Der offene Santiago
Ich will gar diktieren
Bella schläft nicht
Warum ich
Regnet in besser
Jetzt muss ich in die Waschküche
Dort wartet die Wäsche zum Aufhängen
Heute ist Sonntag
Jetzt schreibt er alles korrekt
Vielleicht muss ich langsamer reden.
Wie und warum Reichtum arm macht und wieso der übermässige Reichtum weniger alle betrifft beschreibt ein aufschlussreicher Artikel im Online-Magazin REPUBLIK dort.
Und noch ein republikanischer Nachschlag in Sachen religiöser Kapitalismus hier.
Mitte April wird zum ersten Mal in Europa ein komplettes T. Rex-Dinosaurier-Skelett versteigert. Getauft auf den hübschen Namen TRX-293 TRINITY besteht das in über zwanzigjähriger Bastelarbeit zusammengesetzte Dino-Skelett aus ursprünglich drei Funden. Das Alter wird mit 65 bis 67 Millionen Jahren angegeben und ist damit in der späten Kreidezeit angesiedelt, quasi letzte Generation vor dem grossen Massensterben. Das vom Auktionshaus erwartete Angebot liegt über dem reinem Schätzwert von 5 bis 8 Millionen Franken, Vorgänger Stan brachte es 2020 bei einer Online-Versteigerung auf gute 30 Millionen Dollar. Vor dem Auktionstermin darf das geneigte Publikum nach Voranmeldung die Gigantin im Foyer der Zürcher Tonhalle bestaunen.
Zum zweiten
Mit einer Länge von fast 12 Metern und einer Höhe von vier Metern ist Trinity ein doch recht beeindruckend knöchernes Abbild eines Tyrannosaurus-Weibchens. Diese werden etwas robuster als ihre männlichen Artgenossen vermutet und brachten es auf geschätzte acht Tonnen Lebendgewicht. Allein der Schädel misst eineinhalb Meter, die längsten Zähne darin satte 30 Zentimeter. Sich das Fleisch am Knochen vorzustellen fällt etwas schwer; ein schickes Hologramm wäre sinnvoller gewesen, als die arg dramatisierende Hintergrundmusik aus Star Wars und Jurassic Park. Immerhin konnte eine Audioaufnahme direkt vor Ort erstellt werden, die durch eine kleine elektroakustische Massage verblüffend nahe an den Original-Brunftschrei herankommt.
Und zum dritten
Im Auktionskatalog findet sich jedenfalls noch was für den schmalen Geldbeutel – für immerhin zwei Nullen weniger kann ein Russischer Raumanzug ersteigert werden, der beim nächsten Einschlag eines Fremdkörpers womöglich zweckdienlicher sein könnte…
Von der Krise in der Kosmologie hört man vermehrt allerorten. So machte Sabine Hossenfelder bereits seit Längerem darauf aufmerksam, dass es eine geradezu unwissenschaftliche Versessenheit wäre, mit Symmetrie und mathematischer Schönheit im Universum zu rechnen. Die theoretische Physik beispielsweise würde Teilchen bzw. Abläufe und Schemata quasi «erfinden», damit die Theorie wiederum zu den Teilchen et vica versa passt. In der experimentellen Teilchenphysik würden Dinge studiert, von denen man gar nicht wisse, ob es sie überhaupt gäbe. L’Art pour l’art quasi. String-Theorie und Multiversum nur Hilfsausdruck für Hilflosigkeit. Seit geraumer Zeit sei nichts mehr handfest gemessen oder bewiesen worden, was nun des Rätsels Lösung – die Relativitätstheorie stimmig mit der Quantenphysik zu vereinen — näher gekommen sei.
Lambda Grossmeister
Im Gegenteil: alle Messungen zeigen, dass das beschleunigt expandierende Universum sowie Alter und Zustand der diversen Typen von Galaxien und Sternhaufen experimentell nicht zu erklären sind. Dunkle Energie und Dunkle Materie würden zwar in die Gleichung mit eingerechnet und doch geht diese einfach nicht auf. Die Berechnung der Hubble-Konstante liefert dabei ganz unterschiedliche und verwirrende Resultate. Neue und bessere Teleskope, verfeinerte Messungen und mehr Empirie chaotisieren eher als dass sie ordnen. Populärwissenschaftlich bringt es Harald Lesch verständlich auf den Punkt, nämlich dass es momentan schlicht kein Lösung gibt und satte 95 Prozent der Materie des Universums weiterhin sprichwörtlich unbekannt im Dunklen liegen. Womöglich wird die Ausgangslage (Bing Bang) falsch interpretiert, womöglich gelten die physikalischen Gesetze doch nicht überall gleich, womöglich ist unser Blick in Zeit und Raum verzerrt.
Der Endkampf zwischen Materialismus und Mystizismus jedenfalls scheint weiter unentschieden.
Es werde Licht – ab heute frisch: endlich wieder gratis Lichtminuten, weil Ekliptik schief.
Für die musikalische Untermalung der Lichterfeste aller rauhen Nächte hier noch ein dringender Anspieltipp aus dem hohen Nordosten, wo Radio Lehmann unermüdlich tönende Perlen vor die Säue wirft. Bei Herzschmerz oder nicht, Radio Lehmann hören ist Pflicht. Bildungsauftrag nur Hilfsausdruck. He simply got the bits which really bite.
186 Kilo pures Gold waren für 14 Stunden unter freiem Himmel in Zürich zu bewundern. Ein kniehoher 12-Millionen-Franken-Würfel lockte Flaneure, Neugierige und FOMOs an: Schnappschüsse, Selfies, betatscht, beäugt, geteilt und manch einer wollte sich sogar draufsetzen. Aber vier Seiten vier Wachen wie bei toter Queen und Securitas versteht keinen Spass. Der Künstler Niclas Castello sagte mir bislang nichts und das achteckige goldene Kalb wollte mir auch nichts sagen. Dass das etwas vulgäre Werk von der Glockengiesserei Rüetschi gefertigt wurde, amüsierte immerhin.
«Fühlt sich an wie Plastik!» entfuhr es einer Kundin, «Aber schön warm!» entgegnete ein anderer. Dem kindischen Begrapschen widerstand ich aufgrund der offensichtlich akuten Ansteckungsgefahr vom legendären Goldfieber tapfer und wiegte derweil beim Abschied meine Gedanken leicht versonnen im Takt von good old Goethe…
Was hilft Euch Schönheit, junges Blut? Das ist wohl alles schön und gut, Allein man lässts auch alles seyn; Man lobt Euch halb mit Erbarmen. Nach Golde drängt, Am Golde hängt Doch alles. Ach, wir Armen!
Benjamin Dubno, Chefarzt der Integrierten Psychiatrie Winterthur, diagnostiziert:
Ich glaube, für viele Menschen haben Verschwörungstheorien eine Funktion. Und sie funktionieren eigentlich mit ihr fast besser als ohne. Deshalb ist eine reine Pathologisierung schwierig. Die Leute leiden eigentlich an der Realität, aber durch das Konstrukt leiden sie weniger.
Als erstes «offizielle» Kunstwerk auf dem Mond wird das Werk von Sacha Jafri deklariert, welches zum Ende des Jahres auf dem Mond platziert werden soll. «We Rise Together – with the Light of the Moon» ist eine güldene Plakette, welche als digitale Kopie in Form von NTFs auch auf der Erde versilbert werden soll.
Die erste künstlerische Hinterlassenschaft auf dem Erdtrabanten bleibt jedoch Paul van Hoeydoncks «Fallen Astronaut», welche 1971 in Gedenken an die tödlich verunglückten Opfer der Raumfahrt durch die Apollo-15 Mission auf dem Mondboden installiert wurde. Und sogar noch etwas früher, nämlich zur zweiten Mondlandung im November 1969 soll bereits das erste «Dick Pic» den Mond besucht haben.
L’enfer, c’est les autres oder Die Hölle, das sind die anderen beruht auf der Philosophie Sartres, dass wenn man einzig wäre, quasi nur existiert und keine Essenz gebildet hat, es kein Falsch oder Richtig gäbe, da man nur selbst als Befrager auftritt. Für das Ichgefühl und die Identität scheint alles im Reinen, doch was, wenn man Erfahrungen sammelt und beginnt Dinge zu tun, die von den Anderen als Falsch und Richtig reflektiert werden? Die Selbstzweifel wachsen und mehren sich, da die widersprüchliche eigene Existenz nun eine Essenz ausbildet und das Ich so dauerhaft in der Kritik steht.
Der Satz «Die Hölle, das sind die anderen» stammt aus dem nach der Befreiung 1944 in Paris uraufgeführten Theaterstück «Geschlossene Gesellschaft» von Jean-Paul Sartre, der darin auch seine Eindrücke als Kriegsgefangener verarbeitet. Sartre zeigt drei in einem Raum eingeschlossene Menschen, die bereits verstorben sich auf ewig nicht entkommen können und gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Die Grausamkeiten, die Menschen sich und anderen antun können und antun, sind kaum auszumalen und kaum auszuhalten. Obschon die Insassen aufgrund ihres miserablen Vorlebens völlig zurecht davon ausgehen können in der Hölle gelandet zu sein, erschaffen sie selbst erst die schiere Hölle.
Die Quintessenz aus Sartres Werk ist: wer zu begreifen versucht wer man ist oder wer man sein will, wird sich stets auf die Meinung und Kritik Anderer beziehen – ob dies jedoch das Ich zufriedenstellt bleibt fraglich.
Mannfrauherr. Kaum werden harmlos bloss halbnackte Männerbilder im Netz gepostet, schon klopft die eifrige Computerpolizei via Gmail-Adresse an. Honi soit qui mal y pense.
Der zeitgenössische Feschismus (à la Trump, Putin, Erdoğan, Orbán, Kurz) wird gemäss Birgit Sauer durch eine autoritär populistische Rechte moduliert, welche geschickt die neue maskulinistische Konjunktur befeuert, um ihr hegemoniales und anti-demokratisches Projekt durchzusetzen. Dabei beabsichtigt und nutzt sie gerade den (Tabu-)Bruch mit der politischen Kultur. Starke Männlichkeit v. a. aber auch diversifizierte Facetten von Maskulinität (Höckes «wehrhafte Männlichkeit») stellen ein zentrales Element der widersprüchlichen rechten Kultur dar.
Feindbild Transformation
Konjunktur hat Feschismus aufgrund neoliberaler, sozialer und ökonomischer Transformationen, wie die Prozesse von Globalisierung, Migrationsbewegungen, Erwerbsintegration von Frauen und der partiellen Erosion vom männlichen Familienernährer-Modell inklusive des damit zusammenhängenden brüderlichen Staatskompromisses sowie der Anerkennung von Geschlechtergleichheit.
All dies wird im rechten Diskurs von agitierenden Bewegungen, welche ein Bild der Bedrohung von Gesellschaft und Kultur, von Nation und Staat kreiren, zu einem Krisen- und Bedrohungsszenario aufgebaut. Gleichzeitig wird die Feminisierung von scheinbar schwacher Führung durch das Diktum, dass ein Volk halt starke mannhafte Führung benötige, suggeriert.
Angst vor Kontrollverlust
Jene Entwicklung mündet aber in schierer Identitätspolitik: Männer nehmen sich als Opfer (von Gleichstellungspolitik, Frauenförderung, Scheidungsrecht, genereller Femisierung der Gesellschaft, der «anderen» Sexualität) wahr und artikulieren die Gefährdung bzw. den Verlust von Männlichkeit. Die autoritäre Rechte mobilisiert darüber Unsicherheit und Angst und steigert sich in dem Narrativ vom Verlust der Kontrolle über das eigene Leben. Stichwort Incel.
Maskulinität als Populismus versteht sich offen als blosse Verkörperung des Volkswillens und verachtet Liberalität und Demokratie. Populismus an der Macht wird jedoch selbst immer zur Elite verwandelt, politisches Establishment, Classe politique, ohne sich als solche wahrzunehmen – daher wird ein permanenter Wahlkampf gegen den wahren Volksfeind geführt. Die hoch politisierte Aussenpolitik steht derweil im völligen Gegensatz zur eigenen Lebensrealität (siehe wirtschaftliche Probleme in UK ohne Fremdarbeiter, der Westen als Hort der Unmoral) und ist meist nationalistisch ausgerichtet. Ein notorisch überzeichnetes Männerbild birgt somit erhöhtes Konfliktpotential, dessen inhärente Auflösung leider nur mehr eruptiv vorstellbar erscheint.