Yom Huledet Sameach

Vor 110 Jahren wurde der Sänger Joseph Schmidt geboren. Bald nach seiner Übersiedlung in die Reichshauptstadt Berlin erlebte er dank Rundfunk und Schellack einen rasanten Aufstieg. Die Machtergreifung 1933 führte jedoch zu einem abrupten Ende seiner Karriere in Deutschland, gefolgt von zahlreichen Etappen der Vertreibung und Flucht.

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Bis vor Kurzem hatte ich keine Ahnung, dass der berühmt-vergessene Tenor ein Nachbar ist. Gleich nebenan auf dem Jüdischen Friedhof haben Schweizer Freunde ihm die letzte Stätte bereitet, nachdem er auf der Flucht vor dem Grossdeutschen Räuber- und Mördersystem völlig ermattet nicht mehr weiter konnte. Gerade mal 38 Jahre jung ist Schmidt geworden — sein Stern aber strahlt weiter!

TAZ lügt

Kaum Wartberg und das Kiliansmännle arg frech beschnitten:

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Gehts noch?

Bei der Bildbearbeitung muss wohl ein zu grünem Star neigender Volontär der Schülerzeitung aus der Berliner Rudi-Dutschke-Strasse hospitiert haben, anders ist diese infame Freistellung überhaupt nicht zu erklären.

Spätestens wenn mein früherer Schulkamerad als Ministerpräsident einer dann schwarz-grün-grossen Koalition heimgekehrt das Abendmahl in der Kilianskirche empfängt, wird das negierte Männle wieder auferstehen und sich mit Standarte im Wind drehen. Und der wird drehen, ick schwör!

Deutschlandtrend

In der Deuschschweiz wird zur Zeit tüchtig für Deutschland als Ferien/Urlaubs-Destination geworben. Zwar war und ist Berlin immer Thema reisefreudiger Zürcher, doch schon vor den letzten Sommerferien erstaunte mich das jüngst offensichtlich stark gestiegene Interesse an Wattwanderungen und Chiemgau. Ist das Währungsgefälle etwa noch stärker als die Gezeiten? Selbst von Schweizer Bekannten wurden meine Qualitäten als Reiseführer in Sachen Deutschland angefragt, obwohl ich das Land mittlerweile nur noch leicht verschwommen aus der Ferne wahrnehme.

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Spannend, natürlich und überraschend — könnte glatt die Löwsche´ Philosophie beschreiben oder als Slogan ein beliebiges Wahlplakat zieren. Für die anstehende ganz grosse Koalition gölte dies erfahrungsgemäss jedoch nur sehr bedingt.

Kinderspiel

Grössere Kinder versuchen ihre Befindlichkeit mitsamt dem ganzen Daseinsschmerz zu artikulieren und treffen bisweilen Aussagen, welche zwangsläufig die nachpupertäre Abnabelung thematisieren. Dabei entwickeln sie jene subtile Art von Kritik, welche die Eltern landläufig einfach bloss quittieren können.
Ein bereits ausgewachsenes Kind hat sich nun mit seinem Vater arrangiert und zusammen verfolgen sie den therapeutischen Ansatz der Transformation von hingerotzter Scheisse zu familiärem Humus. Weder Musikstil noch Songtexte sind mein Ding, weil ich aber Vater und Sohn kenne, hab ich mich durchgehört. Kreuzberg hurts.

Hauptversammlung

Hochkultur kommt vor dem Fall:

Was dem einen ist sein Triple ist dem anderen sein Puma Underdog. Dass international agierende Fussballkonzerne Emotionen verkaufen — geschenkt; dass Kunst Emotionen bedient dito. Dass aber hoch subventionierte bürgerliche Kultur sich ungeniert anbiedert einem idiotischen Massenfanatismus zu frönen, ist grenzdebil. Mindestens.

Wortlaut 91-11

Ausländerfrei durch ethnische Säuberung aus Furcht vor Überfremdung ist Quatsch mit brauner Sosse.

Nicht gerade Peanuts ist die Diätenanpassung, welche die Rentnerschwemme ganz vornehm als Wohlstandsmüll durch sozialverträgliches Frühableben quasi recycelt.

Als Kollateralschaden in der national befreiten Zone mutieren selbsternannte Gotteskrieger von Ich-AGs zu frischem Tätervolk.

Reines Humankapital ist durch gestiegene Entlassungsproduktivität selbst bei Freiwilliger Ausreise unprofitabel.

Und sowieso ist die Herdprämie für notleidende Banken völlig betriebsratsverseucht.

Alternativlos geworden begehen dumpfe Morlocks Döner-Morde.

Kebabträume

Mitte der 60er-Jahre kam Bergman zu uns in den Kindergarten. Bergman brachte, neben seiner Schwester Tamara, eine Prise Exotik mit, denn in der Gegend wohnten — abgesehen von den Rucksackdeutschen — keine Ausländer. Bergmans Familie wohnte nicht in der direkten Nachbarschaft: sie fand Logis im Dachgeschoss einer Tischlerei, der Arbeitsstelle von Bergmans Vater.

Bergmans Vater half meinem Vater beim Innenausbau unseres Hauses, um den gewachsenen Platzansprüchen Raum zu geben. Seine fremde Erscheinung, orientalisch akzentuiert mit einem dicken schwarzen Schnurrbart, imponierte uns Kindern. Er kam gerne zu uns und arbeitete gut mit meinem Vater zusammen — fast wurden sie richtige Freunde.

An Tamaras Geburtstag gab es frischen Bienenstich von der Bäckerei; vielleicht getraute sich Bergmans Mutter einfach nicht, uns unbekannte Baklava aufzutischen, vielleicht wollte sie keinen Anfängerfehler in den ersten Assimilationsversuchen begehen. Jedenfalls gab es Bienenstich vom Bäcker bislang nicht einmal bei uns zu Hause! Der bei Tamara war besonders fein und blieb bis heute im Gedächtnis haften.

Als Bergmans Eltern später zurück in die Türkei gingen, stand dort das erarbeitete Mietshaus parat. Bergman und seine Geschwister blieben hier, und ihre Eltern kamen dann auf Besuch nach Deutschland, um die Enkelkinder zu sehen.

Mittlerweile ist die Türk-Kültür fester Bestandteil der elterlichen Nachbarschaft — die Häuser der Rucksackdeutschen werden zusehends von türkischen Familien aufgekauft. Die Nachbarskinder klingeln bei meinen Eltern oft an der Haustüre, um Selbstgebackenes vorbei zu bringen. Baklava, Börek und Lahmaçun sind keine Fremdworte mehr und Ibrahim Tatlises löst längst keinen Hörsturz mehr aus.

Und heute bin ich selber ein Türke von morgen.

Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei!

Prollsport

Auf der Suche nach dem original Schweizer Proletariat wurde beim Besuch eines geheimen Trainingslagers die helvetische Verelendung augenfällig. Selbst aktive Fussballer können sich — zumal als letzter Mann marginalisiert — hierzulande keinen Barbierbesuch leisten!

Problematik beim Bart des Proleten

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Auf dem offiziellen Mannschaftsphoto im Saisonheftli stellt sich der arme Mann trotz seines haarigen Handicaps selbstbewusst in den Vordergrund. Dabei war doch vorhersehbar, dass bei solch akuter Behinderung eines Torhüters Surprise Zürich in der Konkurrenz keine besonders tolle Überraschung gelingen würde.

Prolet vor Moschee

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In ausländischen Freizeit-Ligen scheint zumindest der Friseurbesuch für das fussballernde Proletariat noch einigermassen erschwinglich zu sein, wie das folgende Beispiel eines vorbildlichen Balljungen zeigt: