LowFi-Kehrwagen setzt den zirzensischen Schlusspunkt einer
Zürcher Demo zur epidemischen Gentrifizierung
La famille royale
Schwanzvergleich
Entdämonisierung
Bruno Weber sah mit Zottelhaar und Stirnband aus wie ein Alt-Hippie und war wohl auch einer. Auf seinem zwei Hektar grossen Grundstück bei Dietikon/ZH installierte er neben gigantischen Betonskulpturen auch ein Wohnturmhaus, stritt wegen nicht genehmigter, weil nicht zonenkonformer Bauten jahrzehntelang mit der örtlichen Gemeinde, welche ihm nach langem Ringen schlussendlich den kommunalen Kunstpreis verlieh, nachdem sie vorab jegliche Bebauung rückwirkend legalisierte. Seinen Skulpturenpark konnte er nicht fertigstellen; Weber starb 2011 und hinterliess noch allerhand Baupläne für etwaige Sponsoren. Sowieso ist das ganze Areal ein anschauliches Beispiel für work-in-progress, die Arbeit wird jedoch in absehbarer Zeit aufgrund des zwangsläufigen Renovierungsbedarfs eher erhaltend als kreativ sein.
Die Phantasiewelt am und im Wald zieren zahllose Fabelwesen: Drachen, elephantöse Wasserfauna und allerlei Flügelgetier. Und Schlangen. Immer wieder Schlangen. Als Rutschbahn-artige Brücken, als begehbare steil geschwungene Treppen. Ein Paradies voller Dämonen. Zerrbild oder naturalistische Hingabe, Bruno Weber war ein ziemliches Unikum. Zudem besass er genügend Kondition und Beharrlichkeit, um den abenteuerlichen Kampf mit dem Amtsschimmel durchzustehen. Im Nachhinein erscheint der pflichtversessen Versuch Recht & Ordnung gegen eigenbrötlerischen Schaffensdrang durchzusetzen als bụ̈nzliger Schildbürgerstreich. Heute profitiert nicht zuletzt die Gemeinde von den vielen Besuchern der vollendeten Tatsachen.
Im Bruno-Weber-Park erinnert einiges an Gaudi oder Hundertwasser. Trotz Patina wirkt die Anlage reichlich bunt. Für grosse und kleine Kinder ein Riesenspass, zumal etliche Skulpturen begehbar oder besteigbar sind. Webers Naturwelt zelebriert überschwänglich und variantenreich eine eklektizistische Ethno-Symbiose, die durch dämonenhafte Darstellungen Dämonen vertreibt.
Big Little Brother
Delikat Essen LV
Automatismus
Felix Austria
Die Grosse Koalition ist heuer stilbildend:
Im Musterland Schweiz koalieren bis auf die Grünen alle (!) anderen Parlamentsfraktionen permanent miteinander. Man bemüht dazu die sogenannte Zauberformel, anhand welcher die drei stärksten Parteien je zwei und die schwächste einen Bundesrat (Bundesminister) stellen darf. Aus deren Mitte wird dabei jährlich der Bundespräsident alternierend bestimmt. Seit über 50 Jahren bürgt dieses Prozedere für Stabilität und wird zur Zufriedenheit fast aller Beteiligten so durchgeführt. Die Regierung stellt sich möglichst breit auf und vertraut in der Folge auf die den Eidgenossen zugeschriebene Kompromissfähigkeit. Diese wird jedoch erst durch ausgiebige Debatten im Nationalrat, Ständerat und Bundesrat fleissig geübt, bevor abschliessend ein Volksentscheid über den dann verwässerten erzielten Kompromiss urteilt.
Championsleague
Stabile Verhältnisse
Wehrpflicht. Burkaverbot. Epidemiegesetz. Stadionneinbau.
Während im grossen Kanton wieder alles drunter und drüber geht, bleibt hier bis auf die Legalisierung der Bratwurst alles beim Alten.
Harvest Soon
In der tagesaktuellen Auszählung hat sich bereits vor Schliessung der beiderseits des Hochrheins gelegenen Wahllokale ergeben, dass just am 22. September pünktlich um 22:44 Uhr Mitteleuropäischer Nochsommerzeit es definitiv anfängt zu herbsten. Auf der Nordhalbkugel unseres Planeten werden die Blätter fallen und das Tageslicht rasch abnehmen. Möglicherweise wird manch einer dann allein im Dunklen „Glück auf, der Steiger kommt!“ pfeifen. Damit es nicht beim Pfeifen bleibt, hier die Textfassung, frei nach Wikipedia:
Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.
|: Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
|: schon angezündt’Schon angezündt’! Das gibt ein Schein,
|: und damit so fahren wir bei der Nacht,
|: ins Bergwerk einIns Bergwerk ein, wo die Bergleut’ sein,
|: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht,
|: aus FelsgesteinDer Eine gräbt das Silber, der and’re gräbt das Gold,
|: doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht,
|: dem sein wir holdAde, nun ade! Lieb’ Schätzelein!
|: Und da drunten in dem tiefen finst’ren Schacht, bei der Nacht,
|: da denk’ ich deinUnd kehr ich heim, zum Schätzelein,
|: dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,
|: Glück auf, Glück auf!Eine weitere überlieferte, vor allem im Ruhrgebiet verbreitete Strophe lautet
Die Bergmann’s Leut sein’s kreuzbrave Leut,
|: denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht
|: und saufen SchnapsWenn die vorherigen Strophen sitzend gesungen werden, stehen die anwesenden Bergleute bei der oben stehenden Strophe meistens auf. Zudem wird auf größeren Veranstaltungen nach Singen dieser Strophe angestoßen und ein alkoholisches Getränk getrunken.
Des Weiteren kursieren eine Reihe weiterer Strophen, die ähnlich aufgebaut sind, für verschiedenste Gruppen, wie z. B. Hüttenleute, Chemiker, aber auch Hausfrauen. Hierbei enden die Strophen allerdings auf „|: und saufen’s auch :|“.
Oans. Zwao. G´suffa.
* * *
PS: Eine ausführliche Exegese der Schwarzen Barbara vom blonden Heino folgt dann zeitnah anlässlich des nächsten Scheiding.
Surfin’ U.S.A.
Kontradiktion
Blinder Pianist begleitet charismatischen Anarchisten
Maxximum
Deutschlandtrend
In der Deuschschweiz wird zur Zeit tüchtig für Deutschland als Ferien/Urlaubs-Destination geworben. Zwar war und ist Berlin immer Thema reisefreudiger Zürcher, doch schon vor den letzten Sommerferien erstaunte mich das jüngst offensichtlich stark gestiegene Interesse an Wattwanderungen und Chiemgau. Ist das Währungsgefälle etwa noch stärker als die Gezeiten? Selbst von Schweizer Bekannten wurden meine Qualitäten als Reiseführer in Sachen Deutschland angefragt, obwohl ich das Land mittlerweile nur noch leicht verschwommen aus der Ferne wahrnehme.
Spannend, natürlich und überraschend — könnte glatt die Löwsche´ Philosophie beschreiben oder als Slogan ein beliebiges Wahlplakat zieren. Für die anstehende ganz grosse Koalition gölte dies erfahrungsgemäss jedoch nur sehr bedingt.
Kleinbank
Schwingermarkt
Beim alle drei Jahre stattfindenden Eidgenössischen Schwingerfest unterlag der von Lidl.ch geponserte Seeländer Stiernacken Chrigu Stucki dem Emmentaler Sempach Matthias im Schlussgang. Obwohl Ersterer ein gutes Drittel mehr Lebendgewicht als der neue Schwingerkönig auf die Waage brachte, setzte sich Technik gegen Kraft durch. Als ich das Riesenbaby auf der Appenzeller Schwägalpschwingete erstmals leibhaftig beäugte, dachte ich zunächst er sei der Grüezini von Lidl, weil er dort auf Pappe aufgezogen lebendgross immer am Eingang rumsteht.
Die hiesigen Statthalter von Herrn Schwarz bewiesen ein gutes Händchen, indem sie den Hünen als Markenbotschafter unter Vertrag nahmen, auch wenn dessen Vereinnahmung durch den aggressiv auftretenden ausländischen Discounter zunächst in der heimatverbundenen Schwingerszene gar nicht besonders gut ankam.
Dafür hat die Migros als Hauptsponsor des Schweizer Nationalsports nun die Genugtuung, die Königswürde weiterhin im eigenen Detailhandel fachgerecht verwursten zu können.
Ackermannzeitalter
Mitleser mainstreet philosophiert im Kommentarbereich auf Spiegel-Online zwar ohne Komma und anderen Schnickschnack, aber bei vollem Bewusstsein über die Folgen kapitalistischer Ausbeutungsmechanismen und empfiehlt Entscheidern zuvörderst ein gut bewährtes Ausstiegsszenario:
Viele Menschen sagen das das Leben das einzige ist was wir haben und das man versuchen muss mit dem wenigen was wir sind und haben etwas anzufangen und es ist bedauerlich wenn sich Personen die finanziell gut gestellt sind keinen Sinn mehr im Leben sehen was auch sicherlich außerhalb des Arbeitslebens und des Arbeitsplatzes begründet sein kann weil man immer nur sieht das andere auch arbeiten und Geldverdienen und es die Hippies der Sechziger nicht mehr gibt die es immer ohne Arbeit oder mit wenig um die halbe Welt schafften und einfach zufrieden waren mit etwas Haschisch aus dem Gewächs des Hanfes. Nach einem erfolgreichen Arbeitsleben wenn man finanziell gut gestellt wäre könnte oder konnte man das dann immer noch in Erwägung ziehen. Aber die Zeiten haben sich geändert auch durch die Wirtschaft und Computer und eines erbitterten Konkurrenzkampfes wo jeder die Kosten minimiert . Gerade weil es heute Arbeit im Überfluss nicht mehr gibt wie in den sechzigern gibt es auch keine Bewegung mehr wie die Hippies die Arbeit schlicht und einfach ganz mies finden auch wenn es einen anderen Ausdruck dafür gibt.-
Aber jeder sollte daran glauben das die Hippies wiederkommen damit das Leben wieder Flower und Power wird und sich das Leben lohnt.Eine Zeit ohne Perspektive zu Arbeit und Gewinn ist eine verlorene Zeit und natürlich kommt es auf das Verhältniss an. Selbsmorde in dieser Kategorie von Menschen deuten immer in diese Richtung und es ist traurig so etwas zu erleben auch für Herrn Ackermann und das muß man eben einfach verstehen und Aussteigen wie Herr Ackermann ist ein Weg den auch die Hippies immer bestritten und zum Glück führen kann.
Lachhaft
Zürcher Hickhack
Noch immer warten beide Zürcher Erstliga-Vereine sowie deren Fans auf ein reines Fussballstadion. Der ursprüngliche bereits vom Volk beschlossene und zur EM 2008 einsatzbereit geplante Neubau am Hardturm kam wegen zahlreicher Einsprüche letztlich nicht zustande. Seitdem wird im Provisorium Letzigrund gekickt, einem zugigem Leichtathletik-Stadion. Die in Zürich ziemlich steuergünstig residierende FIFA könnte selbst ein Stadion mit Klimaanlage locker finanzieren, will sich jedoch nur an an einem reinen Sitzplatz-Stadion beteiligen. Dies wiederum wollen beide Zürcher Vereine nicht ihrer treuen Kundschaft in den jeweiligen Fan-Kurven zumuten.
Foto entliehen von: knappdaneben.net
Kommenden Herbst steht nun ein neuer Volksentscheid in Sachen Stadionbau an und die Stimmung kippt zusehends. Natürlich geht es im Meinungsstreit auch um den kulturellen Wert von Profi-Sport und der integrative Wert von Vereinssport wird angesichts der Balkanisierung der Schweizer Nationalelf ebenfalls thematisiert. Gegner des Projekts wollen für notorische Pyromanen partout kein Steuergeld aufgewendet wissen, zumal sich keiner der beiden Zürcher Fussballclubs an den Baukosten finanziell direkt beteiligt. Fussballsport scheint in der Dienstleistungsmetropole Zürich eben ein Hauch zu proletarisch zu sein. Während in der Industriestadt Basel jeweils 30.000 Zuschauer die Heimspiele besuchen, locken die Zürcher Teams selbst bei addiertem Zuschauerschnitt nur gut die Hälfte ins Stadion und wären damit in etwa auf Augenhöhe mit der Stadt Bern, deren Einwohnerzahl gerade mal ein Drittel beträgt. Dabei holten die Young Boys vor 27 Jahren ihren letzten Titel; allein in jener Zeit war der Grasshopper Club siebenfacher Schweizer Meister und der FC Zürich glückte dies immerhin dreimal. Allerdings sei hierzu angemerkt, dass die jeweiligen Präsidenten finanziell potente Gönner ihrer Clubs waren und den Erfolg zum grosen Teil aus ihrer Privatschatulle mitfinanzierten.
Professionelles Lächeln und Tschüss
Trotz wachsender Zuschauerzahlen bleibt der Schweizer Markt in Sachen Fussballsport recht übersichtlich und wird trotz kleinerer internationaler Erfolge eher als Ausbildungsstätte wahrgenommen. Zuviele Änderungen im Spielbetrieb und krachende Konkurse (Servette, Xamax) ramponierten in jüngster Zeit die Binnenreputation. Die Idee einer pannationalen Alpenliga (CH, LIE, AUT) gilt heute als überholt, doch die Fusion der nicht besonders eng befreundeten Zürcher Vereine ist wiederholt Thema.
Nur warum sollte man dem herzblütigen Vereinswesen die synergetische Schablone einer ach so freien Marktwirtschaft überhaupt überstülpen wollen? Vielleicht weil dann endlich Vereinsnamen wie Blau Weiss Red Bull oder Bimbesclub FIFA möglich wären.



















