Gegen das phantomschmerzartige Heimweh gleich noch ´n Gedeck:
Schlagwort: Muziek
Abgesang
Junge Berliner machen die Spasspartei frisch —
check the banana break at 3.55:
«Mehr Tutti vom Frutti,
Mehr Stullen von Mutti!»
Danksagung
Einfach öfter mal laut danken:
Danke, für diesen guten Morgen,
Danke, für jeden neuen Tag,
Danke, dass ich all‘ meine Sorgen
Auf Dich werfen mag.
Danke, für alle guten Freunde,
Danke, o Herr, für jedermann,
Danke, wenn auch dem größten Feinde
Ich verzeihen kann.
Danke, für meine Arbeitsstelle,
Danke, für jedes kleine Glück
Danke, für alles Frohe, Helle
Und für die Musik.
Danke, für manche Traurigkeiten,
Danke, für jedes gute Wort,
Danke, dass Deine Hand mich leiten
Will an jedem Ort.
Danke, dass ich Dein Wort verstehe,
Danke, dass Deinen Geist Du gibst,
Danke, dass in der Fern‘ und Nähe
Du die Menschen liebst.
Danke, Dein Heil kennt keine Schranken,
Danke, ich halt‘ mich fest daran,
Danke, ach Herr, ich will Dir danken,
Dass ich danken kann.
Text und Musik: Martin Gotthard Schneider 1963
Perrylium
Hobbyschweizer V
Rätselhaft
Nach dem livehaftigen Zapfenstreich nun der nächste musikalische Leckerbissen auf dem Marktplatz zu Heilbronn. Mit wahnwitzigen Ohrwürmern wie „Mit meiner Balalaika war ich der König auf Jamaika“ oder Gassenhauern von „Ich hab noch Sand in den Schuhen aus Hawaii“ über „Schuhe so schwer wie Stein“ bis zu „Auf der Straße der Sehnsucht“ erzählt unser Gesuchter vom erbarmungslosen Tingeltangel-Leben.

Wer ist der Huldiger der schwarzen Madonna?
Liedgut
Für kleine & grosse Musik- und Filmliebhaber sind die Internetseiten von Detlef Cordes immer einen Besuch wert. Umsonst, aber nicht umsonst!
Hang zum Hang
Am Zürihorn lauschte ich im Frühjahr zum ersten Mal dem wahrhaft wunderlichen Klang eines live gespielten Hang (Berndeutsch für Hand), ein Metallkorpus mit eingekerbten Resonanzfeldern, auf denen perkussive Tonfolgen mit den Händen erzeugt werden. Fasziniert von dem bislang unbekannten Klangspektrum konnte ich dem kajalgeschminkten jungen Musiker immerhin entlocken, dass die Schweizer Erfinder des Instruments es eben schlichtwegs Hang nennen.
Meine anschliessenden Recherchen ergaben, dass ein Original-Hang nicht einfach so zu erwerben sei, sondern man sich dafür quasi bewirbt, um unter Umständen eingeladen zu werden, sich direkt bei den Hangbauern einen Klangkörper aussuchen zu dürfen — ein etwas komplexes Vorgehen. Allerdings scheinen die Erbauer ein alchemistisches Verfahren für die Metallbearbeitung entwickelt zu haben, wohl ursächlich für die kosmisch klingenden Klänge.
Erfreut hörte ich wenige Wochen später den Strassenmusikanten wiederum am Seeufer sein Ding spielen und diesmal konnte ich sogar ein paar Töne einfangen.
Reproduziert klingt die Klangschüssel jedoch nicht annähernd so eindrücklich wie in der Echtzeit, Obertöne und Nebenschwingungen lassen sich einfach nicht einsperren…
Für sich weiter in die Materie einarbeiten wollende Klangforscher liegt ein netter Multilayer mit hübscher filmischer Umsetzung von und mit dem professionellen Hangspieler Manu Delago genau hier bereit — enjoy!
Artgerecht
Nabelschau
Der angesagte Schweizer Autor Martin Suter webt den Zeitgeist in seine Verse und veröffentlicht unentwegt allerhand. Viele seiner Stories sind geradezu filmreif angelegt und lesen sich flüssig weg. Sanfter Tiefgang ohne viel Grund aufzuwirbeln — ein schlauer Ex-Werber schreibt feine Prosa entlang der sollbrechenden Nahtstelle von Schein und Sein.
Vor kurzem adaptierte der Meister des urbanen Mainstreams die Geschichte eines seiner Kolumnenhelden gar zu einem Musical in schweizerdeutscher Mundart. Zusammen mit einem musikalischen Möchtegern-Eisbären bringt «Geri» die etwas absurde Geschichte eines Stadtzürcher Szenis auf die Bühne, der in seinen krampfhaften Bemühungen in sein zu wollen ziemlich out rüberkommt. Für die lässige Yuppie-Clique um Geri werden dessen permanente Fauxpas unerträglich, für ihn selbst — gruppendynamisch isoliert — die Startrampe ins private Glück.
Die artverwandten doch grundverschiedenen Szenis werden erkennbar herausgearbeitet und aufgrund des déjà-vu-Effekts geschwind der Lächerlichkeit preisgegeben, bevor beim Publikum eine humorlose Selbsterkenntnis einzusetzen vermag. Szenentypische Mechanismen und die daraus resultierenden Gruppenzwänge werden in ihrer ordinären Oberflächlichkeit witzig blossgestellt. Was allzu leicht ganz banal absaufen könnte, hält sich auch dank manch schenkelklopfender Lacher („integrierter Dütscher“, „Neo-Retro“) über Wasser. Endorphintrunken trägt das Publikum selbst das Stück über alle Untiefen.
In dem amüsant choreografierten Singspiel beeindruckt die junge Carol Schuler besonders, und das nicht nur aufgrund ihrer krawalligen Röhre. Musikalisch geht Eichers Material gut ins Ohr und wird kompetent von der prima funktionierenden Liveband auf der Bühne intoniert, doch fehlen einfach die Überraschungsmomente. So wie in der pittoresken Handlung selbst, die ohne Haken und Ösen aalglatt mit einem grellen Happy End ausklingt.
Die leichte Kost wird appetitlich angerichtet, stilvoll elegant dargereicht und drückt auch nach dem Genuss kein bisschen aufs Gemüt – schöngeistiges Appeasement-Theater à la Zurichoise.
Hey-ø-live
Exil Zürich: Hey-ø-Hansen performen teilweise halbnackt aber hochkonzentriert an den Reglern. Im Club direkt vor der Bühne wiegen sich dunkelhäutige Grazien (if only slightly overdone perhaps), daneben süsslich-herbe Verstösse gegen das Rauchverbot und der lokale harte Kern der Version-Fans.
Auf der kleinen Bühne zwei angenehm bescheiden auftretende Tiroler Dubstepper, die spielerisch mit Maschinen improvisieren. Als der Eine einen besonders gelungenen Klangeffekt taktgenau auf die Elektrodrum des Anderen legt, entfährt dem Anderen ein kerniges „Supa!“ und auf seinem Antlitz erscheint selbstvergessen ein verliebtes Leuchten, wenn er lobend zum Einen hinüber blickt.
Nur die Anstosszeit um 00.30h war etwas familienunfreundlich.
Punk´s not dead.
Minimetal sind zwei durch die Punk-Ära geprägte Schweizer an Stromgitarre und Schlagzeug. Im Theaterhaus Gessnerallee führten die beiden Künstler nun ihre Punkrock-Oper Super Biker Girl auf. Das Klangbild ist brachial und laut, die verdichtete Bühnenpräsenz mit sparsam gesetzten Lichtakzenten unbedingt authentisch und eindringlich. Zudem wird das Ganze mit einer Prise Selbstironie und Unfertigkeit vorgetragen und bewahrt so die Darbietung davor allzu artsy-fartsy zu wirken.

Zugegeben: das Gutheissen der Transformation von Punk zu Galerieware und theatralem Auftreten erfordert eine Portion generationsbedingter Altersmilde und wohlwollende Autoreflexion ist hierbei durchaus hilfreich.
Zur Zürcher Premiere wurden Ohrenstöpsel gereicht. Der Hobbyschweizer nahm seine unbenutzt mit nach Hause.
Embryonal
Embryo in der Zürcher Wasserkirche: der Altmeister und Gründer der einstigen Krautrockjazzer unternimmt gerne ausgedehnte Reisen und lässt sich dann von der fremden Musik befruchten. Das geht so seit mittlerweile 40 Jahren und ungefähr 400 verschiedene Mitmusikanten durchliefen den Embryonalstatus — nur einer bleibt: El Cheffe. Der nahm bei seinem Zürcher Auftritt drei junge Musiker und einen chinesischen Klangmeister namens Xizhi Nie mit auf die Bühne und improvisiert auf einem alten Vibraphon was das Zeug hält.

Angenehm hippieske Atmosphäre an der Richtstätte der Zürcher Stadtheiligen. Die sind einst am Standort der Wasserkirche geköpft worden, nahmen ihre Köpfe anschliessend einfach unter den Arm und schritten ein wenig den Hügel hoch, damit man dort eine noch grössere Kirche bauen konnte.
Ich behielt lieber meinen Kopf und radelte ohne Licht heimwärts.
Hasta Siempre
Dem zuletzt in Bolivien kindergärtnernden Comandante zum einundachtzigsten:

Auf der überladenen und zäh ladenden Kulturseite von San Cristóbal de La Habana (edit 2018: Che-Song-Liste jetzt dort) findet man allerlei biographische Details zu Ernesto Guevara de la Serna. Ganz besonders beeindruckend ist die schier unzählige Liste von Interpreten der Comandante Che Guevara zum Abschied gewidmeten und (wahrscheinlich) populärsten zeitgenössichen Heldenhymne.
Für Sammler, Hardcore-Fans und solche die eventuell beides werden wollen tut sich dort eine wahre Goldgrube auf, in der man Preziosen findet wie Grupo 5u-4-Danae mit ihrer mondän anmutenden bigbandigen Interpretation, wo Grupo Tabacalero angestrengt realsozialistisch neutönt, die fast unverschämt unwissende Actrice Nathalie Cardone peppig-popig auf fünfhunderttausendfachen Kundenfang geht und der aufrecht (!) gebliebene altlinke Robert Wyatt eine eigenwillige Duftmarke setzt.
Geradezu unerhört wie viele Klangartisten sich an dem bald 50 Jahre alten Klassiker ausprobiert haben. Fast erholsam hingegen erklingt die Version des Komponisten Carlos Puebla selbst: einfach ist oft schlicht gut.
Vorspiel
Alles neu macht der Juni, hier zumindest den Tapetenwechsel.
Bereits Ende Mai hat Iggy Pop ein akkustisches Stillleben vorgestellt: Préliminaires – altersschlauer Seelenstriptease von einem, der sich eh gern nackig macht.
Wohlige Chansonqualität mit einem Spritzer Tomwaits für die gute Cocktaillaune dargeboten von einem wirklich gefährlichen „Animal“. Genau die richtige Medizin, um im heissen Sommer lässig runter zu kühlen.
Beginnend mit dem herbstzeitlosen Klassiker Les Feuilles Mortes, über ein grundehrliches I Want to Go to the Beach bis zum dreckig grungigen Nice to Be Dead – alles allererste Sahne. Arschwackler kriegen es mittels Party Time besorgt. Stehblueser hängen bei Spanish Coast ganz locker ab. Das armselige Hundeleben wird mit A Machine For Loving gewürdigt. Und der gemeine Herzschmerz wird durch How Insensitive notdürftig behandelt.
Für erfahrene Anhänger der gepflegten Melancholia sollte es ein Nachspiel geben!






