Nomadisches Mandala im Kreis Cheib:
Kategorie: Andere Spinner
DSTexit
Zeitumstellung nervt, v. a. wenn gleich zweimal im Jahr und der plumpe Verdacht der Konditionierung drängte sich geradezu auf. Ganz im Westen und Osten Europas wird die Sache hingegen weit lässiger gehandhabt.
Immerhin wird nun zumindest online europaweit mal nachgefragt:
Winter/Sommerzeit ja – nein;
falls nein, welches Schweinderl hätten S’ denn gern?
nämlich dort:
https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/2018-summertime-arrangements
Gibt nichts zu gewinnen verlieren. Und ja, man kann/darf auch als Nicht-EU Bürger daran teilnehmen («interested in gathering the views of European citizens»). Alles andere als ein klares Nein wäre überraschend…
Fussballett
BRILLA EL SOL EN RUSIA, EL CIELO ES TODO CELESTE
Endlich: die supertollen nationalen Slogans der Public-WM sind bekannt!
Vertikale Impressionen
Noch mehr Eindruck nach dem Klick:
Vertical Cinema
Bereits der Probedurchlauf war eine körperliche Erfahrung — bei diesem Hochformat natürlich der allmählich sich versteifende Nacken und dazu der latente Ohrenschaden, weil die Experimentalfilme mit Sounds > 120 dB untermalt werden, Throbbing Gristle nur Hilfsausdruck. Ausser um die noch verbliebenen Zahnblomben hatte ich Sorge um jede der zahllosen Glasscheiben, die eifrig mitschwangen, mitsurrten, mitklapperten. Zum Glück ist 80% der alten Holzbestuhlung schon evakuiert, mehr Bass hätte ich beim besten Willen nicht ertragen können und wollen. Art farts loud.
Dennoch ein Erlebnis der besonderen Art, einfach weil anders. Vertical Cinema kickt bewusstseinstechnisch offensiv — dabei vielleicht einen Tick zu aggressiv. Aber es gibt im Programm auch den Moment der Ruhe, nach dem alle lechzen. Und frische Luft gibts ja gratis draussen.
Psycho Killer
Psychometrie, manchmal auch Psychografie genannt, ist der wissenschaftliche Versuch, die Persönlichkeit eines Menschen zu vermessen. In der modernen Psychologie ist dafür die sogenannte Ocean-Methode zum Standard geworden. Zwei Psychologen war in den 1980ern der Nachweis gelungen, dass jeder Charakterzug eines Menschen sich anhand von fünf Persönlichkeitsdimensionen messen lässt, den Big Five: Offenheit (Wie aufgeschlossen sind Sie gegenüber Neuem?), Gewissenhaftigkeit (Wie perfektionistisch sind Sie?), Extraversion (Wie gesellig sind Sie?), Verträglichkeit (Wie rücksichtsvoll und kooperativ sind Sie?) und Neurotizismus (Sind Sie leicht verletzlich?). Anhand dieser Dimensionen kann man relativ genau sagen, mit was für einem Menschen wir es zu tun haben, also welche Bedürfnisse und Ängste er hat, und aber auch, wie er sich tendenziell verhalten wird. Das Problem aber war lange Zeit die Datenbeschaffung, denn zur Bestimmung musste man einen komplizierten, sehr persönlichen Fragebogen ausfüllen. Dann kam das Internet. Und Facebook.
(aus: Tagesanzeiger Zürich)
Die Skandalisierung erschöpft sich, der Euphomismus ist asbach1984alt:
Businesses that make money by collecting and selling detailed records of private lives were once plainly described as "surveillance companies." Their rebranding as "social media" is the most successful deception since the Department of War became the Department of Defense.
— Edward Snowden (@Snowden) March 17, 2018
Tim Pritlove: «Um US-Präsident zu werden braucht es anscheinend zwei Dinge: Facebook und viel Geld. Zuckerberg hat von beidem reichlich.»
McMindfulness
Angeberplakat zum Kandidatenturnier am Berliner Kühlhaus
Urban Prayers Zürich
Bereits die im Bayrischen Rundfunk von 2014 gesendete Hörspielfassung war eine genüssliche Offenbarung. Der globalisierte Chor der Gläubigen fragt im Stück von Autor, Dramatiker und Theatermacher Björn Bicker die Ungläubigen, das Publikum und sich selbst offen, direkt und provokativ:
Was glaubt ihr denn. Wer wir sind.
Was wir glauben. Was glaubt ihr denn. Wer wir sind.
Wo wir wohnen.
Wo wir schlafen.
Wo wir arbeiten.
Wo wir beten.
Wo wir uns zeigen.
Wo wir uns verstecken. Wovon wir schweigen.
Worüber wir sprechen. Leise. Freundlich. Niemals zu laut.
Was glaubt ihr denn, wo es einen besseren Platz geben könnte.
Was glaubt ihr denn, wo wir nicht stören. Wo wir stören.
Wo wir uns treffen sollten.
Wo wir Euch begegnen könnten.
Wo wir euch begegnen wollen.
Wo wir euch nicht begegnen wollen.
Was glaubt ihr denn, wer ihr seid.
Was glaubt ihr denn, wer wir sind.
Verhandelt wird die City of God, die weitgehend im verborgenen ablaufende Verdichtung der Privatsache Glauben im grossstädtischen Umfeld, einer quasi pseudo-paradiesischen Megalopolis. Wo im Abendland das Morgenland aufgeht, wo christliche Tradition leise vergeht und doch besteht. Wo mehr über- als miteinander gesprochen wird. Der sichtlich multiethnisch und multireligiös aufgestellte Chor ist beim Auftakt des Zürcher Reigens in einer Hinterhofmoschee auf einem kleinen Catwalk untergebracht. Das Publikum hockt in Socken auf dem Teppich. Nach dem Gebetsruf des hauseigenen Imams tritt das Ensemble des Theaters am Neumarkt aus dem (Laien-)Chor ins Publikum hinein und nimmt dort gekonnt variirend teils völlig diametrale Positionen ein, um diese gleich wieder mit und unter den Mitspielern ein- und auszutauschen. Eben noch Jude, und schon Buddhist, gerade noch Katholik und bereits reformiert, doch gerne Schweizer. Nur: Tamilischer Schweizer oder Schweizer Tamile? Gegenteiliges wird von derselben Figur kundgetan, und dann treffen sich alle wieder im Chor, der jetzt nicht mehr einstimmig sondern vielstimmig und nuancenreich tönt, um sich alsbald aufzulösen, um sich später wieder zu finden. Bicker hat den Text geschickt für die Schweizer bzw. Zürcher Verhältnisse adaptiert, Minarettverbot und Parkplatznot sorgen für heitere Lacher. Aber nichts im Stück ist lächerlich, zu Ernst ist die Sache. Die Abstraktion, Reduktion und Verallgemeinerung auf den Glauben — früher Türke heute Moslem, ach ihr Christen — heizt die Lage und hetzt die Menschen auf und erzeugt zusammen mit jedwedem Fundamentalismus ein Klima der Furcht, obwohl im Grunde doch nur das miteinander Teilen wirklich zählt und im Vordergrund stehen sollte. Und die Liebe.
Der Auftakt war vielversprechend, Theater am und vor Ort hat halt besondere Wirkmacht. Die Compagnie zieht weiter durch diverse Zürcher Gotteshäuser, Tempel und andere Kultstätten und wird zum Abschluss den Jakob missionieren. Ick freu mir schon.
Jugendweiher
#MeToo
Grundstellung
Üblicherweise werden im Schachspiel gerne unübliche Stellungen angestrebt. Die grafische Abteilung des Weltschachbundes – offensichtlich angeregt durch oszillierende Wortspiele von Chaturanga und Kamasutra – betont jenes Motiv zur kommenden Schach-WM ausgesprochen plakativ.
Rooter
Oh my Bug — unlängst erst der voll peinliche Root-Fehler und jetzt sucht die Kiste andauernd nach einem dreizehnten Monat. Fake OS. Schlimm.
Praystation
Endlich: Kirche wird Kunst. Ab Mitte Dezember in Zürich.
Saisonausblick
За здоро́вье Pеволюция!
Fireinthesky
Zur Himmelfarbe stimmlich passend ➜ Rodent (HDB113) by Burial:
Entebbe
Am Jahrestag der Operation Entebbe wurde im Volkshaus Zürich eine Diskussionsrunde über die Anti-Israelische Organisation BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) abgehalten. Vor der Tür äusserten die BDS-Aktivisten ihre «Apartheid»-Vorwürfe plakativ, drinnen gab es einen zunächst theoretisch-historischen Diskurs über die Hintergründe und Entstehung von BDS. Darüber hinaus wurde das Verhältnis der Linken zu Israel beleuchtet und an Entebbe 1976 und den Golfkrieg 1990/91 erinnert, was in beiden Fällen zu erbitterten Auseinandersetzungen innerhalb der emanzipatorischen Linken führte. Bei der Flugzeugentführung 1976 fand unter massgeblicher Beteiligung westdeutscher Kämpfer eine Selektion von Israelischen Staatsbürgern statt. 1990 ging es um das Existenzrecht Israels angesichts irakischer Scud-Raketenangriffe. Laut Referent Alex Feuerherdt sollte es gerade für aufgeschlossene Linke die vornehmste Aufgabe sein, den reflektorischen Antisemitismus in der Linken gesamthaft zu hinterfragen.
Der 2005 u. a. von Omar Barghoudi gegründete BDS fordert den völligen Abbruch aller Gespräche mit Israel, Stichwort Antinormalisierungskultur. Der Staat Israel fungiert in BDS-Augen als kollektiver Jude, wird in Kollektivhaft genommen und gilt als Paria-Staat. Letztlich ginge es BDS gar nicht um die Belange der Palästinenser, sondern um die Existenz Israels. Wie auch in der jüngst von ARTE-TV zunächst nicht ausgestrahlten Dokumentation deutlich gemacht wurde, entstanden aus anfänglich 500.000 bis 700.000 Flüchtlingen über die Vererbung des Flüchtlingsstatus heute 5 Millionen palästinensische «Heimatvertriebene». Eine eigenständige UN-Organisation (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East/UNWRA) kümmert sich ausschliesslich um deren Belange, wird vom Westen alimentiert und ist nach der palästinensischen Regierung der grösste Arbeitgeber in Gaza und Westjordanland. Für den ganzen Rest der momentan weltweit 65 Millionen Flüchtlingen fungiert übrigens der eigentlich zuständige UNHCR!
Aus dem Finanztopf der UNWRA finanzierte Lehrer, Schulbücher und Schulen sorgen weiter für eine einseitige Tradierung der historischen Ereignisse, wo nur dem Palästinensischem Volk ein Heimatrecht zugesprochen wird, nicht aber der ebenfalls lange ansässigen jüdischen Bevölkerung. Gleichzeitig bleibt unklar wohin und wie die Geldströme fliessen, da UNWRA quasi von den Palästinensern selbst ohne UN-Kontrolle geführt wird. Im Gegensatz zur palästinensischen Gesellschaft und den arabischen Nachbarstaaten existiert in Israel eine vergleichsweise offene Gesellschaft, die palästinensische Bevölkerung hingegen wird als Faustpfand von Israel-Gegnern missbraucht.
Obwohl der BDS sich weitgehend um sich selbst dreht und bislang keine wirtschaftspolitischen Erfolge erreichen konnte, bleibt er eine Gefahr für ausserhalb Israels lebende Juden wegen der einseitigen Stimmungsmache und schafft so ein Klima von Hass und Antisemitismus.
Kümmerling
„I don’t care about your feelings.“ Dieser Satz scheint mir entscheidend zum Verständnis des (selbstverständlich selbst verschuldeten) politischen Erdrutsches, der die USA erfasst hat und auch Europa, auch Deutschland droht.
Doch der Empörismus greift nicht (mehr). Er ist Ausdruck einer Leichtsinnigkeit derjenigen, die sich nach langen politischen Kämpfen auf einen zivilisierenden Konsens von Inklusion und Pluralismus verlassen können wollen, ja müssen. Nicht nur die Diffamierung von Affekten, sondern auch ihre Verabsolutierung betreibt nun den Verrat an der politischen Auseinandersetzung. Gerade in komplizierten Zeiten brauchen wir die Empathie für andere Positionen, aus der sich die argumentative Auseinandersetzung ergibt, notwendiger denn je.
(Paula-Irene Villa, Professorin für Soziologie und Gender Studies an der LMU München. Sie forscht und lehrt zu Biopolitik, Sozialtheorien, Care/Fürsorge, Popkultur.)
God is in the house
and no one´s left in doubt.
Kirchentagsgänger sind leicht an ihren umgelegten Schals zu erkennen: ein BSR korrelierendes Orange war in Berlin der voll angesagte Farbton.
Dermassen angesagt, dass ich bereits am ersten Tag kurz vor dem eigentliche Ziel scheiterte. Dazu noch den zweiten Platten des Tages am Hinterrad des in der Hauptstadt präferierten Fahrrads, ganz toll. Ein Schal war
aber drin, immerhin. So ein Schal in der Masse von Schal-Trägern ist ja ein reiner Kommunikationsschal, der also sagt, dass man dazu gehöre und sich friedvoll für eine bessere Welt einsetzt, anstatt die Britische Botschaft und all die anderen im Regierungsviertel zu nötigen, ihre Flaggen auf Halbmast zu setzen. Und siehe, später färbte das Orange-Sujet sogar auf den netten Abend mit guten alten Kollegen ab. Das war doch wieder ein Zeichen! Zumindest aber bezeichnend.
Oh I wish he would come out.
Anderntags ging es in die Friedrichshainer Zwingli-Kirche zum Kultur fassen. Ob du es glaubst oder nicht, der Kirchturm fiel mir schon beim Ankommen auf dem Weg von Schönefeld zum Ostbahnhof gehörig ins Auge, weil Berufsehre, der hatte doch tatsächlich keine Zeiger an der
Kirchturmuhr! Oha, ganz schön fertig dieses Berlin dünkte mir, Sodom und Gomorrha dräuend keimte leise Hoffnung auf, dass sich daraus vielleicht noch etwas machen liesse. Dabei ist das Teil schon längst eine Kulturkirche und Event-orientiert und so fügte sich alles und halbwegs interessante Kunst dort und Vernissage-Häppchen da und natürlich orangefarbene Schals. Dazu für einen Hobbyzürcher quasi Heimspiel in der Ferne. Eine von mir angesprochene schwäbische Helferin konnte zwar keine Fragen beantworten, weil sie nur wusste, dass sie bis Samstag dort eingeteilt sei. Das hat sie mir freundlich gleich ein zweites Mal erklärt, als ich es mit einer anderen Frage probierte. Dafür konnte ich zwei unwissenden jungen Damen vor der Kirche erklären, wer der Mann mit Buch und Schwert sei, denn schliesslich würde ich den Kerl gut aus Zürich kennen, das ch dabei überdeutlich betonend. Den Namenspatron des Schuppens nicht mit einer kleinen Hirn-Kombi ausknobeln zu können, wunderte mich, vielleicht waren die beiden reine Paganen, wer weiss.
In der Kirche gab es ein Mobile beschnittener Portraits von Menschen verschiedener Kultur und Herkunft, ein weiteres Mobile mit brennenden Kerzen, verschieden grosse Lautsprecher wie Orgelpfeifen aufgestellt, welche man sitzend durch Beugen und Dehnen über die Kamera eines Computers steuern konnte
(ja, es kam Orgelmusik dabei raus). Es gab Roboter die in allen erdenklichen und im Internet auffindbaren Sprachen den Slogan des orangefarbenen Treffens repetierten, und noch so manch anderes Zeug, was ich weniger beachtete oder vielmehr nicht verstand. War auch nicht sooo wichtig, weil der Ausflug noch in eine Brachgemeinde auf dem Gelände des Ausbesserungswerkes der Deutschen Reichsbahn in Lichtenberg führen sollte, wo ein alter Bekannter den DJ gab und das ebenso alte Metallschrottherz zwischen zwei von einem Blitzschlag getroffenen Bäumen hing. Ohne zu schlagen zwar, dennoch als Symbol eindrücklich.
Das olle rostende Herz hing also wie eingewachsen und wurde zumindest an jenem Abend zur Kultstätte. Und Gott war DJ, wie so meist im Leben.
God is in the house.




























