Opferrolle

Kaum ist die Ausschaffungs-Initiative angenommen, wird hartherzig ausgeschafft und pikanterweise ist der Initiant selber das erste Opfer.

Die SVP steht nämlich für den sonnabendlichen Programmparteitag plötzlich ohne die vorgesehenen Räumlichkeiten da. In der einen tagt bereits der Gewerkschaftsbund UNIA und will partout nicht mit der Volksseele unter einem Dach sitzen. Die als Ausweichquartier auserkorene Universität Lausanne sagte wegen drohender Proteste ab und andere Örtlichkeiten stehen im Kanton Waadt in der notwendigen Grösse schlichtweg nicht zur Verfügung.

Herbergsloses Bibbern in der Weihnachtszeit

Zum Glück hat ein örtlicher SVP-Scherge etwas Grundbesitz in der Nähe von Rolle am Genfer See und jetzt findet der Parteitag halt in frischer Landluft statt.

Viel Hirn wird dabei trotz der prognostizierten minus fünf Grad vermutlich nicht erfrieren — die Reden sind zackig kurz und der ganze Spuck wird schon nach gut zwei Stunden vorüber sein.

Für die SVP ein Wahlkampfauftakt nach Mass, kann man doch als eidgenössischer Märtyrer prima weiter an der selbstgebastelten Legende stricken…

Souplesse

Geschafft! Das Schwinger-Album ist vollgeklebt.

Nach einem halben Jahr Sammelstressspass nebst unnötiger Geldausgaben und überflüssiger Zeitverschwendung sind alle 178 Bildli eingeklebt. Den Schlusspunkt unter das langwierige Hin- und Hergetausche setzte Nummer 167 (per Post aus Luzern) — jetzt kommt das grosse schwarze Loch…

Auffällig war, dass 80 Prozent der Tauschpartner Mädchen oder Frauen waren. Schwingen ist halt sexy.

Volksstimmung

Ende November wird über die neue Zürcher Parkplatzverordnung volksabgestimmt, wonach jedem Einwohner ein Veloabstellplatz zusteht. Ungleich mehr Echo wird die Annahme der Auschaffungs-Initiative krimineller Ausländer durch das Wahlvolk auslösen — Völkerecht hin, Abschiebung her.

Die rechts-nationale SVP hat einmal mehr die propagandistische Oberhoheit erreicht. Dank ihres milliardenschweren Führers und mittels der deftigen Gestaltung durch die Werbeagentur eines zugewanderten Deutschen (! genau, der mit den rot-schwarz-weissen Hetzplakaten) bekommt man werbepsychologisch vermittelt, dass Detlev, Faruk, Ivan und Ismir nicht bloss fingerkauende schlecht rasierte und mies gekleidete Ausländer sondern potentielle schwarze Schafe sind.

Nach der allfälligen Verabschiedung werden juristisch auffällig gewordene Eidgenossen auch zukünftig nicht ausgewiesen, gleichwohl sie annähernd doppelt so kriminell sind wie die braven Gastteutonen.

Sprachschatz

Äbese, Ambeisse, Ambessgi, Ambitzli, Ameisi, Ämesse, Aweissi, Bumbeisgi, Empeisele, Hampeissi, Harmäusli, Hobäsle, Humbetzgi, Lombeisse, Omeisele, Umbasle, Umbeisse, Uweisse, Wambusle, Wumbitzgi, Wurmasle, Wurmeisle, Wurmeissi.

Zipfel, Wegge, Scherbitz, Reifteli, Obenäbli, Mutsch, Mürrgi, Münggel, Mugerli, Gutsch, Gruschte, Gupf, Güpfi, Götsch, Fux, Fuudi, Houdi, Deckel, Chropf, Chäppli, Bode, Änggel, Aaschnitt, Aamündli, Aahau, Aahäulig, Aahäueli.

Zugluft

Inszeniertes Hochamt mit Durchschlag. Höhlenmenschen im medialen Taumel. Schnäbelnde Bundesräte mit feuchten Augen. Weihwasser und Dosenbier. Roman Signer jagt 100 gelbe Bauhelme in die Luft. Patrouille Suisse düst trotz Hochnebels lautstark Formation. Tunnelbohrmaschinen sind deutsch und weiblich. Tunnelbauer überwiegend männlich, deutsch, österreichisch, südländisch und ausländisch.

«Der Berg ist gross. Wir sind klein.» (Bundesrat Leuenberger)

Loch Mega

Das Loch an sich ist eine Schweizer Spezialität: das berühmte im Käse, das experimentelle Schwarze, das finanzielle Schlupfloch und sogar die Wohnmaschine heisst Loch-er-gut. Manchmal allerdings misslingt das Lochen und ein Rumoren bleibt.

Hierzulande werden die siebartig durchlöcherten Berge bloss noch vom Zement der Tunnelröhren vor dem Zusammenfallen bewahrt. Für das einsturzgefährdete Gotthard-Massiv erfolgt Mitte Oktober der Durchstich zu einer gleich doppelt angelegten Querverstrebung im Rahmen der NEAT. Bei einem aktuellen Bodycount von acht wird die neue Betonröhre mit 57 km Länge durch den Gotthard neuer Weltrekordhalter für stabilisierende Querverstrebungen mit Lochcharakter.

Die vom Lochojochen Joken aus B in D freudig erwartete und ursprünglich als touristische Attraktion geplante Porta Alpina mit Vertikallöcherung nebst Lifteinbauten und Imbissstuben wurde kurzfristig auf Eis gelegt: wegen einer Temperaturdifferenz zwischen Innenloch und Aussenwelt von bis zu 50 Grad Celsius bekamen die lokalen Lochfans kalte Füsse und Zugluft.

Ausscheidung

Das Hochgebirge der Schweiz scheidet zwei über die Landesgrenzen hinweg bekannte Abwässer aus: den Rhein und die Rhône. Aus hygienischen Erwägungen werden beide gründlich gereinigt bevor sie sich ins jeweilige Nachbarland ergiessen. Der Rhein wird im Schwäbischen Meer tapfer nach Kehrwochenplan (immerhin drei Parteien!) geputzt während die Rhône ihre mitgeführten Ballaststoffe einfach im Lac Léman sinken lässt.

Vom Seeausfluss auf Genfer Stadtgebiet bis hin zur Grenze nach Frankreich benötigt die aufgeklärte Rhône bei sommerlicher Fliessgeschwindigkeit schlappe zwei Stunden. Diese Zeitspanne nutzen findige lokale Bootsbauer, um beim alljährlichen radeaux du Rhône genevois mit ihren selbstgebastelten Wasserfahrzeugen gemütlich flussabwärts zu driften. Konstruktionsbedingt havarieren einige der Prototypen schon kurz nach dem Stapellauf, weil schlichtweg das archimedische Prinzip unterschätzt wird.

Nichtsdestotrotz wird bei diesem lustigen Treiben auf dem Wasser tüchtig gefeiert, viel getrunken und ausgeschieden — und so kommt die Rhône an einem Samstag im Jahr etwas trüber rüber.

Schlussgang

Als beim Eidgenössischen ein junger Berner Senn nach sieben Siegen ensuite bereits vor dem letzten Gang uneinholbar in Führung lag, war das Kopfzerbrechen von Jury, Fachleuten und Zuschauern gross, ob — im etwaigen Falle einer Niederlage im traditionellen Schlussgang — er lediglich als Erstgekrönter oder trotzdem zum König ausgerufen werden solle.

Emporkömmling Wenger Kilian liess aber an jenem heissen Wochenende alles kalt und er bodigte schlussendlich auch seinen achten Gegner.

Ein Hüfter komplettiert den totalen Sieg

Für den neuen Schweizer Liebling steht IMG als Vermarkter parat und der Lidl-Stucki jetzt etwas dumm da. Trotz langatmiger Positionierung als urchige Marke hat er sich zu billig an den Falschen verkauft und wird nun auch noch mit rechtem Gedankengut („Schweizer kann jeder werden, Eidgenosse nicht“) in Verbindung gebracht. Marketingtechnisch reiner Sepukku.

Generell werden durch die zunehmende Gigantonomie des Älplerfestes selbst kleinere Nachbeben innerhalb der Schwingerszene medial verstärkt.
Ein typischer Fall des dialektischen Umschlags von Quantität in Qualität.

Als Schmankerl zum Saisonausklang noch ein eindrücklicher Hintergrundbericht einer (professionellen) Besucherin des Eidgenössischen Schwingfestes und ein für Nicht-Helveten aufschlussreicher Artikel in der FAZ.

Gut Schwung!

Cardinalzahlen

und notorischer Globalisierungsdruck veranlasst Carlsberg den untertänigen Cardinal demnächst überflüssig zu machen.

Die Produktionsverlagerung der alkoholfreien Biere nach Frankreich als Hauptgrund der Schliessung entbehrt nicht einer gewissen Süffisanz. Der bleifreitankende Hobbyschweizer trank was er konnte, muss jetzt aber wohl eine neue Zapfstelle ansteuern.

Immerhin bleibt blieb der treue Boxer trotz schwieriger Auswärtsspiele in Frankreich und Indien (bis zur Fusion mit Doppelleu 2017) hart am Ball.

Tötungsabsicht

In der Schweiz wird in Bälde eine Initiative für Todesstrafe bei Mord mit sexuellem Missbrauch Unterschriften sammeln. haben die Urheber der Initiative dieselbige nur einen Tag nach Veröffentlichung im Bundesblatt zurückgezogen. Die letzte Hürde auf dem Weg zu einem Volksentscheid besteht in 100.000 Unterschriften innert 18 Monaten. Dies scheint machbar und seit der erfolgreichen Minarett-Initiative in diesem Land nichts mehr ausgeschlossen.

Im Erfolgsfalle könnte man die anstehenden Exekutionen dann durch die clevere Ausnutzung des Konkurrenzdruckes der Söldnerfirmen, welche sich vermehrt in der „freizügigen“ Eidgenossenschaft niederlassen, kostenneutral privatisieren.

Kranzausstich

Photo © Eva P 2010

Die zwei grössten Hosen treffen gleich im ersten Gang aufeinander. Das ist gewollt und üblich beim Schwingen — dadurch wird der Wettkampf quasi von Anfang an forciert!

Resultate dort.

Hopp Abderhalden, Forrer (Nöldi!), Fausch (!) und natürlich Pellet! Der Publikumsliebling unter den Schwingerfans wird aufgrund seiner attraktiven und risikofreudigen Kampfweise von den im Allgemeinen eher zurückhaltenden Zuschauern regelmässig mit Sprechchören angefeuert.

Zum Bildli-Tauschen hätt ich von den Spitzenpaarungen her gerade Lauper, Zbinden und Koch; für den Zbinden will ich aber zwei retour, weil mir der auf der Schwägalp (neben Pellet) recht imponiert hat…