Schlagwort: Grosser Kanton
Vaganterei
(Ausriss: Migros Magazin 35/2010)
Für die gepflegte Vaganterei von heute eine anschauliche und verständliche Anleitung von Bernadette La Hengst und ihren Freunden.
Weiteres zur Zukunft dort.
Delikat Essen XXII
Heimweh-Würste für Deutsche
An der Langstrasse 238a im Kreis 5 hat ein neuer Wurststand eröffnet. Die beiden Betreiber Michael Marchetto und André Sigrist legen den Schwerpunkt auf die deutsche Spezialität Currywurst, die auch zum Namen des Lokals, Körry, inspirierte. Angeboten werden gemäss Mitteilung die gleichen Würste, welche die beiden bekannten Berliner Imbisse Curry 36 und Konopke´s Imbiss verkaufen. Dazu gibt es die Currysauce der Currywurst-Erfinderin Herta Heuwer. Dies soll die „Herzen der deutschen Kundschaft höher schlagen“ lassen. Weiter im Angebot stehen original Thüringer Rostbratwürste und St. Gallener Olma-Bratwürste der Metzgerei Schmid. Cervelats fehlen auf der Karte, da diese nicht den Qualitätsvorstellungen der Betreiber entsprechen.
aus Tagesanzeiger Zürich
Ätzelbild
Bilderrätsel II
Minarettgebot
Aschemonster
Delikat Essen XIX
Blindtest
Kreuzzugig
Die lauernde Aufmerksamkeit gegenüber den Eigen- und Besonderheiten des gastgebenden Landes ist für den Hobbyschweizer eine wesentliche, gleichwohl immer wieder überraschende Erfahrung. Fast täglich nimmt er allerlei wundersame Dinge wahr, welche manchmal fast unwirklich, oft genug zumindest sonderbar erscheinen. Ausländersein ist befremdlich, schärft und verengt den Blick zwangsläufig.

Das unablässige Herausstellen der Verschiedenheit gegenüber den drei grossen Nachbarländern ist für die Schweiz, die nicht über einen gemeinsam verbindenden und damit homogenisierenden Sprachraum verfügt, zum nationalen Fetisch geworden und unterstützt so den verbreiteten Hang zum Isolationismus. Das in allen drei Sprachräumen zu Tage tretende ehrgeizige Strebertum Marke kleiner Bruder ist zwar Identitätsstiftend aber auch ziemlich anstrengend für alle Beteiligten.

Ist die Schweiz markentechnisch nicht tipp-topp gelistet wie bei einem unbedeutenden Ranking zum Thema Lebensqualität, wird die Sorge vor schlechter Reputation publizistisch gerne geschürt.
In der Binnenwahrnehmung ohnehin als Insel der Glückseligkeit geltend irritiert schlechter Leumund wie in Sachen Finanzplatz. Reflexartig wird von einschlägigen Lobbyisten das Mantra Bankgeheimnis bemüht, um die ertragreiche Unterscheidung im Schweizer Steuerrecht zwischen Steuerhinterziehung (kein Straftatbestand) und Steuerbetrug zu bewahren.

Die national-aufrechte Gesinnung verspürt nach der überraschend deutlichen Annahme des Minarett-Verbots starken Aufwind und wurde durch jenen Volksentscheid quasi salonfähig – schliesslich hat die Mehrheit immer recht und beansprucht automatisch Deutungshoheit. Helvetisierung scheint nun das politische Ziel der rechten Schweizer Parteien und Medien zu sein. Holzschnittartig wird der Ausländer an sich und der in Zürich besonders als Toitscher in Erscheinung tretende zum Feindbild:

Dass der in Genf tagende UNO-Menschenrechtsrat den Gastgeber selbst kritisiert, überrascht angesichts xenophober Kampagnen mit schwarzen Schafen oder zum Thema Minarett-Verbot keineswegs.

Die betrübliche Melange aus populistisch angeheiztem Nationalismus und wachsender Fremdenfeindlichkeit wird zunehmend jauchiger und verstört selbst den Hobbyschweizer.
Lustig ist das Migrantenleben…
Bilderrätsel I
Heimatkunde
Nid bi ois!
Aus der Leserbriefspalte vom Tagblatt Zürich:

Thriller

Japonesie
Aus der psychosozialen Studie des scheidenden Zürcher Schauspielhaus-Direktor:

Meisterhaft
Nur einen Tag nachdem die monatelange Daddelei mit einem klaren Auswärtssieg im Fussball-Managerspiel gegen meine (alten) Arbeitskollegen in Berlin gekrönt wurde

kommt gleich um die Ecke am Helvetiaplatz der FCZ-Car angefahren zum Partymachen…

Zum Turicum! Wenn das kein Grund zum Fremdfreuen ist.
Delikat Essen VI
In Berlin-Kreuzberg ist die Imbisskultur nun aber wahrlich hauptstädtisch. Die neoproletarische Wurst mit Curry war und ist immer angesagt, obwohl mir erst letzthin die Institution Curry 36 am Mehringdamm zum allerersten Male ins Auge stach. Vor allem stach es so rein, weil ein Dino–Honk–Tank–Monster–Truck (ja, war ein Hummer, und ich traute meinen Augen kaum, weil ich bis dato irrtümlich annahm, diese Undinger hielten sich überflüssigerweise nur noch in den kantonalen Steuerbiotopen der eidgenössischen Geldwäscherei verborgen am Leben und eben nicht (mehr) in der Kapitale der Abwrackprämie) sich anstrengte zeitsparend aber raumgreifend so was von genau vor dem Imbiss zu parkieren, dass ich erst aufgrund jenes staubildenden Vorganges der locker über 20 Wurstgläubige zählenden Warteschlange vor dem anscheinend total angesagten Currytempel gewahr wurde.
Mir war zwar durchaus olle Konopke bekannt, aber dass die gewürzte Wurst auch in Kreuzberg so gut sein soll, hm – das ist mir doch tatsächlich in den letzten 30 Jahren völlig entgangen und läuft mutmasslich auf einen freiwilligen Selbstversuch hinaus.
Wurstegal, die meist sehr bezahlbaren und zudem leckeren Imbisse sind in der Tat lukullisch beeindruckend für die ambulante Nahrungsaufnahme in Kreuzberg: bewährte Falafel im Nachtigall-Imbiss in der Ohlauer Strasse, marinierter Yaprak-Döner bei Imren in der Boppstrasse oder Tek Bir (Tipp: Dürüm oder noch besser gleich die Super-Version bestellen!) in der Skalitzer, einfache aber korianderfrisch zubereitete vietnamesische Küche bei Hoai Nam am Görlitzer Bahnhof, die klassische Linsensuppe bei Hasir in der Adalbertstrasse, erschwingliches Sushi im legendären Musashi am Kottbusser Damm, eine kleine aber feine Pizzaecke im Pizza a Pezzi in der Oranienstrasse oder die einfache Fahrt im Spätzle–Express in der Wiener Strasse.
Mein Futterneid & Appetit ist euch gewiss!
Nicht ganz so appetitlich kam mir auf meinen Irrwegen dieser gut gemeinte Hinweis in der Wiener Strasse vor:

Voll die metropolitanische Internautennahrung, wa…
Für Annette
AP 22 proudly presents himself:

Getafe
ist halt öfter mal inklusive luccatonischem Kurzvorschlussdusel. Von wegen Skalpieren (Headline 2008 auf bundesliga.com:«Rangnick will den Bayerrn-Skalp») und so. Doch dem schwäbelnden fussballerischen Taschenrechner hätte ich es eh nicht gegönnt sich mit der Glatze von Ulrich Hoeness zu schmücken.
Vom immer noch Tabellenführer im Grossen Kanton kriegt man hier eher wenig mit – FC Basel gegen FC Zürich heisst der hiesige Circus Maximus (gerechtes 1-1 in der Liga vor 3 Wochen, beide wurden kurz darauf im Pokalviertelfinale gegeneinander gelost, da freuen sich die Hools auf beiden Seiten, schliesslich laufen noch die Gerichtsprozesse vom Härtetest 2007).

Also machte ich mich beizeiten auf die Suche nach einer Örtlichkeit, in der man dem Hype grossdeutschen Rasenzaubers live erliegen kann. Leider fiel dieses zeitig angekündigte „Freitag guck ich ersten gegen zweiten, muss ja meine Tabellensituation beim Managerspiel auf Comunio festigen“ wegen Tochterproblematik kurzfristig dann doch aus.
Aber schliesslich gibt es ja DSL: was ich dann Freitagabend auf einschlägig bekannten Internetseiten sehen durfte war schon allerhand: ein dem Spiel im Sprechtempo vollauf gerecht werdender mexikanischer Kommentar auf Premierebild. Toll, 168 Länder gucken live New Economy Hoppenheim since 1899 gegen uralten eingesessenen bajuwarischen Geldadel, selbst auf bwin konnte man als IP-Schweizer noch ein Thumbnailvideo mit Össi-Kommentar zuschalten.
Nun also müllert dieser Ibeschiss munter weiter und die absurde mittlerweile schon 15-fache comunistische Übertreibung meines ursprünglichen Hoffenheimer Perspektivspielers ist mir nun etwas weniger ungeheuer. Weil die in Blauweiss meiner getrübten Wahrnehmung nach die durchaus Gefälligeren waren. Dass dem Toni der Ball kurz vor Schluss noch siegbringend vor die Füsse fällt, hätte ich aufgrund einer Wickelorgie fast verpasst und nahm es im kakophonischen Duett mit meiner grossen Nachwuchshoffnung tapfer hin: fc-bäh!
PS: Lost & Found: Blog vom Pizza sein Dolmetscher

















