Bei fast 30’000 Kilometern pro Stunde im freien Fall den Caravan abzukoppeln ist mutig.
Schlagwort: Weltall
Treibstoff
Satellite of junk
Beim Teutates
Ein bereits 2021von der ISS abgetrenntes Batteriepaket wird nach dem unkontrollierten Eintritt in der Erdatmosphäre nicht restlos verglühen. Teile des 2.6 Tonnen Aggregates werden mutmasslich die Erdoberfläche erreichen werden. Da unsicher ist, wann der taumelnde Weltraummüll eintritt, sind diverse Möglichkeiten der Streuung errechnet worden.
Statistisch scheint es für Mitteleuropa gut auszusehen und diesmal wird nicht all zu viel von dem tonnenschweren Schrott hart aufschlagen. Sieht man sich jedoch die beeindruckende Animation aller die Erde umrundenden Teile auf der Internetseite Stuffinspace im erdnahen Weltraum an, werden möglichst genaue Bahnberechnungen auch künftig mehr als nötig sein, damit uns nicht der Himmel auf den Kopf fällt.
Eisberg voraus
Nach dem antiken Mathematiker Euklid von Alexandria ist die just gestartete und bislang prima laufende ESA-Mission Euclid benannt, die in den kommenden sechs Jahren am Lagrangepunkt 2 gleich neben James Webb die mysteriöse dunkle Materie und Energie lokalisieren und beforschen soll. Euklids «Elemente» soll laut ETH übrigens das meist gedruckte Werk nach der Bibel sein. Doch ähnlich wie man von Euklids Leben sonst so gut wie nichts weiss, bleibt auch das Universum selbst weiterhin ein gigantisches Rätsel.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass im Weltall die gesamte sicht- und detektierbare Materie gerade mal 5% ausmacht, der weit überwiegende Rest jedoch soll aus dunkler Materie bestehen bzw. dunkle Energie beinhalten. Dies ist abgeleitet davon, dass sich Licht über lange Strecken einerseits anders krümmt als erwartet sowie Sterne nicht durch Zentrifugalkraft aus den galaktischen Systemen quasi herausgeschleudert werden, obwohl sie in den Enden der Spiralarme physikalisch viel zu schnell unterwegs sind. Zum anderen ist die beschleunigte Expansion des Universums noch immer nicht verstanden und die Schuld daran wird hier der dunklen Energie gegeben. Während andernorts Wissenschaftler unter Schrebergärten auf der Lauer nach dem Licht im Dunkel liegen, wird der ESA-Satellit während seiner prognostizierten Laufzeit rund ein Drittel des Himmels kartieren.
Bis dahin ein bereits acht Jahre alter Erklär-Film, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Egal wie viel Energie in den letzten Jahren bereits im LHC verfeuert wurde, ausser Higgs war nicht viel gewesen und die dunklen Teilchen blieben schön verborgen. Der Start von Euclid wiederum lag wegen dem finsteren Putin etwas im Schatten, doch Space X half nun aus und die Hoffnung bleibt, dass die Erleuchtung kommen möge, bevor uns allen der Saft aus geht.
Godspeed!
TV-Star Shaun the Sheep wird bei der Artemis 1 Mission als ESA-Astronaut teilnehmen.
Zusammen mit Helga, Zohar und Moonikin Campos wird das mediale Schaf die erste Besatzung bilden, welche seit 50 Jahren einen Testflug zum Mond und zurück unternimmt. Das nächste Startfenster für die Probefahrt öffnet sich am kommenden Samstagabend für zwei Stunden [edit 3.9.22: und schloss sich, da ein aufgetretendes Leck im Wasserstofftank zwar lokalisiert, aber nicht behoben werden konnte. Next try sometime.]
Astronomy Picture of the Day
Das beobachtbare Universum gemäss der schicken Bearbeitung bei Wikimedia (dort klickbar!). Mehr eindrückliche Bilder und Fotos gibt es täglich frisch & neu bei der NASA. Von klein nach gross wird das Weltall in der Sendung Sternzeit vom DLF dekliniert.
Mercury 13
Was wäre wenn ein Sowjetmensch den ersten Fussabdruck im Mondstaub hinterlassen hätte — dieses Szenario thematisiert «For all mankind», eine US-Serie, von der die ersten zehn Folgen seit Herbst 2019 als Stream verfügbar sind. Das Wettrennen zum Mond verlieren die USA darin gleich zweimal, da die Sowjetunion auch die erste Frau erfolgreich landen. Die Mischung von Fiktion und Geschichte erlaubt dem Drehbuch das tatsächlich privat initiierte Mercury 13-Programm als NASA-Projekt erscheinen zu lassen und blendet Frauen-Demos mit «A woman’s place is in space»-Plakaten als alternative Fakten ein. Bereits 1960 sollte durch Mercury 13 bewiesen werden, dass Frauen durchaus weltraumtauglich sind, doch erst 1978 änderte die NASA schliesslich die Zulassungsbedingungen und schoss 20 Jahre nach der ersten Kosmonautin ihrerseits eine Frau ins All. Mir war das reale Mercury 13 völlig unbekannt, Walentina Tereschkowa dafür ein Star in einer Reihe mit Laika, Yuri Gagarin und Neil Armstrong.
Die erfundene Story endet einstweilen auf dem Mond, wo Astronauten und Kosmonauten am Südpolkrater Shackleton konkurrierend einen Rohstoff abbauen, nämlich Wassereis. Der kalte Krieg wird selbst dort oben etwas sinnfrei weiter geführt, ist wohl so ein Ami-Ding, denn auch in Ad Astra sind militärische Auseinandersetzungen auf dem Erdtrabanten üblich. Musikalisch spannt sich der Bogen von den Sixties durch die Seventies bis in die Eighties, von Ruffins «What becomes of the broken hearted», Bowies «Moonage Daydream» zu «Everybody wants to rule the world» von Tears For Fears. Eine eigentümliche Phantasterei, welche ihre Dramatik aus Eventualitäten gewinnt, deren irdische Komponenten (SS-Mann von Braun wird noch zu Lebzeiten demaskiert, Präsident Nixon wird Watergate verziehen) Zeitzeugen gegenüber arg übersteuert daher kommen. Serieller Quatsch halt.
Nach dem Abspann dann ein Steve Jobs-artiges «one more thing», when eine Big Fucking Rocket majestätisch aus dem Meer gen Himmel steigt und ihre Triebwerke knapp über der Wasseroberfläche zündet. Die kontrollierte Rückführung der erste(n) Stufen hätte ich bitte gerne von SpaceX als Wasserballett oder Synchronschwimmen inszeniert.
Wandelsterne
Ursprünglich sollte die Kometenmission Rosetta der ESA den (nach Klick!) zeitgerafft rotierenden 4P/Wirtanen besuchen. Durch eine Fehlfunktion einer Ariane-Rakete war das Zeitfenster für einen Besuch nicht mehr einzuhalten, sodass stattdessen bekanntlich Churyumov-Gerasimenko anvisiert und der Kometenlander schliesslich dort ausgesetzt wurde.
Farnham et al. (CBET 4571) report a rotation period of 8.91 hr, based on the coma morphology seen in CN (see figure). Repetition over at least eight rotations is consistent with a conjecture that the nucleus is in a state of simple rotation. (University of Maryland)
Mitte Dezember wird sich der periodisch umlaufende Wirtanen der Erde bis auf 30 Mondentfernungen annähern und unter Umständen sogar fürs unbewaffnete Auge in der Nähe der Plejaden sichtbar, aber kein Vergleich zu solch grossartig leuchtenden Vorbildern wie Hale-Bopp anno ´97 sein. Das schafft auch nicht das Kunstprojekt Orbital Reflector, welches just mit einer Falcon 9-Rakete in eine Umlaufbahn gebracht wurde und ähnlich hell wie die Sterne im Grossen Wagen (Bär) leuchten soll. Mal schauen.
Where are they?
Seit 60 Jahren wird mit wachsendener wissenschaftlicher Intensität nach intelligentem Leben ausserhalb der Erde (SETI) gesucht. Die vom US-Astronomen Frank Drake vorgestellte Drake-Gleichung beschreibt die Anzahl kommunizierender Zivilisationen (N) in unserer Galaxie, der Milchstrasse, wie folgt:
N = R* × fp × ne × fl × fi × fc × L
Dabei ist
N = Anzahl intelligenter Zivilisationen, die derzeit in unserer Galaxie Signale aussenden und folglich beobachtbar sein sollten
R* = mittlere Sternentstehungsrate in der Milchstrasse pro Jahr (recht gut bekannt, etwa ein Stern pro Jahr und Galaxie)
fp = Anteil Sterne mit Planeten (ungefähr 1: fast jeder Stern besitzt Planeten)
ne = Anzahl erdähnlicher Planeten pro Stern in der «Ökosphäre» (unsicher)
fl = Anteil der Planeten, auf denen sich Leben gebildet hat (sehr unsicher)
fi = Anteil der Planeten, auf denen sich intelligentes Leben entwickelt hat (sehr unsicher)
fc = Anteil an Zivilisationen, die ihre Existenz durch interstellare Kommunikation verraten (sehr unsicher)
L = Lebensdauer einer technologischen Zivilisation in Jahren (recht unsicher, etwas zwischen 100 Jahren und 10 Milliarden Jahren)
Ganz schön viele unsichere und unbekannte Faktoren also und darum gar nicht erstaunlich, dass bislang trotz aller Bemühungen noch kein extraterristisches Signal empfangen werden konnte. Dies liegt zum einen an der schieren Grösse des bekannten Universums, an den zeitlich und räumlich beschränkten Möglichkeiten von Scannen, Abhören und Senden, zum anderen aber auch an der eventuellen Singularität unseres Daseins im Weltall. Denn für hoch intelligente Spezies sind während der langen Zeiträume von notwendiger Selektion und Evolution ziemlich perfekte Bedingungen nötig. Doch Planet-Stern-Systeme sind selbst ohne äussere Einflüsse für komplexer geratene Zellhaufen von Haus aus eher fragil.
Leben existiert auf der Erde seit fast 4 Milliarden Jahren, allerdings ist davon alleine die Hälfte der Zeit von Bakterien und einfachen Zellen ohne Zellkern besetzt. Das wundersame und einzigartige noch nicht zur Gänze verstandene Auftauchen der Eukaryoten, Zellen mit gut organisiertem Kern, dem ersten Anzeichen von «höherem Leben» vor 1,8 Milliarden Jahren führte allmählich zur Entstehung von mehrzelligen Pflanzen, Pilzen und Tieren. Von der Tierlinie führte wiederum ein Abzweig zu den Warmblütern, nährstoff- und versorgungstechnisch unabdingbar für starkes cerebrales Wachstum. Von den Warmblütern ging es weiter über die Säugetieren bis hin zu den Hominiden.
«Evolution bewegt sich niemals auf einer geraden Linie zu einem Ziel (Intelligenz), wie es während eines chemischen Prozesses oder als Folge eines Gesetzes der Physik geschieht. Evolutionäre Pfade sind sehr komplex und ähneln eher einem Baum mit all seinen Zweigen und Verästelungen. (…) Hohe Intelligenz ist nur bei Menschen entstanden. Ich kann mir zwei mögliche Gründe für diese Seltenheit vorstellen. Einer davon ist, dass eine hohe Intelligenz durch die natürliche Selektion im Gegensatz zu dem, was wir erwarten würden, überhaupt nicht begünstigt wird. Tatsächlich kommen alle anderen Arten von Lebewesen, Millionen von Arten, ohne hohe Intelligenz gut miteinander aus. Der andere mögliche Grund für die Seltenheit der Intelligenz ist, dass sie außerordentlich schwierig zu erwerben ist. Ein gewisser Grad an Intelligenz findet man nicht überraschend nur bei warmblütigen Tieren (Vögeln und Säugetieren), weil Gehirne einen extrem hohen Energiebedarf haben. Aber es ist immer noch ein sehr großer Schritt von „einiger Intelligenz“ zu „hoher Intelligenz“.» (Ernst Mayr, 1992)
Nachdem sich schliesslich eine Art der Gattung Homo durchgesetzt hatte und die Lebens- und Ernährungsweise für genügend Hirnwachstum aneignete, gab es vom Indus, den sumerischen und anderen nahöstlichen Kulturen bis nach Ägypten, Griechenland und der ganzen europäischen Hochkulturen, über die Mayas, Azteken und Inkas sowie verschiedenen chinesischen und indischen eine ganze Reihe von Zivilisationen. Während all diese Zivilisationen nach grosser Blütephase wieder untergingen, erreichte nur eine von ihnen eine Technologie, die es ermöglicht, Signale in den Weltraum zu senden und zu empfangen.
«Nehmen wir an, dass es wirklich intelligente Wesen auf einem anderen Planeten in unserer Galaxie gibt. Vor einer Milliarde Jahren entdeckten ihre Astronomen die Erde und kamen zu dem Schluss, dass dieser Planet die richtigen Bedingungen haben könnte, um Intelligenz zu erzeugen. Um das zu testen, schickten sie eine Milliarde Jahre lang Signale an die Erde, ohne jemals eine Antwort zu erhalten. Schließlich beschlossen sie im Jahr 1800 (unseres Kalenders), Signale nur noch für weitere 100 Jahre zu senden. Bis zum Jahr 1900 war keine Antwort eingegangen, so dass sie zu dem Schluss kamen, dass es auf der Erde kein intelligentes Leben gab. Dies zeigt, dass selbst wenn es im Universum Tausende von Zivilisationen gäbe, die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Kommunikation sehr gering wäre aufgrund der kurzen Dauer des „offenen Fensters“.Ernst Mayr, 1992
Biologen und Antropologen sehen die heutige Faktenlage weitaus nüchterner als Astronomen und Physiker, da die Suche nach ausserirdischer Intelligenz keine Frage von physikalischen Gesetzen und technischen Fähigkeiten sei, sondern im Wesentlichen eine Frage biologischer und soziologischer Faktoren. Und ohne Antwortsignale ist die Beweisführung zu ausserirdischem Leben überhaupt recht mühselig.
Möglicherweise fühlen wir uns nicht nur alleine, sondern sind es auch…
One baby to another says I’m lucky to have met you
I don’t care what you think unless it is about me
It is now my duty to completely drain you
I travel through a tube and end up in your infection
Starty Rakiet
Feuer, Rauch und Krach:
Herzig
Fly-bye
Endlich ist Pu 94 samt Sonde dort, wo es hingehört. Zum Abbremsen oder Einschwenken in eine Umlaufbahn ist dann aber doch zu wenig Atomenergie an Bord, so dass das Rendezvous nur von bescheidener Dauer ist.
Beim Speed-Dating mit dem Plutosystem steht die Tachonadel von New Horizons immerhin auf 50.000 km/h und die Plutoniumsonde rast zügig weiter Richtung Kuiper-Gürtel, wo sie auf weitere Kleinplaneten treffen könnte.











