Ausschwingen

Die Generalprobe für das Eidgenössische fand auf der Schwägalp direkt unterhalb vom Säntis im Kanton Appenzell statt und dabei schiffte es ausgiebig. Der Festplatz wurde zu einer Matschlandschaft und nur die Schwinger fanden etwas Halt im Sägmehlring. Trotzdem wurde das Volksfest durchgezogen und die Bratwurst schmeckte wieder prima.

Der Siegerstier hiess diesmal Robin und war ein tonnenschwerer Prachtkerl. Wie üblich gab es für den Zweiten eine Milchkuh und für den Drittplatzierten ein Fohlen.

Unterhaltung wurde von wohlklingenden Jodlern aus dem Emmental geboten und die Alder Streichmusik aus dem Toggenburg spielte ebenfalls herzerwärmend auf. Schwingen boomt munter weiter und trotz Wind & Wetter waren 9.000 Regenjackenträger vor Ort um den Kolossen beim Hosenlupf zuzuschauen.

Für den Gesamteindruck noch ein zittriger Schwenk über Berg- und Festgelände:

Erfolgsfans

In der eigentlich eher missgünstig gestimmten Schweiz sorgt der Lena-Faktor der megamultikulturellen Teutonen-Titanen für temporäre Überläufer. Zumindest laut Boulevard:

Auch die populistische Hupfdohle Angela kann die positive Tschörmanie nicht verhindern. Aber die Spanier. Und deren ausgelassenenes Hupkonzert hier um den Block ist zum Fürchten und kleinkinderfeindlich…

Trotzdem wird Uruguay Handball-Weltmeister.

Luxusproblematik

Die bauernschlaue Schweizer Volkspartei, zuständig für Schafe, Raben und Minarettverbote, hat schon wieder eine neue Idee parat: VIP-Vignetten für die Überholspur auf dreispurigen Autobahnen in der Schweiz.

Tolle Sache das — bei insgesamt gerade mal 80 Kilometer Dreispurigkeit in unmittelbarer Nähe sowieso staugeplagter Ballungsräume führt dies zu mehr und grösseren Staus in der Mittel- und Unterklasse. Dafür hat die die Champagnerleague ihren Spass — coolio!

Der Versuch ist jedoch einfach zu plump, um als gescheite Klientelpolitik durchzugehen. Das macht der FDP-deutsche Hoteliersverband dann doch besser, zumal im armen Deutschland die oberen 10 Prozent bloss 61% des Gesamtvermögens besitzen, allein das oberste Prozent sogar nur 23% Anteil sein Eigen nennt. Schlimme Verhältnisse!

Beim Vorturner USA beläuft sich die Vermögensverteilung immerhin auf 75% für die oberen 10 und fast 40% für das oberste Prozent. In der Schweiz kennt man solche Zahlen erst gar nicht, weil pssst — Bankgeheimniss.

Zu offensichtlich ist die munter fortschreitende Berlusconisierung der Gesellschaftspolitik: die Eliten machen unverfroren Interessenpolitik. Die Gewinnsucht der Gierigen wird gehegt und gepflegt, Verluste werden ganz frech sozialisiert und Gewinne hübsch privatisiert. Mehr Gewinn für Wenige entwertet automatisch Werte, gewonnenes Spielgeld wird zu Venture Kapital und die Heuschreckenzucht bis hin zur Plage tapfer von allen finanziert.

Die SVP deutet nur an was längst Sache ist: die Mittelspur besteht aus notorischen Fahrbahnfetischisten und moralinsauren Tempopedanten denen für das Fahren auf der Überholspur die Traute und der Turbokapitalismus abgeht. Hinzu kommen die unwillkommenen fremdländischen LKW samt deren riskante Überholmanöver. Für eventuell freigesetzte Mitfahrer bleibt ja immer noch die entschleunigte Standspur.

Doch auf der Überholspur braust die Elite schön im höhergelegten SUV dem Abendrot entgegen und das ist ein so herziges Bild, da haben schliesslich alle was davon…

Sprachwitzig

versucht das Schweizer Boulevard-Blatt Blick am Abend auf der Titelseite zu sein:

Falls die Helveten am Indischen Ozean wundersamer Weise die Armada versenken, gewährt die Handelskette Migros für den Folgetag 10% Rabatt auf alles.

Momentan stehen die Wettquoten bei 13,5 zu 1, also um satte 68% schlechter wie die bei einem Down-Under-Triumph gegen die Grosskantonalen Multikultikicker gewesenen (8 zu 1).

13,5 zu 1 plus 10% minus ist gleich ganz schön viel Tiernahrung, nur so zum Beispiel. Und da sind die 68% Differenz zu Down Under noch gar nicht eingerechnet…

Hopp Schwiiz!

Nacktwundern

Manches macht der Schweizer lieber im Verborgenen: Löcher in den Käse schnitzen, laut lachen und Geld zählen. Anderes hingegen völlig überraschend füdliblutt in der Öffentlichkeit.

Das Wandern ist auch des Schweizers Lust und diese wird ganz salopp in Gottes freier Natur befriedigt.

PS: Begründung des (vorläufigen) Freispruchs hier. Deutsche Netzpräsenz der federlosen Wandervögel dort.

Sterbehilfe

und ihre Ursachen, Wirkungen und Folgen — heute erklärt von Revolutionsführer G aus L:

Die Schweiz ist ein Staatswesen, das außerhalb der Weltgemeinschaft steht. Sie ist an keine EU-Regeln gebunden. Es ist gut, dass sie 2002 der UNO beigetreten ist. Aber die ganze Zeit vorher war sie das nicht. Warum? Sie wollte über dem internationalen Gesetz stehen. Und das hat die Schweiz zu einer Mafia gemacht.

In der Schweiz wird Geldwäsche in großem Stil betrieben. Wer eine Bank ausraubt, legt das Geld nachher in der Schweiz an. Wer vor der Steuer flieht, geht in die Schweiz. Wer sein Geld auf geheimen Konten deponiert, geht in die Schweiz. Und eine große Zahl von Besitzern solcher Geheimkonten sind unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen.

Die Schweiz ist das einzige Land, das Sterbehilfe erlaubt. Warum tut das nur die Schweiz?

Eine Reihe von Leuten ist unter diesem Vorwand gezielt aus dem Weg geräumt worden. Die Schweiz behauptet, die Betreffenden hätten den Wunsch geäußert, sich das Leben zu nehmen. Dabei ging es in Wahrheit darum, an ihr Geld heranzukommen. Mehr als 7000 Menschen sind auf diese Weise gestorben. Ich rufe deshalb dazu auf, das Staatswesen der Schweiz aufzulösen. Der französische Teil sollte an Frankreich gehen, der italienische an Italien und der deutsche an Deutschland.

Original-Interview

Tolle Idee, bloss — wer kümmert sich nun um die armen Räto-Romanen?

Und warum nicht der deutsche Teil an Italien, der französische an Deutschland und der italienische an Frankreich. Oder der deutsche an Frankreich der italienische und französische an Deutschland und Räto-Romanien an Südtirol. Oder umgekehrt.

Am besten aber tritt Deutschland irgendeinem Teil bei und annektiert das Tessin und führt die Lire wieder ein und kauft sich mit schwarzem CDU-Geld schleunigst die Kykladen.

Tote Hose

Aufgrund der überraschend grossen Nachfrage wird die Schwingen-Serie fortgesetzt — heute mit dem Portrait einer Hose:

lässig abgelegte Schwingerhose, gebraucht

Schwingen wird im Schweizer Volksmund auch Hosenlupf genannt. Die Schwingerhosen aus strapazierfähigem Sackleinen werden vor dem Gang angelegt und mit einem Ledergürtel fest gegurtet.

Die Schwinger fassen sich zu Kampfbeginn gegenseitig mit einer Hand an den rückwärtigen Saum der Schwinghosen. Während des Kampfes wird versucht den Gegner durch Ziehen und Zerren an der Hose aus dem Gleichgewicht zu bringen, um einen entscheidenden Schwung anzusetzen. Ein Sieg durch bodigen ist nur dann gültig, wenn mindestens eine Hand des Siegers an Hose oder Gürtel des Gegners Griff hält!

Anschwingen

Das 100. Zürcher Kantonalschwingfest in Wald/ZH wurde nun tatsächlich mein erstes! Der Wetterbericht erlaubte die Ausrichtung kurzfristig — tatsächlich gab es wegen Wetterunsicherheit eine telefonische Auskunft ab 5 Uhr in der Sonntagsfrüh und einen Ausweichtermin.

Erster Eindruck vom Festgelände von hinten

Geschwungen wurde auf dem örtlichen Sportplatz in fünf Sägemehlringen um den Hauptpreis Zucht-Stier Caruso:

Zuchtbulle Caruso in seiner Box hinterm Festzelt

Der Bulle Caruso wurde mit den anderen Lebendpreisen während des Schwingens auf den Platz geführt und dem Publikum vorgestellt. Bestimmt verlieh das Erscheinen von Caruso den Schwingern zusätzlichen Antrieb.

Caruso & Co. im oder am Ring

Im reichhaltigen Gabentempel waren diverse Schreinerarbeiten, Haushaltselektronik, Kuhglocken, Fahrräder, Sportschlitten aber auch iPhones ausgestellt. Für jeden der Schwinger gibt es am Ende einen Preis, selbst für den Letztplatzierten.

prüfende Blicke im Gabentempel

Ex-Teletubby und jetzt Bundesrat mit Zuständigkeit für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport Ueli Maurer war als Ehrengast geladen, schliesslich wohnt er direkt um die Ecke und steht mit seiner Partei sowieso für das eher Bodenständige. In seinem Grusswort offenbarte der Maurer Ueli ihm gäbe ja so eine Veranstaltung viel Kraft für seine Arbeit in der Bundesstadt Bern, weil er die benötigte Kraft gerade an solchen Orten zu solchen Anlässen tanken könne, aber nicht etwa von den hier tätigen Schwingern, sondern von uns ziemlich Gewöhnlichen. Ueli ein Vampir? Er sieht ja ein wenig so aus…

Das Wetter spielte prima mit und pünktlich zur Finalrunde gab es ein heftiges Gewitter, welches den Platz flugs von Neugierigen leerte und das Festzelt blitzartig mit den Flüchtenden flutete. Die Schwinger schwangen tropfnass munter weiter.

Der ultimative Schlussgang war dann kaum zu beobachten, weil Rasenplätze und Holztribüne zu nass zum abhocken und Stehplätze mit freier Sicht rasch vergeben waren. Immerhin bekam ich mit, wie der Toggenburger Abderhalden Urs gegen den Bündner Clopath Beat schnell in Rücklage geriet, verzweifelt versuchte eine Brücke zu halten, dem Druck aber schliesslich nicht mehr gewachsen war und gebodigt wurde. Aus, vorbei und Jubel beim Publikum weil quasi Überraschungssieger.

Zusätzlich zu den Lebendpreisen gab es für die besten Schwinger noch was auf den Kopf, nämlich einen plastifizierten Eichenlaubkranz. Auf den Zuruf „Krönen!“ wurden den vor Dirndelmädchen in ritterlich knieender Haltung verharrenden Schwingern diese Auszeichnung verpasst. Einen solchen Kranz bei Schwingerfesten zu erringen gilt als Erfolg und die Anzahl der gewonnen Kränze gemeinhin als Gradmesser für die Fertigkeiten des Schwingers.

Plaste und Elaste aus Schkopau?

Zusammen mit der vorzüglichen Bratwurst hinterliess meine Premierenschwinget einen währschaften Eindruck. Besonders effektvoll ist das dumpfe Geräusch beim Aufschlagen der massigen Körper auf dem Sägemehlteppich. Dazu ein Jodelchor, Fahnenschwinger, Alphornbläser, Blasmusikkapelle, Gewitterdurchzug — herrlich exotisch det janze!

Schiesstrieb

Aufgeräumte Menschen werben freudig erregt für den Schusswechsel im Feld:

Hinter dem weltweit grössten Schützenfest steht natürlich die Lobby der Waffenfetischisten und das ausrichtende OK erklärt im Grusswort ganz putzig:

Das OK hat sich für das Feldschiessen Tafers aber auch etwas Neues und Besonderes einfallen lassen:
Wir haben einen Wandkalender für das Feldschiessen Tafers produziert!

Aha, einen Wandschmuck also.
Passend zu den üblichen Trophäen?

Hauptsächlich aktive Schützinnen (auch mit nationaler und internationaler Erfahrung) aus dem Sensebezirk sowie aus dem näheren Schiessumfeld Tafers haben für den Kalender mit einer Prise Erotik posiert.

Waidmanns Lust ist Waidmanns Heil!
Waidmanns Dank!

Mit voller Stolz können wir auf das entstandene Produkt schauen und sind der Überzeugung, dass dieser Kalender nicht nur den Schützen- und Schützinnen des Sensebezirks und der restlichen Schweiz viel Freude bringen wird, sondern auch für jeder Mann bzw. Frau, welche sich an ästhetische Bildern erfreuen können.

Warum haben die nicht gleich voller Stolz ein Kalenderblatt als ästhetischen Fangschuss plakatiert…

Negerküsse Mohrenköpfe

Endlich an ein ultimatives Ziel der Schäume angelangt: die sagenumwobene Mohrenkopf-Fabrik Dubler im Kanton Aargau. Seit dem allerersten Biss in eine Dublersche Köstlichkeit ist die Ehrfurcht des Hobbyschweizers ungebrochen gross und fast ungläubig stand er nun leibhaftig vor dem süssen Mekka. Wirklich erstaunlich war die beachtliche Zahl von Kunden die den Preis- und Frischevorteil des Rampenverkaufes (quasi Fabrikverkauf) nutzen, um die benötigte Dosis Dublers beim Chef persönlich am Fabrikschalter zu erwerben. Interessant zu beobachten, wer was und wieviel in seinen Kofferraum verfrachtet.

Schatzkisten à Stücker 50

Direkt neben der Produktionhalle liegt die fast ebenso grosse Garage nebst Reifenlager für das Dublersche Hobby der Rennfahrerei mit aufgebohrten Chevys. Der Dublerschriftzug ziert ganz passend die Rennkarossen des rasenden Mohrenkopfmeisters.

Überraschend ergab sich die spontane Möglichkeit die Produktionsstätte der Dublerschen Köstlichkeit leibhaftig zu betreten und der Verwandlung von Eiweisschaum zu korrekten Mohrenköpfen staunend beizuwohnen.

Eine süssliche Vanillenote schwebt in der heiligen Produktionshalle, die Eiweisschaumschläger verdichten rührend die Masse, welche von einem der Arbeiter mit der Hand in den Fülltrichter gegeben wird woraus der Schaum in Achtereihen auf die Waffelbasis gedrückt wird.

Professioneller Eischneeträger

Anschliessend beginnt eine Metamorphose über 30 Meter — die noch weissen Rohköpfe werden mit Zartbitterscholode abgeduscht, gefönt und gekühlt.

Waschen. Legen. Föhnen. Aber Zartbitter!

Mit maschineller Unterstützung werden die Leckereien in Handarbeit sortiert und verpackt.

rhythmisierende Vergoldung der 1. Wahl
rhythmisierende Vergoldung der 1. Wahl

 

Ausschuss, fehlerhafte Mohrenkoepfe

Die Mitarbeiter sind allesamt sehr gastfreundlich und der momentan in der Verpackung eingesetzte Neffe aus Neuseeland gab ausgiebig Auskunft, was zu einem kleinen Stau auf der Mohrenkopfförderstrasse führte.

Überhaupt herrscht dort eine völlig entspannte Atmosphäre – Dubler ist bekannt für sein Managment by love, er nutzt Ökostrom auch für seine Fabrik und das sich dem Produktionsareal direkt anschliessende Wohnhaus ist ein so genanntes „Erdhaus“ und sieht fast ein wenig wie ein Mohrenkopf ohne Schoggi-Überzug aus.

unscharfe bunte Beuteschäume

PS: Die produktionsrelevanten Fotos sind mit kleinen Dokumentarfilmchen unterlegt, Klick auf Bild, Ladezeit abwarten, Film ab.