Hansa Zürich

Nachdem das einst auch Zürich überflutende erdgeschichtliche Randmeer vor Millionen Jahren sich endlich aus der Gegend um Zürch zurückzog, konnte man schon bald nach der Stadtgründung im verbliebenen Seebeckenausfluss prima Sauf-Feste feiern.

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Zu be­schau­licher Grösse gewachsen bemühte der bescheidene Seekurort Zürich alsdann gerne die einwanderte Italianità, um die geschäftige, aber doch arg spröde Deutschschweizer Metropole mit ein wenig maritimen Flair zu aromatisieren. Inzwischen genügt diese Duftmarke nicht mehr und Zürich will Meer und eine richtig flotte Hafenstadt werden. Dazu wurde aus Rostock ein brach stehender Hochsee-Hafenkran importiert, um hierorts zumindest temporär etwas Verwirrung zu stiften.

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Natürlich gab es lange Debatten, Abstimmungen, Einsprüche und Rekurse zu diesem Projekt. Selbst eine noch anhängige Volksabstimmung zur künftigen städtischen Raumplanung wurde auf den Wege gebracht, nur um zu vermeiden, dass in Zukunft weitere 90-Tonnen schwere Ideen ins Stadtbild einfliessen. Bis dahin wird aber die Verwandlung der Limmat-Gestade unmittelbar vor dem Zunfthaus zum Rüden von einer Live-Schaltung rund um die Uhr weltweit dokumentiert.

Hafenkran Zürich, Hafenkran Zürich 2014

Apropos: schon ein Meeresanstieg um schlappe 500 Meter würde reichen, und der olle Kran stünde nimmer im Trockenen.

Voll Panne

Das Panini-Fieber grasiert momentan heftig und führt zum rapiden Schwund des Sackgeldes. Natürlich blüht auch der Tauschhandel; Edel-Reservist Shaqiri ist dank Heimvorteils drei beliebig andere Kicker wert. Darüber hinaus spielen die Kids in der Zwergensiedlung so eine Art Schlagspiel, um rasch und günstig an noch mehr Bildchen zu kommen.

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Zuerst legt jeder Duellant eines seiner Panini-Bildchen verdeckt auf den Boden, dann wird um den Erstschlag geknobelt und anschliessend mit der flachen Hand auf die beiden Bildchen geschlagen. Falls sich eines oder beide durch Schlagwirkung bzw. den kurzfristigen Unterdruck auf die Portraitseite drehen, sind diese gewonnen. Ansonsten wird solange weiter gedroschen, bis die Bildchen ihren rechtmässigen Besitzer finden. Freilich leiden die Bildchen unter dieser Behandlung etwas, aber kleben tut eh kaum einer…

Yom Huledet Sameach

Vor 110 Jahren wurde der Sänger Joseph Schmidt geboren. Bald nach seiner Übersiedlung in die Reichshauptstadt Berlin erlebte er dank Rundfunk und Schellack einen rasanten Aufstieg. Die Machtergreifung 1933 führte jedoch zu einem abrupten Ende seiner Karriere in Deutschland, gefolgt von zahlreichen Etappen der Vertreibung und Flucht.

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Bis vor Kurzem hatte ich keine Ahnung, dass der berühmt-vergessene Tenor ein Nachbar ist. Gleich nebenan auf dem Jüdischen Friedhof haben Schweizer Freunde ihm die letzte Stätte bereitet, nachdem er auf der Flucht vor dem Grossdeutschen Räuber- und Mördersystem völlig ermattet nicht mehr weiter konnte. Gerade mal 38 Jahre jung ist Schmidt geworden — sein Stern aber strahlt weiter!

Wikingerschach

Glücklich, weil am Ende noch knapp, aber verdient hat Carlsen in seinem ersten Turnier als Weltmeister das Zürcher Schach-Spektakel gewonnen. Der Gegenwind für den Führenden ist tendenziell meist rau — mal abwarten, ob Magnus der Erste seine Segel wirklich so früh streicht, wie manch Szenekundige es bereits jetzt prophezeien. 64 Felder sind sicher nicht die Welt, aber zumindest für die crème-de-la-crème der Schachwelt eine dank zahlungskräftiger Gönner durchaus lukrative Parallelwelt.

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Die spinnen, die Wikinger

Sah man Model-Athlet Carlsen eben noch im edlen Saale spielend am Schachbrett, findet man den Champ nun auf einem Werbeplakat hängend an der ganz gemeinen Bushaltestelle:

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Die immerhin von Schach inspirierte Kampagne findet ihre genretypisch virale Verbreitung via youtubeChess for Kids.

Freakshow

Zur vierten Runde erschien viel Prominenz und es gab noch mehr Andrang. Doch ausser nörgelnd drängelnder Deutschen nahmen die übrigen Anstehenden die Geduldsprobe in der Warteschlange tapfer hin. Die peinlichen Nörgler forderten Eintrittskarten, auf welche die Organisatioren jedoch aus weiser Voraussicht verzichteten, weil sonst die Veranstaltung rasch ausverkauft wäre und ausser den glücklichen Kartenbesitzern das gemeinhin darbende Schachvolk sich nicht am Genuss grossmeisterlicher Schachdarbietung in gediegener Atmosphäre laben könnte. Helvetische Ega­li­tät ist mega.

Botschafter Charles Aznavour beglückte die armenische Gemeinde mit seiner Anwesenheit und alle Partien fanden eine finale Entscheidung. Nakamura stürzte sich gegen Aronian ins Schwert und gab einen Zug vor Schachmatt auf, Carlsen opferte Material, doch seine zentralen Mehrbauern waren danach frei genug, um die Begegnung mit dem Kronprinzen Caruana zu entscheiden. Gelfand fehlte am Ende schlicht die Zeit alle Komplikationen gegen Ex-Champ Anand korrekt durchzurechnen.

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Aznavour darf für Landsmann Aronian der ersten Zug ausführen

Die mittlerweile dritte Auflage der Zurich Chess Challenge ist eindeutig die attraktivste. Der Kampfeswille ist augenscheinlich und selbst wenn in der letzten Runde alle Partien unentschieden ausgingen, läge die Remisquote immer noch unter 50% Prozent — eher unüblich für Schach auf solchem Niveau. Und das Niveau ist verdammt hoch; nächsten Monat findet das so genannte Kandidatenturnier statt, in welchem der kommende Herausforderer für Meister Carlsen gefunden werden soll. Da will sich keiner eine Blösse geben und der Champ will zeigen, wo der Hammer hängt. Hammer Carlsen („It was a fun game today“) hat es hier allen gezeigt und bereits jetzt einen neuen Ratingrekord aufgestellt.

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Aber warum trägt der Kerl immer das falsche Trikot?

Bête noire

Der russische Juwelen-Höndler Oleg Skvortsov lud heuer wieder einmal zum Schach in Zürich und diesmal gleich sechs Topspieler inklusive des noch ziemlich frisch gebackenen Weltmeisters aus Norwegen ein. Somit ist das Zürcher Einladungsturnier das stärkste Turnier aller Zeiten. Der Andrang ist daher riesig, der Eintritt immer noch gratis und das Schach noch spannender, weil sich jeder mit dem neuen Champ messen will.

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Händedruck zu Beginn der Partie

Schach ist heutzutage vor allem ein Internet-Event und weltweit sind es zigtausende Schachfans, welche den Partien der Grossmeister online folgen. Die Schar der live übertragenden Journalisten ist für eine Randsportart recht imposant und in Norwegen wird Schach aufgrund Carlsens Popstarkalibers neuerdings selbst im dortigen Sport-TV gezeigt.

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Schach ist in Norwegen — wie Stricken — Fernsehtauglich

Der entfachte Medien-Hype um und dank der Werbeikone Magnus Carlsen zeigt deutliche Wirkung und auf Hemd und Sakko trägt der lässige nordische Held mittlerweile fünf verschieden Logos seiner Sponsoren.

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Nach der Partie: How in the world could I mess this up?

Beinahe aber wäre der Weltmeister in der dritten Turnierrunde gestrauchelt und sogar gefallen; zu arglos reagierte er auf einen wuchtigen Flügelangriff seines US-amerikanischen Kontrahenten, doch wie heisst es so treffend: nichts ist schwerer, als eine gewonnene Partie zu gewinnen.
Grossmeister Nakamura stand fast zwanzig Züge lang eindeutig auf Gewinn, bevor er es kurz vor der ersten Zeitkontrolle doch noch völlig vermasselte. Als dann der Meister aller Klassen am Drücker war liess er diesen nicht mehr los, sondern seinen Gegner kopfschüttelnd zurück.
Im Zürcher Spielsaal war der radikale Umschwung karmatechnisch direkt spürbar — das war Achterbahn auf 64 Feldern und mir als einfacher Klötzchenschieber alleine schon vom Zusehen noch auf der Heimfahrt schwindelig.

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Das Norwegische Sportfernsehen interviewt die Nummer 1

Im Privatduell Carlsen-Nakamura steht es damit nach Siegen 9-0 bei 15 Unentschieden. Zumindest kann man dem Top-5-Spieler Nakamura keinesfalls mangelndes Selbstvertrauen vorwerfen

Shit happens all the time, even on a chess board.

Last orders !

In Zürich wird das Oktoberfest bis in den November hinein gefeiert, während das Original schon vor 140 Jahren geschäftstüchtig in den meteorologisch eindeutig optimistischeren September verlegt wurde.

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Sowieso erstaunlich, dass trotz aller Ressentiments gegenüber den nördlichen Biertrinkern das bescheidene Plagiat inmitten der Stadt seit bald 20 Jahren ausgerichtet wird.

Pecunia non olet und Schweinebraten mit Gemütlichkeit im Landhausstil über alles! Heute ist auszapft, und das ist auch gut so…

Ackermannzeitalter

Mitleser mainstreet philosophiert im Kommentarbereich auf Spiegel-Online zwar ohne Komma und anderen Schnickschnack, aber bei vollem Bewusstsein über die Folgen kapitalistischer Ausbeutungsmechanismen und empfiehlt Entscheidern zu­vör­derst ein gut bewährtes Ausstiegsszenario:

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Viele Menschen sagen das das Leben das einzige ist was wir haben und das man versuchen muss mit dem wenigen was wir sind und haben etwas anzufangen und es ist bedauerlich wenn sich Personen die finanziell gut gestellt sind keinen Sinn mehr im Leben sehen was auch sicherlich außerhalb des Arbeitslebens und des Arbeitsplatzes begründet sein kann weil man immer nur sieht das andere auch arbeiten und Geldverdienen und es die Hippies der Sechziger nicht mehr gibt die es immer ohne Arbeit oder mit wenig um die halbe Welt schafften und einfach zufrieden waren mit etwas Haschisch aus dem Gewächs des Hanfes. Nach einem erfolgreichen Arbeitsleben wenn man finanziell gut gestellt wäre könnte oder konnte man das dann immer noch in Erwägung ziehen. Aber die Zeiten haben sich geändert auch durch die Wirtschaft und Computer und eines erbitterten Konkurrenzkampfes wo jeder die Kosten minimiert . Gerade weil es heute Arbeit im Überfluss nicht mehr gibt wie in den sechzigern gibt es auch keine Bewegung mehr wie die Hippies die Arbeit schlicht und einfach ganz mies finden auch wenn es einen anderen Ausdruck dafür gibt.-
Aber jeder sollte daran glauben das die Hippies wiederkommen damit das Leben wieder Flower und Power wird und sich das Leben lohnt.

Eine Zeit ohne Perspektive zu Arbeit und Gewinn ist eine verlorene Zeit und natürlich kommt es auf das Verhältniss an. Selbsmorde in dieser Kategorie von Menschen deuten immer in diese Richtung und es ist traurig so etwas zu erleben auch für Herrn Ackermann und das muß man eben einfach verstehen und Aussteigen wie Herr Ackermann ist ein Weg den auch die Hippies immer bestritten und zum Glück führen kann.