Zurigo due, Bellinzona nulla

Die am Ende zu zehnt auf dem Platz verbliebenen Tessiner schossen ein einziges Mal auf das gegenerische Tor ohne es zu treffen, der FC Zürich aber traf zweimal. Nach dem zuletzt erlebten Zittersieg gegen den allerletzten der höchsten Schweizer Fussballliga, gab es diesmal einen reinen Arbeitssieg gegen den Vorletzten. Der Hobbyschweizer weilte diesmal direkt neben der dauerstimmungsmachenden Südkurve im Baustellenstadion, auch weil in der Kurve die Sichtbehinderung der kürzlich eingebauten Hilfsstützen durch den Fächereffekt nicht ganz so gravierend ist. Paradox fast, dass die zahlungskräftige Klientel auf der Haupttribüne mit all den Logen am wenigsten sieht. Das gerade einmal zwei Jahre alte Stadiondach im Letzigrund hielt — dank der vielen minarettartigen Extrasäulen — nicht nur den Regenschauer ab. Der Dachschaden ist natürlich eine Riesenblamage, welche die zur Wiedereröffnung angereisten Gästefans zum Tragen von Bauhelmen animierte.

Sehbeschwerden

Ganz interessant zwei amtierenden Weltmeistern bei ihrer leichten Tätigkeit zuzusehen – jawohl, die Schweiz ist dank der vielen Secondos U17-Weltmeister und der FCZ hat gleich zwei der in Nigeria siegreichen Talente in seinen Reihen. Die Nummer 3 Ricardo Rodriguez hinterliess einen frühreifen Eindruck, Tribünennachbar Adi meinte „Ein klares Versprechen für die Zukunft!“

Angenehm auch die quasi UEFA-Cup mässig anmutende Atmosphäre dank der bilingualen Ansagen der Stadionsprecherin. Im Gästeblock waren immerhin 17 Fans vom AC Bellinzona auszumachen, die restlichen 7.883 hatten aber ihren Spass.

Wo du bisch sind mir!

Kreuzzugig

Die lauernde Aufmerksamkeit gegenüber den Eigen- und Besonderheiten des gastgebenden Landes ist für den Hobbyschweizer eine wesentliche, gleichwohl immer wieder überraschende Erfahrung. Fast täglich nimmt er allerlei wundersame Dinge wahr, welche manchmal fast unwirklich, oft genug zumindest sonderbar erscheinen. Ausländersein ist befremdlich, schärft und verengt den Blick zwangsläufig.

Wer kennt diesen Mann?

Das unablässige Herausstellen der Verschiedenheit gegenüber den drei grossen Nachbarländern ist für die Schweiz, die nicht über einen gemeinsam verbindenden und damit homogenisierenden Sprachraum verfügt, zum nationalen Fetisch geworden und unterstützt so den verbreiteten Hang zum Isolationismus. Das in allen drei Sprachräumen zu Tage tretende ehrgeizige Strebertum Marke kleiner Bruder ist zwar Identitätsstiftend aber auch ziemlich anstrengend für alle Beteiligten.

Wo ist diese Gasse?

Ist die Schweiz markentechnisch nicht tipp-topp gelistet wie bei einem unbedeutenden Ranking zum Thema Lebensqualität, wird die Sorge vor schlechter Reputation publizistisch gerne geschürt.

In der Binnenwahrnehmung ohnehin als Insel der Glückseligkeit geltend irritiert schlechter Leumund wie in Sachen Finanzplatz. Reflexartig wird von einschlägigen Lobbyisten das Mantra Bankgeheimnis bemüht, um die ertragreiche Unterscheidung im Schweizer Steuerrecht zwischen Steuerhinterziehung (kein Straftatbestand) und Steuerbetrug zu bewahren.

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Höher, weiter, röter.

Die national-aufrechte Gesinnung verspürt nach der überraschend deutlichen Annahme des Minarett-Verbots starken Aufwind und wurde durch jenen Volksentscheid quasi salonfähig – schliesslich hat die Mehrheit immer recht und beansprucht automatisch Deutungshoheit. Helvetisierung scheint nun das politische Ziel der rechten Schweizer Parteien und Medien zu sein. Holzschnittartig wird der Ausländer an sich und der in Zürich besonders als Toitscher in Erscheinung tretende zum Feindbild:

Ausländische Ellbögler und teutonischer Filz.

Dass der in Genf tagende UNO-Menschenrechtsrat den Gastgeber selbst kritisiert, überrascht angesichts xenophober Kampagnen mit schwarzen Schafen oder zum Thema Minarett-Verbot keineswegs.

Schwarz, schwärzer, anschwärzen!

Die betrübliche Melange aus populistisch angeheiztem Nationalismus und wachsender Fremdenfeindlichkeit wird zunehmend jauchiger und verstört selbst den Hobbyschweizer.

Lustig ist das Migrantenleben…

Novemberstimmung

Ende November wird, wie alle Vierteljahre wieder, über diverse den Eidgenossen vorgelegte Initiativen volksabgestimmt. Ganz weit vorne ist die „40 Meter Kampagne“, die einfach keine hohen Gebäude in Zürich will. Die der Jahreszeit angepasst depressiv wirkende Kampagne scheint beim Wahlvolk zwar chancenlos, dass sich aber jemand an die Menschen jenseits der 40 Meter erinnert isch mega und tut einfach gut:

Die Poleposition verpasst hat wegen allmählich nervender dumpfbackig vorgetragener Fremdenunfreundlichkeit in schwarz-weiss-roter Penetranz die Minarett-Verbot-Initiative. Zudem rumpelt „Stopp – Ja“ syntaktisch etwas.

Völlig ausserhalb der Konkurrenz startend führt Pizza Blitz eine überraschend eingängige Kampagne, auch wenn es mit diesem Slogan nicht ganz zu einem Ehrenplatz bei den Delikatessen gereicht hat: