Uffe

Maya-Kalender, Maya calender

Sofern im grotesken Mischmasch von Kalendarien und Planetenbahnen nicht doch ein kollateralschädigender Irrtum steckt und jener sich am 21. Dezember nicht vor 12:11 Uhr MEZ bemerkbar macht, können wir getrost einen weiteren Wendepunkt unseres gutnachbarlichen Sternes erleben.

Wie immer zu Beginn der Auffahrt zunächst schleppend aber unaufhörlich steigt das thermonuklear aktive Zentralgestirn hoch und höher und wird uns klimaneutral schonend allmählich wieder auftauen. Versprochen.

Nächster Weltuntergang ist dann wie gehabt pünktlich am 30. Mai.

Schöneuter

Die Schweiz ist führend: ob Faustball, Orientierungslauf oder Braunvieh. So gab es jüngst einen totalen Triumph auf der Bruna 2012, dem Braunviehzucht-Weltkongress in St. Gallen. Obschon in Abteilung 12 BS vermeintlich ein Tier aus dem Allgäu (D) mit österreichischer Ohrmarkennummer den ersten Preisrang belegte, stammt selbst dieses Rindvieh ursprünglich aus Schweizer Zucht!

Schöneuterteamsieger
Schöneuterteamsieger

Einen stimmungsvollen Video-Bericht von der Bruna gibt es hier und da.

Bezeichnend sind die Preis-Kategorien — neben Miss Schöneuter noch die Miss Lebensleistung, die Miss Protein und natürlich eine Miss Genetik.

Übrigens wird für Viehschauen generell gerne in eine stylistische Trickkiste gegriffen, wobei selbst das Versiegeln der Zitzen als durchaus noch im Rahmen des Erlaubten gilt…

PS: Schön geräuchte Euter dort.

Schneefeezehweh

Am Schneesee

Es war einmal ein See, der war immer voll Schnee, darum nannten ihn alle Leute nur Schneesee.

Um diesen Schneesee wuchs Klee, der Schneeseeklee, der wuchs rot und grün, und darin äste ein Reh, das Schneeseekleereh. Und dieses Schneeseekleereh wurde von einer Fee geliebt, die fast so schön war wie Scheherezade, der überaus anmutigen Schneeseekleerehfee.

Diese Fee hatte, wie alle Feen dieser Gegend, sechsundsechzig Zehen, fünfundsechzig zum Gehen und einen zum Drehen, und dieser sechsundsechzigste Zeh war natürlich der Schneeseekleerehfeedrehzeh.

Zehendrehen macht schrecklich Spaß, doch einmal drehte die Fee im Übermut ihren Zeh zu sehr, und da tat der Drehzeh schrecklich weh.

Zum Glück wohnte am Schneesee eine weise Frau. Die weise Frau, eine Heckenhexe mit zwei schrecklichen Hackenhaxen, hockte grade vor einer Hucke Kräutern, als die kleine Fee gehumpelt kam.

„Guten Tag, beste Heckenhexe mit den Hackenhaxen!“
„Guten Tag, nette Schneeseekleerehfee mit den sechsundsechzig Zehen! Doch was sehe ich: Du humpelst? Was hast du denn?“

Da antwortete die Schneeseekleerehfee: „Schneeseekleerehfeezehweh!“
„Gehzehweh oder Drehzehweh?“
„Drehzehweh!“

„Dann ist es nicht schlimm: Gehzehweh ist zäh und hält sich, doch Drehzehweh kommt und vergeht jäh – und wodurch vergeht es? Natürlich durch der Heckenhexe herrlichsten Tee, den hellgelben Schneeseekleerehfeedrehzehwehtee! Und einen solchen hellgelben Schneeseekleerehfeedrehzehwehtee werde ich dir jetzt brauen.“

Die Heckenhexe mit den Hackenhaxen nahm Blätter von sieben mal sieben Bäumen und Blüten aus sieben mal sieben Träumen und brachte sie mit Milch aus sieben Eutern und Wurzeln von sieben Kräutern zum Schäumen, und als der Sud sich abgeklärt hatte, wallte im Kessel der hellgelbe Tee. Na, wenn der nicht bitter schmeckte!

„Trink das aus, nette Schneeseekleerehfee!“
„Auf einen Zug, beste Heckenhexe?“
„Auf einen Zug, nette Schneeseekleerehfee!“

Da trank die Schneeseekleerehfee auf einen Zug den Schneeseekleerehfeedrehzehwehteekessel aus, und als der Schneeseekleerehfeedrehzehwehteekessel ausgetrunken war, hatte der hellgelbe Schneeseekleerehfeedrehzehwehtee das Schneeseekleerehfeedrehzehweh aus dem Schneeseekleerehfeedrehzeh der Schneeseekleerehfee weggehext, und da stieß die glückliche Fee ein lautes Juche aus, das rings durch alle Wälder schallte.

„Ich danke dir, beste Heckenhexe!“
„Ist schon gut, du nette Schneeseekleerehfee. Nun dreh aber nicht mehr so toll deinen kleinen Drehzeh!“
„Werds´ bedenken, beste Heckenhexe!“
„Lerne lerne, nette Rehfee!“

Und die Schneeseekleerehfee lief auf ihren fünfundsechzig Schneeseekleerehfeegehzehen von der Heckenhexe mit den Hackenhaxen in der Hocke vor der Hucke in den Wald zurück, und freute sich ganz toll, dass das brennende Schneesehkleerehfeedrehzehweh durch den hellgelben Schneeseekleerehfeedrehzehwehtee aus dem Schneeseekleerehfeedrehzeh weggehext war, und sie lachte und klatschte in die Hände und freute sich und streichelte sacht mit ihrem sechsundsechzigsten Zeh, dem Drehzeh, das Schneeseekleereh im Schneeseeklee am See voll Schnee.

In memoriam Franz Fühmann (1922-1984)

Pipilotti Retro

Die gefühlig ladykrachende Interpretation der Les Reines Prochaines des unsäglichen End80er-Heulers Wicked Game war ihm bereits wohlbekannt. Dass es aber nämliche Frau Rist ist, welche in der Coverversion der Schweizer Frauencombo stimmlich hysterisch ausflippt, war dem Hobbyschweizer bis dato nicht bewusst und darum musste er erst nach St. Gallen pilgern, um anlässlich einer Werkschau missioniert zu werden.

Die wie ein Kaleidoskop über eine Saalecke gespiegelt erscheinende Videoprojektion im launchigen Ambiente ist leibhaftig betrachtet in Verbindung mit Musik einfach betörend; auf Youtube lässt sich das nicht kopieren, naturalmente. Zudem ist die in St. Gallen gezeigte Version von «Sip My Ocean» teilweise neu geschnitten und auf 10 Minuten verlängert, was die suggestive Wirkung des Unterwasser-Mantras deutlich verstärkt.

Nach dem Auftauchen sind weitere Installationen zu erkennen, wobei sich insbesondere bei «Eine Spitze in den Westen — ein Blick in den Osten» der Schalk von Pipilotti Rist offenbart. Das Werk sieht von aussen betrachtet schon lustig aus, steckt man aber erst den Kopf hinein, kann man neben den innewohnenden Videos (u. a. «I´m Not The Girl Who Misses Much») zudem die Schädel der Mitseher betrachten.

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Videokunst ist heute sicher nicht mehr der unbedingte Brüller, doch wenn ungenierte Poesie und kunterbunte Liebe derart charmant eingewebt und erkennbar wird, muss man die Protagonistin dafür einfach gern haben.

Räblischwur

Was dem Halloween der Kürbis, ist für den kantonalen Zürcher die Räbe. Ritzen und Schnitzen, bisschen Rübe ab, Kerze rein und ab ins Dunkle.

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Fast ausschliesslich für die beliebten Kinderumzüge werden die Räben tonnenweise im Umland angebaut. Mit gerade hundertjähriger Tradition boomt der damit noch recht moderne Brauch stimmungsvoll und antiglobal in seiner lokalen Nische. Die Detailhändler Migros und Coop verbannten unlängst die allermeisten Halloween-Artikel wieder aus ihrem Sortiment und offerieren lieber authentische Räben zum Selberschnitzen. Heile Welt wärmt.

Versprecher

Neulich auf einem Zürcher Spielplatz erzählte ein kleines Mädchen ihrer Mutter vom Kindergartentag. Dabei erwähnte das Kind, dass die Kindergärtnerin „Ufgabe“ gestellt hätte. Sofort verbesserte die Mutter sehr bestimmt, es hiesse nicht „Ufgabe“ sondern „Ufgobe“; bei ihnen daheim würde schliesslich Baseldütsch gesprochen und nicht Züritüütsch!

Aufgrund solch mundartlicher Feinheit und deren unbedingter Wichtigkeit war der Hobbyschweizer schlichtweg baff und neugierig, machte doch die Mutter ansonsten nicht gerade den Eindruck einer volkstümmelnden Landpomeranze. Nach intensiven Nachforschungen verfing sich dann eine aufschlussreiche Alemannische Sprachkarte im Netz.

Und der Hobbyschweizer hat jetzt gelernt, dass Basel (Stadt) eine Niederalemannische Insel in der Schweiz ist und die stolzen Insulaner sich nie (und schon gar nicht von Zürchern!) ein a für ein o vormachen lassen, sondern ihren Dialekt gut pflegen – gestern, heute und morgen.

Weisse Hölle Uetliberg

Der erste Schnee der Saison ist jedes Mal wieder neu und aufregend. Natürlich muss man den frischen Schnee probieren und schmecken und dessen Konsistenz fachkundig auf Rodelverhalten und Ballgefühl überprüfen. Falls Frau Stirnimaa Holle jedoch weiterhin derart handfest die Betten ausschüttelt, sieht es hier bald so aus wie sonst im Oberland.

Zürcher Forst am 28. Oktober 2012 mit Schneemenschchen

Weils´aber noch Oktober ist und reichlich feucht ist die jüngst gefallene Schneemenge im Schweizer Mittelland triefnass und pappschwer. Mangels Gefälle droht keine unmittelbare Lawinengefahr, aber bei plötzlich auftretenden Naturgewalten ist ja immer etwas Vorsicht geboten. Den hinterlistigen Anschlag eines in der Siedlung umher streunenden Sniper-Duos konnte ich gerade noch verhindern, da ich nach den ersten Schneebällen auf das zum Lüften verlockend weit geöffneten Fenster, die aber alle knapp in die Fensterläden krachten, bereits aufgeschreckt auf der Hut war, doch statt des selbigen flugs meine Yeti-Maske aufsetzte.

Yeti, Weisse Hölle vom Frieneberg, Yeti-Maske

Die half prima und die frechen Buben flüchteten schnell ganz verängstigt und verloren sich alsbald im immer dichter werdenden Schneegestöber…