Schlagwort: Fundstücke
Ficus religiosa
Delikat Essen LXXXII
Glücksboot an Leipziger Glaswurst
(Gastroempfehlung unseres auswärtigen Restaurantkritikers)
New World Order
Planetengeburtstationen as seen by ALMA
(Atacama Large Millimeter/submillimeter Array)
bauhaus 100
neues von wittmann/zeitblom. diesmal zu 100 jahre bauhaus:
adaptiver apaprat – nice catch via screenshot
gegenwart zukunft postmoderne. zeitreise in sachen kunst & technik. menschmaschine & wohnmaschine. transzendente spiritualität unbedingt. gesichtsklangplastik. raumzeit. selbstheilung durch kunst. innere oktaven. immersive audiocollage. stereofonie total. binaural & leibhaftig in B (D).
Eiszwerge
Mit Peanut Ultimate Thule als Planetesimal hat die NASA ihren Spass. Mal schauen, was für Früchtchen im Kuipergürtel noch auf die Sonde warten…
Los Hamburgués
Hamburg Weltstadt stolz und reich und arm und würdelos. Eine völlig verlebt und zerlumpt aussehende Person schiebt ihre Sieben-Wagen-Karawane, bestehend aus schäbigen Trolleys und Einkaufswagen, wechselweise fünf Schritte das Trottoir entlang. Stau im Pyramidenbau nur Hilfsausdruck. Die Emsigkeit und Akkuratesse dieser seltsamen Performance steht im völligen Kontrast zu der nach wahllos zusammen gelesenen Müll aussehendem Ladung der übervollen Transportmittel. Petflaschen mit trübem Inhalt und andere erbärmliche Habseligkeiten sind eher zu erahnen als erkennbar, weil aus empfundener Scham gegenüber dem rastlos und ungerührt agierenden Menschen einerseits lieber nicht so genau hingeschaut wird, andererseits es nicht wirklich interessiert. Ein trostlos bleiernes Grauschwarz in der vifen Urbanität der agilen Neustadt.
Unwirkliche Abscheu gepaart mit Staunen über die fast choreographiert wirkende Aktion stellt sich ein, dazu ein heimlicher Blick zurück. Watsdat?! Aber ja, die anderen Passanten haben es auch gesehen und ebenso sprachlos nicht reagiert. Das Elend in Teutoniens Metropolen wirkt krass im Vergleich zu der helvetischen Insel. Handkehrum fällt der Ex-Sozialministerin aus D das Fehlen solcher Strassenszenen hierorts sofort auf. Selber an der Armutsfront tapfer kämpfend kennen wir natürlich Obdachlose, arme Schlucker, Sans-Papiers und Wanderarbeiter. Aber nicht in solch drastischen Ausschmückungen wie im Harz4land. Sogar im beschaulichen Schwabenländle sind Bettler, Strassenmusikanten und herumlungernde Menschen in den Innenstädten gewöhnlich, in Zürich all dies unter Androhung von Wegweisung aber strikt untersagt. Wenn halbe Zombies durch die Berliner U-Bahn schwankend mit der „haste mal“-Forderung auf Kleingeld drängen, ist für glückselige Inselbewohner derart direkte Konfrontation nur erschreckend. Ein diffuses Gefühl keimt auf: wir sind reich, weil ihr arm seid. Wenig später beim Michel, eine beinah noch groteskere Szenerie. Wo innen wahrhaftig ein Geschäftsführer tituliert, wird aussen überm Hauptportal Satan vom namensgebenden Erzengel stolz mit dem Kreuze bezwungen. Gleich nach dem Sieg dann drinnen das unübersehbare Schild mit der Bitte, gefälligst (s)einen Obulus abzulassen.
Delikat Essen LXXVIII
Delikat Essen LXXVII
Balkonia
Lieber Braun Weiss als völkische Einfalt
Kritik des Herzens
Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.
Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.
Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.
Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.
ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heiß geliebte Pflanze.
Wilhelm Busch (1832 - 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller Quelle: Busch, Gedichte. Kritik des Herzens, 1874
Vollpfosten
Herzlich
Fussballett
Hoffentlich
Strahlenbad
Die Harmlosigkeit der Natur übertüncht den hässlichen Ausschlag von Armut, Ausländerfeindlichkeit und Provinzialität. Spürbar, sichtbar und doch sanft eingebettet in das grosse Ganze, in Hügel und tiefe Wälder, Kuhglockengebimmel und meckernde Ziegen, jagende Fledermäuse und rauschende Bäche, äsendes Rotwild und grau harrenden Fischreihern.
Entschleunigung und Prokrastination bekommen artgerechten Auslauf. Putzi & Schmutzi auf Tour: The kids are alright – Kinder brauchen Kinder und ich habe Zeit zum brummen und für den Gesundheitsschnaps, den die trachtengewandete Brennersfrau empfiehlt. Jaja, heute seien alle so auf Gesundheit und Fitness konditioniert, dabei sei ein guter Blutwurz halt verdauungsfördernd und der Meerrettich dort blutreinigend.
Die Dosis sei ja entscheidend, aber Schnaps habe eben einen eher schlechten Ruf heutzutage. Dabei ist der örtliche Champ vielfacher Medaillengewinner bei diversen Spirituosen-Tests und die letztjährige Zwetschge — mit absolut verdienter Goldmedaille — ein wirklich würdiger Vertreter von Land und Leuten, da bekommt der sommerliche Verdunstungsnebel gleich eine positiv besetzte Note.
Unlängst in den Schweizer Kolonien wurden die Mazeration und das Brennen von Spirituosen noch arg laienhaft verhandelt, leidlich befeuert von den 130 Kartäuser Kräutern, welchen ich selbst mitgebracht ausgiebig frönte. Eine leicht befreundete Gartenliebhaberin mit serbischen Wurzeln schien sich spirituell mindestens ebenso gut auszukennen und wollte demnächst, dereinst jedenfalls einmal einen Brennkurs belegen. Ich war nahe dran den Brennofen des offenkundigen Schwarzwälder Meisterbrenners zu besuchen, alleine das arg trübe Wetter und die Verkostung machten mir etwas Sorge. Erziehungspflichten plus Vorbildfunktion gleich demnächst.
Der Wiedereintritt in die heimischen Atmosphäre war heftig, die Bremsfallschirme versagten und die Nachbarin verbat sich die Ruhestörung durch die Fugees. Grüezimiteinand. Zum Glück der Literaturtipp aus Berlin, passenderweise ein zuletzt dort lebendiger Autor, den ich bloss vom Querlesen des Feuilletons her kannte, weil er sich Hirnkrebstodeskrank plangemäss selbst erlöste. Das verfilmte Buch Tschick interessierte mich thematisch nicht, an den Auftritt in Klagenfurt konnte ich mich nicht erinnern, obwohl ich jahrelang die auf 3Sat zelebrierte Vivisektion mit klammheimlicher Freude sogar genoss. In Plüschgewittern ging an mir völlig vorbei, gehörte schlicht nicht zur der zeitgenössischen Posse, meine adoleszente Selbsterfahrung lag seit den 80ern glücklicherweise weit hinter mir. Intellektuelle Unbedarftheit gepaart mit generationsbedingter Ignoranz also. Sand wurde von Vorleserin Tiger empfohlen, und ich forschte erstmal im Netz. Kam auf des Autors Blog «Arbeit und Struktur», in dem er die Zeit zwischen erkannter Erkrankung und selbst gewähltem Tod unbarmherzig und witzig zugleich beschreibt. Nein, auch nicht mein Thema, zumal das ungute Ende leider bereits feststeht und man für die Katharsis selber zuständig ist. Wobei ich mir momentan nicht völlig sicher bin, was denn überhaupt mein akutes Thema ist. Etwa Dauerbrummen?! Der Trafikant war historisch angelegt, Die Hütte ungemein evangelikal, Der neue Berg unterhaltsam leicht letztjahrhundrig. Herrndorf da quasi Frischfleisch.
Beim ziellosen Flanieren dann, gleich neben dem Kafi Paradiesli in Hottingen, fast vorbei an einem 350 Jahre alten Haus mit Heimatschutzschild das interessierte, lag das gedruckte Blog als Taschenbuch gratis angepriesen auf einem Fenstersims zur freien Verfügung. Verblüfft las ich im Stehen jene Stellen die ich aus dem Internet bereits kannte, las das Impressum, ja, das ist der Kerl mit seiner Geschichte, war unschlüssig und äugte kurz durchs Fenster, wo eine Frau gerade ihr ebenerdiges Büro betrat, nickte ihr unmerklich zu und ging mit dem Buch in Händen ins Paradies.
Dort hing ein Kronleuchter in einem Feigenbaum, ich platzierte mich darunter und las bis Seite 47, gute drei Jahre vor dem Ende, wo steht:
Wir treffen uns wieder in meinem Paradies
Und Engel gibt es doch
In unserem Herzen lebst du weiter
Einen Sommer noch
Noch eine Runde auf dem Karussell
Ich komm´ als Blümchen wieder
Ich will nicht, dass ihr weint
Im Himmel kann ich Schlitten fahren
Arbeit und Struktur
Hm. Das Todesurteil hat ein jeder im Gepäck, nur geht das gerne vergessen. Also ein Sterbejournal im Spätsommer, passt schon irgendwie, roll ich das Feld halt von hinten auf, schon weil ichs kann. Just in der Zeit des Krebsblogs («Was Status betrifft, ist Hirntumor natürlich der Mercedes unter den Krankheiten. Und das Glioblastom der Rolls-Royce. Mit Prostatakrebs oder einem Schnupfen hätte ich diesen Blog jedenfalls nie begonnen.») hat Herrndorf wie mit Vollgas auf der Überholspur sowohl Tschick wie Sand geschafft, Respekt.
Die angehende Meerjungfrau brachte mich wieder ins Jetzt. Blogs sind zwar mittlerweile ziemlich out und meist gewöhnlich, aber nicht völlig grundlos. Dieses hier ist auch für Stella Marie, weil das Netz nichts vergisst und alles bei Bedarf wiedergibt.
Bitte um Mithilfe
Wundern gibt es immer wieder
Ein statistisches Kunststück von: Dr. Ali Binazir, Happiness Engineer:
Starty Rakiet
Feuer, Rauch und Krach:




















