Tote Hose

Aufgrund der überraschend grossen Nachfrage wird die Schwingen-Serie fortgesetzt — heute mit dem Portrait einer Hose:

lässig abgelegte Schwingerhose, gebraucht

Schwingen wird im Schweizer Volksmund auch Hosenlupf genannt. Die Schwingerhosen aus strapazierfähigem Sackleinen werden vor dem Gang angelegt und mit einem Ledergürtel fest gegurtet.

Die Schwinger fassen sich zu Kampfbeginn gegenseitig mit einer Hand an den rückwärtigen Saum der Schwinghosen. Während des Kampfes wird versucht den Gegner durch Ziehen und Zerren an der Hose aus dem Gleichgewicht zu bringen, um einen entscheidenden Schwung anzusetzen. Ein Sieg durch bodigen ist nur dann gültig, wenn mindestens eine Hand des Siegers an Hose oder Gürtel des Gegners Griff hält!

Anschwingen

Das 100. Zürcher Kantonalschwingfest in Wald/ZH wurde nun tatsächlich mein erstes! Der Wetterbericht erlaubte die Ausrichtung kurzfristig — tatsächlich gab es wegen Wetterunsicherheit eine telefonische Auskunft ab 5 Uhr in der Sonntagsfrüh und einen Ausweichtermin.

Erster Eindruck vom Festgelände von hinten

Geschwungen wurde auf dem örtlichen Sportplatz in fünf Sägemehlringen um den Hauptpreis Zucht-Stier Caruso:

Zuchtbulle Caruso in seiner Box hinterm Festzelt

Der Bulle Caruso wurde mit den anderen Lebendpreisen während des Schwingens auf den Platz geführt und dem Publikum vorgestellt. Bestimmt verlieh das Erscheinen von Caruso den Schwingern zusätzlichen Antrieb.

Caruso & Co. im oder am Ring

Im reichhaltigen Gabentempel waren diverse Schreinerarbeiten, Haushaltselektronik, Kuhglocken, Fahrräder, Sportschlitten aber auch iPhones ausgestellt. Für jeden der Schwinger gibt es am Ende einen Preis, selbst für den Letztplatzierten.

prüfende Blicke im Gabentempel

Ex-Teletubby und jetzt Bundesrat mit Zuständigkeit für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport Ueli Maurer war als Ehrengast geladen, schliesslich wohnt er direkt um die Ecke und steht mit seiner Partei sowieso für das eher Bodenständige. In seinem Grusswort offenbarte der Maurer Ueli ihm gäbe ja so eine Veranstaltung viel Kraft für seine Arbeit in der Bundesstadt Bern, weil er die benötigte Kraft gerade an solchen Orten zu solchen Anlässen tanken könne, aber nicht etwa von den hier tätigen Schwingern, sondern von uns ziemlich Gewöhnlichen. Ueli ein Vampir? Er sieht ja ein wenig so aus…

Das Wetter spielte prima mit und pünktlich zur Finalrunde gab es ein heftiges Gewitter, welches den Platz flugs von Neugierigen leerte und das Festzelt blitzartig mit den Flüchtenden flutete. Die Schwinger schwangen tropfnass munter weiter.

Der ultimative Schlussgang war dann kaum zu beobachten, weil Rasenplätze und Holztribüne zu nass zum abhocken und Stehplätze mit freier Sicht rasch vergeben waren. Immerhin bekam ich mit, wie der Toggenburger Abderhalden Urs gegen den Bündner Clopath Beat schnell in Rücklage geriet, verzweifelt versuchte eine Brücke zu halten, dem Druck aber schliesslich nicht mehr gewachsen war und gebodigt wurde. Aus, vorbei und Jubel beim Publikum weil quasi Überraschungssieger.

Zusätzlich zu den Lebendpreisen gab es für die besten Schwinger noch was auf den Kopf, nämlich einen plastifizierten Eichenlaubkranz. Auf den Zuruf „Krönen!“ wurden den vor Dirndelmädchen in ritterlich knieender Haltung verharrenden Schwingern diese Auszeichnung verpasst. Einen solchen Kranz bei Schwingerfesten zu erringen gilt als Erfolg und die Anzahl der gewonnen Kränze gemeinhin als Gradmesser für die Fertigkeiten des Schwingers.

Plaste und Elaste aus Schkopau?

Zusammen mit der vorzüglichen Bratwurst hinterliess meine Premierenschwinget einen währschaften Eindruck. Besonders effektvoll ist das dumpfe Geräusch beim Aufschlagen der massigen Körper auf dem Sägemehlteppich. Dazu ein Jodelchor, Fahnenschwinger, Alphornbläser, Blasmusikkapelle, Gewitterdurchzug — herrlich exotisch det janze!

Schwingertreff

Schwingen ist ein hohes eidgenössisches Kulturgut mit starkem Boomfaktor: die scheinbar heile Älplerwelt quasi als Sehnsucht stillendes Gegenstück zu fortschreitender Urbanisierung und Globalisierung.

Die urwüchsige körperliche Auseinandersetzung von weit über 100 Kilo schweren Kolossen in einer einfachen Sägemehl-Arena untermalt von einem zünftigen Folkloreprogramm besitzt Volksfestcharakter und erreicht werbeträchtigen Kultstatus. Der Toggenburger Schwingerkönig Abderhalden Jörg wurde vom Fernsehpublikum 2007 gar zum Schweizer des Jahres erkoren!

Sicherlich wird einem die Birne etwas weich durch die permanente Volksmutantendudelei auf den Festplätzen. Eine gewissenhafte Vorbereitung in einem harten Trainingslager auf Radio neo zwei empfiehlt sich.

Anlässlich vom diesjährigen Schwing- und Älplerfest wurde eine etwas rustikale Version der Panini-Bildchen-Seuche ausgelöst. Der Hobbyschweizer ist bereits angesteckt und hat hochgradiges Tauschfieber.

Auf Sammelkönig gibt es weitere Details. Tauschwillige bitte melden!

Schiesstrieb

Aufgeräumte Menschen werben freudig erregt für den Schusswechsel im Feld:

Hinter dem weltweit grössten Schützenfest steht natürlich die Lobby der Waffenfetischisten und das ausrichtende OK erklärt im Grusswort ganz putzig:

Das OK hat sich für das Feldschiessen Tafers aber auch etwas Neues und Besonderes einfallen lassen:
Wir haben einen Wandkalender für das Feldschiessen Tafers produziert!

Aha, einen Wandschmuck also.
Passend zu den üblichen Trophäen?

Hauptsächlich aktive Schützinnen (auch mit nationaler und internationaler Erfahrung) aus dem Sensebezirk sowie aus dem näheren Schiessumfeld Tafers haben für den Kalender mit einer Prise Erotik posiert.

Waidmanns Lust ist Waidmanns Heil!
Waidmanns Dank!

Mit voller Stolz können wir auf das entstandene Produkt schauen und sind der Überzeugung, dass dieser Kalender nicht nur den Schützen- und Schützinnen des Sensebezirks und der restlichen Schweiz viel Freude bringen wird, sondern auch für jeder Mann bzw. Frau, welche sich an ästhetische Bildern erfreuen können.

Warum haben die nicht gleich voller Stolz ein Kalenderblatt als ästhetischen Fangschuss plakatiert…

6erläuten

Weiland am Zürcher Hbf das geordnete Chaos umgeleiteter, ausgefallener und sonderfahrender Tramlinien tobte, sah man derweil klassische Strassenszenen mit zünftig trachtengewandeten Menschen:

Fürs Protokoll hiermit das vorläufig amtliche Endresultat:

Der den Winter symbolisierende Böögg hat knappe 13 Minuten dem Fegefeuer widerstanden — aberglaubend wird das sommerliche Grillwetter damit gut bis mittelprächtig.

Zürcher Vulkanier fackeln nicht lange aber heftig.

Blatterschuss

FIFA-Boss Blatter, selbst aus dem Wallis stammend aber im steuerschonenden Zürich residierend, lästert auf einer im südafrikanischen Cape Town Stadium angebrachten Schautafel mal so richtig ab über die selbsternannte Little Big City.

No more Mr Nice Guy
stubenreine Nestbeschmutzung

Traditionell wird der Walliser an sich in der Rest-Schweiz für nicht ganz voll genommen. Eine hohe Dosis Vuvuzela ist bei diesem Allgemeinzustand eine absolute Kontraindikation!

Zürcher Stadtderby

Der amtierende Schweizer Fussballmeister FC Zürich hält sich hartnäckig am Tabellenende der Schweizer Nationalliga, trotz Straftrainings auf dem Trainingsgelände vor der Bruchbude im Letzigrund. Vielleicht sollten die Jungs besser unter dem einsturzgefährdeten Stadiondach trainieren.

Straftraining hinter Gittern

Zum Derby gegen den Grasshopper Club Zürich brachte ich mich selbst als Glücksbringer mit, hatte ich schliesslich als fremdfreudiger Stadionbesucher in der laufenden Saison eine bislang makellose Bilanz (gegen den Letzten und Vorletzten) aufzuweisen. Stadtderby heisst Volksverein gegen Bonzenverein, verspricht ein annähernd volles Haus was wiederum erhöhte Sicherheitskontrollen und beengten Zutritt nach Wartezeit bedeutet.

Menschenauftrieb

Die klaustrophobische Eintrittskontrolle hinter mir (klar wurde ich ob meines gefährlichen Aussehens abgetastet – der sieht ja wie ein alkoholfreier Balkonraucher aus, der hat bestimmt Pyrotechnik dabei…) kamen heftige Atembeschwerden: die Mannschaften betraten gerade den Rasen, da fackelten die Zürcher aus der Südkurve nicht lange und brannten ihr irgendwie rein geschmuggeltes kunterbuntes Feuerwerk ab — dichter rotgelbweissblaubrauner Rauch, welcher sich unter dem Tribünendach nicht ganz so leicht verflüchtigte. Zugegeben, der Volksverein ist halt auch ein Chaotenverein.

klarer Pyrosieg

Kaum hatte sich der beissende Qualm verzogen, schossen die Grasshoppers bereits das erste Tor. Eine Minute später gab es Penalty für den FCZ, lässig in die Mitte gelupft, Torwart in der Ecke – 1:1. Mitte der ersten Halbzeit dann das vollauf verdiente 1:2 — die Grasshopper hüpften mannschaftlich einfach besser auf dem Rasen herum. Glück für den gastgebenden FCZ mit nur einem Tor Rückstand in die Pause zu gehen; dass hier der Tabellendritte gegen den Drittletzten spielte war leider allzu offensichtlich.

Der FCZ-Trainer hörte wohl meine Halbzeitanalyse und nahm nach der Pause den schwachen 10er vom Feld und brachte die Nummer 8. Die belebte das Spiel zusehends, der FCZ kämpfte fortan und das Spiel war ausgeglichen — auch dank des Ausgleichs zum 2:2. Mit diesem Resultat hatten sich die Grasshoppers vermutlich angefreundet, aber nicht die Spieler des FCZ, von denen einer in der letzten Minute den glücklichen Siegestreffer mit einem Hinterkopfball erzielte.

Wow! Jubel. Trubel. Heiserkeit. Zumindest in der Südkurve und bei mir: drei Spiele, drei Siege, der FC Zürich sollte mich als Maskottchen aufstellen.

So sehn Sieger aus, scha-lala-lala!

Negerküsse Mohrenköpfe

Endlich an ein ultimatives Ziel der Schäume angelangt: die sagenumwobene Mohrenkopf-Fabrik Dubler im Kanton Aargau. Seit dem allerersten Biss in eine Dublersche Köstlichkeit ist die Ehrfurcht des Hobbyschweizers ungebrochen gross und fast ungläubig stand er nun leibhaftig vor dem süssen Mekka. Wirklich erstaunlich war die beachtliche Zahl von Kunden die den Preis- und Frischevorteil des Rampenverkaufes (quasi Fabrikverkauf) nutzen, um die benötigte Dosis Dublers beim Chef persönlich am Fabrikschalter zu erwerben. Interessant zu beobachten, wer was und wieviel in seinen Kofferraum verfrachtet.

Schatzkisten à Stücker 50

Direkt neben der Produktionhalle liegt die fast ebenso grosse Garage nebst Reifenlager für das Dublersche Hobby der Rennfahrerei mit aufgebohrten Chevys. Der Dublerschriftzug ziert ganz passend die Rennkarossen des rasenden Mohrenkopfmeisters.

Überraschend ergab sich die spontane Möglichkeit die Produktionsstätte der Dublerschen Köstlichkeit leibhaftig zu betreten und der Verwandlung von Eiweisschaum zu korrekten Mohrenköpfen staunend beizuwohnen.

Eine süssliche Vanillenote schwebt in der heiligen Produktionshalle, die Eiweisschaumschläger verdichten rührend die Masse, welche von einem der Arbeiter mit der Hand in den Fülltrichter gegeben wird woraus der Schaum in Achtereihen auf die Waffelbasis gedrückt wird.

Professioneller Eischneeträger

Anschliessend beginnt eine Metamorphose über 30 Meter — die noch weissen Rohköpfe werden mit Zartbitterscholode abgeduscht, gefönt und gekühlt.

Waschen. Legen. Föhnen. Aber Zartbitter!

Mit maschineller Unterstützung werden die Leckereien in Handarbeit sortiert und verpackt.

rhythmisierende Vergoldung der 1. Wahl
rhythmisierende Vergoldung der 1. Wahl

 

Ausschuss, fehlerhafte Mohrenkoepfe

Die Mitarbeiter sind allesamt sehr gastfreundlich und der momentan in der Verpackung eingesetzte Neffe aus Neuseeland gab ausgiebig Auskunft, was zu einem kleinen Stau auf der Mohrenkopfförderstrasse führte.

Überhaupt herrscht dort eine völlig entspannte Atmosphäre – Dubler ist bekannt für sein Managment by love, er nutzt Ökostrom auch für seine Fabrik und das sich dem Produktionsareal direkt anschliessende Wohnhaus ist ein so genanntes „Erdhaus“ und sieht fast ein wenig wie ein Mohrenkopf ohne Schoggi-Überzug aus.

unscharfe bunte Beuteschäume

PS: Die produktionsrelevanten Fotos sind mit kleinen Dokumentarfilmchen unterlegt, Klick auf Bild, Ladezeit abwarten, Film ab.

Komasaufen

Wie unser kürzlich nach Fernost verlegter Komapatient in die Heimat schmögerte, ist das Komasaufen in Komadscha ein weiterhin wachsender wesentlicher Wirtschaftszweig. Für den Transport der tonnenschweren Bierdosen werden mittlerweile richtig grosse Trucks eingesetzt.

Biertaxi auf 6er-Achse

Bei schwierigem Geläuf werden die gigantischen Bierdosen kurzerhand verschifft.

Bierdose in Coolpack auf Mekong Alpha

Komasaufen ist der Freizeitspass schlechthin und wird mit mehreren tausend glückseligen Komatrinkern in grossen Hallenstadien zelebriert.

Hallenkomasaufen macht glücklich

Die beachtlichen Erfolge der komatösen Freizeitgestaltung sind bei manchen kleinen Komakindern nicht einfach zu übersehen.

komatöses Kleinkind (stundenkastriert)

Dass man vom Komabier ganz bestimmt einen singhalesischen Kater bekommt, zuvor aber mindestens zwier tropische Sterne sieht, wird gemäss Packungsbeilage ausdrücklich garantiert.

Sterne & Kater inklusive

Nachdem sich die Blauhemden (5,4 Alkoholgehalt) gegen die Rothemden (4,5 Blutalkohol) naturtrüb durchsetzten, im Finale gegen die Gelbhemden (14,5 Bieranteil) aber hefig unterlagen, steht nun dem totalen Triumph der grossen gemeinen Hopfenrebe in Stadt, Land und Fluss nichts mehr im Wege – da hilft auch kein Lichtschwert nicht.

chancenloses Lichtschwert gegen Komapflanze

Embryonal

Embryo in der Zürcher Wasserkirche: der Altmeister und Gründer der einstigen Krautrockjazzer unternimmt gerne ausgedehnte Reisen und lässt sich dann von der fremden Musik befruchten. Das geht so seit mittlerweile 40 Jahren und ungefähr 400 verschiedene Mitmusikanten durchliefen den Embryonalstatus — nur einer bleibt: El Cheffe. Der nahm bei seinem Zürcher Auftritt drei junge Musiker und einen chinesischen Klangmeister namens Xizhi Nie mit auf die Bühne und improvisiert auf einem alten Vibraphon was das Zeug hält.

lautmalender chinesischer Klangmeister

Angenehm hippieske Atmosphäre an der Richtstätte der Zürcher Stadtheiligen. Die sind einst am Standort der Wasserkirche geköpft worden, nahmen ihre Köpfe anschliessend einfach unter den Arm und schritten ein wenig den Hügel hoch, damit man dort eine noch grössere Kirche bauen konnte.

Ich behielt lieber meinen Kopf und radelte ohne Licht heimwärts.