Mit einem fast ausschliesslich auf der Resterampe zusammengestellten Team gelang dem FC Thun ein verblüffender Triumph gegen finanziell wie sportlich weit überlegene gleichwohl arg schwächelnde Konkurrenz aus Basel, Bern und Zürich, welche in den letzten 25 Jahren jeweils den Schweizer Fussballmeister stellten. Dass der völlige Underdog und Aufsteiger (!) aus dem Berner Oberland als kleinster Club mit dem kleinsten Budget in der Liga derart durchmarschieren konnte lag jedoch nicht am heimischen Kunstrasen oder purem Glück, sondern vor allem am erfolgreich kultiviertem Aussenseiterfussball, der in der Challenge League zunächst prima eingeübt und in der Super League dann zur Perfektion entwickelt wurde.
Bei meist weniger Ballbesitz war das vertikale Umschaltspiel ganz ohne grosse Stars oft zwingend und führte zu 17 verschiedenen Torschützen bei einem mit Abstand besten Torverhältnis. Dabei konnte sich der FC Thun dank des grossen Vorsprungs in den letzten fünf Spielen gar vier Niederlagen erlauben, bevor nach einigen vergebenen Matchbällen aus dem zunehmenden Nervenspiel drei Spieltage vor Saisonschluss dank fremder Hilfe durch Sion beim ersten Verfolger St. Gallen endlich das hochverdiente Happy End zur Realität wurde.
Das helvetische Fussballmärchen wird vermutlich keine längere Fortsetzung finden, da naturgemäss Begehrlichkeiten von und an Spielern gepaart mit finanziellem Druck einem relativ kleinen Verein schnell an seine Grenzen und quasi als Opfer des eigenen Erfolges in die Bredouille bringen. Doch dürfte eine der weltweit grössten Sensationen im Klubfussball die Herzen aller Puristen & Liebhaber zumindest kurzzeitig etwas freudiger schlagen lassen.
