Prollsport

Auf der Suche nach dem original Schweizer Proletariat wurde beim Besuch eines geheimen Trainingslagers die helvetische Verelendung augenfällig. Selbst aktive Fussballer können sich — zumal als letzter Mann marginalisiert — hierzulande keinen Barbierbesuch leisten!

Problematik beim Bart des Proleten

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Auf dem offiziellen Mannschaftsphoto im Saisonheftli stellt sich der arme Mann trotz seines haarigen Handicaps selbstbewusst in den Vordergrund. Dabei war doch vorhersehbar, dass bei solch akuter Behinderung eines Torhüters Surprise Zürich in der Konkurrenz keine besonders tolle Überraschung gelingen würde.

Prolet vor Moschee

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In ausländischen Freizeit-Ligen scheint zumindest der Friseurbesuch für das fussballernde Proletariat noch einigermassen erschwinglich zu sein, wie das folgende Beispiel eines vorbildlichen Balljungen zeigt:

Schiffeversenken

Der Höhenflug des starken Franken wird souverän verteidigt von der „besten Armee der Welt“ — gerade auch in und aus der Luft. Der Hauptstützpunkt der Luftwaffe befindet sich bei Payerne in der Broye, zwischen den Kantonen Fribourg und Vaud. Gleich in der Nähe des grössten Schweizer Kriegsflughafens liegt der Neuenburger See, über welchem Flugmanöver und das Feuern auf Wasserziele geübt werden.

Während die Tourismusagenturen den Schilfgürtel des südlichen Seeufers als erholsames Biosphärenreservat kommunizieren, tobt darüber der simulierte Luftkampf.

Nur geschossen wird ausserhalb der Badesaison.

Urinator

In seiner figürlichen Darstellung erinnert unser heutiges Motiv aus dem Kanton Vaud/Waad eher an die Zürcher Schule der Abstraktion. Der welsche Einfluss ist — wenn überhaupt — nur sehr vage durch das hier etwas elegantere Schuhwerk zu erahnen. Während aber der gemeine Züripisser züchtig im gesteckten Rahmen verbleibt, der Genfer Punkpinkler den roten Rahmen bloss frech markiert, gelingt es dem aktuellen Modell diesen tatsächlich zu durchbrechen. Der Blasendruck scheint im Vergleich zu den Vorgängermodellen grösser zu sein und findet Ausdruck in der konischen Form des Urinatorenstrahles. Die Kopfhaltung ist dabei eindeutig zielgerichtet und unterstützt so das gesamte Vorhaben.

Die zusätzlich angebrachte verbalisierte Aufforderung erscheint jedoch überflüssig und konterkariert das Sujet, zumal die vier Rufzeichen entfernt eher an Prostataleiden erinnern.

Hang zum Hang

Am Zürihorn lauschte ich im Frühjahr zum ersten Mal dem wahrhaft wunderlichen Klang eines live gespielten Hang (Berndeutsch für Hand), ein Metallkorpus mit eingekerbten Resonanzfeldern, auf denen perkussive Tonfolgen mit den Händen erzeugt werden. Fasziniert von dem bislang unbekannten Klangspektrum konnte ich dem kajalgeschminkten jungen Musiker immerhin entlocken, dass die Schweizer Erfinder des Instruments es eben schlichtwegs Hang nennen.

Meine anschliessenden Recherchen ergaben, dass ein Original-Hang nicht einfach so zu erwerben sei, sondern man sich dafür quasi bewirbt, um unter Umständen eingeladen zu werden, sich direkt bei den Hangbauern einen Klangkörper aussuchen zu dürfen — ein etwas komplexes Vorgehen. Allerdings scheinen die Erbauer ein alchemistisches Verfahren für die Metallbearbeitung entwickelt zu haben, wohl ursächlich für die kosmisch klingenden Klänge.

Erfreut hörte ich wenige Wochen später den Strassenmusikanten wiederum am Seeufer sein Ding spielen und diesmal konnte ich sogar ein paar Töne einfangen.

Reproduziert klingt die Klangschüssel jedoch nicht annähernd so eindrücklich wie in der Echtzeit, Obertöne und Nebenschwingungen lassen sich einfach nicht einsperren…

Für sich weiter in die Materie einarbeiten wollende Klangforscher liegt ein netter Multilayer mit hübscher filmischer Umsetzung von und mit dem professionellen Hangspieler Manu Delago genau hier bereit — enjoy!

Sexologie

«Alle sind sie geile Tiere, nur vom Vögeln wird gequatscht» ätzte Salomé farbecht in Super-8 im Berlin der 80er ins Mikrophon.

Eidgenossen sind offensichtlich giggerig. Wie das im Zugabteil verwaist zurückgebliebene Westschweizer Revolverblatt Le Matin titelt, haben die Schweizer sogar Lust auf mehr und erreichen in der hausgemachten Gruppensex-Rangliste den ehrenhaften Bronzeplatz in Europa — Respekt!

Zufällig wurde am selben Tag im Nordostschweizer Blick am Abend die brünstige Serviertochter Heidi mit ihrem auserlesenen Musikgeschmack und ziemlich ausgefallenen Hobby vorgestellt:

Sprachgrenzenlos oversexed and underfucked — perhaps.

Kreativwirtschaft

Urbane Kulturarbeiter erschaffen Werke. Zwischenhändler vermittelten Wertschätzung. Ateliers, Galerien und Dachgeschosse sorgen für Wohlfühlklima. Parasiten werden angelockt. Spekulation beschleunigt Umstrukturierung. Hippe Trendopfer investieren. Ein Familienidyll entsteht.

Kapitalismus funktioniert schön.

Automatismus

Überall in der Schweiz sind auf Bahnhöfen, Dorfplätzen und Kantinen auffallend rot lackierte Verkaufsautomaten aufgestellt.

Die Erfrischungsinseln mit dem adretten Namen Selecta erinnern an die real existierende DDR. Neben Grilletta, Mückol und Robotron würde die Selecta gewiss eine klasse Figur abgeben.

Die Selbstbedienungsmaschinen bieten neben Softdrinks, Süsskram und Rüebli auch einen Schwangerschaftstest an. In den paarungsfreudigen Brunftzonen Bern und Zürich wurde das Angebot vorab getestet und für gut lukrativ befunden.

Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte ihren Stadtpolizisten.

Genfer Konvention

Verglichen mit der nüchternen Sachlichkeit des Zürcher Piktogramm-Stils ist bei der Genfer Variante eine etwas verspielte Bearbeitung des gleichen Themas gut erkennbar.

Der unbedingte Mut zu mehr Phantasie offenbart sich selbst im Detail der Frisurgebung, wodurch die ohnehin expressive Darstellung zusätzlich eine punkige Note erfährt. Leider ist auch in diesem Fallbeispiel die angebotene Körperhaltung technisch unsauber, was dazu führt, dass das Ziel gerade noch am äussersten Rand getroffen zu werden vermag.

Der Akt als solcher erscheint gewalttätig, ein Gefühl der Erleichterung will sich beim Betrachter nicht einstellen.