Schäbigschick

Nachdem im Zürcher Fussball-Derby der in der Weltklasse-Stadt angesagte lässig-schicke und vintagemässig voll auf Understatement gebügelte Dresscode nicht ganz so eingehalten wurde, wird es künftig vermutlich ein paar Geisterspiele im zugigen Letzigrund geben.

Dem ganzen Schlamassel vorangegangen war ein pupertärer Fahnenklau und der daraufhin überschäumende Testosteronpegel gab dem Fest schliesslich den Rest. Tatsächlich sind Hools & Fools im international zweitklassigen Schweizer Fussball noch immer erstklassig.

Beim vom Hobbyschweizer am selbigen Nachmittag en passant beäugten Viertligaspieles (2:7) sah dagegen selbst die Stadionwurst anregend familienfreundlich aus. Und Schwingfeste sind sowieso der reinste Kindergeburtstag mit lauter SVPlern netten Würsten.

Schwingungsleere

Zum Abschluss des diesjährigen Lehrgangs wurde als saisonaler Höhepunkt die Bachtel-Schwinget im Zürcher Oberland begutachtet. Kaiserwetter und der Jodelclub Scheidegg krönten den nett gelegenen kleinen Schwingplatz, von dem aus ein hübscher Balkonblick über den Zürichsee in die alpine Bergwelt ins Auge fiel.

Sowieso werden künftig nur noch ausgewiesene Bergfeste anvisiert, sofern einem der Himmel nicht gänzlich auf den Kopf fällt.

Ein laut Ansager „tausend Kilometer östlich von Moskau“ beheimateter junger Schwingerfreund sorgte für internationales Flair und gewann unter herzlichem Applaus immerhin seinen letzten Gang. Beim Intermezzo Steinstossen wurde mit dem 43 Kilo schweren Bachtelstein gestossen, bloss war der gar nicht aus Käse. Die nach einem leichtsinnigen Hebeversuch gerade im Entstehen gefühlte akute Zerrung am Hüftbeuger verhinderte vorzeitig die Aufnahme des Wettkampfes durch den etwas überheblichen Hobbysstosser.

Masseneinwanderung

Diego Orlando Benaglio (* 8. September 1983 in Zürich) ist ein Schweizer Fussballtorhüter.

Stephan Lichtsteiner (* 16. Januar 1984 in Adligenswil) ist ein Schweizer Fussballspieler.

Johan Djourou (* 18. Januar 1987 in Abidjan, Elfenbeinküste) ist ein Schweizer Fussballspieler ivorischer Herkunft.

Philippe Sylvain Senderos (* 14. Februar 1985 in Meyrin) ist ein Schweizer Fussballspieler spanisch-serbischer Abstammung.

Reto Ziegler (* 16. Januar 1986 in Genf) ist ein Schweizer Fußballspieler.

Blerim Džemaili (* 12. April 1986 in Tetovo, SFR Jugoslawien, heute Mazedonien) ist ein Schweizer Fussballspieler albanischer Abstammung.

Gökhan Inler (* 27. Juni 1984 in Olten) ist ein Schweizer Fussballspieler mit türkischer Abstammung.

Xherdan Shaqiri (* 10. Oktober 1991 in Gjilan, SFR Jugoslawien) ist ein Schweizer Fußballspieler kosovarischer Herkunft.

92. Min: Nassim Ben Khalifa (* 13. Januar 1992 in Morges) ist ein schweizerisch-tunesischer Fussballspieler.

Granit Xhaka (* 27. September 1992 in Gjilan, Kosovo) ist ein kosovo-schweizerischer Fussballspieler.

88. Min: Gelson Fernandes (* 2. September 1986 in Praia, Kap Verde) ist ein Schweizer Fussballspieler.

Admir Mehmedi (* 16. März 1991 in Gostivar, Mazedonien) ist ein Schweizer Fussballspieler.

84. Min: Innocent Emeghara (* 29. Mai 1989 in Lagos, Nigeria) ist ein nigerianisch-schweizerischer Fussballspieler.

Eren Derdiyok (* 12. Juni 1988 in Basel) ist ein Schweizer Fussballspieler mit kurdischen Wurzeln.

Ottmar Hitzfeld (* 12. Januar 1949 in Lörrach) ist ein deutscher Fußballtrainer.

Sauschwaben

Schwaben tun sich nicht nur mit dem Zungenschlag schwer. Auch in Sachen Zuneigung von Nicht-Schwaben benötigen sie dringend Nachhilfe. Ein Zeitungsausträger aus Berlin-Neukölln hat jüngst gestanden, aufgrund chronischem «Schwabenhass» Kinderwagen im Bezirk Prenzlauer Berg abgefackelt zu haben.

Porno-Hippie-Schwaben raus aus Mitte! — selbst die joviale Mittwoch-Schicht im Stimmungslokal Mysliwska versuchte mit solchen Parolen bereits um die Jahrtausendwende den angehenden Hobbyschweizer vom Barhocker zu moppen — doch, Moment mal, Feuer hin, Brand her: sind die in Schwabenhausen zuhauf abgefackelten Automobile nicht fast allesamt süddeutscher Provenienz?

Audi, BMW und Mercedes-Benz sind unser Unglück?!

Von der Eidgenossenschaft wurde seit den Schwabenkriegen ein klarer Grenzstrich gezogen und der nachbarschaftliche Streit mit den Schwaben beschränkte sich auf blosse Verbalinjurien. Seit aber die nördlichen Nachbarn auf der Suche nach Milch und Honig vermehrt den Rhein überqueren, sinkt die Reizschwelle wahrnehmbar.

Noch spielt die sich naiv gebende rechtsnationale SVP heutzutage nur mit faschistoider Propagandaästhetik. Sie würde sich kaum erlauben, das im obigen Plakat (mit grenzwertigem Humor) vom Juden zum Schwaben mutierte Feindbild zu übernehmen, obgleich derartige Personifikationen ziemlich treffend das paranoide Weltbild ihrer Anhänger beschreiben.

Die SVP ist aber bauernschlau genug, die zugewanderten Sauschwaben aller Länder für die Migrationsfolgen in der Schweiz haftbar zu machen und der eifrig geschürten Angst vor Überfremdung das Heilsversprechen einer Helvetisierung entgegenzusetzen.

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PS: Historische Hintergründe zum Thema Sauschwaben hier.
Ein eher zeitgeistliches Essay findet sich da.

Hetzkampagne

Zeitungsinserat der Schweizerischen Volkspartei:

Schweizer sind nett.
Schweizer sprechen langsam. Schweizer wählen gerne.
Schweizer verseuchen den Rhein. Schweizer spielen schlecht Fussball.
Schweizer horten Schwarzgeld. Schweizer vergewaltigen Frauen.
Schweizer bauen Bunker. Schweizer schlagen Deutsche.
Schweizer sind langweilig.

Verschnupft

Investigativer Journalismus fischt auch im trüben Wasser und so liess das Schweizer Fernsehen jüngst eine Kläranlage der Stadt Zürich auf etwaige Drogen-Rückstände untersuchen.

Vielleicht erkennt ja das Staats-TV in der nächsten Folge nach dem ravenden Zusammenhang mit dem Koksboom einen generellen zum Finanzplatz…

Gewaltmarsch

Mit ihrem permanenten Wahlkampf verstärkt die Schweizer Volkspartei («Schweizer wählen SVP») die latent vorhandenen Ängste der (Land-) Bevölkerung mit fremdenfeindlichen Motiven auf aggressive Weise.

Nach Überstehen des (gewollten) Kulturschocks kommt dem verblüfften Hobbyschweizer das Schunkellied «Die lustigen Stiefel marschieren über Polen» von DAF anno 1980 in den Sinn.

Das Spiel mit nationalsozialistischer Propaganda funktioniert halt prächtig:
Guggus? Dada!

Killermärchen

Im Durchschnitt waren sie klein und kräftig. In den ersten Tagen meinte er, alle hätten Kröpfe. Sie hatten diese kurzen und stämmigen Nacken, wenig Hinterkopf, eine niedrige und kantige Stirn, darunter zwei Augen mit einem stechenden Blick. Eigentlich blickten sie einen nicht an, sie musterten. Sie hatten ein hartes Leben, aber sie waren stolz darauf.

(aus: Wilhelm Tell für die Schule von Max Frisch)

Schaibu, schaibu!

Im Mai wurde der Schweizer Erstligaverein Xamax Neuchâtel von einem milliardenschweren Rohstoffhändler übernommen. Der tschetschenisch-stämmige Mogul feuerte fast die gesamte Belegschaft auf und neben dem Platz und kündigte sämtliche Sponsorenverträge. Sodann wurde etwas Tschetschenen-Ornament ins neugestaltete Vereinswappen eingepflegt und die Aufmunterung des Publikums erfolgt nun zusätzlich in Kyrillisch.

Überdies wollte der Oligarch den Geldwaschvollautomaten Fussballclub in Neuchâtel Xamax Vainach* umbenennen, was jedoch aus technischen Gründen (Einsendeschluss verpasst) noch versagt blieb.

*„Der Begriff Vainach (Unser Volk) für das tschetschenisch-inguschische Ursprungsvolk ist (…) patriotisch stark aufgeladen“

PS: Zum Saisonauftakt erlitten 5.000 Hobby-Tschetschenen bei immerhin freiem Eintritt eine 0-3 Heimniederlage.

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[edit 25.07.2011]
Entlassung des gesamten Trainerstabes nach Auswärtsniederlage am zweiten Spieltag.

[edit 26.07.2011]
Tschetschenen-Zar verfügt die Absetzung des (von ihm selbst eingesetzten) Vereinspräsidenten.

[edit 20.08.2011]
Die bislang sieg- und torlose Tschetschenen-Filiale Xamax schiesst zwei Tore und holt drei Punkte in Zürich.

[edit 18.01.2012]
Xamax Flasche leer: Auschluss aus dem Ligabetrieb.

[edit 02.02.2012]
Ende Januar kommt der tschetschenische Clubbesitzer wegen «ungetreuer Geschäftsbesorgung» in U-Haft.

Zureich

Bandenwerbung für Auswärtige:

Zugegeben: oben wurde ein überflüssig scheinendes „Z“ nebst Umlaut weg retuschiert und so machts ja auch Sinn.

Nach den heimeligen Claims „Little Big City“ und „Downtown Switzerland“ erklärt Zürich Tourismus Stadt und Kanton nun schlicht zur Weltklasse.

Geltungsbedürfnis + heimische Silberdistel = Swissnessklasse.

Schmitt Pál szerintem is pojáca!

Szervusz miteinand!

Pál Schmitt ist ein Hanswurst. Echt jetzt!

Nachdem das hier und jetzt geklärt ist, schlagen wir flugs einen grossen Bogen von den nationalbesoffenen Magyaren über das alte (Schweizer!) Geschlecht der Habsburger mitsamt ihren etwas seltsamen Riten hin zu einem pathologisch ebenfalls sehr interessanten hiesigen Hanswurst.

Bis auf die Hohlwelttheorie scheinen alle gängigen Verschwurbelungen mustergültig erfasst worden zu sein. En garde!

Hang zum Hang

Am Zürihorn lauschte ich im Frühjahr zum ersten Mal dem wahrhaft wunderlichen Klang eines live gespielten Hang (Berndeutsch für Hand), ein Metallkorpus mit eingekerbten Resonanzfeldern, auf denen perkussive Tonfolgen mit den Händen erzeugt werden. Fasziniert von dem bislang unbekannten Klangspektrum konnte ich dem kajalgeschminkten jungen Musiker immerhin entlocken, dass die Schweizer Erfinder des Instruments es eben schlichtwegs Hang nennen.

Meine anschliessenden Recherchen ergaben, dass ein Original-Hang nicht einfach so zu erwerben sei, sondern man sich dafür quasi bewirbt, um unter Umständen eingeladen zu werden, sich direkt bei den Hangbauern einen Klangkörper aussuchen zu dürfen — ein etwas komplexes Vorgehen. Allerdings scheinen die Erbauer ein alchemistisches Verfahren für die Metallbearbeitung entwickelt zu haben, wohl ursächlich für die kosmisch klingenden Klänge.

Erfreut hörte ich wenige Wochen später den Strassenmusikanten wiederum am Seeufer sein Ding spielen und diesmal konnte ich sogar ein paar Töne einfangen.

Reproduziert klingt die Klangschüssel jedoch nicht annähernd so eindrücklich wie in der Echtzeit, Obertöne und Nebenschwingungen lassen sich einfach nicht einsperren…

Für sich weiter in die Materie einarbeiten wollende Klangforscher liegt ein netter Multilayer mit hübscher filmischer Umsetzung von und mit dem professionellen Hangspieler Manu Delago genau hier bereit — enjoy!

Unspunnen

Als die von Napoleon eingerichtete Helvetische Republik noch vor der Schlacht von Austerlitz ihr Ende feierte, gefiel es dem Berner Bürgertum ein Älplerfest zu organisieren. Stadt und Land sollten wieder näher zusammenrücken, gemeinsame Wurzeln erkennbar und das nationale Pathos reanimiert werden. Vielleicht waren die Eidgenossen es auch einfach leid, mit einer farblich fragwürdigen Trikolore in Verbindung gebracht zu werden und strebten nach markenreiner Swissness.

Volkssport und Brauchtum trafen sich 1805 bei Interlaken erstmals zum fröhlichen Miteinander. Anfang September 2011 kommt es aufgrund der sehr unregelmässigen Wiederholungen zur erst 11. Auflage des Unspunnenfestes, dem Wimbledon der Eidgenössischen Älplerfeste.

Der originale Unspunnenstein ging im Lauf der Zeit schlicht verloren. Die Steinstosser beschafften sich im Berner Oberland einen Ersatzstein, welchen Jurassische Freischärler 1984 entführten. Der Konflikt zwischen Bern und Jura scheint auch nach der Kantonsneugründung von 1978 munter weiter zu schwelen, der Schwelbrand selbst begierig auf symbolbefrachtetes Gestein zu sein.

Der von den Kidnappern durch das Anbringen von Europasternen entweihte Stein wurde zwar 2002 zurückgegeben, doch kurz vor dem letzten Fest erneut entwendet und an seiner Stelle ein Pflasterstein mit Jura-Wappen zurückgelassen. Bei dieser Aktion schimmerte immerhin etwas Humor durch…

Jüngst nun die nächste Schreckensmeldung: für das diesjährige Fest musste „aus gesundheitlichen Gründen“ der bereits getaufte Siegerstier ausgetauscht werden!

Volksbräuche haben es echt schwer.

Sexologie

«Alle sind sie geile Tiere, nur vom Vögeln wird gequatscht» ätzte Salomé farbecht in Super-8 im Berlin der 80er ins Mikrophon.

Eidgenossen sind offensichtlich giggerig. Wie das im Zugabteil verwaist zurückgebliebene Westschweizer Revolverblatt Le Matin titelt, haben die Schweizer sogar Lust auf mehr und erreichen in der hausgemachten Gruppensex-Rangliste den ehrenhaften Bronzeplatz in Europa — Respekt!

Zufällig wurde am selben Tag im Nordostschweizer Blick am Abend die brünstige Serviertochter Heidi mit ihrem auserlesenen Musikgeschmack und ziemlich ausgefallenen Hobby vorgestellt:

Sprachgrenzenlos oversexed and underfucked — perhaps.

Kiffer Gang

Für pauschalreisende Individualtouristen hat railtour.ch im aktuellen Reisekatalog (auf Seite 10) einen bewusstseinserweiternden Lustwandel im Sonderangebot:

Hier noch zwei Gratis n.

Yo, Kiffen ist Mainstream und seit Clinton muss man nicht mal mehr inhalieren. Und weil zudem in den Niederlanden seit Kurzem verboten ist, in einschlägigen Coffee Shops Ausländern Stoff zu verkaufen, bleibt es wohl beim reinen Sightseeing für Kinder ab 18.

Skiheil

Die Schweizerische Volkspartei ist bekanntlich immer für einen guten Spass zu haben. Unlängst stellte einer der aufrechten SVPler im Parlament den Antrag das Hissen der Europaflagge in der Schweiz zu verbieten, weil durch «diese hinterhältige Praxis» eine «symbolische Manipulation» erfolge. Dem ärgsten Manipulator — dem Internet nämlich — wollte er das Europa-Logo gleich mit verbieten lassen…

Auf der Suche nach Kandidaten mit einem ähnlich stramm eidgenössischen Profil für die anstehenden Nationalrats-Wahlen ist die SVP bei einem Ex-Skirennfahrer und passionierten Baggerfahrer in Davos fündig geworden.

Eine amüsante Realsatire aus der Graubündner Bergwelt.