seit exakt 7.45h MESZ.

seit exakt 7.45h MESZ.

Dem zuletzt in Bolivien kindergärtnernden Comandante zum einundachtzigsten:

Auf der überladenen und zäh ladenden Kulturseite von San Cristóbal de La Habana (edit 2018: Che-Song-Liste jetzt dort) findet man allerlei biographische Details zu Ernesto Guevara de la Serna. Ganz besonders beeindruckend ist die schier unzählige Liste von Interpreten der Comandante Che Guevara zum Abschied gewidmeten und (wahrscheinlich) populärsten zeitgenössichen Heldenhymne.
Für Sammler, Hardcore-Fans und solche die eventuell beides werden wollen tut sich dort eine wahre Goldgrube auf, in der man Preziosen findet wie Grupo 5u-4-Danae mit ihrer mondän anmutenden bigbandigen Interpretation, wo Grupo Tabacalero angestrengt realsozialistisch neutönt, die fast unverschämt unwissende Actrice Nathalie Cardone peppig-popig auf fünfhunderttausendfachen Kundenfang geht und der aufrecht (!) gebliebene altlinke Robert Wyatt eine eigenwillige Duftmarke setzt.
Geradezu unerhört wie viele Klangartisten sich an dem bald 50 Jahre alten Klassiker ausprobiert haben. Fast erholsam hingegen erklingt die Version des Komponisten Carlos Puebla selbst: einfach ist oft schlicht gut.
die Alimente?


Mama mia.
Aus der psychosozialen Studie des scheidenden Zürcher Schauspielhaus-Direktor:

Alles neu macht der Juni, hier zumindest den Tapetenwechsel.
Bereits Ende Mai hat Iggy Pop ein akkustisches Stillleben vorgestellt: Préliminaires – altersschlauer Seelenstriptease von einem, der sich eh gern nackig macht.
Wohlige Chansonqualität mit einem Spritzer Tomwaits für die gute Cocktaillaune dargeboten von einem wirklich gefährlichen „Animal“. Genau die richtige Medizin, um im heissen Sommer lässig runter zu kühlen.
Beginnend mit dem herbstzeitlosen Klassiker Les Feuilles Mortes, über ein grundehrliches I Want to Go to the Beach bis zum dreckig grungigen Nice to Be Dead – alles allererste Sahne. Arschwackler kriegen es mittels Party Time besorgt. Stehblueser hängen bei Spanish Coast ganz locker ab. Das armselige Hundeleben wird mit A Machine For Loving gewürdigt. Und der gemeine Herzschmerz wird durch How Insensitive notdürftig behandelt.
Für erfahrene Anhänger der gepflegten Melancholia sollte es ein Nachspiel geben!
Offenheit nach vielen Seiten ist hier ohne Zweifel ein geografisches Merkmal, das im Lauf der Geschichte mehrmals entscheidende Bedeutung erhielt. Aber dennoch ist Zürich, im Grossen und Ganzen genommen, eine Siedlung jener Art, um deren ominösen Namen wir uns um der Ehrlichkeit willen nicht herumdrücken wollen: Provinz. Selbst diese zahlenmässig grösste Stadt der Schweiz kennt heute keine Filmpremieren, keine Boxkämpfe oder Politik aus erster Hand, keine sodomitischen Laster und kein konstruktives Genie, wie die Weltzentren sie zeigen.
(…)
Die Atmosphäre Zürichs ist die einer moralischen Loyalität, welche darin besteht, dass man sich um den Nachbarn nicht gross kümmert, solange er nicht störend grosse Sprünge macht. Diese verlacht man dann freilich rasch als Kapriolen. Noch heute kommen aus der übrigen Schweiz wie aus dem Ausland diejenigen mit Vorliebe zu uns, welche gerne in bequemer Ungestörtheit separaten Zielen nachgehen.
(…)
Die Stadt ist gross genug, um Spezialisten aller Art zu genügen, und doch so klein, dass sie dem, der von ausländischen Hauptstädten zurückkommt, wie Natur erscheint. Jeder kann sich weltmännisch isolieren, sofern ihn dies lockt, jeder aber auch fast eine kleinstädtische Nestwärme erzielen, wenn er an diese gewöhnt ist. Zürich ist heute erweitert und gesteigert zum Zentrum der deutschen Schweiz schlechthin, aber es hat dadurch auch viel von seiner historischen Farbe eingebüsst. Es steht auf einer Zwischenstufe: Für den Schweizer ist es sehr entfremdet, aber für den Fremden doch sehr schweizerisch.
Es gibt aber nur eine polemische Haltung unserem Jahrhundert gegenüber nicht den ängstlichen Ruf zurück in die Idylle, sondern die Forderung, dass die ungeheuren Verheissungen, welche auf dem Grund des sichtbaren Niedergangs schlafen, nicht in ihrem Wachstum gekränkt werden. Der Mensch, solange er atmet, wird immer schwanken zwischen einem Dort und Hier, zwischen einer Heimat und einer Fremde, einer Begeisterung und einer Bequemlichkeit. Aber er kann einen neuen Sinn in diese Alternative legen, sobald er erkennt, dass auch seine Heimat eine internationale Vokabel ist. Er kann sich erziehen zu dem hohen Handwerk, dieses kleine Gefäss mit einem grossen Inhalt zu füllen. Wer allzu fanatisch an seiner Heimat hängt, dem ist es noch immer nur um das Gefäss zu tun gewesen. Seine Lippen haben sich an seine Rundungen gewöhnt, und er sieht nicht so sehr darauf, was ihm daraus zufliesst, als darauf, dass ihm die unfreie Gewohnheit nicht genommen werde.
aus: Walter Muschg, Zürcher Geist, Merian Zürich, Nr 1, Januar 1983
Gefreut habe ich mich über die Ankündigung, dass der Mannschaftsbus des FC Zürich die Sieger vom Tessin quasi direkt vor unsere Haustüre im Kreis 4 an den Helvetiaplatz chauffieren werde. Gefreut haben sich sicher auch die zahlreichen Nachtclubs im angrenzenden Rotlichtbezirk rings um die Langstrasse. Aber gefreut haben sich auch viele andere in der Stadt, weil dem FCZ eine gewisse politisch korrekte Glaubwürdigkeit anhaftet und es seit einiger Zeit – bis hin zur linksbürgerlichen Bohème der Stadt – ziemlich schick ist dem für hiesige Verhältnisse durchaus ansehnlichen Offensivfussball des FCZ zugeneigt zu sein.
Der eigentlich schärfste und zudem innerstädtische Konkurrent mit dem viel herzigeren Vereinsnamen Grasshoppers-Club Zürich wird seit eh und je mehr von der bürgerlichen Schicht unterstützt – der FCZ hingegen gilt als angesagter Arbeiterverein. Dabei ist die dienstleistungsorientierte helvetische Metropole Zürich keineswegs eine Fussballstadt, da liegen Basel, Bern und selbst Sion in der Zuschauergunst viel weiter vorne. FCZ und Grasshoppers müssen sich zudem seit der Euro 08 mit dem Letzigrund ein nicht gerade zuschauerfreundliches und etwas zugiges Leichtathletikstadion teilen. Die auffällige Gewaltbereitschaft der Ultras bei Spielen der Zürcher Clubs untereinander oder bei Aufeinandertreffen mit dem bei beiden Fanfraktionen gleichermassen verhassten FC Basel, sorgte jüngst sogar für eine Wortmeldung vom heuchlerischen Verkehrsrowdy Blatter Sepp.
In Resteuropa wird der Hooliganismus zunehmend in die unterklassigen Ligen und damit nur scheinbar erfolgreich, aber zumindest aus den öffentlichkeitswirksamen Schlagzeilen verdrängt. Die äusserst aggressive Gewalt der Schweizer Fussballszene ist hingegen weiterhin erstklassig und prominent vertreten.
Während des Wartens auf das Eintreffen des FCZ-Cars durfte ich mit einer mir von einem freundlichen Fan dargereichte typischen Südkurvenfahne („Wo du bisch sind mir“) etwas unbeholfen hin- und herwedeln. Es war eine ziemlich kleine Fahne mit sehr kurzer Fahnenstange aus Leichtplaste, aber mir wurde schnell bewusst, dass es eine so entschärfte potentielle Waffe ja auch durch die Einlasskontrollen in die Stadien schaffen muss.
Blau und Weiss war der vorherrschende farbliche Gesamteindruck und selbst die Bierdosen passten sich dem Farbschema an: ausser eidgenössichem Feldschlösschen fielen mir vor allem die vielen türkischen Efes-Bierdosen auf, Hauptsache blauweiss!
Die sommerlichen Temperaturen lockten noch etliche Nachtschwärmer um diese späte Stunde heraus, so dass über zweitausend Menschen die Ankunft ihrer Helden freudig erwarteten. Indessen verkürzte der von einer ambulanten Diskothek auf dem benachbarten Kanzleiareal gespendete Hip-Hop nach Old School-Art hörenswert die Wartezeit.
Nachdem der FCZ-Car nach einer von bengalischem Feuer illuminierten Ehrenrunde um den Helvetiaplatz seine Fahrgäste endlich auf den Balkon des Volkshauses entliess, konnte ich mich inmitten des Dunst- und Duftcocktails von Schweiss, Bier, Tabak und reichlich Pyroschwaden prima mitfreuen. Das Ganze wurde naturgemäss kernig untermalt von von Jungmännern dominierten Sprechchören, wobei ich hier nicht wirklich alle Feinheiten heraushörte und einen gehörigen Nachhilfebedarf in Sachen Textsicherheit und -verständnis feststellen musste.
Nächtliches Fremdfreuen macht schon Laune, da fällt fast nicht weiter auf, dass es ausgerechnet der rivalisierende Grasshoppers-Club war, der erst mit seinem Sieg gegen Basel am selben Spieltag dem FCZ zum vorzeitigen Happy End verhalf…
Gleich in meiner ersten Saison im Ausland glücklicher Vater, stolzer Daddel-Champ und sich fremdfreuender Schwiizer Meischter zu werden, das toppt selbst irgendein Double nicht.
Nur einen Tag nachdem die monatelange Daddelei mit einem klaren Auswärtssieg im Fussball-Managerspiel gegen meine (alten) Arbeitskollegen in Berlin gekrönt wurde

kommt gleich um die Ecke am Helvetiaplatz der FCZ-Car angefahren zum Partymachen…

Zum Turicum! Wenn das kein Grund zum Fremdfreuen ist.

Der Räuber und die Prinzessin.

Reine Vorfreude auf das erste Mal
*zart gedämpfte und fein pürierte Karotten mit einem Tröpfchen Rapsöl
und seit Wochenfrist mit zwei Schneidezähnen im Unterkiefer.

Dem armen Böögg hat es am letzten Montag beim Sechseläuten innert 12 Minuten und 55 Sekunden den Kopf zerdatscht was laut Zürcher Hokuspokus einen durchaus akzeptablen Sommer verspricht.
In Berlin-Kreuzberg ist die Imbisskultur nun aber wahrlich hauptstädtisch. Die neoproletarische Wurst mit Curry war und ist immer angesagt, obwohl mir erst letzthin die Institution Curry 36 am Mehringdamm zum allerersten Male ins Auge stach. Vor allem stach es so rein, weil ein Dino–Honk–Tank–Monster–Truck (ja, war ein Hummer, und ich traute meinen Augen kaum, weil ich bis dato irrtümlich annahm, diese Undinger hielten sich überflüssigerweise nur noch in den kantonalen Steuerbiotopen der eidgenössischen Geldwäscherei verborgen am Leben und eben nicht (mehr) in der Kapitale der Abwrackprämie) sich anstrengte zeitsparend aber raumgreifend so was von genau vor dem Imbiss zu parkieren, dass ich erst aufgrund jenes staubildenden Vorganges der locker über 20 Wurstgläubige zählenden Warteschlange vor dem anscheinend total angesagten Currytempel gewahr wurde.
Mir war zwar durchaus olle Konopke bekannt, aber dass die gewürzte Wurst auch in Kreuzberg so gut sein soll, hm – das ist mir doch tatsächlich in den letzten 30 Jahren völlig entgangen und läuft mutmasslich auf einen freiwilligen Selbstversuch hinaus.
Wurstegal, die meist sehr bezahlbaren und zudem leckeren Imbisse sind in der Tat lukullisch beeindruckend für die ambulante Nahrungsaufnahme in Kreuzberg: bewährte Falafel im Nachtigall-Imbiss in der Ohlauer Strasse, marinierter Yaprak-Döner bei Imren in der Boppstrasse oder Tek Bir (Tipp: Dürüm oder noch besser gleich die Super-Version bestellen!) in der Skalitzer, einfache aber korianderfrisch zubereitete vietnamesische Küche bei Hoai Nam am Görlitzer Bahnhof, die klassische Linsensuppe bei Hasir in der Adalbertstrasse, erschwingliches Sushi im legendären Musashi am Kottbusser Damm, eine kleine aber feine Pizzaecke im Pizza a Pezzi in der Oranienstrasse oder die einfache Fahrt im Spätzle–Express in der Wiener Strasse.
Mein Futterneid & Appetit ist euch gewiss!
Nicht ganz so appetitlich kam mir auf meinen Irrwegen dieser gut gemeinte Hinweis in der Wiener Strasse vor:

Voll die metropolitanische Internautennahrung, wa…
Schon des öfteren erspähte ich auf meinen Streunereien durch die Stadt Hinweise auf einen gewissen Dj René und seine Oldie-Nächte. Durch reinen Zufall wurde ich im hiesigen Faschingstreiben staunender Zeuge seiner Darbietung: deutsches Schlagergut mit Eigentoasting quasi. Nun legt der Meister in der Elisaburg, Elisabethstrasse, Zürich Cheib 4 auf.
Von Blues war auf dem bunten selbstgedruckten A4-Poster aber nicht die Rede…

AP 22 proudly presents himself:

