Prima Klima

Früher war no future heute more. «Gopfrid Stutz jäzz Klimaschutz!» lautet eine der Parolen. Auffällig viele Grosseltern und Eltern. Samstags muss kein Unterricht oder Job geschwänzt werden, und so sind es zu Zürich sicher um die 20.000 Mitläufer.

Kleine und grosse Leute, rote und schwarze Fahnen, Pfadis aus Belgien («On est plus chauds que le climat!») und klimastreikende Frauen, die schon jetzt zum Frauenstreik am 14. Juni aufrufen. Manche müssen erst noch lernen ihr Transparent

plakativ zu gestalten, andere sind Dosenbier trinkend schon nach wenigen Metern nicht mehr ganz klimaneutral und ziemlich heiser. Einige grüssen, Kundschaft aus der weiten Gemeinde und ich frage mich, wo und wie man den Funk nach Frankfurt zur Zeitmessung unterbricht. Eine Turmuhr zeigt in der Stadt bereits fünf vor zwölf.

Alle sind gut drauf, sogar die Nachhut, welche mit Abfallgreifern und Kübeln ausgerüstet all das aufsammeln, was die Vorgänger auf dem Weg verloren bzw. liegen haben lassen. Saubere Sache denke ich noch, Schweiz nur Hilfsausdruck.

Einsamkeitsministerium

Der künftige Single-Staat United Kingdom hat clever vorgesorgt:

The U.K. has appointed a minister for loneliness to deal with what Prime Minister Theresa May called “the sad reality of modern life” for too many people.

in 2017 a British commission found that nearly nine million people in the country either often, or always, feel loneliness — a condition that can have harmful health repercussions.

“It’s proven to be worse for health than smoking 15 cigarettes a day,” Mark Robinson, head of Age UK, Britain’s largest nonprofit working with older people, told the Times.

bauhaus 100

neues von wittmann/zeitblom. diesmal zu 100 jahre bauhaus:

adaptiver apaprat – nice catch via screenshot

gegenwart zukunft postmoderne. zeitreise in sachen kunst & technik. menschmaschine & wohnmaschine. transzendente spiritualität unbedingt. gesichtsklangplastik. raumzeit. selbstheilung durch kunst. innere oktaven. immersive audiocollage. stereofonie total. binaural & leibhaftig in B (D).

Delikat Essen LXXX

Dass Frauen im Kanton Tessin und Schwyz am wenigsten zu sagen haben, erstaunt nicht. Dass der Bananenwerfer Doppelbürger ist, wundert niemand in der FCZ-Südkurve. Aber dass Schoggi Nazionale den Rechten nimmer schmeckt, ist eine fette Schlagzeile wert. Die spinnen, die AFDler.

Wandelsterne

Ursprünglich sollte die Kometenmission Rosetta der ESA den (nach Klick!) zeitgerafft rotierenden 4P/Wirtanen besuchen. Durch eine Fehlfunktion einer Ariane-Rakete war das Zeitfenster für einen Besuch nicht mehr einzuhalten, sodass stattdessen bekanntlich Churyumov-Gerasimenko anvisiert und der Kometenlander schliesslich dort ausgesetzt wurde.

Wirtanen, Komet 2018

Farnham et al. (CBET 4571) report a rotation period of 8.91 hr, based on the coma morphology seen in CN (see figure). Repetition over at least eight rotations is consistent with a conjecture that the nucleus is in a state of simple rotation. (University of Maryland)

Mitte Dezember wird sich der periodisch umlaufende Wirtanen der Erde bis auf 30 Mondentfernungen annähern und unter Umständen sogar fürs unbewaffnete Auge in der Nähe der Plejaden sichtbar, aber kein Vergleich zu solch grossartig leuchtenden Vorbildern wie Hale-Bopp anno ´97 sein. Das schafft auch nicht das Kunstprojekt Orbital Reflector, welches just mit einer Falcon 9-Rakete in eine Umlaufbahn gebracht wurde und ähnlich hell wie die Sterne im Grossen Wagen (Bär) leuchten soll. Mal schauen.

Los Hamburgués

Hamburg Weltstadt stolz und reich und arm und würdelos. Eine völlig verlebt und zerlumpt aussehende Person schiebt ihre Sieben-Wagen-Karawane, bestehend aus schäbigen Trolleys und Einkaufswagen, wechselweise fünf Schritte das Trottoir entlang. Stau im Pyramidenbau nur Hilfsausdruck. Die Emsigkeit und Akkuratesse dieser seltsamen Performance steht im völligen Kontrast zu der nach wahllos zusammen gelesenen Müll aussehendem Ladung der übervollen Transportmittel. Petflaschen mit trübem Inhalt und andere erbärmliche Habseligkeiten sind eher zu erahnen als erkennbar, weil aus empfundener Scham gegenüber dem rastlos und ungerührt agierenden Menschen einerseits lieber nicht so genau hingeschaut wird, andererseits es nicht wirklich interessiert. Ein trostlos bleiernes Grauschwarz in der vifen Urbanität der agilen Neustadt. Unwirkliche Abscheu gepaart mit Staunen über die fast choreographiert wirkende Aktion stellt sich ein, dazu ein heimlicher Blick zurück. Watsdat?! Aber ja, die anderen Passanten haben es auch gesehen und ebenso sprachlos nicht reagiert. Das Elend in Teutoniens Metropolen wirkt krass im Vergleich zu der helvetischen Insel. Handkehrum fällt der Ex-Sozialministerin aus D das Fehlen solcher Strassenszenen hierorts sofort auf. Selber an der Armutsfront tapfer kämpfend kennen wir natürlich Obdachlose, arme Schlucker, Sans-Papiers und Wanderarbeiter. Aber nicht in solch drastischen Ausschmückungen wie im Harz4land. Sogar im beschaulichen Schwabenländle sind Bettler, Strassenmusikanten und herumlungernde Menschen in den Innenstädten gewöhnlich, in Zürich all dies unter Androhung von Wegweisung aber strikt untersagt. Wenn halbe Zombies durch die Berliner U-Bahn schwankend mit der „haste mal“-Forderung auf Kleingeld drängen, ist für glückselige Inselbewohner derart direkte Konfrontation nur erschreckend. Ein diffuses Gefühl keimt auf: wir sind reich, weil ihr arm seid. Wenig später beim Michel, eine beinah noch groteskere Szenerie. Wo innen wahrhaftig ein Geschäftsführer tituliert, wird aussen überm Hauptportal Satan vom namensgebenden Erzengel stolz mit dem Kreuze bezwungen. Gleich nach dem Sieg dann drinnen das unübersehbare Schild mit der Bitte, gefälligst (s)einen Obulus abzulassen.