieder wird der leidige Winter von Henkersknechten durch die Zürcher Innenstadt eskortiert und der öffentlichen Verbrennung auf dem Sechseläutenplatz zugeführt, wo Punkt 18 Uhr der Fackelwurf eines berittenen Zünfters das Ende des Schneemannes einläutet. boeoegg 2013, kinderumzug zürich 2013, sechselaeuten 2013Wenn der mit Knallkörpern gefüllte Kopf des Böögg dann endgültig pulverisiert ist, kommt es zum beliebten Volkswurstbraten auf den noch glimmenden Resten des Scheiterhaufens, was jedoch viele stolze Zünfter selbst heutzutage als pure Blasphemie weil zu anarchisch beargwöhnen. In deren patrizialen Augen ist das gemeine Volk nämlich gleich den bloss als Blumenfräuleins geduldeten Frauen sowieso reine Staffage.

Hard Rock — Hallelujah!

Takasa bedeutet irgendwas auf Kisuaheli, was sowieso piepegal ist, weil The Artist Known As Salvation Army marketingtechnisch zu offensichtlich auf wohlbekannten PR-Schleichpfaden wandelt.

Nach dem ESC-konformen Relaunch setzt nun die Eidgenössische Heilsarmee unter neuem Bandnamen und selbst ohne Uniformen eifrig ihren Vormarsch nach Malmö fort. Falls der gecastete 94-jährige Bassist, der als bekennender Salutist seit 73 Jahren eigentlich Blech bläst, bis zum Zielort durchhält, könnten wir uns nach der raffiniert eingefädelten Spenden-Sammlung Werbetour frühestens im Halbfinale von den fröhlichen Freikirchlern erlösen.

Henusode

Die Abzocker sind abgewatscht, ein zeitgemässes Familienbild ebenfalls. Obgleich 54,3 % Prozent der abstimmenden Schweizer für die Aufnahme eines Verfassungsartikels über die Vereinbarung von Familie und Beruf stimmten, bodigte die Mehrheit der Kantone die Mehrheit der Wähler.

Das sogenannte Ständemehr, also die Mehrzahl der Schweizer Kantone ist bei verfassungsrechtlichen Referenden obligatorisch. Dieses Ständemehr (10 zu 13) erteilte dem Verfassungszusatz eine Abfuhr, wobei bei diesem Verfahren eine Appenzeller Stimme genau so viel zählt wie 40 Zürcher Stimmen. Der paradoxe Konflikt zwischen Stadt und Land wird fortgeführt und weiter vertieft. Die Schweiz ist nicht nur bei der Familienpolitik konservativ, sie ist demokratisch und demographisch rückständig, weil sie sich von den fundamentalistischen Taliban in den ländlich geprägten Kleinkantonen der Deutschschweiz aus falsch verstandenem Minderheitenschutz dominieren lässt.

Um die Eidgenossenschaft vor zwangs-kasernierten Kindern zu warnen, trumpfte die SVP wieder propagandistisch gross auf. Die Rechtspartei konnte sich dank spendabler Alt-Abzocker locker leisten, die Haushalte in der Romandie und Deutschschweiz mit einem „Extrablatt“ zu beglücken:

SVP Staatskinder, SVP Kampagne 2013, SVP Schweiz Familie

„Papa, warum sind die Kinder eingesperrt?“ (Kind, 4 Jahre)

Tatsächlich ist in der Schweiz die traditionelle Rollenverteilung Mann arbeitet, Frau kocht weitgehend intakt. Der Hobbyschweizer trifft bei Kinderbespassungen fast ausschliesslich Mütter. Im Grossen Kanton standen Frauen während zweier Weltkriege ihren Mann an der Heimatfront und sorgten so für ein neues Rollenverhältnis mit allerdings überraschend deutlichem Resultat: Männer waren doppelte Verlierer, im Heim- wie im Auswärtsspiel. Nur kurzzeitig liess sich dieser Bruch im Rollenspiel kaschieren und spätestens mit der Studentenbewegung hatte der gesellschaftspolitische Rollenwandel endgültig Fahrt aufgenommen.

Mittlerweile wird jenseits des Rheins bereits über eine zunehmende Feminisierung der Gesellschaft durch Erziehung und Bildung diskutiert, während hier Kinderkrippen noch als staatlicher Gulag geschmäht werden. Das ländliche Familienideal funktioniert aber im urbanen Umfeld kaum, stattdessen entwickelt sich zumeist eine Patchwork-Situation, die ganz nebenbei eine solide Sozialkompetenz antrainiert.

In der Metropole Zürich ist das Dilemma der Landeier hingegen allgegenwärtig, wenn jene als angehende Szenis in der Stadt aufschlagen und als gequirlte Autoreferenz landen.