Zürcher Hickhack

Noch immer warten beide Zürcher Erstliga-Vereine sowie deren Fans auf ein reines Fussballstadion. Der ursprüngliche bereits vom Volk beschlossene und zur EM 2008 einsatzbereit geplante Neubau am Hardturm kam wegen zahlreicher Einsprüche letztlich nicht zustande. Seitdem wird im Provisorium Letzigrund gekickt, einem zugigem Leichtathletik-Stadion. Die in Zürich ziemlich steuergünstig residierende FIFA könnte selbst ein Stadion mit Klimaanlage locker finanzieren, will sich jedoch nur an an einem reinen Sitzplatz-Stadion beteiligen. Dies wiederum wollen beide Zürcher Vereine nicht ihrer treuen Kundschaft in den jeweiligen Fan-Kurven zumuten.

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Foto entliehen von: knappdaneben.net

Kommenden Herbst steht nun ein neuer Volksentscheid in Sachen Stadionbau an und die Stimmung kippt zusehends. Natürlich geht es im Meinungsstreit auch um den kulturellen Wert von Profi-Sport und der integrative Wert von Vereinssport wird angesichts der Balkanisierung der Schweizer Nationalelf ebenfalls thematisiert. Gegner des Projekts wollen für notorische Pyromanen partout kein Steuergeld aufgewendet wissen, zumal sich keiner der beiden Zürcher Fussballclubs an den Baukosten finanziell direkt beteiligt. Fussballsport scheint in der Dienstleistungsmetropole Zürich eben ein Hauch zu proletarisch zu sein. Während in der Industriestadt Basel jeweils 30.000 Zuschauer die Heimspiele besuchen, locken die Zürcher Teams selbst bei addiertem Zuschauerschnitt nur gut die Hälfte ins Stadion und wären damit in etwa auf Augenhöhe mit der Stadt Bern, deren Einwohnerzahl gerade mal ein Drittel beträgt. Dabei holten die Young Boys vor 27 Jahren ihren letzten Titel; allein in jener Zeit war der Grasshopper Club siebenfacher Schweizer Meister und der FC Zürich glückte dies immerhin dreimal. Allerdings sei hierzu angemerkt, dass die jeweiligen Präsidenten finanziell potente Gönner ihrer Clubs waren und den Erfolg zum grosen Teil aus ihrer Privatschatulle mitfinanzierten.

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Professionelles Lächeln und Tschüss

Trotz wachsender Zuschauerzahlen bleibt der Schweizer Markt in Sachen Fussballsport recht übersichtlich und wird trotz kleinerer internationaler Erfolge eher als Ausbildungsstätte wahrgenommen. Zuviele Änderungen im Spielbetrieb und krachende Konkurse (Servette, Xamax) ramponierten in jüngster Zeit die Binnenreputation. Die Idee einer pannationalen Alpenliga (CH, LIE, AUT) gilt heute als überholt, doch die Fusion der nicht besonders eng befreundeten Zürcher Vereine ist wiederholt Thema.
Nur warum sollte man dem herzblütigen Vereinswesen die synergetische Schablone einer ach so freien Marktwirtschaft überhaupt überstülpen wollen? Vielleicht weil dann endlich Vereinsnamen wie Blau Weiss Red Bull oder Bimbesclub FIFA möglich wären.

Züripest

Sonntags früh — noch herrscht Ruhe vor dem Sturm. Der Boden ist noch ganz klebrig von der vergangenen Nacht; Spritz- und Kehrwagen der ERZ kämpfen tapfer gegen Müll und Gestank, damit sich das grosse Rad wieder weiterdrehen kann.

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Frauenmünster mit Chilbi

Während der drei Tagen des grössten Schweizer Volksfestes, dem von zweieinhalb Millionen Schaulustigen heimgesuchten Züri Fäscht, duftet es in der Innenstadt penetrant nach einer promillestarken Urinmischung. Für Zürcher Nasen ein Fauxpas sondergleichen! Postwendend wetteifern zahllose Deodorant- und Parfumträger aus der Agglomeration im Laufe der Festage um die olfaktorische Dominanz, was zu einer trotzigen Melange eines parfümierten Pissoirs gerät, bevor die Chose von neuem anfängt wieder kräftig und ziemlich eindeutig zu stinken. Et cetera. Man kann deutlich wittern, dass in Downtown Switzerland der KundeBauer König ist. Wildpinklerei ist zwar verpönt, aber bei einem ToiToi auf 3.300 Besucher ist schon mal Not am Mann. Grössenmässig ist das Fest sowieso längst aus dem Ruder gelaufen und durch die dreitägige Urinade wird nicht nur die Bausubstanz der Altstadt bedroht. Weil aber die Instandstellungen Geld und Zeit kosten, kann und darf das Fest wohl auch nur alle drei Jahre stattfinden…

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Zu der diesjährigen Ausgabe des Festes hat sich die Reformierte Kirche Zürich entschlossen sich zu öffnen und im Kreuzgang des Frauenmünsters ein sogenanntes „Refreshing“ anzubieten, nämlich Wasser, Brot und Spiele. Für den mega-reformierten Hobbyschweizer ein ideales Einsatzterrain als über-konfessioneller, da konfessionsloser Helfer.

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Der Anspruch der veranstaltenden Reformisten die angeschlossenen Migrationskirchen mit ins Boot zu nehmen war gut und nett gemeint. In meiner Truppe waren Sri Lanka, Iran, Irak, Lettland, Kongo, Afghanistan, Tibet und Angola vertreten und keiner war sich wirklich grün. Auch zwischen den lukullischen Anbietern aus Brasilien, Italien, Finnland und Angola gab es Irritationen und kleine Reibereien. Missverständnisse liessen schnell die üblichen rassistischen Mechanismen Vorurteile zu Tage treten. Nur kamen sie nicht nur von den weissen Langnasen, sondern untereinander und gegeneinander wurde beschuldigt, misstraut und separiert, gestritten und geklaut. Babylon pur.

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Genossen habe ich aber den Beginn meiner Frühschichten, als der Festbetrieb noch ruhte und ich mir das Frauenmünster aufschloss, um mutterseelenallein mit der durch die Chagall-Fenster blendenden Morgensonne kurz zu meditieren. Hach.

Wildwechsel

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Obige Monsterschnecke war bereits die zweite ihrer Art welche ich nächtens im Familienbiotop aufspürte. Zur genauen Taxierung habe ich eine Franken-Münze beigelegt. Es sollen zwar noch grössere Nacktschnecken existieren, doch dieser enorme Tigerschnegel war mein bislang tollster Fund unter den wirbellosen Spezies. Übrigens sind diese Viecher Nützlinge; die (hunds-) gemeine spanische Wegschnecke steht beispielsweise ziemlich weit oben auf ihrer kulinarischen Wunschliste!

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Mesmerismus

Der „animalische“ (tierische) Magnetismus bildet den theoretischen Überbau für eine okkulte Heilmethode aus dem 18. Jahrhundert, welche von einem bloss vermuteten, jedenfalls nicht-stofflichen Fluidum ausgehend etwaig blockierte Lebenströme mittels Handauflegen zu reaktivieren versucht. Panta rhei, dachte sich der Grieche. Chi, sagt der Chinese und meint das Gleiche.

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Tierischer Magnetismus gefällig?

Alternative Heilmethoden sind selbst in der nachgöttlichen Neuzeit eine gefragte und gut bezahlte Tätigkeit von Heilern, Sehern und Handauflegern. Ob Osteopathie, TCM, Homöopathie oder einfache Gesprächstherapie, es ist für alle Geschmäcker und Lebenslagen (vor)gesorgt. Die ganzheitliche Behandlung des ehedem doktrinär streng dreigeteilten Individuums scheint zeitgemäss, vor allem aber zu wirken.

In einer mitteilungsbedürftigen Gesellschaft ist jedweder kommunikativer Stress bzw. Stau ein beinahe schon trendiger Befund. Seelenstriptease ist gängig und gilt als moderne und durchaus aufgeschlossene Selbstkasteiung. Seit das Nackigmachen in den therapeutischen Beichtstühlen seine Anzüglichkeit verloren hat, scheint alles Spruchreife verhandelbar. Wenn aber alles benennbar ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass jedwede Ent-Äusserung verständlich ist. Systembedingt produzieren Overhead und Redundanz jedoch fortlaufend neue Verwirrung.

My baby baby, balla balla
My baby baby, balla balla
My baby baby, balla balla
My baby baby, balla balla
Ooh balla balla.

Jenes zeitgenössiches Mitteilungsbedürfnis hat einen recht trivialen, zivilisatorischen Grund: die andauernde Entmenschlichung in einer durchtechnisierten Realität nebst all der kommunikativen Störgeräusche, in der die zunehmende Reizüberflutung kaum bewältigt, geschweige denn geordnet werden kann. Das permanent beschleunigte Dasein ist einfach zu rasant für unsere altbackenen Sinne, wird kaum erfahren und erlebt, weil es in dieser Rastlosigkeit schlicht an Zeit für Details fehlt. Digitale Hilfsmittel, ursprünglich als kommunikative Krücken entwickelt, erscheinen so als undifferenzierte Antennen, die nur noch mehr unverdauliche Information zuführen.

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Klumpprinzip: im Ex-Magnet-Haus verspricht heute ein psychotherapeutischer Psychosomatiker psychiatrische Heilung

Wo einst Naturreligionen und Monotheismen den traditionellen Weg zum Seelenheil aufzeigten, versperren heute zahllose Hinweise, welche den Weg oder gar das Ziel zeigen wollen, die Sicht aufs Wesentliche, nämlich das Diesseitige, das hier und jetzt. Zudem kommen therapeutische Angebote oft einseitig pekunär orientiert daher. In der Seelenheilkunde werden laufend neue Krankheitsbilder beschrieben und zeitnah therapeutisches Expertenwissen feil geboten.

Die Menschmaschine soll mit Hilfe kostenpflichtiger Wartungsinstanzen bis hin zum der Persönlichkeitsoptimierung dienenden und in geradezu inflationärer Weise allgegenwärtigen Coaching möglichst reibungslos und effizient funktionieren, um ganz profan den Mehrwert zu mehren.

Alles fliesst — möglichst profitabel — von unten nach oben.

Unsere Freundschaft ist das Geld
Mit dem wir bezahlen was man zahlen muss
Alles muss im Überfluss vorhanden sein
Dann sind wir nie allein

Kinderspiel

Grössere Kinder versuchen ihre Befindlichkeit mitsamt dem ganzen Daseinsschmerz zu artikulieren und treffen bisweilen Aussagen, welche zwangsläufig die nachpupertäre Abnabelung thematisieren. Dabei entwickeln sie jene subtile Art von Kritik, welche die Eltern landläufig einfach bloss quittieren können.
Ein bereits ausgewachsenes Kind hat sich nun mit seinem Vater arrangiert und zusammen verfolgen sie den therapeutischen Ansatz der Transformation von hingerotzter Scheisse zu familiärem Humus. Weder Musikstil noch Songtexte sind mein Ding, weil ich aber Vater und Sohn kenne, hab ich mich durchgehört. Kreuzberg hurts.

Sonnenschein

Seit dem 21. Juni um 07:04 MESZ hat Sonnenkönig Sarastro wieder das unbedingte Sagen. Pamina wird als Tochter der Finsternis schon bald das Helle zu schätzen und lieben lernen und schleckt zur zauberhaften Flötenmusik gerne ein Glacé.

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In den momentan bescheidenen Dunkelphasen kann man gegen Mitternacht im Zenit das Sommerdreieck funkeln sehen. Sternenlicht funkelt durch die Lichtbrechung in der Atmosphäre, dagegen leuchten die ISS und andere Reflektoren dann vergleichsweise ruhig und kräftig im Widerschein der Sonne, zumal selbige im Sommer während der Nachtstunden nur knapp unter dem Horizont verweilt. Eine hilfreiche Webseite für Sterngucker ist dabei Heavens Above, welche exakte Bahndaten von irdischen und kosmischen Himmelskörper für den jeweiligen Aufenthaltsort bereit stellt. Trotz der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung wird so das Auffinden der stellaren Lieblingsobjekte ziemlich vereinfacht.