Zur vierten Runde erschien viel Prominenz und es gab noch mehr Andrang. Doch ausser nörgelnd drängelnder Deutschen nahmen die übrigen Anstehenden die Geduldsprobe in der Warteschlange tapfer hin. Die peinlichen Nörgler forderten Eintrittskarten, auf welche die Organisatioren jedoch aus weiser Voraussicht verzichteten, weil sonst die Veranstaltung rasch ausverkauft wäre und ausser den glücklichen Kartenbesitzern das gemeinhin darbende Schachvolk sich nicht am Genuss grossmeisterlicher Schachdarbietung in gediegener Atmosphäre laben könnte. Helvetische Egalität ist mega.
Botschafter Charles Aznavour beglückte die armenische Gemeinde mit seiner Anwesenheit und alle Partien fanden eine finale Entscheidung. Nakamura stürzte sich gegen Aronian ins Schwert und gab einen Zug vor Schachmatt auf, Carlsen opferte Material, doch seine zentralen Mehrbauern waren danach frei genug, um die Begegnung mit dem Kronprinzen Caruana zu entscheiden. Gelfand fehlte am Ende schlicht die Zeit alle Komplikationen gegen Ex-Champ Anand korrekt durchzurechnen.
Aznavour darf für Landsmann Aronian der ersten Zug ausführen
Die mittlerweile dritte Auflage der Zurich Chess Challenge ist eindeutig die attraktivste. Der Kampfeswille ist augenscheinlich und selbst wenn in der letzten Runde alle Partien unentschieden ausgingen, läge die Remisquote immer noch unter 50% Prozent — eher unüblich für Schach auf solchem Niveau. Und das Niveau ist verdammt hoch; nächsten Monat findet das so genannte Kandidatenturnier statt, in welchem der kommende Herausforderer für Meister Carlsen gefunden werden soll. Da will sich keiner eine Blösse geben und der Champ will zeigen, wo der Hammer hängt. Hammer Carlsen („It was a fun game today“) hat es hier allen gezeigt und bereits jetzt einen neuen Ratingrekord aufgestellt.
Der russische Juwelen-Höndler Oleg Skvortsov lud heuer wieder einmal zum Schach in Zürich und diesmal gleich sechs Topspieler inklusive des noch ziemlich frisch gebackenen Weltmeisters aus Norwegen ein. Somit ist das Zürcher Einladungsturnier das stärkste Turnier aller Zeiten. Der Andrang ist daher riesig, der Eintritt immer noch gratis und das Schach noch spannender, weil sich jeder mit dem neuen Champ messen will.
Händedruck zu Beginn der Partie
Schach ist heutzutage vor allem ein Internet-Event und weltweit sind es zigtausende Schachfans, welche den Partien der Grossmeister online folgen. Die Schar der live übertragenden Journalisten ist für eine Randsportart recht imposant und in Norwegen wird Schach aufgrund Carlsens Popstarkalibers neuerdings selbst im dortigen Sport-TV gezeigt.
Schach ist in Norwegen — wie Stricken — Fernsehtauglich
Der entfachte Medien-Hype um und dank der Werbeikone Magnus Carlsen zeigt deutliche Wirkung und auf Hemd und Sakko trägt der lässige nordische Held mittlerweile fünf verschieden Logos seiner Sponsoren.
Nach der Partie: How in the world could I mess this up?
Beinahe aber wäre der Weltmeister in der dritten Turnierrunde gestrauchelt und sogar gefallen; zu arglos reagierte er auf einen wuchtigen Flügelangriff seines US-amerikanischen Kontrahenten, doch wie heisst es so treffend: nichts ist schwerer, als eine gewonnene Partie zu gewinnen.
Grossmeister Nakamura stand fast zwanzig Züge lang eindeutig auf Gewinn, bevor er es kurz vor der ersten Zeitkontrolle doch noch völlig vermasselte. Als dann der Meister aller Klassen am Drücker war liess er diesen nicht mehr los, sondern seinen Gegner kopfschüttelnd zurück.
Im Zürcher Spielsaal war der radikale Umschwung karmatechnisch direkt spürbar — das war Achterbahn auf 64 Feldern und mir als einfacher Klötzchenschieber alleine schon vom Zusehen noch auf der Heimfahrt schwindelig.
Das Norwegische Sportfernsehen interviewt die Nummer 1
Im Privatduell Carlsen-Nakamura steht es damit nach Siegen 9-0 bei 15 Unentschieden. Zumindest kann man dem Top-5-Spieler Nakamura keinesfalls mangelndes Selbstvertrauen vorwerfen…
Am 21. Dezember um 18:11 MEZ wendet scheinbar die Sonne. Zunächst bleibt der Tag abends etwas länger und nur ganz allmählich zieht sich bald auch die Nacht morgens merklich zurück.
Aufgrund der Neigung der Erdachse und der elliptischen Bahn unseres Heimatplaneten um die Sonne fallen die längste Nacht und der früheste Sonnenuntergang nicht auf den gleichen Tag. Gute zehn Tage vor der astronomischen Sonnenwende findet der früheste Sonnenuntergang statt; der späteste Aufgang erfolgt sogar erst Anfang Januar. Kurioserweise ist dann gleichzeitig mit diesmal 147.098.090 km Entfernung der für das gesamte Jahr 2014 kürzeste Abstand zur Sonne erreicht.
In der tagesaktuellen Auszählung hat sich bereits vor Schliessung der beiderseits des Hochrheins gelegenen Wahllokale ergeben, dass just am 22. September pünktlich um 22:44 Uhr Mitteleuropäischer Nochsommerzeit es definitiv anfängt zu herbsten. Auf der Nordhalbkugel unseres Planeten werden die Blätter fallen und das Tageslicht rasch abnehmen. Möglicherweise wird manch einer dann allein im Dunklen „Glück auf, der Steiger kommt!“ pfeifen. Damit es nicht beim Pfeifen bleibt, hier die Textfassung, frei nach Wikipedia:
Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.
|: Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
|: schon angezündt’
Schon angezündt’! Das gibt ein Schein,
|: und damit so fahren wir bei der Nacht,
|: ins Bergwerk ein
Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut’ sein,
|: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht,
|: aus Felsgestein
Der Eine gräbt das Silber, der and’re gräbt das Gold,
|: doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht,
|: dem sein wir hold
Ade, nun ade! Lieb’ Schätzelein!
|: Und da drunten in dem tiefen finst’ren Schacht, bei der Nacht,
|: da denk’ ich dein
Und kehr ich heim, zum Schätzelein,
|: dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,
|: Glück auf, Glück auf!
Eine weitere überlieferte, vor allem im Ruhrgebiet verbreitete Strophe lautet
Die Bergmann’s Leut sein’s kreuzbrave Leut,
|: denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht
|: und saufen Schnaps
Wenn die vorherigen Strophen sitzend gesungen werden, stehen die anwesenden Bergleute bei der oben stehenden Strophe meistens auf. Zudem wird auf größeren Veranstaltungen nach Singen dieser Strophe angestoßen und ein alkoholisches Getränk getrunken.
Des Weiteren kursieren eine Reihe weiterer Strophen, die ähnlich aufgebaut sind, für verschiedenste Gruppen, wie z. B. Hüttenleute, Chemiker, aber auch Hausfrauen. Hierbei enden die Strophen allerdings auf „|: und saufen’s auch :|“.
Oans. Zwao. G´suffa.
* * *
PS: Eine ausführliche Exegese der Schwarzen Barbara vom blonden Heino folgt dann zeitnah anlässlich des nächsten Scheiding.
Seit dem 21. Juni um 07:04 MESZ hat Sonnenkönig Sarastro wieder das unbedingte Sagen. Pamina wird als Tochter der Finsternis schon bald das Helle zu schätzen und lieben lernen und schleckt zur zauberhaften Flötenmusik gerne ein Glacé.
In den momentan bescheidenen Dunkelphasen kann man gegen Mitternacht im Zenit das Sommerdreieck funkeln sehen. Sternenlicht funkelt durch die Lichtbrechung in der Atmosphäre, dagegen leuchten die ISS und andere Reflektoren dann vergleichsweise ruhig und kräftig im Widerschein der Sonne, zumal selbige im Sommer während der Nachtstunden nur knapp unter dem Horizont verweilt. Eine hilfreiche Webseite für Sterngucker ist dabei Heavens Above, welche exakte Bahndaten von irdischen und kosmischen Himmelskörper für den jeweiligen Aufenthaltsort bereit stellt. Trotz der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung wird so das Auffinden der stellaren Lieblingsobjekte ziemlich vereinfacht.
Alle Jahre wieder wird der leidige Winter von Henkersknechten durch die Zürcher Innenstadt eskortiert und der öffentlichen Verbrennung auf dem Sechseläutenplatz zugeführt, wo Punkt 18 Uhr der Fackelwurf eines berittenen Zünfters das Ende des Schneemannes einläutet. Wenn der mit Knallkörpern gefüllte Kopf des Böögg dann endgültig pulverisiert ist, kommt es zum beliebten Volkswurstbraten auf den noch glimmenden Resten des Scheiterhaufens, was jedoch viele stolze Zünfter selbst heutzutage als pure Blasphemie weil zu anarchisch beargwöhnen. In deren patrizialen Augen ist das gemeine Volk nämlich gleich den bloss als Blumenfräuleins geduldeten Frauen sowieso reine Staffage.
Well I’m beginning to see the light
Oh, it’s getting a little softer in the end now
Now-now baby, I’m beginning to see the light
Oh, it’s coming round again
Hey now-now-now baby, I’m beginning to see the light
There are problems in these times but, oh, none of them are mine
Oh baby, I’m beginning to see the light
Am 20. März knallen im Sternbild Widder um 12.02 MEZ wieder die Korken; kometenhaft kehrt das regenerative Licht wieder, um unser Herz, den Verstand und sämtliche Sinne zu verblenden. Heißassa!
Der Sommer beginnt heuer am 21. Juni um 01:09 Uhr und dauert zwei Tage länger als es ein blosses Viertel vom Schaltjahr vermuten liesse – 😉
We starve-look at one another
Short of breath walking proudly in our winter coats
Wearing smells from laboratories facing a dying nation
Of moving paper fantasy listening for the new told lies
With supreme visions of lonely tunes
Somewhere
Inside something there is a rush of greatness
Who knows what stands in front of our lives
I fashion my future on films in space
Silence tells me secretly
Everything
Everything
Singing our space songs on a spider web sitar
Life is around you and in you
Answer for Timothy Leary, dearie
Let the sunshine
Let the sunshine in
The sunshine in
Let the sunshine
Let the sunshine in
The sunshine in
Let the sunshine
Let the sunshine in
The sun shine in…
[Diskurs in der Enge — nebst Änderungen entliehen von ad sinistram]
Die Heimat geht mir verloren. Ich höre oft, Heimat sei Heimat, dahoam sei dahoam – ich habe gesehen, wie einem Menschen die Heimat vergeht, wenn er geht. Heimat ist nicht nur ein räumlicher Begriff – er ist es viel mehr zeitlich. Wenn man sie verlässt, so entflieht man dem Raum, gleichwohl man ihr zeitlich fernsteht. Einfach den Raum wieder einzunehmen, das macht Heimat nicht aus. Meiner Mutter ging die Heimat verloren, sie verließ sie – räumlich und zeitlich. Und irgendwann besuchte sie das, was ihr Heimat war und stets erkannte sie, auch wenn sie es so nie sagte, dass ein Ort niemals ein Ort bleibt, dass er zwar materiell hier ist, dass man ihn betreten kann, dass aber der Ort das Zeitliche segnet. Die Häuser standen noch, der Geist, der in ihnen lebte, geschliffen an Stunden, Wochen, Jahren, er veränderte das Leben am Ort und damit dessen Fassade.
Ob es einen Unterschied macht, wenn man seine Heimat zugunsten eines anderen Landes, einer anderen Mentalität verlässt?
* * *
E Frau sitzt in ere Gelte uf eme Plakat
I lueg´s zwei Minute a aber i merk nöd um wa dass goht.
Und denn fahre mir ab und bime Halt uf Verlange
Stiige mir us und trinked e Stange.
I de Beiz hät´s en Alte wo allne Lüt verzellt
Da seg di ältischt Zahradbahn vo de ganze Welt.
Oder di steilscht, mir losed nume mit eim Ohr.
Mir läsed ime Buech vomene Schwiizer Autor
Aber mir verlüüred üs uf jedere Site
I de Buechstabe und mir wöred gern zahle bitte.
Und Du seisch Heimat isch e grosses Wort
Isch Heimat e Gfühl oder isch es echt en Ort.
Viel Lüt säged am schönschte isch´s immer no dehei
Und viel Lüt säged nei.
Uf de Wiese vor em AKW sind´s Hünd am Dressiere
Nach däre neue Methode wo me ne uf allne viere
Ales vormacht: Sitz und Platz und Sprung.
Und zur Belohnig git´s e Betriebs-Besichtigung.
Aber nöd für d Hünd, die bliibed dusse im ne Gitter
Und dressiered sich so lang halt gegesiitig sälber witter.
Und Du seisch Heimat isch e grosses Wort
Isch Heimat e Gfühl oder isch es echt en Ort.
Viel Lüt säged am schönschte isch´s immer no dehei
Und viel Lüt säged nei.
Wenn im Frühjahr die Tage länger werden, stellt der Körper den Hormonhaushalt um. Es werden verstärkt Endorphin, Testosteron und Östrogen ausgeschüttet. Evolutionsbiologen sind der Meinung, dass dies ein Überbleibsel des geschlechtlichen Jahreszyklus darstellt, wie man ihn bei vielen Tierarten findet. Der Melatoninspiegel im Blut sinkt, die Geschlechtsorgane treten wieder in Funktion, die Zeit der Paarung und des Brütens beginnt.
Am 20. März um 06:14 MEZ beginnt der kalendarische Frühling 2012. Enjoy!
Die winterliche Fron beginnt heuer am 22. Dezember um 6.30 Uhr MEZ.
Falls nicht etwas besonders Gravierendes dazwischen kommt, saust Orbiter Terra 1 eine gute Viertelmilliarde Kilometer (230.659.200 km) weit durchs Weltall, bevor der nächste Zwischenhalt am Frühlingspunkt 2012 innert 89 Tagen (88d 23h 44m) erreicht wird.
Faktencheck:
108.000 km/h Umlaufgeschwindigkeit vom Orbiter Erde um die Sonne
961.200 km/h Umlaufgeschwindigkeit des Sonnensystems innerhalb unserer Heimatgalaxis Milchstrasse