Neulich, direkt vor der Wohnmaschine, parkierte dies:




Am 7. März ist wieder Wahltag — diesmal ohne besondere Reizthemen, dafür mit reizenden Kandidaten für das Zürcher Stadtparlament. Sehr plakativ ist die selbst gestrickt aussehende Kampagne der rechten Splittergruppierung Partei für Zürich. Nach der etwas textlastigen Kunigunde versucht nun Gymnastiklehrerin Susi Gut den Zürcher Wähler zu gewinnen:
Und 1 x bitte auf den Mond…
Eben war er wieder zu hören: der Probealarm.
Untermalt vom säuselnden Baumaschinenlärm derzeitiger Strassenarbeiten ertönte der himmlische Klang heute hier genau so:
Horcher müsste man sein…
Eisenwarenhandlung in der Deutschschweiz
Kunde: «Händer Hämmer?»
Verkäufer: «Hämmer hämmer.»
Ostschweizer Klassiker Olympiareif dargeboten von „Hornys (!) Metzg“ am Albisrieder Platz, Zürich 3.


Lokale „Schwiizer Wuche“ multinationaler Schnellimbissstuben.
Kombifetisch am Innenspiegel baumelnd:


Beim traditionellen Knabenschiessen spielt das bewährte Sturmgewehr der Schweizer Armee eine Hauptrolle. Halbwüchsige Knaben und schiessfertige Meitli haben beim Abfeuern der ausgewachsenen Armeewaffe mordsmässig Spass und erhalten zudem eine Gratiswurst bei diesem quasi stammestypischen Initiationsritus der Zürcher Helveten.
Einen lesenswerten historischen Hintergrund (nicht nur) des Knabenschiessens liefert hierzu die Zürcher Brauchtumsseite:
Jugendliche Schiesswut wird – gesellschaftlich akzeptiert und kanalisiert – schliesslich militärisch prima verwertbar.
Eigentlich sind die Zürcher mit ihren beliebten volkstümlichen Feiertagen ja ziemlich sparsam: neben der frühjährlichen Böögg-Einäscherung ist auch das herbstliche Knabenschiessen lediglich ein halber Feiertag. Bis Mittag wird brav gearbeitet, erst in der zweiten Hälfte des (Mon-)Tages wird gefeiert gezündelt respektive geschossen.

Angenehm flauschig ist das Verlässliche: am Dienstag nach dem Ausschiessen wird wieder zu den üblichen Zeiten bedient…

Elefantenohren bei der Migros Zürich in Aktion.
Unlängst noch plakatierte die paranoide SVP mit einem populistischen Motiv offen Fremdenfeindlichkeit:
Mittlerweile steht der libysche Revolutionsführer den Vereinten Nationen vor und will mit der Auflösung der Schweiz rabenschwarze Tatsachen schaffen.
Für die Wehrhaftigkeit der einst tapfer reislaufenden Eidgenossen steht in geradezu fundamentaler Weise das helvetische Milizsystem, eine kriegerisch klingende Bezeichnung für die Bereitschaft des Einzelnen zum Wohle des Gemeinwesens freiwillig mitzutun. Nach landläufiger Meinung gehört zu diesem Mittun unbedingt eine ausreichende Bewaffnung, schliesslich sind Staat, Freiheit und Eigentum einer permanenten Gefahr ausgesetzt. Das hier leicht verpixelt wiedergegebene Emblem von proTell (eine „Bürgerrechtsorganisation“ à la National Rifle Association in den USA) ist ein naiv erscheinendes Symbol für die von bestimmten Kreisen geforderte Aufrechterhaltung der allgemeinen Wehrbereitschaft.

Der für die Bildung einer Nation wünschenswerte Gründungsmythos ist im Tyrannenmord Tells geradezu märchenhaft dargestellt: äussere Gefahr und drohende Unterdrückung wird freiheitsliebend durch aktives Einschreiten bekämpft und resultiert in einem einig Bund.
Eine wesentliche Rolle spielt bei diesem militanten Thema ein weiterer helvetischer Mythos, nämlich die uneinnehmbaren Alpenfestung, das „Réduit“. Hierzulande hält sich hartnäckig die Meinung, dass die schiere Wehrhaftigkeit der quasi eingeschlossenen Eidgenossenschaft eine drohende Unterjochung durch das Dritte Reich und dessen Verbündete einst verhinderte. Allmählich erst setzt sich die Erkenntnis durch, dass die neutrale Schweiz den faschistischen Achsenmächte auch als sicheres Transitland, stabile Bank und zuverlässiger Munitionslieferant diente.
In der Schweiz ist die Heimabgabe der Schusswaffe während der Militärzeit grundsätzlich üblich. Auf Wunsch geht die Dienstwaffe nach erfolgter Ausmusterung ganz in das persönliche Eigentum über – diese Art der Volksbewaffnung ist weltweit einmalig!
Die Gegner der Heimabgabe der zahlreichen Ballermänner verweisen auf die Unfälle und Verbrechen, welche mit Dienstwaffen wie dem traditionell im Stubenschrank aufbewahrten Schweizer Sturmgewehr immer wieder vorkommen.
Mit geschätzten 2,5 Millionen Schusswaffen in ca. 3,5 Millionen privaten Haushalten wird sich die Schweizer Schiesswut noch etwas länger austoben und die vernunftbetonte Abrüstung dauern.

Der erste August ist in der Stadt Zürich fast wie Silvester im Hochsommer. Diverse Dachparties, Grillieren im Grünen garniert mit einem spätabendlichem Feuerwerk. Es hat auch ganz tüchtig gerummst – zumindest meiner Erinnerung nach deutlich mehr als beim letzten Jahreswechsel.



Pflichtbewusst habe ich mir die landestypische Cervelat einverleibt und mit einem Schluck Bier runtergespült. Während im Umland nach den Festreden die Höhenfeuer entfacht werden, Alphörner und Flaggenschwinger nationales Ambiente verbreiten (immerhin konnte ich im Oberland einer Probe beiwohnen), sind in Little Big City die landestypischen Folkloredarbietungen leider schon um 17 Uhr beendet. Danach halt Freinacht am Samstach mit den üblichen jugendlichen Knallkörpern und offiziösem Feuerwerk; sehr schööön, weil vom Uetliberg aus geschossen und vom Balkon gut zu betrachten.
Für meine Ersteraugustpremiere als langjähriger Hobbyschweizer habe ich mir eine ganz besondere Aufführung ausgedacht. Bereits vor einiger Zeit war mir ein am Seeufer einsam rumstehender und denkmalloser Sockel aufgefallen; der erste August schien mir geradezu prädestiniert für die Enthüllung der Entweihung…


Einstimmung auf den nationalen Grössenwahn.