
50 Jahre Jawort: Darauf einen ordentlichen Csárdás — Egészségedre!

50 Jahre Jawort: Darauf einen ordentlichen Csárdás — Egészségedre!

Scheiden tut weh.
Aber Dein Scheiden macht, dass mir das Herze lacht.
Winter ade — Scheiden tut weh.
Die zwölfminütige Brenndauer bis zur Detonation des Böögg-Kopfes ist laut abergläubischen Privat-TV die Prophezeiung für einen guten Sommer.
Das patriarchalische Zünfterwesen der Stadt Zürich befördert geradezu das Wappenwesen. Jeder Stadtbezirk und jedes Quartier pocht auf ein eigenes Wappen und am Zürcher Sechseläuten, dem Frühlingsfest in der Deutschschweiz, werden sie allesamt während eines kostümierten Umzuges durch die Strassen der Stadt stolz präsentiert. Als begeisterter Umzugsfan zieht der Hobbyschweizer auch privat des öfteren um, mit der hehren Absicht, sich in Sachen Wappenkunde gründlich weiterzubilden.
Vom dreckigen Arbeiter- und Zuwandererbezirk Aussersihl, genauer dem Hard-Quartier mit stadtweit spitzenmässigen 42 Prozent Ausländern hinein ins beschauliche Wiedikon, wo im grünen Wohnquartier Friesenberg anteilig die meisten Inländer ganz Zürichs wohnhaft sind. Und dies offenbar mit guter Tradition:
1787 trennte der Rat von Zürich die Gegend westlich der Sihl/Limmat auf Wunsch der Bewohner vom Kreuel und Hard von Wiedikon. Grund war die Weigerung der Gemeinde Wiedikon, neue Bürger, die sich im Kreuel und Hard ansiedelten, aufzunehmen. Nur wer Bürger war, besass alle Rechte. Die nun selbständig gewordene Gemeinde nannte sich Aussersihl. (-> Quartierverein Aussersihl-Hard)


Von der Heraldik her betrachtet fällt der Ortswechsel mehr als dürftig aus. Drei Sterne in schwarzer Nacht über Grün sind wie das Quartier schön schlicht; beim Bezirkswappen aber kann doch gegen einen ordentlichen Anker kein Reichsapfel anstinken, selbst wenn der ausgesprochen farbenfroh daherkommt.
Heutzutage reichlich obskur wirkende Bilder über das
abgeschlossene Sammelgebiet Westberlin gibt es dort.

Rebecka verteilte 55 Kilogramm auf 167 Zentimeter, Chantal kam aus Castrop-Rauxel, Sabrina aus Bremervörde und Eva aus Polen machte den Schluss. Nach tausenden blank gezogener Titelbusen unterwirft sich das Revolverblatt BILD dem Diktat des US-Puritanismus — schliesslich will man künftig auch digital Geld verdienen.
Doch die paradiesischen Apps vom angebissenen Apfel verstehen nun Mal keinen Spass mit sündhaft freigelegten Nippeln und Bild selbst münzt nun die barbusige Verbannung in den Innenteil als emanzipatorische Tat um…
Mit einem eigenwilligen Glockenstuhl hat sich der Schweizer Bundesrat für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Schwingen in seinem Amtsbüro im Berner Bundeshaus eingerichtet.
Zusammen mit der neben dem Sofa grasenden Spielzeugkuh sorgen die an der rustikalen Konstruktion angebrachten elf Treicheln (anhören!) für exakt jene Dosis Heimatgefühl, die ein bodenstämmiger eidgenössischer Militärführer täglich braucht, um mit der gebotenen Ruhe ein allfälliges Ziel anvisieren (ansehen!) zu können.
Ausländerfrei durch ethnische Säuberung aus Furcht vor Überfremdung ist Quatsch mit brauner Sosse.
Nicht gerade Peanuts ist die Diätenanpassung, welche die Rentnerschwemme ganz vornehm als Wohlstandsmüll durch sozialverträgliches Frühableben quasi recycelt.
Als Kollateralschaden in der national befreiten Zone mutieren selbsternannte Gotteskrieger von Ich-AGs zu frischem Tätervolk.
Reines Humankapital ist durch gestiegene Entlassungsproduktivität selbst bei Freiwilliger Ausreise unprofitabel.
Und sowieso ist die Herdprämie für notleidende Banken völlig betriebsratsverseucht.
Alternativlos geworden begehen dumpfe Morlocks Döner-Morde.
Die scheinheilige Konkordanz benötigt dringend «Meh Dräck», um der schleichenden Aldisierung mehr Paroli bieten zu können.
Wenig Schaden fügt das Rauchverbot dem beliebten Sterbetourismus zu, welcher mancherorts gar zum ultimativen Rettungspaket mutiert.
Ein herziges Minarettverbot gepaart mit rigoroser Ausschaffung dürfte keinerlei Euro-Rabatt zeitigen.
Die aufmüpfig gewordene Szene diskutiert in einer konspirativen Wohnung den Holocaust. Der Rasterfahndung nach einer Nulllösung in der Ellenbogengesellschaft folgt ein Heißer Herbst.
Ein Umweltauto schafft es mit Glykol bis nach Tschernobyl. AIDS, Kondom und Gesundheitsreform schränken die Reisefreiheit in die neuen Bundesländer ein.
Das Feindbild Besserwessi sorgt für Politikverdrossenheit und Sozialabbau im Superwahljahr. Multimedia gibt es ausschliesslich im Sparpaket, gleichwohl trägt der Reformstau das angesagte Rot-Grün.
Das Millennium wird von der Schwarzgeldaffäre eingeläutet und der 11. September erscheint als Menetekel für den Teuro. Das alte Europa darbt trotz Hartz IV, während die Bundeskanzlerin auf der Fanmeile menschelt.
Nach überstandener Klimakatastrophe sorgt die Finanzkrise für eine Abwrackprämie, welche beim Wutbürger einen Stresstest auslöst.
Selbst die augenscheinliche und ziemlich sturmgeplagte Übernächtigung des dreifachen Titelträgers konnte selbigen nicht davon abhalten den diesjährigen König gleich beim allerersten (!) Bissen zu erbeuten, just nachdem die Konkurrenz naiv zwei Nieten zog…
Obwohl die Hofbäckerei vergessen hatte dem Königskuchen die obligate Pappkrone beizulegen, hat dieser faux-pas das königliche Wohlbefinden nur unwesentlich geschmälert — a royal quadruple indeed!
Auch der Hobbyschweizer hat sich beim Studium der Yülcel-Kolumnen zum globalen Prollsport vor Lachkrämpfen den Bauch gehalten. Sowohl letztes Jahr bei den Jungs, wie auch dieses Jahr bei den Mädels waren die Leser-Reaktionen in der TAZ die perfekt abgeschmackte Zutat. Zumeist völlig humorbefreit hat sich die grünalternative Spiesserschaft mit Leserkommentaren tapfer selber blamiert und ziemlich nackig gemacht.
Die 30 Riesen sind als Schmerzensgeld völlig ok und der Wrobel Ignaz tät sich bestimmt mitfreuen:
„Dürfen darf man alles – man muß es nur können.“
weiteresweichsei
nei
mirweikeis
weitereshertsei
nei
mirweikeis
weiteresschpieguei
neidanke
weiteramändkesei
nei
mirweikeis
wasweiterde
oooooErnst Eggimann *1936
Zum Abschluss des diesjährigen Lehrgangs wurde als saisonaler Höhepunkt die Bachtel-Schwinget im Zürcher Oberland begutachtet. Kaiserwetter und der Jodelclub Scheidegg krönten den nett gelegenen kleinen Schwingplatz, von dem aus ein hübscher Balkonblick über den Zürichsee in die alpine Bergwelt ins Auge fiel.
Sowieso werden künftig nur noch ausgewiesene Bergfeste anvisiert, sofern einem der Himmel nicht gänzlich auf den Kopf fällt.
Ein laut Ansager „tausend Kilometer östlich von Moskau“ beheimateter junger Schwingerfreund sorgte für internationales Flair und gewann unter herzlichem Applaus immerhin seinen letzten Gang. Beim Intermezzo Steinstossen wurde mit dem 43 Kilo schweren Bachtelstein gestossen, bloss war der gar nicht aus Käse. Die nach einem leichtsinnigen Hebeversuch gerade im Entstehen gefühlte akute Zerrung am Hüftbeuger verhinderte vorzeitig die Aufnahme des Wettkampfes durch den etwas überheblichen Hobbysstosser.
Beim Unspunnenfest war der Lokalmatador zum wiederholten Male unschlagbar, obwohl es ihn noch im ersten Versuch des Finaldurchgangs der Länge hin flachgelegt hatte.
Im zweiten stiess der Weltrekordler den Felsbrocken weit genug.
Das Schwingen gewann ein Thurgauer aus St. Gallen, der demnächst in den Ferien auf Neuseeland dem Haka frönt.
Im Durchschnitt waren sie klein und kräftig. In den ersten Tagen meinte er, alle hätten Kröpfe. Sie hatten diese kurzen und stämmigen Nacken, wenig Hinterkopf, eine niedrige und kantige Stirn, darunter zwei Augen mit einem stechenden Blick. Eigentlich blickten sie einen nicht an, sie musterten. Sie hatten ein hartes Leben, aber sie waren stolz darauf.
(aus: Wilhelm Tell für die Schule von Max Frisch)
Als die von Napoleon eingerichtete Helvetische Republik noch vor der Schlacht von Austerlitz ihr Ende feierte, gefiel es dem Berner Bürgertum ein Älplerfest zu organisieren. Stadt und Land sollten wieder näher zusammenrücken, gemeinsame Wurzeln erkennbar und das nationale Pathos reanimiert werden. Vielleicht waren die Eidgenossen es auch einfach leid, mit einer farblich fragwürdigen Trikolore in Verbindung gebracht zu werden und strebten nach markenreiner Swissness.
Volkssport und Brauchtum trafen sich 1805 bei Interlaken erstmals zum fröhlichen Miteinander. Anfang September 2011 kommt es aufgrund der sehr unregelmässigen Wiederholungen zur erst 11. Auflage des Unspunnenfestes, dem Wimbledon der Eidgenössischen Älplerfeste.
Der originale Unspunnenstein ging im Lauf der Zeit schlicht verloren. Die Steinstosser beschafften sich im Berner Oberland einen Ersatzstein, welchen Jurassische Freischärler 1984 entführten. Der Konflikt zwischen Bern und Jura scheint auch nach der Kantonsneugründung von 1978 munter weiter zu schwelen, der Schwelbrand selbst begierig auf symbolbefrachtetes Gestein zu sein.
Der von den Kidnappern durch das Anbringen von Europasternen entweihte Stein wurde zwar 2002 zurückgegeben, doch kurz vor dem letzten Fest erneut entwendet und an seiner Stelle ein Pflasterstein mit Jura-Wappen zurückgelassen. Bei dieser Aktion schimmerte immerhin etwas Humor durch…
Jüngst nun die nächste Schreckensmeldung: für das diesjährige Fest musste „aus gesundheitlichen Gründen“ der bereits getaufte Siegerstier ausgetauscht werden!
Volksbräuche haben es echt schwer.
Während in Berlin-Kreuzberg wie immer zünftig, aber vorbildlich friedfertig in den Mai hinein gefeiert wurde, tanzten schiesswütige Amis und teutonische Nazis aus der Reihe.
Die einen versenkten einen Zombie indianischer Provenienz, die anderen tonnenweise schwäbische Teigwaren.
Ein im Spätzleparadies ortsansässiger und daher schlachtfester Nitzel-Möger berichtete, dass sich einheimische Glatzen zunächst für 2 Mio ΕΥΡΩ an Spätzle mit brauner Sosse in der Heilbronner Bahnhofsgaststätte labten, bevor sie sich beim lokalen Arbeitsamt als reinrassige Spatzen bewerben wollten. Leider war die Agentur für Arbeit am Tag der Arbeit aber geschlossen.
Nun kam den nationalen Spatzen vor lauter Ärger die viele Sosse wieder hoch, und sie ergaben sich vereint in den gerade vorbeifliessenden Fluss.
Die völkischen Spatzenhirne genossen so zum Trost einen herrlichen Blick auf den braun gefärbten Neckar, derweil die grünrote Polizei lieber den Fahrradweg sicherte.
Natürlich sind es wieder einmal die lustigen Volksmutanten von der Schweizer Volkspartei, welche instinktsicher mit der Bevölkerung Witterung aufnehmen und eine Initiative für die Deutschschweizer Mundarten lancieren.
Im Kanton Zürich wird seit 2008 im Kindergarten (Vorschule mit obligatorischem Besuch) teilweise auf Schriftdeutsch (Standardsprache) unterrichtet, wobei die Kinder frei parlieren können, ganz wie sie wollen. Eigentlich sinnvoll: frühzeitig angeboten erlernen Kinder leichter Fremdsprachen und das Schweizerdeutsch besitzt als Mundart keine (einheitliche) Schriftsprache.
Die angestrebte Rolle Rückwärts der Hauchdeutsch-Nerds soll das Schriftdeutsche komplett aus dem Kindergarten verbannen. Mundart sei Beziehungssprache und ein Kulturgut, der pädagogische Nutzen der Standardsprache hingegen nicht nachgewiesen.
Stimmt.
Schwiizertüütsch ist amüsanter.