Volksvermummung

Die in den 1960er Jahren zunächst als Nationale Aktion gestarteten Schweizer Demokraten sind mittlerweile eine rasch dahinschmelzende Splitterpartei und halten weder im Kanton noch im Bund einen Parlamentssitz. Die schiere Saugkraft der SVP lässt einfach keine Krümel liegen.
Die isolationistischen Kleingeister haben auch keine finanzkräftigen Grossgeister in ihren Reihen und ihnen fehlt die werbetechnisch subtil umgesetzte Raffinesse kühl kalkulierter Bauernschläue einer SVP.

Das Flugblatt anlässlich der Anfang April anstehenden Neuwahl des Zürcher Kantonsrates (entspricht grosskantonalen Landtagswahlen) sieht daher etwas bemüht, wenn nicht gestellt aus:

Das Bildmotiv ist übrigens keineswegs mit dem Victory-Zeichen der maghrebinischen Frauenbewegung zu verwechseln. Vielmehr handelt es sich bei dieser hochsymbolischen Szene um einen ganz und gar uneidgenössisch vermummt abgelegten Eid, quasi Schweizermacherei an Burka.

Auf der Rückseite des Pamphlets wird es vollends lächerlich und nur noch peinlich ist das „Quiz“ mit einfachen Antworten auf nationale Fragen:

Die Lösung SDWÄHLEN drängt sich auf und aus dem Begleittext lassen sich folgende Füllwörter filtrieren: Weissen, Boden, EWR, Ändern, Heimat, Islam, ?e??? (!), Natur.

Meinen die herzigen Demokraten beim vorletzten Begriff wirklich denselben an welchen ich gleich dachte? Und auf welchem Kontinent sollen die, ähh, permavermummten Migranten besser bleiben?

Stadt Land GAU

Das Land will die Armeewaffe im Haus, die Städter lieber im Zeughaus. Deutschschweizer sind bis auf Basel-Stadt und Zürich ganz traditionell Bürgersoldaten, Westschweizer bis auf Fribourg für Abrüstung. Männer schiessen gerne scharf, Frauen eher weniger. Alle Faktoren zusammen ergeben ein Endergebnis von 56 zu 44 zugunsten des helvetischen Schützenvereins.

bewaffnetes Vorratslager

Röstigraben, Stadt-Land-Gefälle, Mann-Frau-Furche — der eidgenössische Kleingarten erscheint etwas zerklüftet. Der konservative Humus bleibt jedoch weiterhin bestimmend: Volksabstimmungen mit nationaler Tragweite fielen zuletzt allesamt zugunsten der rechts-bürgerlichen Mehrheit aus.

Eine noch strahlendere Zukunft erwartet im Kanton Bern dem Hochnebel zum Trotz die (ländliche) Mehrheit durch den Neubau eines Atomkraftwerkes.

Frauenstimmen

«Die Frauen stehen hierzulande stärker links als die Männer. Mehr noch: Sie driften immer weiter gegen links.»

Eine ernüchternde Zwischenbilanz.

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Der Schweizer gewährte 1971 nur kurz nach dem Jemen aber noch vor Bangladesch den Frauen eine Stimme. Im Appenzeller Land allerdings wurde das Frauenstimmrecht erst nach einer 19 Jahre währenden Farce schliesslich 1990 von Justitia selbst umgesetzt.

Jahresabschlussbericht

Der Hosting-Bot teilte folgendes mit:

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Wutbürger November 2010
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Osterhasentöff March 2010
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Negerküsse Mohrenköpfe April 2010
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Vögelfrei November 2010
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Aktenzeichen SOC ungelöst June 2010
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Roger & Out.

Also mehr wütende Osterhasentöffburger, vögelbefreite Aktzeichen und vor allem swisspaschwingende Negerköpfe.

Sonn & Mond

Maximale terrestrisch Annäherung an das Zentralgestirn am 3. Januar 2011 um 20:01:14 hiesiger Uhr, wie immer (in letzter Zeit) kurioserweise im Winter, aber bei 147 Millionen Kilometer mit genügend Sicherheitsabstand.

In ca. 16.000 Jahren schliesslich fällt die geringste Erde-Sonne Entfernung in die Nähe des astronomischen Sommerbeginns auf der Nordhalbkugel: Stichwort Präzession-Taumel contra Perihel-Schwankung.

Die Wetterkapriolen im 19. Jahrtausend werden bestimmt ganz besonders lustig…

PS: Zuvor aber macht sich nach der Erde-Sonne-Intimität am direkt darauf folgenden 4. Januar 2011 der ausgehungerte Neumond über die Sonne her: vormittags gegen 9.30 Uhr ist von der Sonne nur noch ein Drittel bis zu einem Viertel in Abhängigkeit von Standort und Wetterlage übrig.

Ein kosmisch rasanter Start — have a nice one too!

Urbi @ Orbi

Mit dem Segen Urbi et Orbi ist nach katholischer Lehre allen, die ihn hören oder sehen und die guten Willens sind, ein vollkommener Ablass ihrer Sündenstrafe gewährt. War zunächst für diesen Empfang die Anwesenheit auf dem Platz oder in Sichtweite des Spenders notwendig, so kann der Segen seit 1967 auch über Radio, seit 1985 über das Fernsehen und seit 1995 sogar über das Internet gültig empfangen werden.

aus wikipedia

Winterfest

Astronomisch amtlich beginnt die Wintersaison erst am 22. Dezember, und zwar pünktlich um diesmal 00.38 Uhr.

Bis zum Frühlingsbeginn verbleiben dann schlappe 88 Tage, 23 Stunden und 43 Minuten. Falls nicht der Sommer dazwischenkommt.

Zuvor aber noch die letzten Neuigkeiten vom Schergen Schmutzli in der Querwerbung…

Warenfetischismus

Gemäss dem Schweizer Markenbarometer ist Glarner Schabziger die älteste Marke der Eidgenossenschaft. Seit 1463 ist die Rezeptur dokumentiert.

Unter den Top Ten befinden sich zwei Käsemarken, drei Verlage, eine Weinhandlung, ein Bettenbauer, ein Uhrmacher und zwei Brauereien.

Kein Chocolatier? Noe, erst ab 1819 wird die Schoggi getafelt.

Beinahe wäre der legendäre Schabziger zu Beginn des letzten Jahrtausends mangels Nachfrage vom Markt verschwunden, was jedoch keinesfalls am Hobbyschweizer lag, dem das Schaben genetisch einverleibt wurde. Eine bleibende Kindheitserinnerung ist der Geruch des frisch geriebenen Zigers und das Anrichten mit Butter und wenigen Spritzern Bier…

Reine Alchemie und ein wahrhaft exotischer Geschmackstest für einen Kindergaumen!

Grössenwahn

Im Zuge der weltweiten Finanzkrise wurde seit 2008 jede Menge Kohle verheizt, um einen drohenden Kollaps zu verhindern. „Global banks are global in life, but national in death“ stellte der Chef der Bank of England dazu lapidar fest. Es erschien volkswirtschaftlich rentabler marode Grossbanken staatlicherseits zu stützen oder gar aufzukaufen, als angesichts eines nationalökonomischen GAUs eine Weltwirtschaftskrise durch Domino-Effekt zu riskieren. Die tradierte Krisenerfahrung innerhalb der Bankenwelt — der Staat wird im Notfall schützend eingreifen — wurde so in ihrer Gewissheit weiter bestärkt.

Jungbroker feiern Kasino-Kapitalismus

Grossbanken erhalten Fremdkapital zu vergünstigten Zinsen aufgrund der quasi staatlich garantierten Kreditwürdigkeit. Mit dem billigen Geld gehen die Bonusjunkies enorme investive Risiken ein, wobei wiederum staatliche Hilfe bei Misserfolg in die Kalkulation mit eingeht. Eine möglichst niedrige Eigenkapitalquote erhöht die Rendite und die Spekulation mit geliehenem Geld ist dank Hebelwirkung hochattraktiv. Ein eventuelles Scheitern systemrelevanter Grossbanken hinterlässt ein volkswirtschaftliches Fiasko — die Staatsfinanzen von Island und Irland lassen grüssen.

Hinzu kommen handwerkliche Fehler:

Es steht doch fest, dass die Krise von Finanzspezialisten verursacht wurde, die perverse Risikoberechnungen angestellt haben. Und die Banker, letztlich wir alle haben diesen mathematischen Modellen vertraut. Nun muss man wissen, dass viele dieser Spezialisten ehemalige Mathematiker und Physiker sind, Männer und Frauen also mit meiner Ausbildung.
Tatsache ist, dass vor allem die zweitklassigen Physiker zu den Banken abgewandert sind. Kein Wunder, haben die jetzt, ich kann es nicht anders sagen, Scheisse produziert. Die haben vor allem davon profitiert, dass kein Mensch verstand, was sie eigentlich taten. Erstklassige Physiker hätten solche Modelle niemals entworfen.

(aus einem Interview mit dem Astrophysiker Ben Moore)

 

In der Schweiz übersteigt die aktuelle Bilanzsumme der beiden Grossbanken Union de Banques Suisses (UBS) und Credit Suisse (CS) die inländische Wertschöpfung um das vierfache! Die Bilanzsumme der Deutsche Bank beträgt immerhin 80% der deutschen Wirtschaftsleistung.

Im testosterongesteuerten Finanzgeschäft dominiert die triebhafte Lust an Unterwerfung, Gier und Herrschaft und neigt systembedingt zur Übertreibung. Die zwitterhaft entstandene Finanz-Aristokratie mit ihrem ausgeprägten Individualismus als subjektiven und absoluten Massstab hat einen verzerrten Blick auf das grosse Ganze. Eine Zerschlagung der too-big-to-fail-Banken ist notwendig, um dem assymetrischen Risikogebaren (wenn es schief geht passiert nix, wenn es gut geht, rollt der Rubel) den Boden zu entziehen.

Das ganze Finanzsystem beruhte schon immer darauf, dass die „kleinen Leute“ ALLES zahlen: Wer zahlt Miete? Wer bringt sein Geld auf die Bank? Wer zahlt Zinsen und Renditen auf alles mögliche? Wer arbeitet für den Reichtum der Reichen? Wer zahlt Steuern? Schlimmer kann es sowieso nicht mehr werden. Nur die Wege, wie das Geld zu den Banken und Reichen fliesst, ändern sich etwas. Immer Trickle-Up.

(Leserbriefschreiberin Nadine Binsberger)

Loch Mega

Das Loch an sich ist eine Schweizer Spezialität: das berühmte im Käse, das experimentelle Schwarze, das finanzielle Schlupfloch und sogar die Wohnmaschine heisst Loch-er-gut. Manchmal allerdings misslingt das Lochen und ein Rumoren bleibt.

Hierzulande werden die siebartig durchlöcherten Berge bloss noch vom Zement der Tunnelröhren vor dem Zusammenfallen bewahrt. Für das einsturzgefährdete Gotthard-Massiv erfolgt Mitte Oktober der Durchstich zu einer gleich doppelt angelegten Querverstrebung im Rahmen der NEAT. Bei einem aktuellen Bodycount von acht wird die neue Betonröhre mit 57 km Länge durch den Gotthard neuer Weltrekordhalter für stabilisierende Querverstrebungen mit Lochcharakter.

Die vom Lochojochen Joken aus B in D freudig erwartete und ursprünglich als touristische Attraktion geplante Porta Alpina mit Vertikallöcherung nebst Lifteinbauten und Imbissstuben wurde kurzfristig auf Eis gelegt: wegen einer Temperaturdifferenz zwischen Innenloch und Aussenwelt von bis zu 50 Grad Celsius bekamen die lokalen Lochfans kalte Füsse und Zugluft.

Atmosphäre

When I woke up the sun was shining in my eyes
My silver spurs were gone my head felt twice its size
She took my silver spurs a dollar and a dime
And left me cravin´ for more summer wine
Ohh-oh-oh summer wine


Mit Kater aber ohne Kohle in den Herbst — Sekundaräquinoktium pünktlich am 23. September um 05:09h MESZ.

Next stop: Winter.