Danger in Züri

Vor dem Konzert war ein Spendenmarathon angekündigt: für jeden Nazi der beim Volkshaus erschiene gäbe es 50 Franken fürs Solinetz. Entgegen der grossmäuligen Ankündigung kam keiner der Totschläger Typen, die sich ungeniert mit Blut und Ehre schmücken. Daher wurde analog mit einer durchs Publikum gereichten Spendenbüchse für die in der Migrationsarbeit engagierten NGO gesammelt, 5.000 Stutz sollten es schon werden – den Rest lege er drauf, versprach Dan. Ziemlich erfreut und etwas gerührt tauchte der Hobbyschweizer als zahlendes Mitglied ohne Atemholen ganz tief ein.

Gegeben wurde zweieinhalb Stunden lang alles: schöne und verwirrende Schattenspiele, solidarische Aufrufe und ungeschminkt Persönliches bis hin zur offen eingestandenen Peinlichkeit. Überraschend wurde die Rote Rose in Kreuzberg als Lieblingskneipe genannt sowie besungen. «Betreutes Trinken in Berlin Xberg seit 1983» lautet deren Claim und sogar die NZZ weiss längst Bescheid.

Mit clever arrangierter Musik begleitet durch Klavier, Schlagzeug und einem fabulösen Streichquintett wurde die Stimmung pünktlich zum namensgebenden Titelsong von Album und Tournee auf den Siedepunkt gebracht. Der Klang nicht ganz so klinisch rein wie im KKL vor mehr als zwei Jahren, war doch das Setting auch ein völlig anderes – Antifa brodelte quasi thematisch permanent auf der Bühne wie im Publikum. Und die Zeiten haben sich im Rückblick betrachtet doch arg schnell und drastisch geändert und das leider nicht zum Guten. Grad drum war es fast schon therapeutisch mit den vielen, vielen Gleichgesinnten die Faust zu recken und den Slogan KEINE ANGST mehrfach und gemeinsam richtig laut auszurufen.

Transsubstantiation

Das aktuell grassierende Virus bewirkt eine gespenstisch wirkende Wesensveränderung: Furcht, Abwehr, Misstrauen und Xenophobie sickern ein. Chancenlos scheinende Rationalität. Galgenhumor und Panik als mulmige Zerrbilder im medialen Feuerwerk. Hier wird Feststellung der Personalien gefordert, dort sind Zusammenkünfte vorsorglich ganz abgesagt. Dort schliesst man Grenzen, hier riegelt man ab. Hier nach Auslandsbesuch Quarantäne, dort Einreiseverbote. Fluchtreflexe scheitern an willkürlichen Grenzen. Fallzahlen dominieren Nachrichten, ernsthaft wird Social Distancing lanciert. Konjunktur für asoziale Wucherer und falsche Propheten.  Wie oft bei unklarer Bedrohungslage zerfällt die Gesellschaft in zwei Lager: die besonnen Mahner und die hektischen Apokalyptiker. Angst irritiert. Angst inflationiert. Angst katalysiert. Angst generiert Hass.

Dieser schleichenden Vergiftung des Zwischenmenschlichen muss das Gegengift in Form von Menschlichkeit ausdauernd verabreicht werden.

 

First Contact

Der Tagesanzeiger erklärt wie die Zürcher Virus-Detektive vorgehen:

Wer mit einem Corona-Infizierten engeren Kontakt hatte, erhält schon bald einen Anruf vom sogenannten Contact Tracer.

Tritt dieser Fall ein, wird die Person isoliert und gepflegt – und es beginnt die Arbeit der sogenannten Contact Tracer. Sie haben die Aufgabe, alle Personen zu ermitteln, die in den vergangenen Tagen engeren Kontakt zur infizierten Person hatten. Zielpersonen sind jene, die mindestens eine Viertelstunde lang in einem Abstand von bis zu einem Meter in Kontakt zur infizierten Person standen.

Zusammen mit dem Corona-Patienten wird eine Liste dieser Personen erstellt. Die Contact Tracer telefonieren ihnen und halten sie an, zu Hause zu bleiben. Zudem erkundigen sich Spezialisten täglich nach dem Befinden. Auch wird bei Bedarf die Versorgung sichergestellt. Weitere Personen, die zum Beispiel mit der Kontaktperson wohnen, sollen ausziehen. Hier kommt bei Bedarf wie bei der Versorgung der Zivilschutz ins Spiel, der Räumlichkeiten vermittelt.