Schlagwort: Zürich
Stadtbild
Soziale Kompetenz bzw. deren Kontrolle ist in der Deutschschweiz das prägende Leitbild. Daher erstaunt jener, von der Unfallprävention der hiesigen Stadtpolizei ausgehängte Aufruf zur Toleranz gegen die allgemeine Verluderung des Zürcher Strassenverkehrs kaum, wenn überhaupt.
™ Summer 2013, Downtown Switzerland
Züripest
Sonntags früh — noch herrscht Ruhe vor dem Sturm. Der Boden ist noch ganz klebrig von der vergangenen Nacht; Spritz- und Kehrwagen der ERZ kämpfen tapfer gegen Müll und Gestank, damit sich das grosse Rad wieder weiterdrehen kann.
Frauenmünster mit Chilbi
Während der drei Tagen des grössten Schweizer Volksfestes, dem von zweieinhalb Millionen Schaulustigen heimgesuchten Züri Fäscht, duftet es in der Innenstadt penetrant nach einer promillestarken Urinmischung. Für Zürcher Nasen ein Fauxpas sondergleichen! Postwendend wetteifern zahllose Deodorant- und Parfumträger aus der Agglomeration im Laufe der Festage um die olfaktorische Dominanz, was zu einer trotzigen Melange eines parfümierten Pissoirs gerät, bevor die Chose von neuem anfängt wieder kräftig und ziemlich eindeutig zu stinken. Et cetera. Man kann deutlich wittern, dass in Downtown Switzerland der KundeBauer König ist. Wildpinklerei ist zwar verpönt, aber bei einem ToiToi auf 3.300 Besucher ist schon mal Not am Mann. Grössenmässig ist das Fest sowieso längst aus dem Ruder gelaufen und durch die dreitägige Urinade wird nicht nur die Bausubstanz der Altstadt bedroht. Weil aber die Instandstellungen Geld und Zeit kosten, kann und darf das Fest wohl auch nur alle drei Jahre stattfinden…
* * *
Zu der diesjährigen Ausgabe des Festes hat sich die Reformierte Kirche Zürich entschlossen sich zu öffnen und im Kreuzgang des Frauenmünsters ein sogenanntes „Refreshing“ anzubieten, nämlich Wasser, Brot und Spiele. Für den mega-reformierten Hobbyschweizer ein ideales Einsatzterrain als über-konfessioneller, da konfessionsloser Helfer.
Der Anspruch der veranstaltenden Reformisten die angeschlossenen Migrationskirchen mit ins Boot zu nehmen war gut und nett gemeint. In meiner Truppe waren Sri Lanka, Iran, Irak, Lettland, Kongo, Afghanistan, Tibet und Angola vertreten und keiner war sich wirklich grün. Auch zwischen den lukullischen Anbietern aus Brasilien, Italien, Finnland und Angola gab es Irritationen und kleine Reibereien. Missverständnisse liessen schnell die üblichen rassistischen Mechanismen Vorurteile zu Tage treten. Nur kamen sie nicht nur von den weissen Langnasen, sondern untereinander und gegeneinander wurde beschuldigt, misstraut und separiert, gestritten und geklaut. Babylon pur.
Genossen habe ich aber den Beginn meiner Frühschichten, als der Festbetrieb noch ruhte und ich mir das Frauenmünster aufschloss, um mutterseelenallein mit der durch die Chagall-Fenster blendenden Morgensonne kurz zu meditieren. Hach.
Wildwechsel
Obige Monsterschnecke war bereits die zweite ihrer Art welche ich nächtens im Familienbiotop aufspürte. Zur genauen Taxierung habe ich eine Franken-Münze beigelegt. Es sollen zwar noch grössere Nacktschnecken existieren, doch dieser enorme Tigerschnegel war mein bislang tollster Fund unter den wirbellosen Spezies. Übrigens sind diese Viecher Nützlinge; die (hunds-) gemeine spanische Wegschnecke steht beispielsweise ziemlich weit oben auf ihrer kulinarischen Wunschliste!
Delikat Essen LI
Who is who
Die Finalstimmung war zwiespältig. Die supranationale Meisterschaft eines internationalen Wettbewerbs zwischen Vetretern nur eines Landes auszuspielen, hat, hm, eigentlich gar keinen Geschmack. Real Madrid gegen Bayern oder Dortmund gegen Barcelona klingt doch viel eher nach einem Leckerbissen als hausgemachter Eintopf. Obwohl der Gewinner bereits vorher feststand, war das Finale scheinbar gar nicht so schlecht; gesehen habe ich schlussendlich aber bloss Fragmente. Der freiwillige Verzicht auf häusliches TV ist erziehungstheoretisch vielleicht sowieso fragwürdig und Internet ist ja schön und gut, aber nicht bei der deutsch-deutschen Heimkehr ins fussballerische Mutterland. Da fehlt einfach was, Publikum zum Beispiel. Die Live-Atmo, das Menschelnde, der Geruch von Schweiss, Angst und wasweissich. Ja, was wusste ich schon…
Also ging ich fast pünktlich los zu der angesagten Sportbar am Idaplatz, wo einen als erstes die gleich am Eingang platzierte Hulk Hogan-Figur in voller Kampfmontur und Lebensgrösse lauernd beäugt. Dann endlich das typische Fluidum von stramm überfüllter Kneipe, nämlich eine ihr Verfallsdatum längst überschritten habende sauerstoffarme Luft mit deutlich wahrnehmbaren Nikotin-, Deodorant- und Alkoholanteilen. Der Wahl-Zürcher Rosenzüchter und Pay-TV-Kommentator Reif haut dann irgendwann die dem wohl momentan herrschenden nasskalten Klima entsprechende Metapfer „Im Mehltau der Taktik“ raus, was eine der zahlreichen weiblichen Zaungäste zu einer etwas überflüssigen Bemerkung veranlasst. Überhaupt hält die blonde Deutsche fast nie die Klappe und hat anscheinend hochgradiges Küppli-Fieber und ist für den BVB. Da sind mir die zwei artig gelbe Trikots tragenden Dortmund-Fans direkt vor mir viel lieber; beide hoch konzentriert aufs Wesentliche, nämlich das Spiel. Der eine hat sogar extra ein niedliches Kreuz aus Kreppband über seinen schwarzgelben Götze 10-Rücken geklebt. Die zwei deutschen Gastarbeiter links neben mir unterhalten sich etwas zu laut über ihre ach so tollen Jobs bei UBS und anderen Geldwäschereien und scheinen gar nicht zu begreifen, dass heute Abend „wichtig-ist-auf-dem-Platz“ gespielt wird. Als kurz nach der Halbzeitpause die Teutonien regierende Kanzlerin eingeblendet wird und ein erheblicher Teil meiner verblendenter Landsleute in blinder Heimatliebe tatsächlich in „Angie-Angie“-Sprechchöre verfällt, ist mir der Spass vergangen und genommen und ich weiche freiwillig vor derart Deutschtümmelei im Ausland.
Bei der ziellosen Überlegung, ob ich denn überhaupt noch etwas von der gerade stattfindenden Live-Übertragung von „Made-in-Germany“ erdulden mag, stosse ich in der Langstrasse auf eine ausgelassene Gruppe sich intensiv unterhaltender taubstummer Jugendlicher, deren Anblick mir irgendwie sympathisch erscheint. Die hinter dem animierenden Treiben liegende Eckkneipe bietet einladend eine Grossleinwand, airkonditionierte Luft und deutsches Qualitätsfernsehen ohne Reif. Beim Eintreten registriere ich erstaunt, dass ich während meiner Ziellosigkeit das Führungstor der Roten verpasst habe, bin aber rechtzeitig zum Elfmeter für die Gelben wieder richtig drin im Spiel. Ich bin mir relativ sicher, dass der Grüne von den Roten den gelben Penalty halten wird. Als dann wider Erwarten der Ball eindeutig im Netz zappelt und der ganze Laden aus voller landsmännischer Freude tobt, bemerke ich, dass hier gar keine Taubstummenparty stattfindet, sondern es sich bei der Eckkneipe um ein fest in Secondo-Hand befindliches türkisches Internetcafe handelt! Gündogan, oweh, können die Roten nicht mal den Özil Mesut hoam bringen? Ich jedenfalls nichts wie raus, das Spiel geht unentschieden weiter.
Da kommt mir die Mars-Bar in den Sinn, eine Hardcore-Fussballkneipe, die gerne von relativ entspannten FCZ-Anhängern frequentiert wird und wo ich vorurteilsbewusst keinerlei trikottragende Teutonen oder scheinassimilierte Türken erwarte. Kaum bin ich drin, klärt ein Gelber vor einem einschussbereiten Roten gefühlte 3,8 Zentimeter vor dem linken Torpfosten. Einfach unglaublich, der Ball war doch schon drin! Wahnsinn, wie der Gelbe das Runde da noch weg haut. Reeeeschpekt. Zeitgleich mit dem brillanten Tackling ertönt neben mir ein emotional total durchgeknallter Gelbseher, dessen Gesichtsfarbe rasch ins Rote wechselt. Der hochdeutsche Berserker brüllt mittlerweile inbrünstig und mit einer nach dringend stationärer Behandlung schreiender Lautstärke eigentlich unaussprechbare Verwünschungen gegen die rote Nummer 33 samt dessen überhaupt nicht mit tuender Mutter. Mannomann. Ich fühlte mich an die späten 90er erinnert, als ich in einer Kreuzberger Institution namens Weisse Taube ein Spiel Gelb gegen Rot verfolgte, welches meine damals noch akute Fussballfaszination aufgrund der an jenem Abend im bierseligen Kneipenpublikum erlebten Agressivität erheblich und nachhaltig linderte. Überhaupt ist die fehlende Bereitschaft zur abgeklärten Abstraktion, eine durch zahlose Seven-Army-Gewaltmärsche scheinbar verloren gegangene gesunde Distanz zu der hemmungslosen Event-Sucht das wirklich Abschreckende im modernen Fussball-Spektakel.
Noch bevor sich der irrsinnig gewordene Typ wieder ein kriegte, war ich wieder an der frischen Luft.
Das an den vielstrangigen Geleisen, welche alle zum naheliegenden Zürcher HB führen, gelegene Piccolo Giardino war dann mein kleines persönliches Finale. Keinerlei Hektiker am Start, Alkoholpegel der Gäste im Schweizer Normalbereich und gute Bildqualität im kühlen Freien. Detail am Rande: keine Frontalbeschallung, sondern der Sound wird mittels kleiner Transistorradios auf FM 104kommasonstwas in tischgerechten Häppchen sanft serviert. Schöne Sache das. Das Wichtige ist wieder auf dem Platz und der ganze Rest im Äther. Kurz darauf sieht man die Kräfte der Gelben langsam schwinden. Rot drückt, schiesst oft und trifft zu guter Letzt ziemlich schön. Lautlos bereite ich kurz die Arme in die eiskalte Vollmondnacht und wandle anschliessend stocknüchtern aber seltsam erheitert zurück auf meinen heimatlichen Berg. Zudem war die Gewissheit, dass man sich nicht mir nichts, dir nichts einfach einen Verein aussuchen kann, weil einen der Verein nämlich schon selber aussucht, wieder viel viel deutlicher zu spüren. Unterwegs schnappe ich noch die üblichen TV-Bilder von weinenden Verlieren und überschwänglichen Siegern auf. Einige der Sieger haben ihre jeweiligen Nationalfahnen um die Hüften geschlungen — einem der übermütigen Roten hängt ein weisses T-Shirt aus der Sporthose, auf dem ein schlichtes Herz nebst den Worten Papa und Mama prangen. Dieses Schlussbild steigerte meine Erheiterung ins fast schon Groteske und ich war mit dem Abend zur Gänze versöhnt.
Zero Points
Wie üblich riss die Schweizer Delegation beim ESC nicht allzu viel. Was soll auch eine homophobe Freikirche beim europäischen Hochfest der Gay Community? Die Armee ohne Namen war in Malmö ohne Uniform einfach schlaff, zu brav und viel zu bieder.
Warum nur huldigen die Eidgenossen meist allzu gerne dem scheinheiligen Konsens? Der Stoiker Jack war doch ein überaus valabler Kandidat im hiesigen Vorentscheid und ebenfalls völlig neutral ununiformiert. Yeah.
Flashback
Feueralarm
Alle Jahre wieder wird der leidige Winter von Henkersknechten durch die Zürcher Innenstadt eskortiert und der öffentlichen Verbrennung auf dem Sechseläutenplatz zugeführt, wo Punkt 18 Uhr der Fackelwurf eines berittenen Zünfters das Ende des Schneemannes einläutet.
Wenn der mit Knallkörpern gefüllte Kopf des Böögg dann endgültig pulverisiert ist, kommt es zum beliebten Volkswurstbraten auf den noch glimmenden Resten des Scheiterhaufens, was jedoch viele stolze Zünfter selbst heutzutage als pure Blasphemie weil zu anarchisch beargwöhnen. In deren patrizialen Augen ist das gemeine Volk nämlich gleich den bloss als Blumenfräuleins geduldeten Frauen sowieso reine Staffage.
Schönheitszahlen
Unentschieden
Unter den interessierten Augen von Gary Kasparov erreichten alle Spieler des Zürcher Einladungsturnieres zur Halbzeit zufrieden den Remishafen.
Kasparov und Sosenko, Gelfand staunt
Sechs Unentschieden in sechs Spielen klingt zunächst langweilig, doch auf diesem Niveau neutralisiert man sich halt öfter als dem Spektakel lieb ist. Die Partien der dritten Runde waren dennoch keineswegs steril oder anämisch, was zum Grossteil an der aggressiven Eröffnungswahl beider Schwarzspieler lag. Zudem spürte man eine sich zunehmend aufladende Atmosphäre, nachdem sich der das Schach jahrzehntelang dominierende und ehedem unumstrittene Weltranglistenerste im Turniersaal zeigte.
Die zuletzt beendete Partie dauerte immerhin satte sechs Stunden und war dank der ungleichen Materialverteilung spannend und unterhaltsam und deren Ausgang bis zum Schluss ungewiss.
Caruana,Fabiano (2757) — Kramnik,Vladimir (2810)
Zuerich Chess Challenge, Round 3
(A62 Benoni, Fianchetto V)
1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.g3 c5 4.d5 exd5 5.cxd5 d6 6.Nc3 g6 7.Bg2 Bg7 8.Nf3 O-O 9.O-O Re8 10.Bf4 a6 11.a4 h6 12.Re1 Bf5 13.Qc1 g5 14.Bd2 Nbd7 15.h4 g4 16.Nh2 Kh7 17.Nf1 Ne5 18.Bf4 Bg6 19.Ne3 h5 20.a5 Qc7 21.Ra4 Kg8 22.Qd2 Nfd7 23.Ra2 b5 24.axb6 Qxb6 25.Be4 Bxe4 26.Nxe4 Ng6 27.Nxd6 Nxf4 28.Nec4 Nh3+ 29.Kf1 Qb8 30.Nxe8 Qxe8 31.Qc2 Ne5 32.Nd6 Qd7 33.Nf5 Bf8 34.Ne3 c4 35.Qf5 Qxf5 36.Nxf5 Bb4 37.Rd1 a5 38.Raa1 f6 39.Rac1 Bc5 40.Nd4 Kf7 41.Kg2 Rb8 42.Rc2 Rb4 43.d6 Rb6 44.Nf5 Bxf2 45.d7 Nxd7 46.Rxd7+ Ke6 47.Rh7 Kxf5 48.Rxh5+ Kg6 49.Rxa5 Rb4 50.Ra6 Bd4 51.Rc6 Bxb2 52.R6xc4 Rxc4 53.Rxc4 Kh5 1/2
Im Publikum überwiegt eindeutig das graue Haupthaar
Schachkurs
Anlässlich des Jubiläums vom Zürcher Kandidaten-Turnier anno 1953, welches sich damals satte zwei Monate (!) Zeit nahm, um aus 15 Kandidaten denjenigen herauszufiltern, der es mit dem amtierenden Weltmeister aufnehmen sollte, findet ein im direkten Vergleich eher schmächtig anmutendes doppelrundiges Vierer-Turnier am Paradeplatz statt. Immerhin hat der geldgebende russische Diamantenhändler sich wiederum das Savoy Baur en Ville und diesmal sogar den aktuellen Weltmeister geleistet. Dazu noch dessen letzten Herausforderer, den Ex-Champ und einen vielleicht zukünftigen Herausforderer.
Überraschend stark war die rechnergestützte Medienpräsenz; alleine aus dem russischen Sprachraum waren vier 2er-Teams anwesend, die lebhaft live kommentierten. Hat der Diamanten-Oligarch vielleicht grössere Pläne? Dazu Mr. Transmission himself Macauley Petersen aus den USA, Chessbase aus Hamburg und ein Reporter aus Indien. Sowieso waren etliche Inder im Publikum auszumachen und einige liessen sich mit ihrem Champ nach seiner Remis-Partie stolz ablichten.
Neben den Anand Anhängern (der Schachweltmeister ist in Indien seit Jahren ein Volksheld und nach Eiger, Mönch und Jungfrau momentan ein weiterer lässig zu bezwingender Swissness-Gipfel) waren die Kippa-bewehrten Gelfandis die zweite auffällige Fangruppierung. Obwohl just an jenem Tag Purim war und rings um die Synagoge im Kreis 3 die sonst strikt schwarz gewandeten Ultraorthodoxen mit weissen Zylindern, weissen Jackets und giftgrünen Krawatten flanierten, waren die jüdischen Schachenthusiasten eindeutig moderat gekleidet.
Auch der Rest des Publikums war vor allem männlich und, wie hierzulande seit jeher tradiert, weitgehend neutral. Leider war der besuchte Sonntagnachmittag etwas blutleer, was das Geschehen auf den karierten Spielfeldern anbetrifft. Da stand kein Brett in Flammen, es kam nicht zu dramatischen Zeitnot-Schlachten, und so war nur wenig Sitzfleisch vonnöten, um das für professionelle Schachspiele mit vier Stunden recht kurz anhaltende Geplänkel an den zwei Tischen durchzuhalten.
Sicher geht es auch hier um Ratingpunkte, aber so ein Einladungsturnier macht halt leider eher vorab satt und träge. Hinzu kommt, dass nächsten Monat in London das weitaus wichtigere diesjährige Kandidaten-Turnier stattfindet und zwei der Kandidaten hier am Start sind, welche sich natürlich nur ungern die häusliche Vorbereitung entlocken lassen, zumal der Titelverteidiger quasi vom Nebentisch aus neugierig kibitzt.

Anand, Gelfand, Kramnik, Caruana — der Flyer selbst ist ziemlich fade
Der Hobbyschweizer nimmt dennoch gerne an dem gratis erteilten Schachkurs teil, wird weiterhin sein Sitzfleisch tapfer stählen und sich in der bizarren Welt der Bourgeoisie am Paradeplatz tummeln.
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Zeitschinder
Die Credit Suisse gab bei ihrer Bilanzpressekonferenz bekannt, die diesjährigen Bonus-Zahlungen bis kurz vor Ostern versteckt zu halten:
Da freut sich die wirtschaftsliberale Denkfabrik Economiesuisse, die so weiterhin recht ungestört mit Shock & Awe-Szenarien ängstigen darf.
Ablasshandel
Neuerdings sind in Zürich ganz in der Nähe einschlägig bekannter Orte umgerüstete Parkuhren mit rotem Regenschirm-Symbol platziert.
Gibt es hier womöglich Eintrittskarten für die Heilsarmee?
Kaum. Auch keine Regenschirme. Die Stadt Zürich will unbedingt den anschwellenden Sexarbeitsmarkt regulieren. Bordsteinschwalben müssen neben obligatorischer Arbeitsbewilligung und Krankenversicherung nun für die Zeit zwischen 19h und 5h zudem eine Stehplatzkarte vorweisen.
Auf dem Zürcher Strassenstrich wird zunehmend osteuropäisch verkehrt
Einkaufsstrassenstresstester
Delikat Essen XLVII
Räblischwur
Was dem Halloween der Kürbis, ist für den kantonalen Zürcher die Räbe. Ritzen und Schnitzen, bisschen Rübe ab, Kerze rein und ab ins Dunkle.
Fast ausschliesslich für die beliebten Kinderumzüge werden die Räben tonnenweise im Umland angebaut. Mit gerade hundertjähriger Tradition boomt der damit noch recht moderne Brauch stimmungsvoll und antiglobal in seiner lokalen Nische. Die Detailhändler Migros und Coop verbannten unlängst die allermeisten Halloween-Artikel wieder aus ihrem Sortiment und offerieren lieber authentische Räben zum Selberschnitzen. Heile Welt wärmt.
Weisse Hölle Uetliberg
Der erste Schnee der Saison ist jedes Mal wieder neu und aufregend. Natürlich muss man den frischen Schnee probieren und schmecken und dessen Konsistenz fachkundig auf Rodelverhalten und Ballgefühl überprüfen. Falls Frau Stirnimaa Holle jedoch weiterhin derart handfest die Betten ausschüttelt, sieht es hier bald so aus wie sonst im Oberland.

Weils´aber noch Oktober ist und reichlich feucht ist die jüngst gefallene Schneemenge im Schweizer Mittelland triefnass und pappschwer. Mangels Gefälle droht keine unmittelbare Lawinengefahr, aber bei plötzlich auftretenden Naturgewalten ist ja immer etwas Vorsicht geboten. Den hinterlistigen Anschlag eines in der Siedlung umher streunenden Sniper-Duos konnte ich gerade noch verhindern, da ich nach den ersten Schneebällen auf das zum Lüften verlockend weit geöffneten Fenster, die aber alle knapp in die Fensterläden krachten, bereits aufgeschreckt auf der Hut war, doch statt des selbigen flugs meine Yeti-Maske aufsetzte.
Die half prima und die frechen Buben flüchteten schnell ganz verängstigt und verloren sich alsbald im immer dichter werdenden Schneegestöber…

























