Das Schwein Eisenherz lebt, hängt und arbeitet:
Schlagwort: Folklore
Herz bebt
Auferstanden aus zwei Birken und der Zukunft zugewandt,
lass uns Dir zum Guten schlagen: bumbumtschak im Herzenland!
Die Metall gewordene Folklore aus den 80ern findet wieder Platz: das olle Ding schlägt erneut für alle — Infos für Einheimische und Besucher dort.
Bierbärtortour
Nachdem der Bierbär aus den Schweizer Kolonien für einen kurzen Zwischenstopp zurück in die weiter südlich gelegenen heimischen Gefilden kehrte, ist er zwischenzeitlich zum Softdrinkbär mutiert. Im Funkloch vom Schwarzen Wald, ganz hinten in einem Tal, welches ursprünglich die Rench lieblich in das Gelände schnitt, sagen sich Reh und Ziege, Pony und Katze, Hase und Kuh und Hinz und Kunz Gutenacht. Vorher wird aber tüchtig gefestet und das für den Hobbyschweizer zu auffallend zivilen Preisen: gute Wurst im Brötchen 200 Cent, Alpirsbacher im 04-Glas (ohne Pfand!) 250 — pas mal. Selbst die Bärenliebhaberin meinte um Mitternacht etwas von Schwips bemerken zu müssen. Aber das war auf dem Heimweg zum Forsthof, zuvor gab es einen Anton aus Tirol, der zumindest so Zeug mit seinem Trio verlautbarte und dank moderner Funktechnik auf Biertischen inmitten des Publikums animierend auftrat. Es wurde getanzt, mächtig geschunkelt, mitgesungen und dem Wetter getrotzt. Die scheinbare Unschuld des Landes war spürbar und der Kontrast zu Chez Ugly (© Joken) im Berliner Südosten flackerte kurz auf.
Anlass des Festaktes war eine Illuminierung des Kurortes mit angekündigtem Brillantfeuerwerk als Höhepunkt. Zuerst aber wurden abertausende Kerzen, die im Ort selbst, aber auch in den steil ansteigenden Hängen links und rechts der Rench verteilt gesteckt waren allesamt händisch entzündet und allerlei ulkige Motive traten aus der Dunkelheit hervor: hier ein paar Kirschen, dort ein Notenschlüssel, ein etwas verunfalltes Peace-Zeichen, viele Smileys, MMCVII und das vom Kind entdeckte Brandenburger Tor mit herziger Ersatz-Quadriga. Ach, das Berliner Herzland ist halt überall!
Über allem schimmerte sanft der fast volle Sommermond, der kaum an Höhe gewann. Dann ging es endlich los, und dem Kind klangen schnell die Ohren. Zwischendurch ging das Trottinett vergessen, die kurze kindliche Panik löste sich aber rasch wieder auf, als das rollende Teil wohlbehalten unter einer Festbank wartend wieder bestiegen werden konnte. Mit Stirnlampe wurde dem leicht beschwipsten Reiseleiter ins Urlaubsdomizil heimgeleuchtet und der war recht froh, dass es zur Begrüssung gleich so gründlich gekracht hatte.
Zickezackezickezacke.
Tschingelhörner
Damit der Besuch aus der grossen Stadt einen nahalpinen Eindruck mit nimmt, führt die Tour ins Glarnerland, ob Elm. Am Zürcher HB scheinen alle die gleiche Idee zu haben, Sonntagsausflug bei bestem Wanderwetter. Der Zug ist rappellvoll, die Leute aber meist durch die Bank gut drauf. Vorfreude ist doch die beste Freude. Kurz vor dem Ausflugsziel ein pittoresker Feldgottesdienst mit Alphörnern, nette Beigabe fürs Busfensterln. Am eigentlichen Zielort dann das übliche kindliche Lamento, Berg so gross und ich bin klein, doch die Schlange an der Seilbahn ist schlichtweg zu lang – pro Kabine 4 Personen, bei zwei Gondeln und 23 Wartenden macht das ungefähr Gondel Nummer 6, dies mal 15 Minuten gleich eine und eine halbe Stunde Wartezeit – NEIN.

Also wird verhandelt, zugeredet, gelockt, gestreichelt und gedrängt. Uffe gohts. Der zu Besuch weilende Naturbursche mit Sportlerwaden und Pferdelunge kriegt nach kurzer Zwischenrast keine Zeitvorgabe und darf solo durchstarten, Vater und Kind trödeln (wie auf Schweizer Verkehrsschildern immer noch sichtbar) Hand in Hand gemeinsam bergan hinein in die Tschinglenschlucht. In den freien Händen dann wahlweise Trekkingstöcke und Steine. Aussichten, Geschichten, Versprechungen, Wünsche und Träume lenken ab.
Die voralpine Flora und Fauna hilft zudem sehr, den Aufstieg halbwegs kindgerecht zu gestalten. Am Wegrand eine tote Waldspitzmaus, an der Nacktschnecken nagen, dort eine schwarze Hygromia cinctella, seltenen Sache, Kind wusste sofort Bescheid. Hier ein türkiser Falter, da ein feuerroter Flieger und nebenan ein interessanter Hornkäfer. Dann immer wieder die imposanten Felsstürze, die für die Einheimischen gar nicht glimpflich verliefen: allein der Elmer Bergsturz verursachte über 100 Tote! Über Schieferschutt und kleine Wasserläufe darf das Kind voran, Eisenketten sichern den Weg an kniffligen Stellen und an der Felswand sind Hinweistafeln verankert, die einem bewusst machen, dass das worauf man gerade geht, sich früher in einem Ur-Meer befand. Die tektonischen Platten von Europa und Afrika rieben sich und richteten vor 50 Millionen Jahren die Alpen auf, der fossile Glarner Hasenfisch zeugt davon. Das Kind füllt sich die Taschen mit kleinen Schieferplättchen, die dank allerlei Einschlüssen bunt in der Sonne funkeln.

Die elterliche Sorge vor einem Sturz in die Schlucht liess nie nach, war wohl besser so, denn es geht mächtig steil in die tosende Schlucht, wo grosse Wasserfälle den Tschinglenbach füllen. Endlich oben sitzen die gerade noch unten an der Station wartenden Glarner Hemdenträger bereits in der Alpwirtschaft, heute wird also zünftige Musik gegeben. Das Kind bekommt die versprochene Elmer Citro, der Vater auch und die Suche nach dem vorausgeeilten Besuch erfolgt. Handyempfang dürftig bis null, kein Empfang. Als wir den Besucher schon in der Schlucht wähnten, Handy nicht im Netz registriert – taucht der verschollen geglaubte Berggänger plötzlich wieder leibhaftig auf. Das Jodlerduo wechselt sich munter mit einem Schwyzerörgeli nebst Tuba ab, die Terasse ist voll besetzt, die Menschen glücklich und der Jochen aus Berlin zufrieden.

Er darf natürlich ein zweites Adler nehmen, und da seinem Urteil nach sowieso kein Alkohol in dem Glarner Biere sei, auch wieder alleine bergab schluchten. Der Vater mit dem Kind verkürzt derweil die Wartezeit auf die talwärts schwebende Gondel mit dem Blick auf eine wiederkäuende Gämse, welche mitten im Fels ruht. Das nächste Mal unbedingt das eigene Fernglas mitnehmen! Noch ein kurzer Blick zurück auf die Tschinglenhörner, die sich fast Wald-Disney-haft auf dem Segnamassiv türmen, dann heisst es Abschied nehmen von einer kleinen und dennoch formidablen Bergtour. Mit beinahe keinen Verletzten pünktlich retour, welcher Bergführer kann das schon von sich behaupten…

Beim Besteigen der Gondel haut sich der Hobbyschweizer dann doch noch seinen Dickschädel mächtig an die Kabine inklusive Sound und Sterne, typisch Flachländler halt. Beim Flug durch die Schlucht wird der Kopf langsam wieder klar, der talwärts rasende Schatten der Kabinengondel sorgt für Mikrofinsternisse auf dem Wanderweg. Unten wird es eine Punktlandung dann — der tosende Besucher trifft zeitgleich mit dem Bierbär an der Talstation ein. Exaktheit ist ein gutes Schweizer Mass.
Beim nächsten Mal ist dann endlich der Segna-Pass fällig, ick schwör.
Ring my bell
Über 100 zart behandschuhte Glockenspieler fanden sich im St. Jakob in Zürich ein, um dieser eher exotischen Musiksparte zu frönen. Das Abschlusskonzert des European Handbell Festivals brachte die ganze Vielfalt des doch eher kitschigen Glockenklangs zur Geltung.
Vom Lamento Burincano über Ländlerweisen wie das Guggisberglied und Talerschwingen bis hin zu You never walk alone wurde ein bezaubernder Klangteppich in gelegt, in den selbst diverse Rezeption-Klingeln aus der Hotellerie eingewebt wurden. Das Schweizer Duo Golden Bells aus Solothurn sorgte dabei für einen fast schon zirzensische Darbietung, wobei Glocken um der Obertöne wegen nur gestrichen wurden, eine Art Glockenbaum die Schwingungen nach Anschlag weiter trug und vierhändig ein Zäuerli gegeben wurde.
Wann eine tannigi Hose hätt
und hagebuechig Strümpf
so chaner tanze, wiener will,
es git em keini
ri-ra ri-ra ridi ridi ridi ridi ridi Rümpf,
Ri-ra, ri-ra, ridi ridi ridi ridi
Rümpf, Rümpf, Rümpf…
duuuu, dulidu, duli duli duli duli dulidu.
Duuuu, dulidu, duli duli du.
Wänn eine…
Kakatonga
Nationalflagge 453 m ü. M.
An apple a day
Derweil in Bogota mit einem wahrscheinlich amtlichen THC-Gehalt Obst innovativ imprägniert wird, scheint in Downtown Switzerland ein Low-THC-Hype ausgebrochen. Unterhalb eines Wirkstoffgehalts von einem Prozent ist Marihuana legal, bringt dem Staat Steuern und diverse Hanfshops zum blühen, verwirrt aber die Ordnungshut. Äusserlich und olfaktorisch sind die Kastraten nicht vom bis zu 14 Mal higher machenden Rauschmittel zu unterscheiden. Unklar bleibt jedoch, warum man sich etwas reintut was offensichtlich eh nicht richtig antörnt. Mutmasslich kannibalisiert die hippe Selbstoptimierung nun sogar den Drogenkonsum.
Abdankung
Danke schaffte es 1963 in die Deutschen Hitparade. Gerne trällerte ich bereits im Kindergarten dieses vermeintlich schlichte Liedchen. Dank der Christoph-Marthaler-Singgruppe wurde hier früher schon in ganzer epischer Breite gedankt — nun hat der Komponist leider abgedankt.
Danke.
https://youtu.be/PBM9VP1hHQ4
Text und Musik: Martin Gotthard Schneider 1930-2017
Feierabend
Mattertag
Dene wos guet geit
giengs besser
giengs dene besser
wos weniger guet geit
was aber nid geit
ohni dass’s dene
weniger guet geit
wos guet geit
drum geit weni
für dass es dene
besser geit
wos weniger guet geit
und drum geits o
dene nid besser
wos guet geit.
Manni Matter (1936-1972)
Nach Geschmack
Die Salzburger Stier Preisträgerin 2016 Uta Köbernick singt und spielt im Bundeshaus zu Wiedikon am 6. März um 20.30 Uhr.
Als kleines Geschmacksmuster hier ihr «Lied zum Tag» aus PET:
Heimatland
Dört äne am Bergli, schteht e wissy Geiss.
I ha si wölle mälche, da haut si mir eis.
L’art est mort. Vive DADA!
Flower Power
Desiderata
Go placidly amid the noise and haste,
and remember what peace there may be in silence.
As far as possible without surrender
be on good terms with all persons.
Speak your truth quietly and clearly;
and listen to others,
even the dull and the ignorant;
they too have their story.Avoid loud and aggressive persons,
they are vexations to the spirit.
If you compare yourself with others,
you may become vain and bitter;
for always there will be greater and lesser persons than yourself.
Enjoy your achievements as well as your plans.Keep interested in your own career, however humble;
it is a real possession in the changing fortunes of time.
Exercise caution in your business affairs;
for the world is full of trickery.
But let this not blind you to what virtue there is;
many persons strive for high ideals;
and everywhere life is full of heroism.
[ˈbæŋkzi]
Be yourself.
Especially, do not feign affection.
Neither be cynical about love;
for in the face of all aridity and disenchantment
it is as perennial as the grass.Take kindly the counsel of the years,
gracefully surrendering the things of youth.
Nurture strength of spirit to shield you in sudden misfortune.
But do not distress yourself with dark imaginings.
Many fears are born of fatigue and loneliness.
Beyond a wholesome discipline,
be gentle with yourself.You are a child of the universe,
no less than the trees and the stars;
you have a right to be here.
And whether or not it is clear to you,
no doubt the universe is unfolding as it should.Therefore be at peace with God,
whatever you conceive Him to be,
and whatever your labors and aspirations,
in the noisy confusion of life keep peace with your soul.With all its sham, drudgery, and broken dreams,
it is still a beautiful world.
Be cheerful.
Strive to be happy.
Max Ehrmann, 1927
Tellerrand
Neulich im Zürcher HB, Rauch- und Tränengasschwaden verzogen sich allmählich, und verwundert erblickte ich den Brunner Toni, den allzeit gesprächigen Wältwuche-Köppel und weitere Schergen,
die im Kampagnenmodus leibhaftig und öffentlich die freie Schweiz mit Freibier, Wurst und Hymne gegen fremde Vögte verteidigten. Ein Polizeikordon und Willy Tell halfen nötigenfalls gegen irrlichternde Binnen-Protestler. Und der Tell Willy ist jetzt scheinbar ein Weg Wahlkampfschlagerstar. Erschreckend aber wahr.
Unerhört
Ausgerechnet die xenophobe Schweizer Volkspartei engagiert zum Nationalfeiertag Ausländer für den Vortrag der rätselhaften Hymne.
Delikat Essen LXIII
Delikat Essen LXII
Völlig unklar was für ein denglisch machendes Kraut obige Banner-Werber für ihre Inspiration getestet haben, eingetütet war es bestimmt aber in das Albumcover von Devendra Banharts Freak-Folk-Schocker Cripple Crow. Ansonsten lässt sich der Styleguide nur arg schwer herleiten, welcher unbedingt auf Schwäbisch Soulfood abhebt. Wobei: vielleicht gelingt es der musterländischen Koalition vor ihrer Abwahl noch eine Freigabe landestypischer Halluzinogene in regional schützenswerte Teigtaschen umzusetzen.
Als überregionale Markenbotschafterin hätten wir übrigens ein auf Maultaschen-Affinität erfolgreich getestetes Werbemodell parat:
Blues People
Black matters.
Obrigado
Sozialneid im real existierenden Kapitalismus
ist ähnlich konstruktiv wie Tanzen über Architektur.
Aber dennoch interessant: gemäss dem wunderbar leicht zu bedienenden BBC-Kalkulator müsste ich als Lohnsklave bei identischem Einkommen bereits seit 800 Jahren arbeiten, um in Summe das Jahressalär von Senhor Cristiano R. zu erzielen.
Umgekehrt braucht die fussballernde Hosenbeule für meinen Jahresverdienst nicht einmal eine volle Viertelstunde Training einzuplanen.
Auf der BBC-Seite lassen sich solche Absurditäten anhand weiterer kurzbehoster Besserverdiener drastisch schön darstellen.
Ohne das schmerzliche Thema Brot & Spiele am dieser Stelle tiefschürfender zu behandeln, lieber noch einen fotografischen Hinweis auf antike Sportbekleidung, als man mit den kurzen dicken Hosen sowieso noch dem klassischen Calcio frönte.


















