Astropunk

Houston, Tranquility Base, Eagle landed, Apollo 11, NASA, Men on moon, first moonlanding, erste mondlandung, Neil Armstrong

“Tranquility Base here. The Eagle has landed!”

Lied des Astronauten

Der Mond ist eingefangen,
von Sonden schon begangen,
von Fotos wohlvertraut.
Das All steht schwarz und schweiget,
doch aus Raketen steiget
Schon hie und da ein Astronaut.

Noch ist der Kosmos stille
und in der Kapsel Hülle
so traulich und so hold
als wie ein leeres Zimmer,
das nur der Sterne Schimmer
erreichen und erhellen sollt.

Wenn wir darein nun treten,
was nützet unser Beten,
daß es so traulich blieb?
Da wir doch weiterfahren,
herrscht hier in ein paar Jahren
bestimmt der schlimmste Hochbetrieb.

Wir tollen Menschenkinder
sind mächtige Erfinder
und machen nirgends halt.
Wir holen uns die Sterne,
selbst Venus, die noch ferne,
und wenn es sein muß, mit Gewalt.

Wie bist du, Welt, von weitem
so still. Von deinem Streiten
spürt man hier keinen Hauch.
Herr, schütze meine Reisen
und laß mich ruhig kreisen –
und meinen toten Nachbarn auch.

Dieter Höss: Schwarz Braun Rotes Liederbuch. Bergisch Gladbach 1967

Heilsbells

 

Rettet die Heilsarmee die Schweiz?

Selbst für diesen Versuch gäbe es für die Schweiz vermutlich wenig mehr als die gewohnten Zero Points. In einer Volksdemokratie ist man jedoch ergebnisoffen und auf der Seite des Schweizer Fernsehens tummeln sich weitere 178 (!) Bewerbungsvideos. Es gibt dort allerhand bemerkenswert stumpfes Liedgut. Unerschrocken kandidiert Serbien in der Schweiz, die Eurovision-Gewinnerin von 1956, Lys Assia, ist nicht tot zu kriegen und Hotel Mama hat immer ein Leckerli für schunkelige Schwergewichte. Politisch korrekt ist Jack Stoiker, der findet die Anderen einfach nur blöde.

Muschitrend

Kaum ist man mal kurz weg, schon nutzen junge Kreative den ollen Kotti als Catwalk. Da schlendert man gerade völlig entspannt durch eine harmlose süddeutsche Fussgängerzone und plötzlich erkennt das geübte Auge das nur leicht modifizierte Kreuzberger Wappen am Laternenpfahl. Im Netz erfährt man sodann, dass die dreisten Etikettenschwindler nur zehn Nummern aber keine zehn Häuser neben Urgesteinen mit Metall in einem dritten Hinterhof ihr freches Hallodri treiben.

Trainierte früher nicht die Kiez-Miliz im dortigen Dojo? Tempi passati!

Sex sells und eine Prise Street Credibility frisch vom Kotti pimpt jeden Blümchensex. Dazu noch ein wenig Guerilla-Marketing hinein bis ins württembergische Unterland — und schon ist fast alles ziemlich Muschi

Muschi Kreuzberg, Guerilla-Marketing, Muschi im Unterland

PS: Strick leider schon alle — keine heimelige Fernwärme im kalten Exil.

Happiness is a warm gun (Bang bang, shoot shoot) Happiness is a warm gun mama (Bang bang, shoot shoot) When I hold you in my arms (Oh yeah) And I feel my finger on your trigger (Ooo, oh yeah) I know nobody can do me no harm (Ooo, oh yeah) Because happiness is a warm gun mama (Bang bang, shoot shoot) Happiness is a warm gun, yes it is (Bang bang, shoot shoot) Happiness is a warm, yes it is, gun (Happiness, bang bang, shoot shoot) Well, don’t you know that happiness is a warm gun mama (Happiness is a warm gun yeah)

[ɔkˈtoːbɐrevolut͜si̯oːn]

Der österreichische Komponist Hanns Eisler (1898 – 1962) schrieb Musik für Arbeiterchöre und Hollywood. Sein Schaffen war marxistisch geprögt und im Gegensatz zum schöngeistigen Kunstbegriff l´art por l´art sozial motiviert. Zusammen mit meist kongenialen Texten bleibt sein Werk mit all dem Pathos ein packendes Zeitdokument und weiterhin faszinierend.

Zurecht zwei drei.

Das etwas verkopfte Frankfurter Kollektiv ARBEIT erlaubt sich eine Disko-taugliche Version eines Klassikers der sozialistischen Arbeiterbewegung:

Ein subtiler Versuch, mit massentauglichen Rhythmen «etwas politische Intelligenz» auf den revolutionären Tanzboden zu projizieren? Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er Tanzmusik bitte sehr!

Seuchengefahr

Im Kleinfamilienbiotop steht der Erste-Hilfe-Koffer immer parat.

Herskasper, Herzurhythmus, Herzrasen, Hertzleid

Das befreundete Paar mit den beiden Kindern schräg gegenüber lebt neuerdings in Trennung. Im Nebenhaus war just alles nett und adrett innenausgebaut und nun Hörner für den Mann und Häuschen für die Frau. Tochter heult. Zwei Häuser weiter imponiert die glücklich geschiedene Mutter mit ihrem körperbehinderten Sohn und verbündet sich mit der ledigen Mutter vis-à-vis zum Apéro. Panzer-Albert hält sich derweil eine fügsame Haus-Thai, die nun seinem Kameraden, dem siebzigjährigen Opa von gegenüber im Haushalt hilft, weil der sich das Schlüsselbein genau an der Stelle brach, wo vor zwei Monaten erst eine Metallklammer wegen eines Rennvelo-Unfalls eingesetzt wurde. Es herbstet in der Siedlung.

Mondschein

Am 22. September um 16:49 MESZ erreicht die Sonne den Herbstpunkt und macht sich hierorts rar. Während sich das Zentralgestirn im nächsten Halbjahr vorwiegend auf der Südhalbkugel tummelt, zeigt sich der Vollmond hingegen in höchsten Höhen am nördlichen Firmament. Diese kosmische Wippe ist das Resultat von Ekliptik und Bahnneigung.

Im Sommerhalbjahr verläuft die Bahn der Sonne und Planeten tagsüber hoch und steil und nachts tief und flach, im Winter ist dies umgekehrt. Die jeweiligen Schnittpunkte von Ekliptik und Himmelsäquator markieren Frühling bzw. Herbst. Dazu die 23,4° Erdbahnneigung zur Sonne plus 5,2° der Mondbahn zur Erde mal der Anziehungskräfte von Sonne, Erde und Mond und fertig ist ein komplexes Dreikörperproblem.

halfmoon, Halbmond, terminator moon, Mondterminator, Matthias Claudius, Der Mond ist aufgegangen

Ist aber alles halb so wild, solange uns der Mond nicht auf den Kopf fällt

Manövergebiet

Nachbar Albert liebt schneidige Panzermanöver im Vorgarten. Unter den stieren Augen von Gartenzwergen & Co. übt sein funkgesteuerter Spielzeugtank sehnsüchtig Blitzkrieg. Ein eingebauter Soundchip suggeriert Dieselatmosphäre, Maschinengewehrfeuer und eine heftige Panzerhaubitze. Der kleine Junge im Nebengarten reagiert bereits leicht verstört sobald der Panzer gefechtsbereit in Stellung geht und ergriff nach einem überraschend vorgetragenen Frontalangriff schreiend die Flucht.
Spielzeugpanzer, ferngesteuerter Panzer

Vor ein paar Tagen präsentierte Albert im Garten stolz seinen neuen Prototyp: ein noch zu tunendes Panzer-Chassis in Go-Kart-Grösse steht bereit zum Aufrüsten; Albert verspricht die Manövertauglichkeit innert 18 Monaten — ich bin jetzt schon gespannt auf die digitale Akustik…

Ein Platz für Tiere

In Zürich ist die soziale Kontrolle für Hündler glücklicherweise derart streng, dass selbst Kleinkinder kaum in Hundekacke fallen. Jenen Zwang zur Tüte wünschte ich mir auch für die munter umher streunenden Hauskatzen im Familienbiotop. Diese Viecher koten und pissen riechbar laut und völlig ungeniert in der Vorgartenbotanik. Vermutlich gibt es bei der Pflegefamilie zwar Dosenfutter satt, hingegen kein Katzenklo mehr. Mittlerweile sind die Tiere soweit degeneriert, dass sie freilaufend ihre Hinterlassenschaften erst gar nicht mehr verscharren.

Bevor ich mich nun mit einer Loveparade-Wasserpumpgun auf die Lauer lege und hier vollends lächerlich mache, habe ich als Sofort-Massnahme im Garten einen ziemlich deutlichen Warnhinweis angebracht:

Verpiss Dich!,Verpiss-dich-Pflanze

Wirkt Wunder: lediglich einmal Katzendreck innnert zweier Wochen!
(Und der wurde postwendend in Frauchens Garten zurück geschaufelt…)

In der Siedlung kommen auf einen Hund locker zweieinhalb Katzen und unter dieser Anomalie leidet nicht nur der Hobbyschweizer, sondern auch seine neuste Freundin, die nützliche Blindschleiche. Zumindest zwei. Erstere konnte sich — nur leicht verwundet — vorläufig noch ins Gebüsch retten. Von der zweiten wurde unter Zuhilfenahme einer Sollbruchstelle in höchster Not rasch das zur Ablenkung vorgesehene Schwanzstück Blindschleiche, Schwanzstück Blindschleiche, abgestossenes Schwanzstück BlindschleicheBlindschleiche, Schwanzstück Blindschleiche, abgestossenes Schwanzstück Blindschleiche abgeworfen, welches sich zu meinem grossen Erstaunen minutenlang (!) weiter schlängelnd fortbewegte. Als die Katze im blutrünstigen Spielrausch aber dann noch etwas mehr vom verbliebenen grösseren Teilstück abbiss, hatte die nun arg verkürzte Echse verständlicherweise keine besondere Lust mehr, ihrer fortschreitenden Zerstücklung weiterhin live beizuwohnen.

Zweifelsohne schade um die hübschen Schleichen, stehen sie doch in vorderster Front im gemeinsamen Kampf gegen die Vorherrschaft der Nacktschnecken, vor allem gegen die besonders verfressene Spanische Wegschnecke. Wie zum Trost wurde nach einer der täglichen Chefvisiten neulich ein bislang noch unbekanntes Häufchen auf dem Rasen eindeutig als Igel-Losung identifiziert. Das Stacheltier hat Schnecken ebenfalls zum Fressen gern und ist gegen Hauskatzen weitgehend immun – hurra!

Und vielleicht kommt ja auch mal ein Neumann Marder zu Besuch…