Käthchen kochen auch bloss mit Wasser
Schlagwort: Brauchtum
Sonnenschein
Seit dem 21. Juni um 07:04 MESZ hat Sonnenkönig Sarastro wieder das unbedingte Sagen. Pamina wird als Tochter der Finsternis schon bald das Helle zu schätzen und lieben lernen und schleckt zur zauberhaften Flötenmusik gerne ein Glacé.
In den momentan bescheidenen Dunkelphasen kann man gegen Mitternacht im Zenit das Sommerdreieck funkeln sehen. Sternenlicht funkelt durch die Lichtbrechung in der Atmosphäre, dagegen leuchten die ISS und andere Reflektoren dann vergleichsweise ruhig und kräftig im Widerschein der Sonne, zumal selbige im Sommer während der Nachtstunden nur knapp unter dem Horizont verweilt. Eine hilfreiche Webseite für Sterngucker ist dabei Heavens Above, welche exakte Bahndaten von irdischen und kosmischen Himmelskörper für den jeweiligen Aufenthaltsort bereit stellt. Trotz der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung wird so das Auffinden der stellaren Lieblingsobjekte ziemlich vereinfacht.
Futtermischung
Bei den ausgewachsenen Schwingfest-Hauptpreisen kommt es öfter mal zu Gelenkproblematiken, was Angesicht einer schieren Masse von weit über einer Tonne Lebendfleisch auch nicht verwundert. Stutzen tat der Hobbyschweizer aber, als er vom vorzeitigen Ableben des diesjährigen Siegerstieres für das Eidgenössischen Schwingerfest erfuhr, zumal dieser ausgerechnet auf den Firmennamen des edlen Stier-Spenders, eines in der Schweiz marktbeherrschenden Kraftfutterherstellers getauft wurde. Dabei hatte das Vieh diesmal sogar eine eigene Homepage und, klärchen, ein Facebook-Fake. Traurig das. Also das und das, UND das. Es stand aber rasch Ersatz parat und so musste lediglich die Fellzeichnungs-Tapete im Internet ersetzt werden…

*Womöglich ist die Flaschenaufzucht doch etwas problematisch*
Maien
Maien in Prevorst (und im Brauch(!)wiki)
Nächstenhiebe
Als ich unlängst mit Jim Knopf & Co. längst bestandene Abenteuer wiederholte, traf ich auch Frau Mahlzahn wieder, jene furchteinflössende Lehrerin der Drachenschule im Kummerland, welche ihren Schülern unablässig mit «Hieben» und «Karzer» droht. Für heutige Kinder müssen diese Lehrmethoden wie finsterstes Mittelalter erscheinen, dabei erschien Michael Endes Buch erst vor 50 Jahren und in der Echtzeit war die Redaktion der Schülerzeitung an meiner Schule damals tatsächlich in einer ehemaligen Arrestzelle untergebracht. Schulische Züchtigung war bereits geächtet und verboten, doch ganz dunkel vermag ich mich zu erinnern, dass es da tatsächlich den einen oder anderen Vorfall gab, der entrüstete Eltern an der Schule intervenieren liess, während andere wiederum lieber dem betreffenden Lehrer quasi „freie Hand“ lassen wollten.
Die im Gegensatz hierzu oft im Verborgenen ausgeübte körperliche Gewalt im Elternhaus ist allerdings unheimlicher. Noch unheimlicher wird es, wenn man über das harmlose klingende „babywise„ stolpert und allerlei Seltsames über fundamental-christliche Erziehung erfährt, bei der Kinder gewaltsam zu gottesfürchtigen Wesen herangezogen werden. Auch im Grossen Kanton nebenan ist solch weltanschaulich motivierte Züchtigung momentan ein Thema.
«Wer sein Kind lieb hat, der hält es stets unter der Rute, daß er hernach Freude an ihm erlebe. Beuge ihm den Hals, weil es noch jung ist; bleue ihm den Rücken, weil es noch klein ist, auf daß es nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde.» (SIR 30, 1+12)
Der richtige Umgang mit Kindern ist immer (wieder) eine Herausforderung, an der man viel öfter als einem selbst lieb ist grandios scheitert. Aber für manche Eltern wäre ein Hund dann doch angebrachter als ein Kind. Obwohl, womöglich bisse der dann kleine Kinder…
Das abschliessendes Urteil sei heute dem Schweizer Kinderarzt und Autor Remo Largo überlassen:
«Die Vorstellung, dass das Kind schlecht auf die Welt kommt und die Eltern ihm alles Schlechte austreiben und es zum Guten erziehen müssen, ist so alt wie die jüdisch-christliche Religion. Dahinter steckt die Angst, vom Kind überwältigt zu werden und die Kontrolle zu verlieren. So muss man einem Säugling das Schreien oder einem Kleinkind das Trotzen austreiben, damit diese Verhaltensweisen nicht immer schlimmer werden. Dahinter steckt auch das Bemühen, den Willen des Kindes zu brechen. Das Credo der antiautoritären Erziehung „Das Kind kommt gut auf die Welt“ ist genauso falsch. Die Kinder kommen weder gut noch schlecht auf die Welt. Wie sie werden, hängt vor allem von der Geborgenheit und Zuwendung ab, die sie erhalten, und von den Vorbildern, die sie im Verlaufe der Kindheit erleben.»
Feueralarm
Alle Jahre wieder wird der leidige Winter von Henkersknechten durch die Zürcher Innenstadt eskortiert und der öffentlichen Verbrennung auf dem Sechseläutenplatz zugeführt, wo Punkt 18 Uhr der Fackelwurf eines berittenen Zünfters das Ende des Schneemannes einläutet.
Wenn der mit Knallkörpern gefüllte Kopf des Böögg dann endgültig pulverisiert ist, kommt es zum beliebten Volkswurstbraten auf den noch glimmenden Resten des Scheiterhaufens, was jedoch viele stolze Zünfter selbst heutzutage als pure Blasphemie weil zu anarchisch beargwöhnen. In deren patrizialen Augen ist das gemeine Volk nämlich gleich den bloss als Blumenfräuleins geduldeten Frauen sowieso reine Staffage.
Schönheitszahlen
Fahndungsplakat
Uffe

Sofern im grotesken Mischmasch von Kalendarien und Planetenbahnen nicht doch ein kollateralschädigender Irrtum steckt und jener sich am 21. Dezember nicht vor 12:11 Uhr MEZ bemerkbar macht, können wir getrost einen weiteren Wendepunkt unseres gutnachbarlichen Sternes erleben.
Wie immer zu Beginn der Auffahrt zunächst schleppend aber unaufhörlich steigt das thermonuklear aktive Zentralgestirn hoch und höher und wird uns klimaneutral schonend allmählich wieder auftauen. Versprochen.
Nächster Weltuntergang ist dann wie gehabt pünktlich am 30. Mai.
Schöneuter
Die Schweiz ist führend: ob Faustball, Orientierungslauf oder Braunvieh. So gab es jüngst einen totalen Triumph auf der Bruna 2012, dem Braunviehzucht-Weltkongress in St. Gallen. Obschon in Abteilung 12 BS vermeintlich ein Tier aus dem Allgäu (D) mit österreichischer Ohrmarkennummer den ersten Preisrang belegte, stammt selbst dieses Rindvieh ursprünglich aus Schweizer Zucht!

Einen stimmungsvollen Video-Bericht von der Bruna gibt es hier und da.
Bezeichnend sind die Preis-Kategorien — neben Miss Schöneuter noch die Miss Lebensleistung, die Miss Protein und natürlich eine Miss Genetik.
Übrigens wird für Viehschauen generell gerne in eine stylistische Trickkiste gegriffen, wobei selbst das Versiegeln der Zitzen als durchaus noch im Rahmen des Erlaubten gilt…
PS: Schön geräuchte Euter dort.
Bankgeheimnis
Räblischwur
Was dem Halloween der Kürbis, ist für den kantonalen Zürcher die Räbe. Ritzen und Schnitzen, bisschen Rübe ab, Kerze rein und ab ins Dunkle.
Fast ausschliesslich für die beliebten Kinderumzüge werden die Räben tonnenweise im Umland angebaut. Mit gerade hundertjähriger Tradition boomt der damit noch recht moderne Brauch stimmungsvoll und antiglobal in seiner lokalen Nische. Die Detailhändler Migros und Coop verbannten unlängst die allermeisten Halloween-Artikel wieder aus ihrem Sortiment und offerieren lieber authentische Räben zum Selberschnitzen. Heile Welt wärmt.
Versprecher
Neulich auf einem Zürcher Spielplatz erzählte ein kleines Mädchen ihrer Mutter vom Kindergartentag. Dabei erwähnte das Kind, dass die Kindergärtnerin „Ufgabe“ gestellt hätte. Sofort verbesserte die Mutter sehr bestimmt, es hiesse nicht „Ufgabe“ sondern „Ufgobe“; bei ihnen daheim würde schliesslich Baseldütsch gesprochen und nicht Züritüütsch!
Aufgrund solch mundartlicher Feinheit und deren unbedingter Wichtigkeit war der Hobbyschweizer schlichtweg baff und neugierig, machte doch die Mutter ansonsten nicht gerade den Eindruck einer volkstümmelnden Landpomeranze. Nach intensiven Nachforschungen verfing sich dann eine aufschlussreiche Alemannische Sprachkarte im Netz.
Und der Hobbyschweizer hat jetzt gelernt, dass Basel (Stadt) eine Niederalemannische Insel in der Schweiz ist und die stolzen Insulaner sich nie (und schon gar nicht von Zürchern!) ein a für ein o vormachen lassen, sondern ihren Dialekt gut pflegen – gestern, heute und morgen.
Vieri zum Znüni
Darmartig
Darm-Alarm zu Ende. Cervelat lebt. Danke Globalisierung Buckelrind!
BSE-frei gibt es mit EU-Segen wieder Wurstdärme satt für die Schweiz.
Laubbläser
Laubbläserei ist ein beliebter und international ausgeübter Volkssport. Beim Jahrestreffen der Nordschweizer Laubbläserelite bliesen die Bläser die welken Blätter mühelos gemeinsam vom Übungsplatz — bravissimo!
Mondschein
Am 22. September um 16:49 MESZ erreicht die Sonne den Herbstpunkt und macht sich hierorts rar. Während sich das Zentralgestirn im nächsten Halbjahr vorwiegend auf der Südhalbkugel tummelt, zeigt sich der Vollmond hingegen in höchsten Höhen am nördlichen Firmament. Diese kosmische Wippe ist das Resultat von Ekliptik und Bahnneigung.
Im Sommerhalbjahr verläuft die Bahn der Sonne und Planeten tagsüber hoch und steil und nachts tief und flach, im Winter ist dies umgekehrt. Die jeweiligen Schnittpunkte von Ekliptik und Himmelsäquator markieren Frühling bzw. Herbst. Dazu die 23,4° Erdbahnneigung zur Sonne plus 5,2° der Mondbahn zur Erde mal der Anziehungskräfte von Sonne, Erde und Mond und fertig ist ein komplexes Dreikörperproblem.
Ist aber alles halb so wild, solange uns der Mond nicht auf den Kopf fällt…
Delikat Essen XLVI
Verpflegungsstand mit Chang Hanf
Manövergebiet
Nachbar Albert liebt schneidige Panzermanöver im Vorgarten. Unter den stieren Augen von Gartenzwergen & Co. übt sein funkgesteuerter Spielzeugtank sehnsüchtig Blitzkrieg. Ein eingebauter Soundchip suggeriert Dieselatmosphäre, Maschinengewehrfeuer und eine heftige Panzerhaubitze. Der kleine Junge im Nebengarten reagiert bereits leicht verstört sobald der Panzer gefechtsbereit in Stellung geht und ergriff nach einem überraschend vorgetragenen Frontalangriff schreiend die Flucht.

Vor ein paar Tagen präsentierte Albert im Garten stolz seinen neuen Prototyp: ein noch zu tunendes Panzer-Chassis in Go-Kart-Grösse steht bereit zum Aufrüsten; Albert verspricht die Manövertauglichkeit innert 18 Monaten — ich bin jetzt schon gespannt auf die digitale Akustik…
Delikat Essen XLIV
Schnellmerkervermarkter Migros wildert wiedermal im Windschatten:
Erstens spriessen die Currybuden in der Deutschschweiz schon längst wie Pilze aus dem Boden, zweitens heisst das stullenmässige Schrippe und drittens ist fraglich, ob Wurstcurry tatsächlich das Beste aus Berlin ist.
Nahe der Bestform und aus Bestberlin aber ist Die Kleine Kapelle und die spielt am 24. August in Berlin-Kreuzberg zum allerletzten Mal vor dem Weltuntergang für die Öffentlichkeit zum Tanz auf. Paninaro, oh oh oh!














