Danger in Züri

Vor dem Konzert war ein Spendenmarathon angekündigt: für jeden Nazi der beim Volkshaus erschiene gäbe es 50 Franken fürs Solinetz. Entgegen der grossmäuligen Ankündigung kam keiner der Totschläger Typen, die sich ungeniert mit Blut und Ehre schmücken. Daher wurde analog mit einer durchs Publikum gereichten Spendenbüchse für die in der Migrationsarbeit engagierten NGO gesammelt, 5.000 Stutz sollten es schon werden – den Rest lege er drauf, versprach Dan. Ziemlich erfreut und etwas gerührt tauchte der Hobbyschweizer als zahlendes Mitglied ohne Atemholen ganz tief ein.

Gegeben wurde zweieinhalb Stunden lang alles: schöne und verwirrende Schattenspiele, solidarische Aufrufe und ungeschminkt Persönliches bis hin zur offen eingestandenen Peinlichkeit. Überraschend wurde die Rote Rose in Kreuzberg als Lieblingskneipe genannt sowie besungen. «Betreutes Trinken in Berlin Xberg seit 1983» lautet deren Claim und sogar die NZZ weiss längst Bescheid.

Mit clever arrangierter Musik begleitet durch Klavier, Schlagzeug und einem fabulösen Streichquintett wurde die Stimmung pünktlich zum namensgebenden Titelsong von Album und Tournee auf den Siedepunkt gebracht. Der Klang nicht ganz so klinisch rein wie im KKL vor mehr als zwei Jahren, war doch das Setting auch ein völlig anderes – Antifa brodelte quasi thematisch permanent auf der Bühne wie im Publikum. Und die Zeiten haben sich im Rückblick betrachtet doch arg schnell und drastisch geändert und das leider nicht zum Guten. Grad drum war es fast schon therapeutisch mit den vielen, vielen Gleichgesinnten die Faust zu recken und den Slogan KEINE ANGST mehrfach und gemeinsam richtig laut auszurufen.

Mercury 13

Was wäre wenn ein Sowjetmensch den ersten Fussabdruck im Mondstaub hinterlassen hätte — dieses Szenario  thematisiert «For all mankind», eine US-Serie, von der die ersten zehn Folgen seit Herbst 2019 als Stream verfügbar sind. Das Wettrennen zum Mond verlieren die USA darin gleich zweimal, da die Sowjetunion auch die erste Frau erfolgreich landen. Die Mischung von Fiktion und Geschichte erlaubt dem Drehbuch das tatsächlich privat initiierte Mercury 13-Programm als NASA-Projekt erscheinen zu lassen und blendet Frauen-Demos mit «A woman’s place is in space»-Plakaten als alternative Fakten ein. Bereits 1960 sollte durch Mercury 13 bewiesen werden, dass Frauen durchaus weltraumtauglich sind, doch erst 1978 änderte die NASA schliesslich die Zulassungsbedingungen und schoss 20 Jahre nach der ersten Kosmonautin ihrerseits eine Frau ins All. Mir war das reale Mercury 13 völlig unbekannt, Walentina Tereschkowa dafür ein Star in einer Reihe mit Laika, Yuri Gagarin und Neil Armstrong.

Die erfundene Story endet einstweilen auf dem Mond, wo Astronauten und Kosmonauten am Südpolkrater Shackleton konkurrierend einen Rohstoff abbauen, nämlich Wassereis. Der kalte Krieg wird selbst dort oben etwas sinnfrei weiter geführt, ist wohl so ein Ami-Ding, denn auch in Ad Astra sind militärische Auseinandersetzungen auf dem Erdtrabanten üblich. Musikalisch spannt sich der Bogen von den Sixties durch die Seventies bis in die Eighties, von Ruffins «What becomes of the broken hearted», Bowies «Moonage Daydream» zu «Everybody wants to rule the world» von Tears For Fears. Eine eigentümliche Phantasterei, welche ihre Dramatik aus Eventualitäten gewinnt, deren irdische Komponenten (SS-Mann von Braun wird noch zu Lebzeiten demaskiert, Präsident Nixon wird Watergate verziehen) Zeitzeugen gegenüber arg übersteuert daher kommen. Serieller Quatsch halt.

Nach dem Abspann dann ein Steve Jobs-artiges «one more thing», when eine Big Fucking Rocket majestätisch aus dem Meer gen Himmel steigt und ihre Triebwerke knapp über der Wasseroberfläche zündet. Die kontrollierte Rückführung der erste(n) Stufen hätte ich bitte gerne von SpaceX als Wasserballett oder Synchronschwimmen inszeniert.

TAZ lügt

Kaum Wartberg und das Kiliansmännle arg frech beschnitten:

Heilbronn, Nazis, Naziszene Südwest, TAZ lügt, TAZ, Nazis Unterland, Kiesewetter, Polizistenmord Heilbronn

Gehts noch?

Bei der Bildbearbeitung muss wohl ein zu grünem Star neigender Volontär der Schülerzeitung aus der Berliner Rudi-Dutschke-Strasse hospitiert haben, anders ist diese infame Freistellung überhaupt nicht zu erklären.

Spätestens wenn mein früherer Schulkamerad als Ministerpräsident einer dann schwarz-grün-grossen Koalition heimgekehrt das Abendmahl in der Kilianskirche empfängt, wird das negierte Männle wieder auferstehen und sich mit Standarte im Wind drehen. Und der wird drehen, ick schwör!