Gedacht. Geträumt. Vergessen.
Adieu P.
Gedacht. Geträumt. Vergessen.
Adieu P.
Da das Pedalieren bergan gewöhnlich relativ gemütlich vor sich geht, sucht der kurzatmige Blick des in welliger Landschaft dahin ziehenden Radlers gerne Ankerpunkten in der noch fernen Zukunft, oder aber — beifallheischend zwar, doch entschieden realitätsnäher — unmittelbar abseits der gewählten Route.
Guerilla Art, Public Posing oder einfach eitle Selbstvermarktung, egal, das an der Betonrampe beim Seniorenzentrum Gehrenholz in ZH-Wiedikon ambulant angebrachte Foto einer Scheinheiligen hat durch die handgedrechselte und etwas verschwurbelt wirkende Bild-Text-Verknüpfung neugierig gemacht.
Die Informationsverarbeitung des leicht ausgewaschen vorgefundenen Sujets gestaltete sich aufgrund des akuten Sauerstoffmangels zeitlupenhaft zäh, wurde vom Protagonisten jedoch dankbar innehaltend als willkommene Verschnaufpause verbucht.
Schliesslich ist immer noch der Weg das Ziel — n´est-ce pas?
Es ist erschreckend aber wahr
Die Dürftigkeit in die wir Jahr für Jahr
In allen Lebenslagen lebenslänglich sozusagen
Eingeschlossen sindWird mehr und mehr und mehr und mehr
Wird mehr und mehr und mehr und mehr
Uns unerträglicher!Selbst wenn wir beisammen sitzen
In unserem Lieblingsbrauereilokal
Dann sollten wir wissen
Dass mit jedem Bissen
Den wir wie von Sinnen
Nahezu herunterschlingen
Ehe wir uns versehen
Unser Stolz und unsere Würde verloren gehen
Und die Alltäglichkeit
Die man uns jederzeit
Aus vollen Fässern zapft
Macht uns nicht mehr betrunken
Sondern vielmehr bewusst
Dass das Unglück überall zurückgeschlagen werden muss!
Writer(s): Jan Klaas Mueller, Arne Zank, Dirk von Lowtzow
Copyright: Hanseatic Musikverlag Gmbh & Co. Kg
Lokal wird am Sonntag über Ausnüchterungszellen abgestimmt, in denen verhaltensauffällige Freizeittrinker bei Zimmerpreisen bis zu 600 Franken ihren Rausch ausschlafen sollen müssen.
Global geht es bei der Ecopop-Initiative um den selbstverliebten Wunsch das eigene Zimmer weiter abzudichten, und in den überbelegten Wohnräumen effektive Schweizer Familienplanung anzubieten. Entwicklungshilfe wird so zur Empfängnisverhütung im doppelten Sinne. Darauf einen Dujardin.
Reine Kopfsache ist die inzwischen schwer angesagten Disziplin, in der bis zu elf Runden lang abwechselnd geboxt und Schnellschach gespielt wird. Die Rundendauer beträgt jeweils drei Minuten und die Entscheidung erfolgt dabei entweder durch K.o., Matt, Aufgabe, Zeitüberschreitung oder Ringrichterentscheid.
Der Spandauer Feuerwehrmann Sven Rooch hat nun seinen Weltmeistertitel im Mittelgewicht gegen den Spanier Jonathan R. Vega erfolgreich verteidigt. In der Berliner Columbiahalle bezwang der Lokalmatador seinen Herausforderer nach hartem Kampf durch Schachmatt in der fünften Runde.
Glückwunsch!
Tatsächlich initiativ diese Schweizer:
Obige Forderung ist kein Scherz und wurde als Volksinitiative nun vom Bund genehmigt. Werden im nächsten halben Jahr 100.000 Unterschriften für den Vorschlag gesammelt, wird er der Eidgenossenschaft zum Volksentscheid vorgelegt. Möglicherweise würde im Nachgang die allegorische Helvetia zur postmodernen Matriarchin eines entkriminalisierten Feminats. Bloss welches Land nimmt schon freiwillig detonationsfähige Testosteron-Bomben auf?
Unification according to The Washington Post
(click to enlarge)
Aus dem Spielbericht der Pendlerzeitung 20 Minuten:
Der Vortrag zum Thema «Fussball als Lebensschule» von Fifa-Präsident Sepp Blatter hat am Dienstagabend etliche Demonstranten auf den Plan gerufen. Sie riefen vor dem ETH-Hauptgebäude etwa «Scheiss Blatter – scheiss Mafiosi».
Nebelpetarde in der Zürcher Uni
Die Polizei brachte sich am frühen Abend in Kampfausrüstung in Position. Um zirka 18 Uhr sah es zuerst so aus, als würde sich die Demonstration auflösen. Doch dann stürmten plötzlich mehrere Dutzend Demonstranten durch einen Seiteneingang in das Innern der ETH. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Vorfall. Die Demonstranten versuchten in den Vortragssaal zu gelangen und zündeten ausserdem ein paar Rauchbomben. Der Lärm lockte zahlreiche Studenten aus den Hörsälen.
Die Demonstranten versuchten anschliessend, in den Vortragssaal vorzudringen, doch bewegten sich zuerst in die Falsche Richtung. Dies ermöglichte der Polizei sich in Stellung zu bringen und sämtlich Eingänge zu blockieren, so dass sich die rund 100 Personen nur in einem Teil des Gebäudes aufhalten konnten, bevor sie sich wieder zurückzogen.
Danach demonstrierten sie offenbar in der Innenstadt weiter. Wegen der Demonstration kam es am Dienstagabend auf den Zürcher Tramlinien 2, 3, 6, 7, 8, 9, 11, 13, 14 und 17 während rund zwei Stunden zu Verspätungen und Umleitungen.
Man sagte mir, es sei soweit
Es komme eine Seltsamkeit
Und alles, was bis jetzt noch war
Sei dann auf einmal nicht mehr daUnd noch bevor der Morgen graut
Werden vereinzelt Stimmen laut
Dass man sich zwar nicht sicher sei
Doch man sei auf jeden Fall dabeiMan wisse zwar nicht, wann und wie es passiert
Und ob man gewinnt, oder ob man verliert
Man habe vorsorglich schon mal Geld gespart
Und für Donnerstag dem Verein abgesagtMan sei durchaus bereit, ein and’res Leben zu führen
Im Augenblick stünde man zwar noch zwischen den Türen
Es sei ja auch schwierig, so von heute auf morgen
Man habe ja auch noch den Hund zu versorgenIn manchen Gegenden habe es früh angefangen
Man sei dort vor Jahren spazieren gegangen
Seinerzeit wusste man nicht, was es ist
Doch man ahnte bereits, hier und dort rührt es sichAber nicht nur an Plätzen fiele es auf
Auch zu bestimmten Zeiten im Tagesablauf
In der Stunde nach Sonnenuntergang
Kündigte sich eine Veränderung anDoch man habe natürlich, wenn man ehrlich sei
Damals all das verdrängt, was man heute begreift
Und man habe höchstens unbewusst registriert
Dass etwas um sich greift, dass etwas passiertUnd erst jetzt komme man wohl nicht umhin
Sich einzugestehen, dass hier etwas spinnt
Die Zeichen werden deutlich, es sei soweit
Es komme nun eine Seltsamkeit.Und ich liege im Bett, und ich muss gestehen
Ich habe große Lust, mich nochmal umzudrehen
Draußen, wo sich die Nacht mit dem Tageslicht mischt
Scheint etwas vor sich zu gehen, das auch mich betrifft
Writer(s): Jan Klaas Mueller, Arne Zank, Dirk von Lowtzow Copyright: Hanseatic Musikverlag Gmbh & Co. Kg
Im Glarner Land, oberhalb von Elm am Sernf, gibt es inmitten einer markanten Gebirgskette ein Felsenloch. Zweimal im Jahr schickt die Sonne ihren Morgenstrahl durch das Felsenfenster hinunter ins Tal, wo er auf den dort extra errichteten Kirchturm trifft. Dieser wird jeweils Mitte März sowie Ende September vom Zentralgestirn etwa zwei Minuten lang beschienen. Falls man sich durch das Loch traut, landet man im Nachbarkanton Graubünden; der Ausflugsort Flims ist dann in (Berg-) Wanderdistanz zu erreichen. Allerdings liegt die zu überquerende Passhöhe auf 2600m, und schien für einmal dem Flachlandtiroler nebst Chindsgichind trotz Kaiserwetter noch zu gewagt.
Auf dem Weg durch das Sernftal fallen die vielen Verkehrsschilder auf, auf denen Panzer-Limite vermerkt sind. Und tatsächlich ist in Elm eine Übungsanlagen für scharf schiessende Tanks zu finden. Am Vreni-Schneider-Weg vorbei geht es dann zur Talstation der Luftseilbahn Richtung Tschinglen-Alp, wo die Susi wirtet. Obwohl die Saison für Schweizer Berghütten wetterbedingt eher mager war, wird Susi 2015 wieder am Start sein. Ich auch. Und das Loch sowieso.
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Sklaverei in der Komfortzone (getabstract)
Man stelle sich eine Gesellschaft vor, die unter einer Glaskuppel lebt. Ihre Mitglieder arbeiten, schlafen, lieben und konsumieren in dieser künstlichen Welt. Natürlich läuft das Leben nicht immer friedlich ab: Es gibt schon mal Streit mit dem Nachbarn, dem Chef oder den Politikern. Aber dann greifen bewährte Mechanismen der Deeskalation und Konfliktlösung. Niemand käme auch nur im Traum darauf, einen Blick auf die andere Seite der Glaskuppel zu riskieren oder gar sie zu zertrümmern. Warum auch: Es geht allen doch ganz ausgezeichnet, selbst der Ärmste ist noch zufrieden. So ist das Leben in der Komfortzone. Das ist keine Science-Fiction à la Brave New World oder Matrix, sondern eine Gesellschaftsbeschreibung aus der Sicht von Herbert Marcuse. Seine Zeit: die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Marcuse zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die von den Annehmlichkeiten eines Systems – egal ob kapitalistisch oder sozialistisch – eingelullt wird und sich das gern gefallen lässt. Medien, Politik und Wirtschaft ziehen an einem Strang, um das Individuum zufriedenzustellen und zu unterdrücken. Die Konsumwelt aus Luxus, Medien und Waren ist getarnte Sklaverei. Eine beunruhigende Bestandsaufnahme des modernen Kapitalismus.
Der eindimensionale Mensch wird 50 — nix wie hin.
Ja nein, entweder oder. Schwarzweissdenken ist fussballtypisch, quasi immanent. Darum und trotzdem auch hier der rot-weisse TV-Tipp: Mittwoch, 15. 10. 2014 um 20.15h auf ARD
Dass es überhaupt zu diesem Film kommen konnte, liegt zum guten Teil an den noch unlängst durch den Verein die Fussball-AG verfemten Ultras von der Schickeria München, die seit langem beharrlich an den einstigen Präsidenten erinnern. So gibt es seit bald zehn Jahren das von der Schickeria alljährlich veranstaltete antirassistische Kurt-Landauer-Turnier. Eine Landauer-Fahne weht schon lange vor der erst 2013 und damit 52 Jahre verspätet erfolgten Ernennung zum Ehrenpräsidenten in der Fankurve. Jetzt wird die politisch aktive Gruppierung sogar vom grossen DFB heilig gesprochen mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet, und das völlig zurecht.
Zugabe:
Aufschlussreich für die FCB-Geschichte ist die bereits 2005 in Duisburg vom Journalisten und Schiedsrichter Alex Feuerherdt vorgetragene Analyse über Deutsche und Linksdeutsche Ressentiments gegen den FC Bayern München.
Für 756 Pfannkuchen braucht man 22 Kilogramm Mehl und 189 Eier. Das zumindest erzählte Melinda Nadj Abonji anlässlich ihres Auftritts im St. Jakob, wobei sie geräuschvoll von Bals Nill unterstützt wurde.
Der soldatische Koch hatte aber nur 170 Eier zur Hand, und Probleme, die Eier zu trennen, hatte er auch, aber Befehl ist Befehl und befohlen waren 756 Pfannkuchen. Das Dilemma wurde nicht aufgelöst, vielleicht findet sich die Lösung im nächsten Buch von Frau Nadj Abonji, aus dem sie eben jenen humorigen Auszug vortrug.
Der Rest der Veranstaltung aber wurde ernst und zu einem linguistischen Seminar, indem anhand einer Bibelstelle der Glaube an das Wort thematisiert wurde. Auf Befehl glauben quasi. Obey-Thematik also. Sprache als Aktion, Sprache als Macht. Die Sprechaktheorie nach Austin besagt, dass man etwas tut, indem man etwas sagt («How to do things with Words»). Melinda zitierte in der Folge aus einem längeren Wortwechsel mit dem Philosophen Sreten Ugričić, dem Urheber von Meadyrade.
Mir schwirrte alsbald etwas der Kopf, weil zusätzlich Raumkontrolle und Zuspätkommer stören immer. Dazu mitten in der Vorlesung ein sanitärer Schaden im Kundenbereich, welcher zwar zu beheben war, doch die Konzentration blieb anschliessend im Orkus. Ausserdem waren drei Kleinkinder im Saal, die ich zwar mit einer Spielbox zu besänftigen versuchte, deren Langeweile aber offensichtlich ebenso gross wie die Kirche selbst war. So verpasste ich leider die Quintessenz des intellektuellen Diskurses und bekam nur noch mit, wie Melinda abschliessend sagte, wie sehr es ihr Spass mache, sich gerade in dieser Zeit mit Bibel-Texten sprachtheoretisch zu befassen. Amen.
So blieb mir die Erkenntnis, dass die Endorphinausschüttung diesmal besonders heftig ausfiel, weil das sonntägliche Zirkeltraining die kleinen grauen Zellen ungemein anregte. Fünf Blitzpartien im Online-Schach sind nichts dagegen und das übliche Lobpreisen und Beten ist nur blosse Litanei ohne das Hochfahren der Denkapparatur. Sprechen ist Handeln und Glaube versetzt Berge.
Ach ja, das 2010 zurecht preisgekröntes Buch der serbisch-ungarischen Schweizerin ist immer noch gut. Es geht darin um Entwurzelung und fast zur völligen Unsichtbarkeit führender Assimilation. Und sowieso stellt Jurczok1001 klar:
«Wir sind alle suchend, besorgt, ängstlich, voller Energie, wir schwitzen alle mehr oder weniger, und wir sind alle nicht wirklich zu Hause. Wir glauben nicht an den Schweizer, an den Jugo, sondern an offene Ohren. Wir glauben nicht an Information, sondern ans Zuhören, ans Erzählen. Und der Kopf, er kann selber denken. Und das Herz, es kann mitfühlen.» (http://daslebenistausland.net/)
Über ein Drittel der Toggenburger Waffelspezialität Kägi werden weltweit exportiert, während das Marketing auf dem Binnenmarkt die Marke mit dem Begriff Glück unterdessen derart überfrachtet, dass bei manch Unglücklichen dies zu Mangelerscheinungen führen kann, deren gewaltige Folgen wiederum die Spusi verfolgt, um die unglücklichen Glückssucher gegebenenfalls selber zu exportieren.
In der Schweiz ist Glück durch Panzerglas geschützt.
Erst gehen,
dann drehen.
Fotos machen ist während des Rituals der Mevlevi-Derwische nicht erlaubt; obige Bilder sind daher direkt von Mevlana.ch entliehen. Man erkennt aber gut das abgezirkelte Achteck auf dem Parkett. Ausserdem arbeiten die supertollen raufundrunterfahrbaren ehernen Kerzenleuchter unter Volllast. Im Dezember wird Mevlanas nächster Hochzeitstag gefeiert, dann wieder mit Weihnachtsbaum, Krippe und leibhaftigen Sufi-Musikern im Chor unterhalb der Orgel.
Crowdfunding ermöglicht Toleranzhymne:
Jeder liebt den, den er will und der Rest bleibt still!