Flower Power

Desiderata

Go placidly amid the noise and haste,
and remember what peace there may be in silence.
As far as possible without surrender
be on good terms with all persons.
Speak your truth quietly and clearly;
and listen to others,
even the dull and the ignorant;
they too have their story.

Avoid loud and aggressive persons,
they are vexations to the spirit.
If you compare yourself with others,
you may become vain and bitter;
for always there will be greater and lesser persons than yourself.
Enjoy your achievements as well as your plans.

Keep interested in your own career, however humble;
it is a real possession in the changing fortunes of time.
Exercise caution in your business affairs;
for the world is full of trickery.
But let this not blind you to what virtue there is;
many persons strive for high ideals;
and everywhere life is full of heroism.

 

Bansky, Flower Power, Flower Cocktail Bansky, Street Art, Graffity Bansky

[ˈbæŋkzi]

Be yourself.
Especially, do not feign affection.
Neither be cynical about love;
for in the face of all aridity and disenchantment
it is as perennial as the grass.

Take kindly the counsel of the years,
gracefully surrendering the things of youth.
Nurture strength of spirit to shield you in sudden misfortune.
But do not distress yourself with dark imaginings.
Many fears are born of fatigue and loneliness.
Beyond a wholesome discipline,
be gentle with yourself.

You are a child of the universe,
no less than the trees and the stars;
you have a right to be here.
And whether or not it is clear to you,
no doubt the universe is unfolding as it should.

Therefore be at peace with God,
whatever you conceive Him to be,
and whatever your labors and aspirations,
in the noisy confusion of life keep peace with your soul.

With all its sham, drudgery, and broken dreams,
it is still a beautiful world.
Be cheerful.
Strive to be happy.

Max Ehrmann, 1927

Rollenspiel

Dagie Brundert, Super 8, Super 8 Dagie, Solthurn S 8, S11

Mega-Spulen in Solothurn: „15 Meter in drei Minuten, macht in der Stunde 300 Meter, sind in also in 10 Stunden 3 Kilometer Film!“

Die in Sachen Super-8 international tätige Handlungsreisende Dagie Brundert präsentierte im beschaulichen Barockstädtchen Solothurn (CH) anlässlich eines Workshops einen Überblick über ihr filmisches Schaffen im letzten Vierteljahrhundert. Mittlerweile gelingt der umtriebigen Forscherin durch ihre in unzähligen Versuchsreihen kristallisierte alchemistische Erfahrung thematisch passend sogar güldenes Filmmaterial. Wow.

In Basel kann man die Grand Dame der Selbstentwicklung noch am kommenden Samstag leibhaftig erleben. Nix wie hin!

Geschmackvoll

Spezielle Leckereien offeriert die Super-Self-Filmerin Dagie Brundert mit ihrer reichhaltigen Rezepte-Sammlung auf yumyumsoups. Phantasievoll ersetzt sie den han­dels­üb­lichen Chemie-Cocktail zum Entwickeln analoger Filme durch (gefundene) Substanzen, welche anderenorts beispielsweise für die Herstellung von Sirup verwendet werden. Die Ergebnisse sind farbenfroh und unvorhersehbar, ganz wie Dagie.

Falls man den Sud innerlich anwände, würde die folgende Bewusstseinserweiterung sicherlich nicht SW-negativ sondern kunterbunt positiv ausfallen!

Die Grenzen des guten Geschmacks (2)

Was diese Grenzen anbelangt,
So ist bekannt, ja anerkannt
Dass sie meistens fliessend sind
Das sagtest du, trinkend
Ich war in Gedanken fort,
Dies schien ein nahezu perfekter Ort
für derlei Plauderei zu sein
Mir fiel nichts bessres ein
Allein ich war nicht sicher:
Würden wir verweiln?

Unsre Worte werden leiser,
Sie verschwinden in der Weise
einer Zeichnung hier im Sande
Es gibt kein Leben ohne Schande!
Jetzt wo fremde Schiffe stranden
Ist erst recht nichts überstanden

Wie man vielleicht bemerken kann:
Ich schweife ab, so dann und wann
Passiert dergleichen in der letzten Zeit
Ich bin ein wenig überreizt
So geht es, wenn man keine Grenzen setzen kann
Doch was diese Grenzen anbelangt,
So ist bekannt, ja anerkannt
Dass sie meistens fliessend sind
Das sagtest du ein Sprite trinkend,
Ich war in Gedanken fort,
Dies schien ein nahezu perfekter Ort
für derlei Plauderei zu sein
Mir fiel nichts bessres ein
Allein ich war nicht sicher:
Würden wir verweiln?

Writer(s): Jan Mueller, Arne Zank, Dirk von Lowtzow
Copyright: Hanseatic Musikverlag Gmbh & Co. Kg

Pussy Conquerer

Lee „Scratch“ Perry ist ein lebendes Reggae-Fossil, der mit seinen fast 80 Jahren noch regelmässig vor Publikum auftritt, um seine irrwitzigen Toasts zu de­kla­mie­ren. Seine in den 70ern neue Aufnahmetechnik erlaubte ihm, durchgeknallte Dub-Versionen von Studio-Produktionen zu erstellen, und diese gleich in unzähligen Variationen. Hier eine Bassline, dort ein Riddim, alles wurde immer wieder neu zusammen „getaped„, so dass er und die Plattenfirmen langsam aber sicher den Überblick über die ausufernden händische Samplereien verloren.

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In einer Art ewigen Recyclings benutzt er auch heute bei seinen Auftritten Teile jener reggaetypisch stark basslastigen aber melodisch recht einfach gehaltenen und nur durch punktuelle Akzentuierung rhythmisch betonten und dadurch hypnotisierend wirkenden Tonfolgen. Und in seinem Portfolio befinden sich etliche davon, hat er doch in den letzten fünfzig Jahren mit Bob Marley, Max Romeo, King Tubby, Adrian Sherwood, Mad Professor, Sly & Robbie und zahllos anderen Musikern kollaboriert.

Lee Perry, Lee Scratch Perry, Lee Perry Exil, Exil Zürich, Lee Scratch Perry 2015, Lee Scratch Perry live

Im Zürcher Club Exil hatte Scratch nun wieder einmal ein Heimspiel; gewohnt humorvoll und spontan spann er seinen epischen Faden um die immer wiederkehrenden Themen Babylon (must die), Devil (is dead) und Pussy (I am the Pussy Conquerer, meow!). Er sprach viel von Liebe und Sonne, dem Tod und dem Wetter und dass er all dies beeinflussen könne. Man mochte ihm fast glauben, als er Marleys „Sun is shining“ anstimmte. Here I am. Von der sonst üblichen Jah oder Rastaman-Ideologie war nichts zu hören, dazu ist das phantasievolle Unikum spirituell mittlerweile viel zu universell aufgestellt.

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Es gibt nicht die klare Linie, die Soundstrukturen werden ihm digital vorbereitet live zugemischt und er spricht aus, was ihm gerade durch den Kopf geht. Trotz aller Routine in dem ihm eigenen cartoonesken Sprechgesang ist seine performante Eklektik anrührend. Seine verlautbarten Spinnereien sind liebenswert und wirklich ziemlich crazy. Doch ältere Männer, die etwas Kind in sich bewahrt haben, waren mir schon immer sympathisch. Allerdings ist der Hobbyschweizer nicht mehr gewohnt, dass Konzerte erst um 1.30 Uhr in der Früh anfangen. Mark Stewart konnte sich in der Berliner Maria mit seiner Mafia so was noch erlauben, da war eine gewisse Kreuzberger Grundkondition sowieso Pflicht. Aber früher war halt auch die Nacht noch jünger.

Blumen Touch

Minimetall, Embryo, Tocotronic, Stahlberger. Immer wieder Stahlberger. Keine besonders eindrucksvolle Liste leibhaftig besuchter Konzerte, aber weniger ist sowieso mehr, Bob Marley leider tot und die Kleine Kapelle kommt ja nie hierher.

Blumentouch, Stahlberger, Helsinkiklub

Eine Metamorphose der Schweizerdeutschen Stahlbergers ist das Kunstprojekt Blumen Touch — (hoch-)deutscher Schlager-Minimalismus mit einem Hauch pennälerhafter Stehblues-Romantik. Gleiche Besetzung, mehr Elektronik und ein Schlag New Wave mit simplen Mantragesang:

Zusammen waren wir gut, zusammen waren wir gut.
Warum sind wir nicht mehr gut zusammen.

Im Zürcher Helsinkiklub beschloss die sonnenbebrillte St. Galler Gang ihre kurze Sommer-Tour und tatsächlich zog Manuel Stahlberger das hochdeutsche Idiom konsequent durch. Selbst in den Zwischenansprachen blieb der Frontmann beim keineswegs aufgesetzt tönenden «Leute ihr seit gut. Leute wir sind auch gut.» Die hörigen Rezipienten machten sogar bei dem einen oder anderen Refrain tapfer mit, obwohl der wortgewaltige Sänger einen kurzen Zwischenfall initiierte, als er vorgab Text vergessen zu haben und scheinbar verärgert mit seiner Wasserflasche ins Publikum spritze.

Dank der eingängigen Musik und den einfachen und dabei so lebensnahen Texten war jener Abend ein wahres Sommermärchen, welches leider viel zu früh zu Ende war.

Und ja, Dialektiker können auch Hochdeutsch, gell.

Free Hospital

In den Adern des Holzes sehe ich Gesichter
Das Ticken der Wanduhr ist wie ein Lied
Die Dinge um mich bilden ein Muster
Das mich unbeweglich umgibt
In diesen Räumen liegt sichs´ bequemer
Als irgendwo anders zuvor
Alles um mich wird angenehmer
Ich habe ein leises Summen im Ohr

Hier aus dem Dunkeln schauen zwei Augen
Und ihr Blick ist finster und schön
Ich merke es genau, doch kann es kaum glauben
Wir werden verwundet, durch das was wir sehen

In diesen Räumen liegt sichs´ bequemer
Als irgendwo anders zuvor
Alles um mich wird angenehmer
Ich habe ein leises Summen im Ohr

Die Dinge um mich bilden ein Muster
Das mich unbeweglich umgibt
Dort aus dem Dunkeln schauen zwei Augen
Und ihr Blick ist finster und schön
Ich merke es genau, doch kann es kaum glauben
Der Kampf den wir führen muss weitergehen

Free
Free
Hospital.

Free
Free
Hospital
Hospital.

Writer(s): Jan Mueller, Arne Zank, Dirk von Lowtzow, Tobias Levin
Copyright: Hanseatic Musikverlag Gmbh & Co. Kg

Déjà-lu

Ein Schnurps grübelt

Also, es war einmal eine Zeit,
da war ich noch gar nicht da.
Da gab es schon Kinder, Häuser und Leut
und auch Papa und Mama
jeden für sich – bloß ohne mich!

Ich kann mir´s nicht denken. Das war gar nicht so,
Wo war ich denn, eh es mich gab?
Ich glaub, ich war einfach anderswo,
nur, dass ich´s vergessen hab,
weil die Erinnerung daran verschwimmt.
Ja, so war´s bestimmt!

Und einmal, das sagte der Vater heut,
ist jeder Mensch nicht mehr hier.
Alles gibt´s noch: Kinder, Häuser und Leut´,
auch die Sachen und Kleider von mir.
Das bleibt dann für sich
bloß ohne mich.

Aber ist man dann weg? Ist man einfach fort?
Nein, man geht nur woanders hin.
Ich glaube, ich bin dann halt wieder dort,
wo ich vorher gewesen bin.
Das fällt mir dann bestimmt wieder ein.
Ja, so wird es sein!

[Michael Ende]

Mamor, Stein und Teller bricht

Da das Pedalieren bergan gewöhnlich relativ gemütlich vor sich geht, sucht der kurzatmige Blick des in welliger Landschaft dahin ziehenden Radlers gerne Ankerpunkten in der noch fernen Zukunft, oder aber — beifallheischend zwar, doch entschieden realitätsnäher — unmittelbar abseits der gewählten Route.

Tellerbrecherin, Kata Nikoletta Kata, Guerilla Art, Photoshooting, Artfart

Guerilla Art, Public Posing oder einfach eitle Selbstvermarktung, egal, das an der Betonrampe beim Seniorenzentrum Gehrenholz in ZH-Wiedikon ambulant angebrachte Foto einer Scheinheiligen hat durch die handgedrechselte und etwas verschwurbelt wirkende Bild-Text-Verknüpfung neugierig gemacht.
Die Informationsverarbeitung des leicht ausgewaschen vorgefundenen Sujets gestaltete sich aufgrund des akuten Sauerstoffmangels zeitlupenhaft zäh, wurde vom Protagonisten jedoch dankbar innehaltend als willkommene Verschnaufpause verbucht.

Schliesslich ist immer noch der Weg das Ziel — n´est-ce pas?

Das Unglück muss zurückgeschlagen werden

Es ist erschreckend aber wahr
Die Dürftigkeit in die wir Jahr für Jahr
In allen Lebenslagen lebenslänglich sozusagen
Eingeschlossen sind

Wird mehr und mehr und mehr und mehr
Wird mehr und mehr und mehr und mehr
Uns unerträglicher!

Selbst wenn wir beisammen sitzen
In unserem Lieblingsbrauereilokal
Dann sollten wir wissen
Dass mit jedem Bissen
Den wir wie von Sinnen
Nahezu herunterschlingen
Ehe wir uns versehen
Unser Stolz und unsere Würde verloren gehen
Und die Alltäglichkeit
Die man uns jederzeit
Aus vollen Fässern zapft
Macht uns nicht mehr betrunken
Sondern vielmehr bewusst
Dass das Unglück überall zurückgeschlagen werden muss!

Writer(s): Jan Klaas Mueller, Arne Zank, Dirk von Lowtzow
Copyright: Hanseatic Musikverlag Gmbh & Co. Kg

Konsumkritik

[wpvideo 3zOh3LH5]

Sklaverei in der Komfortzone (getabstract)
Man stelle sich eine Gesellschaft vor, die unter einer Glaskuppel lebt. Ihre Mitglieder arbeiten, schlafen, lieben und konsumieren in dieser künstlichen Welt. Natürlich läuft das Leben nicht immer friedlich ab: Es gibt schon mal Streit mit dem Nachbarn, dem Chef oder den Politikern. Aber dann greifen bewährte Mechanismen der Deeskalation und Konfliktlösung. Niemand käme auch nur im Traum darauf, einen Blick auf die andere Seite der Glaskuppel zu riskieren oder gar sie zu zertrümmern. Warum auch: Es geht allen doch ganz ausgezeichnet, selbst der Ärmste ist noch zufrieden. So ist das Leben in der Komfortzone. Das ist keine Science-Fiction à la Brave New World oder Matrix, sondern eine Gesellschaftsbeschreibung aus der Sicht von Herbert Marcuse. Seine Zeit: die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Marcuse zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die von den Annehmlichkeiten eines Systems – egal ob kapitalistisch oder sozialistisch – eingelullt wird und sich das gern gefallen lässt. Medien, Politik und Wirtschaft ziehen an einem Strang, um das Individuum zufriedenzustellen und zu unterdrücken. Die Konsumwelt aus Luxus, Medien und Waren ist getarnte Sklaverei. Eine beunruhigende Bestandsaufnahme des modernen Kapitalismus.

Der eindimensionale Mensch wird 50 — nix wie hin.