Hasta Siempre

Dem zuletzt in Bolivien kindergärtnernden Comandante zum einundachtzigsten:

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Auf der überladenen und zäh ladenden Kulturseite von San Cristóbal de La Habana (edit 2018: Che-Song-Liste jetzt dort) findet man allerlei biographische Details zu Ernesto Guevara de la Serna. Ganz besonders beeindruckend ist die schier unzählige Liste von Interpreten der Comandante Che Guevara zum Abschied gewidmeten und (wahrscheinlich) populärsten zeitgenössichen Heldenhymne.

Für Sammler, Hardcore-Fans und solche die eventuell beides werden wollen tut sich dort eine wahre Goldgrube auf, in der man Preziosen findet wie Grupo 5u-4-Danae mit ihrer mondän anmutenden bigbandigen Interpretation, wo Grupo Tabacalero angestrengt realsozialistisch neutönt, die fast unverschämt unwissende Actrice Nathalie Cardone peppig-popig auf fünfhunderttausendfachen Kundenfang geht und der aufrecht (!) gebliebene altlinke Robert Wyatt eine eigenwillige Duftmarke setzt.

Geradezu unerhört wie viele Klangartisten sich an dem bald 50 Jahre alten Klassiker ausprobiert haben. Fast erholsam hingegen erklingt die Version des Komponisten Carlos Puebla selbst: einfach ist oft schlicht gut.

Delikat Essen VI

In Berlin-Kreuzberg ist die Imbisskultur nun aber wahrlich hauptstädtisch. Die neoproletarische Wurst mit Curry war und ist immer angesagt, obwohl mir erst letzthin die Institution Curry 36 am Mehringdamm zum allerersten Male ins Auge stach. Vor allem stach es so rein, weil ein Dino–Honk–Tank–Monster–Truck (ja, war ein Hummer, und ich traute meinen Augen kaum, weil ich bis dato irrtümlich annahm, diese Undinger hielten sich überflüssigerweise nur noch in den kantonalen Steuerbiotopen der eidgenössischen Geldwäscherei verborgen am Leben und eben nicht (mehr) in der Kapitale der Abwrackprämie) sich anstrengte zeitsparend aber raumgreifend so was von genau vor dem Imbiss zu parkieren, dass ich erst aufgrund jenes staubildenden Vorganges der locker über 20 Wurstgläubige zählenden Warteschlange vor dem anscheinend total angesagten Currytempel gewahr wurde.

Mir war zwar durchaus olle Konopke bekannt, aber dass die gewürzte Wurst auch in Kreuzberg so gut sein soll, hm – das ist mir doch tatsächlich in den letzten 30 Jahren völlig entgangen und läuft mutmasslich auf einen freiwilligen Selbstversuch hinaus.

Wurstegal, die meist sehr bezahlbaren und zudem leckeren Imbisse sind in der Tat lukullisch beeindruckend für die ambulante Nahrungsaufnahme in Kreuzberg: bewährte Falafel im Nachtigall-Imbiss in der Ohlauer Strasse, marinierter Yaprak-Döner bei Imren in der Boppstrasse oder Tek Bir (Tipp: Dürüm oder noch besser gleich die Super-Version bestellen!) in der Skalitzer, einfache aber korianderfrisch zubereitete vietnamesische Küche bei Hoai Nam am Görlitzer Bahnhof, die klassische Linsensuppe bei Hasir in der Adalbertstrasse, erschwingliches Sushi im legendären Musashi am Kottbusser Damm, eine kleine aber feine Pizzaecke im Pizza a Pezzi in der Oranienstrasse oder die einfache Fahrt im Spätzle–Express in der Wiener Strasse.

Mein Futterneid & Appetit ist euch gewiss!

Nicht ganz so appetitlich kam mir auf meinen Irrwegen dieser gut gemeinte Hinweis in der Wiener Strasse vor:

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Voll die metropolitanische Internautennahrung, wa…

Bluesburg

Schon des öfteren erspähte ich auf meinen Streunereien durch die Stadt Hinweise auf einen gewissen Dj René und seine Oldie-Nächte. Durch reinen Zufall wurde ich im hiesigen Faschingstreiben staunender Zeuge seiner Darbietung: deutsches Schlagergut mit Eigentoasting quasi. Nun legt der Meister in der Elisaburg, Elisabethstrasse, Zürich Cheib 4 auf.

Von Blues war auf dem bunten selbstgedruckten A4-Poster aber nicht die Rede…

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Sirenklang

Von der Bedrohung der Zürcher Lebensqualität in dieser Dramatik wusste ich bislang noch nicht. Gestern aber ertönten die Sirenen genau so

in der Stadt und im Kanton – ich dachte sofort an die Invasion von der Wega und mir gefiel der Klang sogar…

Hier gibt es noch den Hoch-Wasseralarm zu hören – und dabei gleich die Leser-Kommentare weiter unten auf der Seite durchstöbern – unbedingt lesenswert!

Volksdemokratur

Die direkte Demokratie in Helvetien erlaubt zu fast allem und jedem ein völkisches Begehren. Diese werden dann gebündelt dem Volke vorgelegt. Am 8. Februar 2009 wird somit neben der überkantonalen Freizügigkeit schwarzer Raben (siehe hier) unter anderem auch ein „Stapi“ (Stadtpräsident = Bürgermeister) für Zürich gesucht. Dazu kommen Neuwahlen von Friedensrichtern, Abstimmung über eine Parknutzung sowie die Abschaffung der Pauschalsteuer für Millionarios im Kanton.

Eine augenfällige Bewerbung gibt es von der Stapi-Kunigunde:

kunigunde_demokratur

Die spinnen, die Kandidaten.

Unilateral

Eigentlich sollte die Schweizer Volkspartei (SVP) überhaupt kein Thema (wert) sein. Doch dann stiess mir leider deren aktuelles Machwerk in Plakatform böse auf. Dass es mir überhaupt auffiel, spricht werbetechnisch durchaus für die laufende Kampagne. Bewährt hetzt die SVP klassisch in Schwarz auf Rotweiss:

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Mit Hilfe der schwarzen Vögel polemisiert die SVP gegen den Fortbestand der bestehenden bilateralen Verträge mit der EU, welche im Wesentlichen die Personenfreizügigkeit und den Beitritt zum Schengenabkommen beinhalten und am 8. Februar 2009 zur Volksabstimmung anstehen.

Der rechtsgerichteten SVP gelang in den vergangenen Jahren ein rasanter Anstieg in der Wählergunst. Bei der Nationalratswahl 2007 war sie mit 28,9 Prozent Stimmenanteil die mit Abstand stärkste Partei; seit 1919 hat in der Schweiz keine Partei mehr einen derart hohen Stimmenanteil erreicht. Dreist und populistisch schürt die SVP geschickt die in der Bevölkerung vorhandenen Ängste mit selbst für hiesige Verhältnisse ziemlich derben Stammtischparolen und fremdenfeindlicher Schweiztümmelei. Durch diese national gefärbte Demagogie hat es die Blocher-Clique geschafft ihren prozentualen Stimmenanteil von 1991 bis heute fast zu verdreifachen.

Eine Auswahl propagandistischer Tier-Versuche:

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Das berühmt-berüchtigte Motiv wurde durch folgenden «Gag» noch zugespitzt:

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Tapfer stemmt sich die SVP schon immer gegen die drohende Globalisierung:

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Noch schwärzer und deutlicher werden die wahren Schuldigen entlarvt:

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Und fast schon unfreiwillig komisch wirkt dieser Hilferuf von 2003:

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Die grenzenlose HeimatTierliebe der SVP gipfelt in einem Zweck-Bündniss mit den Teletubbies, um gegen die drohende feindliche Übernahme der Eidgenossenschaft anzustrampeln. Der steppende Knecht Ueli wurde im Dezember 2008 dann tatsächlich zum bislang letzten Mitglied der Schweizer Regierung gewählt und wird nun als Verteidigungsminister dem Ausland den Krieg erklären.

Natürlich sind die Kameraden von der SVP auch sonst immer mega lustig und fidel.

Die lustige Jagdgesellschaft

traf sich in einem werkstattmässigen Atelier in unmittelbarer Nähe von Bahngleisen und Zügen in einem Zürcher Industriegebiet. Der Festsaal selbst war ausgestattet mit dezent geschmückten Biertischen und die anbeigestellten Bänke besetzten um die 40 munter angeregte Gäste. Aus den Lautsprechern erquoll diverse Jagd- und Marschmusik, welche durch unregelmässigen Büchsenknall akzentuiert wurde. Denn direkt neben dem Speisesaal befand sich ein selbstgezimmerter Hochstand- bzw. sitz, von welchem aus das Schiessen auf die laufende Scheibe mit Kleinkalibergewehren ausgeübt werden konnte. An einer Wand hingen buntscheckig gemusterte Wildkatzenfelle, irgendwo stand ein ausgestopftes Murmeltier herum und das Personal an der Essensausgabe war zudem recht waidmännisch getrachtet.
Diese skurrile Atmosphäre mit leicht folkloristischer Färbung in einer eher technisch ausgerichteten Umgebung wirkte angenehm selbstironisch und bot zugleich der offensichtlich anwesenden Begeisterung für Schweizer Brauchtum im Herbst eine dezent inszenierte Bühne.
Ein gelungener lukullischer Kunschtgenuss, zumal sich das dargebotene Wild – bestehend aus Gämse und Murmeltier, während einer ganzen Woche in Geheimlake gebeizt und anschliessend deftig lecker zubereitet – mit Rotkohl, Spätzle und Maronen allerherbstlich vertrug. Den glorreichen Abschluss bildete zuckergepudeter Schokoladenkuchen.
Die Schützen auf dem Schiesstand durften sich einen Jägerkleister kippen sobald sie das Murmeli, die am schwersten zu treffende Scheibe umlegten und mir wurde staunend bewusst: der Schweizer schiesst recht zielstrebig!

So wie die Gams gerade in mir murmelt hätte ich und sie den ein oder andren Schnaps ebenfalls gut vertragen können. Wahrscheinlich hätte ich mir dann aber ins Bein geschossen.