Homo Novus

Kein Abschied ohne Schmerz, Schlüsselerlebnis Schlüsselübergabe.

Max Frisch im Lochergut, Max frisch, Lochergut, Zürich

Anstelle der Aussicht aus der 800-köpfigen Wohnmaschine über die kleine grosse Stadt mit dem himmelweiten Horizont geht nun der Blick auf die sozialdemokratischen Kleingartenparzellen in einer familienfreundlichen Rasenmähersiedlung inklusive des gar 900-köpfigen Monstrums namens Plenum, welches mit eidgenössisch disziplinierter Chropfleerete (Kropf leeren tut gut bei dicken Hals!) über die bauliche Zukunft einer alternden Genossenschaft mit Hilfe von gestellten Fresspäckli gegen den allmählich fallenden Blutzuckerspiegel am immer später werdenden Abend dennoch eine Beschlussfassung nahe handelsüblicher SED-Quoten erreicht.

Im Zweifel für den Zweifel und immer Volldampf voraus!

Moombahton

klingt schon als reiner Wortlaut mächtig und ist der letzte Schrei in der hippen Club-Szene. Moombahton ist runter gepitchter basslastiger House mit ner Prise Exotik. Nett, aber etwas zu viel multi-ethno Schnickschnack.

Old-School-Reggae, Dub und Dubstep bleiben aber in post-adoleszenten Plattenlegerkreisen beliebt und Räuchermann Saetchwo mischt getreu der Parole: «Don´t drink and drive, smoke and fly!» nur gute Originalzutaten.

Ein Kurztrip mit Flug 420 ist selbst für Nichtraucher interessant, die auch ganz ohne transzendentale Bordverpflegung leicht und locker abheben. Routinierten Fluglotsen wie Neumann könnte es gefallen — Donnerstags streamt der berlinernde DJ ab 22h live ins Netz. Die letzte Lektion (noch nicht online) behandelte profund das riesige Forschungsgebiet Echobeach.

One dopi said to the next one, will you be my friend,
come let me dance beneath the moon light,
dopi dopi out of time.

One dopi said to the next one,
come let we call pal old dopi man John.
Old John does drop under the sun beat drum,
he does not all the old time song.
One dopi said to the next one,
come let we call pal old man dopi John.
Old John does drop on the jahless and he does beat dopi drum.
He does not all the old time song.

Dopi Johnny wake up, believe in dread,
riddim soundsystem pumping around graveyard.
I´m skeleton skunking odd, I´m skeleton and skunking odd.
All the anchestors from every nation — be saluted.
With libation.

When he was a child, playing in the strand
where the blue rainbowfish does swim.
And the mountain man and the woman would tell you about
the circle of life and how it began.

A Miss of reality, a Legend of earth story…

(Transglobal Underground, Dopi
transcription by swisspa)

Wappenschmiede

Das patriarchalische Zünfterwesen der Stadt Zürich befördert geradezu das Wappenwesen. Jeder Stadtbezirk und jedes Quartier pocht auf ein eigenes Wappen und am Zürcher Sechseläuten, dem Frühlingsfest in der Deutschschweiz, werden sie allesamt während eines kostümierten Umzuges durch die Strassen der Stadt stolz präsentiert. Als begeisterter Umzugsfan zieht der Hobbyschweizer auch privat des öfteren um, mit der hehren Absicht, sich in Sachen Wappenkunde gründlich weiterzubilden.

Vom dreckigen Arbeiter- und Zuwandererbezirk Aussersihl, genauer dem Hard-Quartier mit stadtweit spitzenmässigen 42 Prozent Ausländern hinein ins beschauliche Wiedikon, wo im grünen Wohnquartier Friesenberg anteilig die meisten Inländer ganz Zürichs wohnhaft sind. Und dies offenbar mit guter Tradition:

1787 trennte der Rat von Zürich die Gegend westlich der Sihl/Limmat auf Wunsch der Bewohner vom Kreuel und Hard von Wiedikon. Grund war die Weigerung der Gemeinde Wiedikon, neue Bürger, die sich im Kreuel und Hard ansiedelten, aufzunehmen. Nur wer Bürger war, besass alle Rechte. Die nun selbständig gewordene Gemeinde nannte sich Aussersihl. (-> Quartierverein Aussersihl-Hard)

Vorher
Nachher

Von der Heraldik her betrachtet fällt der Ortswechsel mehr als dürftig aus. Drei Sterne in schwarzer Nacht über Grün sind wie das Quartier schön schlicht; beim Bezirkswappen aber kann doch gegen einen ordentlichen Anker kein Reichsapfel anstinken, selbst wenn der ausgesprochen farbenfroh daherkommt.

Gegensteuer

Eine kleine feine Schweizer Privatbank übernahm nur allzu bereitwillig ab 2008 das aufgrund einer in den USA erhobenen Anklage gegen die UBS brachliegende US-Privatkundengeschäft. Und dies — notabene — ohne selbst eine Niederlassung in den USA zu betreiben, was bei einer Strafverfolgung nicht ganz unnützlich sein kann. Als die Amis dies mitkriegten und Ermittlungen gegen die Bank anstrengten, drohten sie alsbald mit harten Handelssanktionen, einer Art Sippenhaft bis hin zum Auschluss Schweizer Banken vom wichtigen US-Handelsplatz.

spinnennetz, kreuzspinne, spinne, netz

In der Folge wurde die älteste (!) Schweizer Privatbank eilig abgewickelt: das prekäre US-Geschäft wurde schleunigst in eine Bad Bank überführt und der gute Rest unter Zuhilfenahme einer Neugründung einfach an die hiesige Raiffeisenbank abgetreten.

Im Zuge der Affäre trat dann im Frühjahr 2012 der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Neuen Zürcher Zeitung zurück; war er doch in Personalunion zugleich geschäftsführender Miteigentümer («Wer Steuern zahlt, ist dumm.») der vordem kleinen feinen Privatbank…

*     *     *

Die NZZ jedoch bildet weiterhin die publizistische Speerspitze des Paradeplatzes und bietet als dessen unbeugsames Kampfblatt ihrem Redaktor Beat Gygi die Plattform für einen mehr als polemischen Kommentar zum anhaltenden Steuerstreit mit dem Grossen Kanton:

Dass eine einigermassen liberale Regelung für den Umgang mit «altem» deutschem Vermögen in der Schweiz derart schwierig ist, hängt stark damit zusammen, dass in Deutschland eine andere Art von Demokratie und ein anderes Verständnis vom Staat dominieren als in der Schweiz. Das ursprüngliche Steuerabkommen wurde primär mit Vertretern einer Regierung ausgehandelt, die die politische Mitte und angrenzende linke Segmente vertritt. Mit diesen Politikern war ein Kompromissvorschlag möglich, der der Privatsphäre der Bürger und ihrem Schutz vor allzu dreistem staatlichem Zugriff einigermassen Rechnung trägt.

Einigermassen liberal, aha — neo-liberal wäre gewiss genehmer. Dreist? Naja. Die Steuergesetzgebung der beiden Streithähne ist schon allein darum verschieden, weil die Staatsaufgaben anders verstanden werden. Dort Sozialstaat mit Ganztagsbetreuung, hier Eigenverantwortung und traditionelles Familienbild. Mit wechselnden Regierungen ändern sich zudem die politischen Zielvorgaben viel geschwinder, ganz im Gegensatz zur Allparteien-Regierung der Eidgenosschenschaft, wo unentwegt gemauschelt wird.

Der deutsche Scheinföderalismus, der den 16 Bundesländern keine echte Steuer- und Ausgabenverantwortung zugesteht, sondern eher als Lizenz zum Mitmischen im oberflächlichen Umverteilungskampf zu sehen ist, führt aber dazu, dass die Länderkammer, der Bundesrat, plötzlich eine zentrale Rolle spielt. Die Linke, die die Mehrheit in dieser Kammer hat, nutzt die Gelegenheit nun offenbar, sich durch ein Nein zum Steuerabkommen für den Wahlkampf ideologisch zu profilieren. Aus deutscher Sicht kann dies teuer werden, das sozialistische Nein kann bedeuten, dass Deutschland erhoffte 10 Mrd. € plus «Jahresraten» nicht zukommen.

Scheinförderalismus? Oha, die Bundesrepublik ist aber nun mal förderal strukturiert. Nicht ganz so kantönlikleingeistig comme ici, aber immerhin, es gibt auch drüben zwei Kammern und das ist durchaus gewollt. Einen absurden Steuerwettbewerb mit der hierzulande üblichen Krassheit, welche die Zersiedlung der Landschaft und die Entstehung von Millionärs-Ghettos befördert, gibt es dort trotz bestehenden Nord-Süd-Gefälles tatsächlich nicht. Und die SPD ist jetzt plötzlich sozialistisch? Potzblitz, da tönt ja jemand mächtig säuerlich, vielleicht weil der Ablassbrief nicht wunschgemäss ausgestellt wird?

Dabei springt ins Auge, dass ein rational kaum fassbarer Kampfbegriff wie «Gerechtigkeitslücke» als Hauptargument zur Ablehnung dienen kann. Gerechtigkeit scheint aus dieser Sicht eine Staatsaufgabe zu sein, und offenbar soll diese in Form von Gleichmacherei ziemlich totalitär durchgesetzt werden.

Kampfbegriff? Gut, in Zeiten der Globalisierung herrscht Wirtschaftskrieg an allen Fronten. Die Wortschöpfung Gerechtigkeitslücke aber ist doch metaphorisch gut gelungen und sehr eindrücklich. Mag die schwer rationale Schweizer Zunge kein Wort schöpfen? Gerechtigkeitslücke strikes!

Und überhaupt: Gerechtigkeit ist keine Staatsaufgabe? Gottgegeben vielleicht? Oder wird sie von Banken kreditiert?  Womöglich als reine Selbstgerechtigkeit à-les-riche? Soziale Gerechtigkeit scheint hier ein Fremdwort zu sein. Totalitäre Gleichmacherei? Oh my god, the commies are coming! Wenn in einem Land fiskalische Gesetze für alle Staatsbürger gelten sollen, so kann man keine Ausnahmeregelung gestatten, nur weil besonders Gierige ihr Scherflein mit Hilfe von sich dem Verdacht der Beihilfe aussetzenden halbseidenen Vermögensberatern sanft in Steueroasen betten und die Oase selbst im Grunde als Raubritterburg fungiert und profitiert. Krawallerie!

Die schillernde Rolle der offiziellen Schweiz hat solche Taktiken allerdings begünstigt. Der Bundesrat, etwa Eveline Widmer-Schlumpf, hat in jüngerer Zeit den USA und europäischen Verhandlungspartnern praktisch signalisiert, die Schweiz habe eine etwas flexible Linie und werde immer ein Schrittchen nachgeben, wenn der Druck wachse.

Mönsch Beat. Schlumpfs Vorgänger und Bankenlobbyist wurde bereits vor über vier Jahren aus der Regierung gewählt; er hat eine Haussuchung just hinter und ein Strafverfahren noch vor sich, doch auf seine Nachfolgerin wird wegen der von ihr aufgegleisten Weissgeldstrategie und aus schierer Rachsucht noch immer feste eingeprügelt. Derweil die USA die finanzpolitischen Daumenschrauben bis hin zur Schmerzgrenze anzogen, verhandelt der Grosse Kanton immerhin tapfer weiter.
Die NZZ dagegen gibt sich gemeinsam mit der SVP als radikal fundamentalistischer Hort, wo «…die Werte der freien, unabhängigen, neutralen Schweiz, die sich nicht schämt, gegenüber dem Ausland stets den Fünfer und das Weggli zu verlangen» bedingungslos verteidigt werden.

Warum nur löst sich die Eidgenossenschaft nicht endlich aus den Händen der helvetischen Banken-Maffia, die ihr Ansehen zusehends ramponiert? Der Banken-Lobby ist es über die Jahre hinweg gelungen, das Land quasi zur Geisel zu nehmen und das Bankgeschäft gleichwohl als ein dem Gemeinwesen dienendes und daher absolut schützenswertes nationales Symbol darzustellen.

Und dabei entrichten die einheimischen Banken teilweise nicht einmal Steuern! Fürwahr parasitäre paradiesische Zustände.

Spiellaune

Immer wieder mal wird in der Schweiz von einer Alpenliga im Verbund mit Österreich phantasiert, ganz Pfiffige wollen die Balltreter von Chemie Basel am liebsten gleich in der Grosskantonalen Bundesliga anstossen sehen. Grund für derlei Gedabkenspiele ist die mangelnde Attraktivität und wirtschaftliche Schwäche der heimischen Liga. So ist in der laufenden Saison die Zerfallsrate der von einem Kernenergie-Unternehmen gesponserten Super League weiter angestiegen, was aber keineswegs zu Einbussen an deren Unterhaltungswert führt.


Intoxinierter Flashmob auf Kirschkernsuche

Neuchâtel wurde wegen Insolvenz schon zur Halbzeit aus dem Rennen genommen und der Tschetschenische Eigner aufgrund ungetreuer Geschäftsbesorgung vorsorglich inhaftiert. Sion bekam wegen diverser Transfervergehen einen Abzug von 36 Punkten aufgebrummt, ist sogar mittlerweile wieder leicht im Plus, prozessiert jedoch munter weiter gegen UEFA, FIFA und nationalen Fussballverband. Beim überschuldeten Aufsteiger Genf ist der Besitzer zwar noch Freigänger aber abgängig; der Verein hofft nach Konkursantrag auf ein 7 Mio-Wunder. Mitaufsteiger Lausanne erscheint derweil sportlich kaum wettbewerbsfähig.

Bei einer Liga von gerade mal 10 Teams eine stolze Ausfallquote und — 100% Welsch! Angesichts der von der Welschwoche aufgedeckten Feierlaune der untrainierbaren Griechen der Schweiz wundert das nicht: leicht benebelt die Kirsche erst finden und dann noch treffen zu müssen, ist keine einfache Übung. Nachhilfe gibts gratis nach Klick aufs Bild…

Revision

Ok, ESC ist eh für die Katz´, aber während San Marinos ursprünglicher Beitrag aus werberechtlichen Gründen (war doch nur Satire!) abgelehnt wurde, kann man darüber erleichtert sein, dass die geschmacksverirrten Vorgänger-Variationen zum gleichen Thema nicht über den nationalen Vorentscheid hinaus für zweifelhafte Aufmerksamkeit sorgten:

Mit Maus & Klick gefährdeten streunende Haustiere 1996 die unfallfreie Übermittlung von Infotainment auf der Datenautobahn im alten Europa

Frühlingsgefühle

Wenn im Frühjahr die Tage länger werden, stellt der Körper den Hormonhaushalt um. Es werden verstärkt Endorphin, Testosteron und Östrogen ausgeschüttet. Evolutionsbiologen sind der Meinung, dass dies ein Überbleibsel des geschlechtlichen Jahreszyklus darstellt, wie man ihn bei vielen Tierarten findet. Der Melatoninspiegel im Blut sinkt, die Geschlechtsorgane treten wieder in Funktion, die Zeit der Paarung und des Brütens beginnt.

Am 20. März um 06:14 MEZ beginnt der kalendarische Frühling 2012.
Enjoy!

Nerdgesellschaft

Gab es diesen gesellschaftlichen Druck zur Selbstvervollkommnung schon immer, oder trügt der Eindruck, als sei erst im entfesselten Kapitalismus die Notwendigkeit permanent an sich selbst zu arbeiten zu einer fast schon existentiellen Bedrohung geworden? Flaniert der Hobbyschweizer vielleicht gar zu lange unter calvinistischen Zwinglianern am Alpenrand? Sind für zwei eidgenössische Drittel mehr Ferien tatsächlich ein Unding?

Pretty vacant
Wenn das Sein das Bewusstsein bestimmt, die wertorientierte Waren- und Konsumgesellschaft also menschliches Denken und Tun geschichtlich betrachtet mehr und mehr dominiert und schliesslich domestiziert, nimmt es kein Wunder, wenn mensch sich selbst als Ware versteht und auf dem Markt möglichst perfekt ausgestattet anpreist. Und der Markt pausiert nie sondern ist immer und überall.

Ape shall not kill ape.
Die eklektische Globalisierung mörsert ehemals monopolistische Dogmen in zahllose Graustufen — vom Polytheismus zum Monotheismus und gleich wieder zurück. Und über allem schwebt diffus funkelnd die Dreifaltigkeit von Profit, Mehrwert und Zins. Die totale Verwertung forciert erst die boomende Ich-Gesellschaft.

Survival of the fittest
Entspannung förderndes Hatha-Yoga für Hedge-Fond-Jünger, meditative Einkehr im Schweigeseminar für Bonus-Apostel und Modafinil für kreative Kadergötter sind ein renditeträchtiges Pflichtprogramm. Selbstgefällige Selbstheilung durch selbstherrliche Selbstgerechtigkeit.

Mainstream
Der Zeitgeist versucht nun diesen ganzen egozentrischen Mumpitz mit salonfähig gewordenem Öko-Gedankengut für die zunehmende Klientel der Besitzstandswahrer kompatibel zu verdrahten. Mülltrennung als Ablass fürs SUV. Mehr ist mehr und Bio Business und der Schwarm intelligent.

*     *     *

Bestimmt alles nur Ausdruck altersbedingter Geistesschwäche, bloss, wie sag ich`s dem Chind?

Frischgeld

Bekanntlich verwandelt das Schweizer Bankenwesen nur unter grossem Aussendruck Schwarzgeld in Weissgeld. Zur Belohnung gönnt man sich dafür in Bälde Frischgeld. Etwas eigenartig ist hierbei, dass der bei einem Ideenwettbewerb eigentlich zweitprämierte Entwurf überraschend die vorläufige Druckfreigabe erhielt.

Dabei reichte der ursprüngliche Sieger des Wettbewerbs knackig poppige Notenblätter ein. In Zeiten von Plastikgeld und Cybercash trüge man solch angehübschte Fetische doch ganz gerne als papierne Preziosen im Portemonnaie, n´est-ce pas?

Auszug aus Karl Walker, Das Geld in der Geschichte, Rudolf Zitzmann Verlag; Lauf bei Nürnberg; 1959:

«Als der Sonnenkönig Ludwig XIV. 1715 starb, waren in Frankreich allein die jährlichen Zinsen für die Staatsschuld schon größer als die laufenden Staats-Einnahmen. Der Regent Herzog Philipp von Orleans, der den unmündigen Knaben Ludwig XV. vertrat, fand keinen Rat mehr. In dieser Zeit hatte John Law einigen europäischen Höfen phantastisch anmutende Finanzierungsprojekte unterbreitet, war zuerst abgewiesen, dann aber in Frankreich doch herangezogen worden. John Law, ein Mann von schottischer Herkunft, im Bankwesen bewandert und weit gereist, bekam die Erlaubnis zur Errichtung einer privaten Kreditbank, die bald schon zu einer Staatsbank umgewandelt wurde. Diese Bank gab Zettel aus, von denen Law zunächst nicht mit Unrecht sagte, dass sie genau so gut wie Metallgeld für Zahlungszwecke benutzt werden könnten. Nach seiner Theorie sollten diese Zettel durch den Grund und Boden gedeckt sein, womit der eigentliche und bleibende Wert des Landes beweglich gemacht und in Umlauf gebracht würde. Das Papiergeld sei sogar wertbeständiger als das Silber, „denn die Länder bringen herfür, aber das Silber ist schon hervorgebracht“, und die Landgüter können keine von ihren Nutzungen verlieren, aber das Geld kann sein Gepräge verlieren“. In der praktischen Handhabung richtete man sich jedoch nicht nach diesen Grundsätzen. John Law beugte sich sofort dem Finanzbedürfnis des Staates und räumte ihm ein, dass er auf Grund seines eigenen Kredites – also ohne Grund- und Boden-Deckung – solches Papiergeld ausgeben könne. Bereits im Jahre 1718 wurden seine Zettel Staatspapiergeld. Da in Frankreich um diese Zeit dank der Verschwendung des Hofes Geldmangel herrschte, brachte das Papiergeld wirklich eine Erleichterung. Handel und Gewerbe blühten wieder auf und der Zinsfuß sank.

Inzwischen hatte John Law außerdem eine weitere Gründung vollzogen, die „Mississippi-Compagnie“, eine Handelsgesellschaft auf Aktien, die die Kolonisierung Kanadas und der Länder am Mississippi bezweckte. Diese beiden Operationen zusammen brachten einen ungeheuren spekulativen Aufschwung. Die Staatsbank gab Geld aus, Gewerbe und Manufakturen blühten auf, zahlloses Volk aus aller Welt strömte nach Frankreich und nach den französischen Kolonien. Bis zum Mai 1720 wurden nach einem eigenen Bericht von John Law „500 ganz große Schiffe erbaut oder gekauft, nicht zu sprechen von den Brigantinen und Fregatten, um den Strom von Auswanderern nach dem an Metallen, Seide und Spezereien reichen Louisiana zu bringen.“ – Aber die Notenpresse der Staatsbank war nicht mehr aufzuhalten. Der Herzog von Orleans soll mehr Geld haben drucken lassen als John Law überhaupt wusste. Schließlich waren es 3,7 Milliarden Livres. Und so, wie das Geld vermehrt wurde, stiegen die Preise – sie stiegen so rasch, dass die Produktion bei aller Emsigkeit nicht mehr nachkommen konnte. Die Mississippi-Aktien stiegen mit und waren in wenigen Jahren von 500 auf 18 000 Livres geklettert! – Dann aber kam es beim Rückfluss der Noten zur Ernüchterung. Die Bank konnte die Zettel nicht einlösen, die gewaltige Papiergeld-Masse aber auch nicht im Umlauf lassen. Jetzt war guter Rat teuer. John Law wurde vom Regenten mit größerer Vollmacht ausgestattet, zum Generalkontrolleur der Finanzen ernannt und versuchte nun von dieser Basis aus, sein System mit Willkürmaßnahmen zu retten. Der Wert von Gold und Silber wird plötzlich nach dem Bedürfnis der Bank verändert; man befiehlt die Ablieferung von Edelmetallen, der Besitz von Kleinodien wird unter Strafe gestellt, die Herstellung von Tafelsilber wird untersagt, ja, sogar der Besitz von Bargeld, soweit er über 500 Livres hinausginge, sollte nicht mehr erlaubt sein. Da das aber alles nichts half, wagte Law schließlich die einzig vernünftige Maßnahme, den Wert seiner Bank-Zettel auf die Hälfte herabzusetzen. Der Erfolg war jedoch – in der damaligen Zeit war man so etwas noch nicht gewohnt -, dass ganz Frankreich in schäumenden Aufruhr geriet; das Gesetz musste sofort zurückgenommen werden. John Law konnte sich durch heimliche Flucht retten.» (weiterlesen)

Käsebürger

Der weltmeisterliche Gryère von der beschaulichen Fromagerie de La Brévine wurde jüngst vom fett- und salzreduzierten Vermeer, einem Käse aus den Niederlanden entthront.

Den Erfolg des multinationalen Milliardenkonzerns sicherten auch die über 400 Publikumsstimmen, während zuvor bei dem im Zweijahresrhythmus durchgeführten Wettbewerb lediglich eine Fachjury die weltbesten Käsesorten sensorisch beurteilte.

Nippelgate

Rebecka verteilte 55 Kilogramm auf 167 Zentimeter, Chantal kam aus Castrop-Rauxel, Sabrina aus Bremervörde und Eva aus Polen machte den Schluss. Nach tausenden blank gezogener Titelbusen unterwirft sich das Revolverblatt BILD dem Diktat des US-Puritanismus — schliesslich will man künftig auch digital Geld verdienen.

Doch die paradiesischen Apps vom angebissenen Apfel verstehen nun Mal keinen Spass mit sündhaft freigelegten Nippeln und Bild selbst münzt nun die barbusige Verbannung in den Innenteil als emanzipatorische Tat um…

Röstigrabung

Die national konservative Weltwoche hat mobil gemacht – diesmal aber nicht per se gegen Gutmenschen und Linke, sondern generell gegen die einheimischen Welschen. «Die Griechen der Schweiz» seien die frankophonen Mitschweizer — Parasiten, Trinker und Sexbesessen, suggeriert der Weltwoche-Titel. Blochers Propagandablatt schafft es, analog zu der germanischen SVP-Werbeagentur, sich immer wieder feist ins mediale Rampenlicht hinein zu keilen.

Vor Jahren war es die Bündner Minderheit (Jäger, Räuber, Rätoromanen), die bereits den schwarzen Peter von der deutschschweizer Postille zugeschoben bekam. Immer wieder und besonders zuvorkommend behandelt wurden die Zuwanderer aus Teutonien und Kosova, zwischendrin waren das nationale Unglück dann die Kunstschaffenden usw. usf.

Auf Facebook nehmen viele Welsche die Attacke gelassen mit Humor, offensichtlich werden die kleinkarierten Deutschschweizer einfach nicht richtig ernst genommen.

Welsche Kantone sorgen via Finanzausgleich auch dafür, dass die Bergbauern in der Zentralschweiz weiterhin hochsubventioniert Alibilandwirtschaft betreiben können. Dafür überstimmen die ländlich geprägten Innerschweizer Kantone die zahlenmässig unterlegenen Westschweizer Kantone bei nationalen Abstimmungen. Passt doch!

Ist nach Minarettverbot und den Zweitfrauen nun alles reines Kismet?
Der ehemalige Libysche Revolutionsführer und kontinentalafrikanische König der Könige, hatte —  als guter Freund und Kenner der Schweiz — schon vor Jahren eine Dreiteilung der Eidgenossenschaft zugunsten der Nachbarländer gefordert.

Nur — wer will die bünzligen Kantönligeister schon aufnehmen?
Vielleicht ja die demokratische Volksrepublik Liechtenstein.