Präsidiert der Knacki dann als Pate den FCB?
Autor: swisspa
Yom Huledet Sameach
Vor 110 Jahren wurde der Sänger Joseph Schmidt geboren. Bald nach seiner Übersiedlung in die Reichshauptstadt Berlin erlebte er dank Rundfunk und Schellack einen rasanten Aufstieg. Die Machtergreifung 1933 führte jedoch zu einem abrupten Ende seiner Karriere in Deutschland, gefolgt von zahlreichen Etappen der Vertreibung und Flucht.
Bis vor Kurzem hatte ich keine Ahnung, dass der berühmt-vergessene Tenor ein Nachbar ist. Gleich nebenan auf dem Jüdischen Friedhof haben Schweizer Freunde ihm die letzte Stätte bereitet, nachdem er auf der Flucht vor dem Grossdeutschen Räuber- und Mördersystem völlig ermattet nicht mehr weiter konnte. Gerade mal 38 Jahre jung ist Schmidt geworden — sein Stern aber strahlt weiter!
Wikingerschach
Glücklich, weil am Ende noch knapp, aber verdient hat Carlsen in seinem ersten Turnier als Weltmeister das Zürcher Schach-Spektakel gewonnen. Der Gegenwind für den Führenden ist tendenziell meist rau — mal abwarten, ob Magnus der Erste seine Segel wirklich so früh streicht, wie manch Szenekundige es bereits jetzt prophezeien. 64 Felder sind sicher nicht die Welt, aber zumindest für die crème-de-la-crème der Schachwelt eine dank zahlungskräftiger Gönner durchaus lukrative Parallelwelt.
Die spinnen, die Wikinger
Sah man Model-Athlet Carlsen eben noch im edlen Saale spielend am Schachbrett, findet man den Champ nun auf einem Werbeplakat hängend an der ganz gemeinen Bushaltestelle:
Die immerhin von Schach inspirierte Kampagne findet ihre genretypisch virale Verbreitung via youtube — Chess for Kids.
Heileland
Die heile Welt im Heidiland wird von den eigenbrötlerischen Bauern auf dem Land gepflegt. Allerdings sähe das Heidiland ohne milliardenschwere Subventionen nicht gar so alptraumhaft herzig aus; selbst das Wiesenmähen wird mancherorts staatlich entlöhnt, so dass sich Landwirtschaft obendrein als Hobby lohnt. Ähnlich der toskanischen Traumlandschaft erschliesst sich auch im voralpinen Lebensraum der unmittelbare Einfluss des Menschen erst bei einem genauen Blick, und zeigt sich alsdann als ziemlich grosser, aber ordentlicher Familiengarten.
Unter weitestgehendem Ausschluss von Konkurrenz in Form auswärtiger Frass- und Futterfeinde lässt sich die helvetische Bauernschaft ihre hochpreisigen Produkte kräftig subventionieren und kann zudem auf einen abgeschotteten Binnenmarkt zählen. Gerade unter jenen hoch bezuschussten Kulturpflegern gilt nun das Biotop Schweiz als ungemein gefährdet, wobei auf dem Land im Vergleich zu den Städten eher weniger unter Dichtestress gelitten werden dürfte.
Und so kommt es zu der paradoxen Situation, dass vor allem jene Kantone einem Isolationismus frönen, welche vom Kantonalen Finanzausgleich am meisten profitieren. Auf absurde Weise alimentieren die weltoffenen Kantone so die ländlich geprägten Nationalpopulisten in der Eidgenossenschaft — ein wahrlich besonders eindrücklicher dialektischer Umschlag helvetischer Art.
Retour
Humor ist, wenn man trotzdem lacht
und weiter Gaggi-Filme macht.
Massenwanderung
Freakshow
Zur vierten Runde erschien viel Prominenz und es gab noch mehr Andrang. Doch ausser nörgelnd drängelnder Deutschen nahmen die übrigen Anstehenden die Geduldsprobe in der Warteschlange tapfer hin. Die peinlichen Nörgler forderten Eintrittskarten, auf welche die Organisatioren jedoch aus weiser Voraussicht verzichteten, weil sonst die Veranstaltung rasch ausverkauft wäre und ausser den glücklichen Kartenbesitzern das gemeinhin darbende Schachvolk sich nicht am Genuss grossmeisterlicher Schachdarbietung in gediegener Atmosphäre laben könnte. Helvetische Egalität ist mega.
Botschafter Charles Aznavour beglückte die armenische Gemeinde mit seiner Anwesenheit und alle Partien fanden eine finale Entscheidung. Nakamura stürzte sich gegen Aronian ins Schwert und gab einen Zug vor Schachmatt auf, Carlsen opferte Material, doch seine zentralen Mehrbauern waren danach frei genug, um die Begegnung mit dem Kronprinzen Caruana zu entscheiden. Gelfand fehlte am Ende schlicht die Zeit alle Komplikationen gegen Ex-Champ Anand korrekt durchzurechnen.
Aznavour darf für Landsmann Aronian der ersten Zug ausführen
Die mittlerweile dritte Auflage der Zurich Chess Challenge ist eindeutig die attraktivste. Der Kampfeswille ist augenscheinlich und selbst wenn in der letzten Runde alle Partien unentschieden ausgingen, läge die Remisquote immer noch unter 50% Prozent — eher unüblich für Schach auf solchem Niveau. Und das Niveau ist verdammt hoch; nächsten Monat findet das so genannte Kandidatenturnier statt, in welchem der kommende Herausforderer für Meister Carlsen gefunden werden soll. Da will sich keiner eine Blösse geben und der Champ will zeigen, wo der Hammer hängt. Hammer Carlsen („It was a fun game today“) hat es hier allen gezeigt und bereits jetzt einen neuen Ratingrekord aufgestellt.
Aber warum trägt der Kerl immer das falsche Trikot?…
Bête noire
Der russische Juwelen-Höndler Oleg Skvortsov lud heuer wieder einmal zum Schach in Zürich und diesmal gleich sechs Topspieler inklusive des noch ziemlich frisch gebackenen Weltmeisters aus Norwegen ein. Somit ist das Zürcher Einladungsturnier das stärkste Turnier aller Zeiten. Der Andrang ist daher riesig, der Eintritt immer noch gratis und das Schach noch spannender, weil sich jeder mit dem neuen Champ messen will.
Händedruck zu Beginn der Partie
Schach ist heutzutage vor allem ein Internet-Event und weltweit sind es zigtausende Schachfans, welche den Partien der Grossmeister online folgen. Die Schar der live übertragenden Journalisten ist für eine Randsportart recht imposant und in Norwegen wird Schach aufgrund Carlsens Popstarkalibers neuerdings selbst im dortigen Sport-TV gezeigt.
Schach ist in Norwegen — wie Stricken — Fernsehtauglich
Der entfachte Medien-Hype um und dank der Werbeikone Magnus Carlsen zeigt deutliche Wirkung und auf Hemd und Sakko trägt der lässige nordische Held mittlerweile fünf verschieden Logos seiner Sponsoren.
Nach der Partie: How in the world could I mess this up?
Beinahe aber wäre der Weltmeister in der dritten Turnierrunde gestrauchelt und sogar gefallen; zu arglos reagierte er auf einen wuchtigen Flügelangriff seines US-amerikanischen Kontrahenten, doch wie heisst es so treffend: nichts ist schwerer, als eine gewonnene Partie zu gewinnen.
Grossmeister Nakamura stand fast zwanzig Züge lang eindeutig auf Gewinn, bevor er es kurz vor der ersten Zeitkontrolle doch noch völlig vermasselte. Als dann der Meister aller Klassen am Drücker war liess er diesen nicht mehr los, sondern seinen Gegner kopfschüttelnd zurück.
Im Zürcher Spielsaal war der radikale Umschwung karmatechnisch direkt spürbar — das war Achterbahn auf 64 Feldern und mir als einfacher Klötzchenschieber alleine schon vom Zusehen noch auf der Heimfahrt schwindelig.
Das Norwegische Sportfernsehen interviewt die Nummer 1
Im Privatduell Carlsen-Nakamura steht es damit nach Siegen 9-0 bei 15 Unentschieden. Zumindest kann man dem Top-5-Spieler Nakamura keinesfalls mangelndes Selbstvertrauen vorwerfen…
Shit happens all the time, even on a chess board.
Stammtischparolen
Konzerttipp
Andreas Dorau am 25.01. live in Berlin mit Freunden. (@gobi: Der Plan!)
Bolognese
Final Virus
„My elation at Intel’s decision is beyond words.“ (McAfee, Jan 2014)
Wendezeit
Am 21. Dezember um 18:11 MEZ wendet scheinbar die Sonne. Zunächst bleibt der Tag abends etwas länger und nur ganz allmählich zieht sich bald auch die Nacht morgens merklich zurück.
Aufgrund der Neigung der Erdachse und der elliptischen Bahn unseres Heimatplaneten um die Sonne fallen die längste Nacht und der früheste Sonnenuntergang nicht auf den gleichen Tag. Gute zehn Tage vor der astronomischen Sonnenwende findet der früheste Sonnenuntergang statt; der späteste Aufgang erfolgt sogar erst Anfang Januar. Kurioserweise ist dann gleichzeitig mit diesmal 147.098.090 km Entfernung der für das gesamte Jahr 2014 kürzeste Abstand zur Sonne erreicht.
Rutenplaner
Jahresendfeuer

Der letzte Weltuntergang war ja ursprünglich für das Jahresende 2012 vorgesehen; doch nun stellt sich überraschend heraus, dass bei den damaligen Berechnungen der gemeine Zufall schlichtweg übersehen wurde, und nun überraschend die Endziffer 13 zur Zusatzzahl wurde…
• -> http://de.ria.ru/society/20131130/267388165.html
Südstern
Wo wird lauschend angegriffen, wo wird täglich spioniert?
Wo ist Presse, wo ist Rummel, wo wird immer diskutiert?
Der König ist tot, es lebe der König
Mutmasslich wird es eine recht dröge Regentschaft — der pragmatische Youngster macht seine Gegner meist nass und führt dazu in der Rangliste bereits seit vier Jahren und momentan mit vergleichsweise haushohem Vorsprung. Welcome to Zurich!
Delikat Essen LVI
Last orders !
In Zürich wird das Oktoberfest bis in den November hinein gefeiert, während das Original schon vor 140 Jahren geschäftstüchtig in den meteorologisch eindeutig optimistischeren September verlegt wurde.
Sowieso erstaunlich, dass trotz aller Ressentiments gegenüber den nördlichen Biertrinkern das bescheidene Plagiat inmitten der Stadt seit bald 20 Jahren ausgerichtet wird.
Pecunia non olet und Schweinebraten mit Gemütlichkeit im Landhausstil über alles! Heute ist auszapft, und das ist auch gut so…
Sprachwissenschaft
Is there no thinking without the use of language?
Als höriger On-U-Sound Mafioso faszinierte mich einstens Language & Mentality von African Head Charge — Studio Dub mit Einstein Akzent.
Hier das Radio-Essay im Original, welches Albert Einstein 1941 an die Britische Wissenschaftsgemeinde adressierte:
Perfection of means and confusion of goals seem — in my opinion — to characterize our age.



















