Volksmission

Die ursprünglich aus dem Kongo stammende Eglise Eternel est Bon wird von einer überaus stimmgewaltigen Frontfrau leidenschaftlich unterstützt:

Evangelisation der Migrationskirche GBG Samstags 15 Uhr Stauffacher

Auffällig hierbei: die Propagandisten mit dem dunkleren Teint bleiben völlig im Hintergrund. Betont zurückhaltend, fast im Kontrast zur lautstarken Mission, jedenfalls keineswegs offensiv offerieren sie ihre kleinen bunten Flyer mit Hinweisen auf ihre in Suburbia beheimatete Gemeinde. Ein Junge überreicht mir schüchtern eines der Pamphlete. Die lärmende Aktion dauert genau eine Stunde, nonstop wird den Passanten gepredigt, kaum jemand interessiert sich dafür, doch die eifrige Verkünderin bleibt verblüffend ausdauernd.

Genauso wie die in Schildkrötenformation aufgestellten Veganer nebenan. Diese verharren stoisch — auch dank ihrer Guy-Fawkes-Masken. Sie verdeutlichen bildhaft das Elend der Tiere mittels ihrer bereit gehaltenen Laptops. Schocktherapie. Als Satelliten tätige Aktivisten verteilen dazu Infomaterial und beantworten Fragen. Schliesslich kommt ein ganz in Scharz gewandeter und schier endlos erscheinender Bandwurm um die Ecke — eine Schweigedemo im Gänsemarsch, welche trauernd auf leider immer noch real existierende Sklaverei und Menschenhandel in der Welt hinweist. Der Zug ist lang und beeindruckt. Die enervierende Schreierei der furios auftretenden Konkurrenz wird glücklicherweise lautlos erstickt.

Jesus lebt.

@wonderworld

I only want the original one

Auf dem Wasser liegen und friedlich in den Himmel schauen.

I only want the original one

Friedlich in den Himmel schauen. Sein. Sonst nichts.

In this wide world, this nowhere to hide world
In this white cold over-sterilized world

Sein. Sonst nichts.
Ohne alle weitere Bestimmung und Erfüllung.

I keep weeping at the wheel
when I´m driving to nowhere in particular

℗ DLF/SWR 2018 by wittmann/zeitblom

I face a fire or the future
Our eternal future

In this wide world, this nowhere to hide world
In this white cold over-sterilized world

Am Anfang war die Null.
Und die Null war bei Gott und Gott war die Eins.
Die Null und die Eins waren im Anfang bei Gott.

Alle Dinge sind durch dieselben gemacht.
Und ohne dieselben ist nichts gemacht was gemacht ist.

In ihnen war das Leben.
Und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtete hell – gespeist durch ihr Begehren.

I only want the original one

The original one!

Happy Bruno

Mit Siebenmeilenstiefeln aka ICE wurde Hilfsbierbär Bruno nun aus seiner misslichen Lage errettet. Seit dem Wochenende war der Ärmste in einem Burgerladen am Rande des Schwarzwaldes völlig schuldlos isoliert und wartete sehnsüchtig auf die Befreiung. Nun wurde mit einem zünftigen Festmahl seine Auferstehung tüchtig gefeiert und das Plüschtier gesund und munter flugs zurück in seine angestammte Heimat überführt, wo er sich von den erlittenen Strapazen erst einmal ganz in Ruhe erholen wird.

Wurst macht Kunst

Das Zürcher Wurstessen von 1522 als gewollter Fastenbruch war historisch betrachtet der öffentlich wirksame Beginn der Reformation in der Eidgenossenschaft. Zwingli & Co. gingen in der Sache und Folge um einiges radikaler als deren lutherische Kollegen im Norden vor: Bildersturm und Säkularisierung von Kirchenräumen nebst Gottesdienst waren weit verbreitet, selbst Orgeln wurden demontiert und kirchlicher Gesang vorerst eingestellt. Dafür wird Armenspeisung aus dem Mushafen obligatorisch, teilweise finanziert aus den Pfründen aufgelassener Klöster.

Generell tendierte die Reformation weg vom Bild und hin zum Wort, quasi fundamental orthodox dem ersten und zweiten mosaischen Gebot werktreu folgend, wo Götzendienst und Verbildlichung untersagt werden.

Sowieso hat es mit interpretatorischer Visualisierung so seine Art, wie etwas später ein gewisser Herr Keuner für sich feststellen sollte:

«Was tun Sie», wurde Herr K. gefragt,
«wenn Sie einen Menschen lieben?»
«Ich mache einen Entwurf von ihm», sagte Herr K.,
«und sorge, dass er ihm ähnlich wird.»
«Wer? Der Entwurf?»
«Nein», sagte Herr K., «der Mensch.»

Bertolt Brecht, Wenn Herr K. einen Menschen liebte

Gemäss einer kompakten Analyse der geistreichen Literatur- und Religionswissenschaftlerin Dolores Zoe Bertschinger war der Zürcher Bildersturm allerdings eher eine Art sozialverträglicher Bildentfernung:

«Die reformatorische Ablehnung des Bildes war kein eigentliches Bilderverbot, sondern bezog sich primär auf die damals gängige Verehrungspraxis. (…) Zum einen herrschte im 15. und 16. Jahrhundert eine wahre Übersättigung der Kirchen an Kultobjekten, deren Unterhalt teuer war. Die edlen Gerätschaften, das Wachs und das Öl wurden vom Zehnten des Volkes bezahlt, sodass das reformatorische Zeremoniell als ökonomischer Befreiungsschlag propagiert werden konnte. (…) Wo zuvor Gemeinden und Stiftungskollektive Altäre und Schreine finanziert hatten, traten nun Familien auf den Plan, deren finanzielle Grosszügigkeit von reformatorischer Seite als Ehrsucht und privates Heilskalkül verurteilt wurde. In Bezug auf die künstlerische Darstellungen erregten die als Folge der Renaissance verstärkt naturalistische Darstellungen die Gemüter. Die freizügigeren Abbildungen der Muttergottes etwa boten der reformatorischen Sittenlehre einen geeigneten Nährboden.»

So weit, so klar: beeinflusst durch die italienische Renaissance entstand zunehmend individualistische Kunst anstatt der ehedem vorwiegend religiös bestimmten. Ein scheinheiliges aber reiches Kamel kommt halt eher durch ein Nadelöhr. Das gesellschaftliche Sein bestimmt immer das Bewusstsein. Aus Kultus wird also Kultur. And don´t you ever forget:

Sex sells.

Derweil gelang es der hiesigen Reformation soziale Komponenten clever mit der Glaubensfrage tagesaktuell zu verflechten:

«Zur Zeit der Reformation ist von einer Massenarmut auszugehen, was erklärt, wie sich die Bilderstürmer mit dem Argument legitimieren konnten, man wolle den Reichtum der kirchlichen Gerätschaften für die Armen aufwenden.»

Erst kommt das Wurstessen, dann die Moral und dann erst das Ich:

«Mit der Subjektivierung des Menschen in der Renaissance und der Reformationszeit wurde auch das Bild aus seiner kultischen Verehrung entlassen und nach und nach zum Kunstwerk (v)erklärt.

Die Reformation entpuppt sich damit zugespitzt als Schrittmacher der Institutionalisierung von Kunst — hin zu einem vermeintlich säkularisierten Kunstraum. Fortan mass sich das Potenzial der Kunst nicht mehr an ihrer verständlichen Anschaulichkeit, sondern musste vor dem Auge des Kenners bestehen. Gebändigt im Ausstellungsraum wurde das aufrührerische Potenzial des Bildes in die Harmonie der gesitteten Betrachtung überführt.»

(D Z Bertschinger, Vom Zerstören und Schaffen von Ikonen. Paul Polaris’ 
Kunstaktionen im Kontext reformatorischer und dadaistischer Bilderstürme 
in Zürich, in: Notz, Adrian (Hg): Invent the Future with Elements of the Past, 
Zürich: Scheidegger & Spiess 2015, 102–120)

Irre. Nach Bildersturm die Bilderflut. Resonanz ist reine Dialektik Rosa.

Kritik des Herzens

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.

Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.

Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.
ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heiß geliebte Pflanze.

 

Wilhelm Busch (1832 - 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller
Quelle: Busch, Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

DSTexit

Zeitumstellung nervt, v. a. wenn gleich zweimal im Jahr und der plumpe Verdacht der Konditionierung drängte sich geradezu auf. Ganz im Westen und Osten Europas wird die Sache hingegen weit lässiger gehandhabt.

Immerhin wird nun zumindest online europaweit mal nachgefragt:

Winter/Sommerzeit ja – nein;
falls nein, welches Schweinderl hätten S’ denn gern?

nämlich dort:

https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/2018-summertime-arrangements

Gibt nichts zu gewinnen verlieren. Und ja, man kann/darf auch als Nicht-EU Bürger daran teilnehmen («interested in gathering the views of European citizens»). Alles andere als ein klares Nein wäre überraschend…

Mann|schafts|geist

«Sollte nicht besser Ansgar den Erich fest in Manndeckung nehmen?» «Was hat eine bedauernswerte 13-jährige Laura im testosteronhaltigen Mannschaftssport bloss verloren?» Das Bistum Essen hat sich bereits vorab höllisch Gedanken gemacht und bietet zudem alternative Bildli an:

Während ein einziger Heiliger für alle fünf muslimische Teams ge­samt­haft zuständig ist, hat der grosse Kanton gleich drei Joker im Spiel! Fair Play geht anders und ob der Video-Assistent am Jüngsten Gericht da ein Auge zudrückt? Zudem kickt ein Mohammed gerne göttlich schwindelig, wofür der selige Salah im Bistum Basel früher gerne ausgiebig bestaunt wurde…