Kaum hundert schon tot.
Hundert kaum tot schon.
Schon hundert kaum tot.
Tot kaum hundert schon.
Kategorie: Findlinge
Klimawandel
Der Stadtzürcher Orgelbeauftragte testierte anlässlich der jährlich anstehenden Auswertung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit im jakobinischen Kirchenraum periodisch wiederkehrende Muster, welche nicht mit den handelsüblichen Gottesdiensten korrelierten.

http://youtu.be/54el7hLCmyw
Ringelpietz mit Anfassen macht warm und feucht plus Aufwind.
Zeitnot
Das Fortschrittsversprechen hält nicht mehr – der Widerspruch von Beschleunigung und Zeit entzweit den modernen Menschen. Technischer Fortschritt wird zwar gerne als Zeitgewinn beworben und doch lässt sich die Zeit nicht sparen oder vermehren, sondern bloss verdichten. Mehr tun in weniger Zeit lautet die Devise. Der Zeitdruck in Beruf und Freizeit nimmt dramatisch zu: beispielsweise spart Email zunächst vermeintlich Zeit, was aber in der Folge schon rein mengenmässig ins Absurde gekehrt wird; technische Apparaturen dienen nicht nur der Beschleunigung von Arbeitsabläufen sondern auch deren Vervielfältigung. In der Freizeit gilt das Primat der Selbstoptimierung und sogar Entschleunigung wird so zum Stressfaktor. Jedwede gesellschaftliche Resonanz tritt folglich mehr und mehr in den Hintergrund.
Once I had a love and it was a gas
Soon turned out to be a pain in the ass
Seemed like the real thing, only to find
Mucho mistrust, love’s gone behind
© Debbie Harry/Chris Stein
Die Verheissung namens Fortschritt wird zum Zwang: falls man sich nicht optimiert, effizient aufstellt, eine Strukturanpassung durchführt, ist man der Konkurrenzsituation nicht gewachsen. In einer wettbewerbsbasierten Gesellschaft herrscht notorische Unruhe, so dass Angst ein Hauptantriebsfaktor ist, der einen auf die Akkumulationsschiene treibt.
Für Soziologe Hartmut Rosa ist das kapitalistische Wirtschaftssystem ursächlich für die dramatische Beschleunigung seit dem 18. Jahrhundert. War dessen Versprechen vor allem Bedürfnisbefriedung und ein besseres Leben, was noch für jede Elterngeneration bezüglich der Zukunft ihrer Nachkommen gesellschaftlicher Konsens war, so zeigt sich heute, dass durch steigendes Wachstum selbstzerstörerische Kräfte freigesetzt werden. Nicht nur in der Umwelt entstehen irreparable Schäden, sondern auch im Menschen, wenn er zunehmenden Zeitdruck nicht mehr standhält.
«Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken.»
(F. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches – Chemnitz 1878)

Die Turbogesellschaft leidet unter Zeitdruck, die Zeit geht scheinbar aus, weil durch technische Beschleunigung mehr Welt möglich erscheint, jeder Arbeits- und Urlaubsplatz dank Auto, Bahn oder Flugzeug jederzeit erreichbar ist. Zugleich wird Zeit zum knappen Gut und die herrschende Grundorientierung immer absurder: noch mehr tun, noch effektiver mit der Zeit haushalten und dennoch geht man am Ende des Tages immer öfter als schuldbewusstes Subjekt zu Bett, da meist Aufgaben und Dinge bleiben, die man nicht erledigt hat, abgesehen von der permanent wild wuchernden alltäglichen To-do-Liste. Erhaltung durch Akkumulation und Steigerung ist das grosse Paradoxum im Kapitalismus, bereits Stillstand bedeutet ökonomischen Abstieg im gesellschaftlichen wie persönlichem Rahmen.
Gemäss Hartmut Rosa war Wissen für die allermeisten Kulturen wie ein wohl behüteter Schatz: von der Nahrungssuche über kultische Handlungen bis zur Vorratshaltung wurde dieser Schatz einst umsichtig tradiert. In der Moderne wird aus dem Wissenschatz die Wissenschaft, eine Dynamisierung, welche es nicht darauf anlegt Wissen zu transportieren, sondern viel mehr Fragen stellt als beantwortet. Dies ist ein völlig neues Konzept von Wissen, Forschung wird wichtiger als Lehre, das Weitergeben von Wissen. Die Wissen*schaft* lebt davon, dass sie fortlaufend neue Fragen stellt, neue Ergebnisse und Erkenntnisse erzielt, Grenzen des Gewussten systematisch ausweitet. Rosa zufolge war für den beginnenden Beschleunigungsprozess jene Änderung der institutionellen Grundstruktur massgeblich, nämlich dass nur durch Steigerung die gesellschaftliche Formation erhalten werden könne.
Die einstige Hoffnung, die Grundangst ökonomischer Knappheit durch das kapitalistische Wirtschaftssystem aufzulösen ist heutzutage einer neuen Existenzangst gewichen, der mittlerweile globalisierte Existenzkampf verursacht hierbei noch mehr zeitlichen Druck. Dieser aber wirkt nicht nur von aussen, sondern fordert nach der Optimierungslogik auch andauernd das Beste aus sich selbst heraus zu holen. Entfremdung, der Zwang nach mehr Weltverfügung steigt durch technischen Fortschritt: Aneignung, Optimierung und Ansammlung sind Anforderungen und Stressfaktoren zugleich. Jene Beschleunigung kann bewirken, dass die Welt unnahbar fremd und leer, fast schon als totes Material erscheint, es fehlt der Zugang und winkt der Burnout.
Die moderne Angst, quasi den Faden zur Welt zu verlieren, obwohl man sie zu kennen und zu beherrschen meint, hält Esoterikboom und Fundamentalismus den Steigbügel; diese sind bei jeder Ungewissheit sofort zur Stelle: ohnehin findet emotional aufgeladene und überladene Symbolik gerade dort ihr Zielpublikum und bietet allerlei Versprechungen.
Jedwedes Resonanzverhältnis aber ist ähnlich der Kommunikation aufgebaut: ein Buch quer zu lesen spart Zeit, doch fehlt dabei die Anverwandlung. Damit das Buch mich tatsächlich erreicht, berührt, etwas in mir bewirkt, muss ich mir Zeit nehmen, zulassen, dass überhaupt eine Resonanzbeziehung entstehen kann. Dasselbe gilt für die Rezeption von Musik, das Geniessen der Natur, die zwischenmenschlichen Beziehungen überhaupt — der Faktor Zeit bleibt allgegenwärtig und in der Tat bestimmend.
Stickermania
Flower Power
Desiderata
Go placidly amid the noise and haste,
and remember what peace there may be in silence.
As far as possible without surrender
be on good terms with all persons.
Speak your truth quietly and clearly;
and listen to others,
even the dull and the ignorant;
they too have their story.Avoid loud and aggressive persons,
they are vexations to the spirit.
If you compare yourself with others,
you may become vain and bitter;
for always there will be greater and lesser persons than yourself.
Enjoy your achievements as well as your plans.Keep interested in your own career, however humble;
it is a real possession in the changing fortunes of time.
Exercise caution in your business affairs;
for the world is full of trickery.
But let this not blind you to what virtue there is;
many persons strive for high ideals;
and everywhere life is full of heroism.
[ˈbæŋkzi]
Be yourself.
Especially, do not feign affection.
Neither be cynical about love;
for in the face of all aridity and disenchantment
it is as perennial as the grass.Take kindly the counsel of the years,
gracefully surrendering the things of youth.
Nurture strength of spirit to shield you in sudden misfortune.
But do not distress yourself with dark imaginings.
Many fears are born of fatigue and loneliness.
Beyond a wholesome discipline,
be gentle with yourself.You are a child of the universe,
no less than the trees and the stars;
you have a right to be here.
And whether or not it is clear to you,
no doubt the universe is unfolding as it should.Therefore be at peace with God,
whatever you conceive Him to be,
and whatever your labors and aspirations,
in the noisy confusion of life keep peace with your soul.With all its sham, drudgery, and broken dreams,
it is still a beautiful world.
Be cheerful.
Strive to be happy.
Max Ehrmann, 1927
Spam Poetry
Neues Juwel frisch aus dem Spamordner:
Ich bin Frau Tessy Enendu aus Kuwait. Ich bin an Herrn Anthony Enendu verheiratet. die mit Kuwait Botschaft in der Elfenbeinküste arbeitete fünf Jahre, bevor er im Jahr 2013. Wir waren für 11 Jahre ohne ein Kind verheiratet gestorben. Er starb nach kurzer Krankheit, die nur vier Tage dauerte. Vor seinem Tod waren wir beide Christen.
Seit seinem Tod habe ich beschlossen, nicht zu heiraten oder sich ein Kind außerhalb meines ehelichen Wohnung. Als mein verstorbener Mann lebt er hier in Abidjan hinterlegt die Summe von $ 5 Millionen (fünf) Millionen US-Dollar) in der Bank von Afrika war, Derzeit ist der Fonds immer noch mit der Bank, die vor kurzem Mein Arzt sagte mir, dass ich ernste Krankheit, Krebs Problem.
Die eine, die mich am meisten stört ist meine Krebskrankheit Nachdem bekannt mein Zustand habe ich beschlossen, diesen Fonds an eine natürliche Person, die dieses Geld die Art und Weise werde ich hier anweisen, Ich möchte eine Person, die diesen Fonds für Waisenhäuser, Witwen verwenden wird zu nutzen spenden, Verbreitung des Wortes Gottes und sich zu bemühen, dass das Haus Gottes wird immer beibehalten. Die Bibel hat uns zu verstehen, dass Selig ist die Hand, die, geben wird. Ich traf diese Entscheidung, weil ich nicht jedes Kind, dass dieses Geld erben müssen, Dies ist, warum ich bei dieser Entscheidung.
Ich habe keine Angst vor dem Tod damit ich weiß, wohin ich gehe. Wieder ich brauche keine Telefon-Kommunikation in dieser Hinsicht wegen meiner Gesundheit. Sobald ich Ihre Antwort erhalten mit der Versicherung, dass Sie entsprechend wie gesagt handeln würde, ja, soll ich bei der Bank kontaktieren, um freundlich zu bewirken, die Fondsübertragung auf Ihr Bankkonto über es in Ihrem Land,
Ich möchte Sie und Ihre friedliche Familien, immer beten für mich, weil mein Arzt hat mir mitgeteilt, dass ich brauche, um eine Operation so schnell wie möglich zu unterziehen, die ich bete, dass der Herr dein Geist berühren und während Sie die richtige ist, dass Gott sein will gegen diese Projekt zur Unterstützung der Armen, Witwen, Waisenhäuser und am Ende zu verwenden, gibt dann sein Name wird durch Sie der Auserwählte zu verherrlichen werden.
In der Hoffnung auf Ihre Antwort erhalten sofort.
Gott segne euch und eure Familien mein Gebet Amen ist.
Mit freundlichen Schwester in Christus,
Tessy Enendu
Oh my gosh.
Der vom Schreibroboter entwickelte Dubstep-artige Rhythmus wird durch die stilsichere Zeichensetzung raffinierte kontrapunktiert. Das vorliegende Grundthema basiert auf dem legendären hohen C (wie Christ) und wird durch das universell tiefe k-moll (Krebs) in gefühlige Schwingung versetzt. Schon die Aussicht auf irdische Belohnung erscheint himmlisch, wobei die deutlich avisierten guten Taten karmatechnisch zusätzliche Euphorieschübe kreieren. Konträr dieser Gefühlslage und womöglich destruktiv wäre ein quasi kakaphonischer Telefonterror, welcher wohlweislich antizipatorisch und kategorisch negiert wird. Das hier in epischer Breite vorgelegte Kunststück nährt die Hoffnung auf weitere hochentwickelte ambrosische Sprachblüten der automatisierten Übersetzungstechnik.
Delikat Essen LXIV
Erst kommt der Fresser, dann das Moral.
Bad Taste
Nicht wirklich neues aus dem Spam-Filter:
Ich grüße euch im Namen unseres Herrn Jesus Christus,
Ich bin Frau Angelika Herrmann, eine Witwe leiden lange Krankheit (Krebs), habe ich einige Fonds die ich von meiner späten liebevoller Ehemann Dr. Herrmann Manfred, der Summe (USD$4.900.000, 00), die er in der Bank hinterlegt geerbt hier und ich brauche eine sehr ehrliche Christian Bruder oder eine Schwester, dass diese Mittel für die Werke Gottes zu verwenden wird, und 15% werden für die Entschädigung für diese Arbeit Gottes zu sein.
Ich traf diese Entscheidung, weil ich nicht jedes Kind, das diesen Fonds übernehmen müssen, wieder ich und mein verstorbener Mann geschworen, unsere letzte Reichtum nutzen, um die weniger Privilegierten zu helfen, da wir keine Kinder haben, bin ich nicht Angst vor dem Tod damit ich weiß, wohin ich gehe. Bitte, wenn Sie wäre in der Lage, diesen Fonds für die Unterstützung der weniger Vorrechte und Unterstützung in der christlichen Wohltätigkeitsorganisationen zu verwenden; bitte kontaktieren Sie mich wieder für weitere detaillieren.
Gott segnen Ihre Familie,
Frau Angelika Herrmann
Meine Güte, werden es die Übersetzungsroboter nie lernen?
Oder ist das Ausgangsmaterial bereits derart sinnbefreit?
Plutographie
New Horizons rückt Pluto langsam auf die Pelle.
Aus Bildern der Raumsonde New Horizons hat das Johns Hopkins Institut der NASA eine nette GIF-Animation erstellt. Zu sehen ist die zeitgeraffte Rotation Plutos und seines Mondes Charon aus einer Entfernung von 24 bis 18 Millionen Kilometern.

Der Fly By der Sonde ist für den 14. Juli angesagt; die Entfernung von Pluto zur Erde beträgt dann rund 4,77 Milliarden Kilometer, was (dividiert durch die Lichtgeschwindigkeit) einem Funksignalweg von viereinhalb Stunden entspricht.
Bankrun
Falls in der Schweiz ein Run auf die Franken-Automaten anstünde, wäre er wahrscheinlich eher gesittet, wie das hilfsbereite Post-it eines Bankomaten-Kunden erahnen lässt. Ausserdem beruhigend: das Land besitzt sowieso mehr als genug Geldreserven.
Zudem wird der Eidgenosse ständig daran erinnert Vorräte anzulegen «Kluger Rat — Notvorrat», wobei der Armeechef natürlich mit gutem Beispiel stets vorweg marschiert. Gut, der letzte Sonnensturm ging nochmal glimpflich ab, aber steht nicht der Russe Flüchtling Grieche bereits draussen vor der Türe?
Delikat Essen LXIII
Kuschelkreuz
Während der Deutschschweizer Reformator Huldrych Zwingli selbst noch die eher harmlosen Orgeln aus den Kirchen entfernen liess, standen Bildersturm und Feierlaune im Lutherland in einem viel ausgewogeneren Verhältnis. In reformierten Kirchen der Schweiz findet man bis heute kaum ein Kreuz, geschweige denn ein Kruzifix. Fast 500 Jahre nach dem Big Bang gibt es aus dem grossen Kanton nun das wattierte Symbol für den gutmenschlichen Preis von knapp 100 Euronen. Abgesehen von der pekunären Chuzpe ist rein figürlich betrachtet das Ganze eine überraschend gelungene Demaskierung der protestantischen Ethik im Geist des Kapitalismus, n´est-ce pas?
Kunst sells.
Master klein 0815
3099 — ja — drei null neun neun. Hörsch mich? Hörsch mich — du ich machs nur kurz , wolle mir morge was mache — ich weiss, ich bin grad im Zug, da isch net so guter Empfang. Hi Chris, hier ist die Nina. Du, wenn das Gespräch abbricht, hier gibts Funklöcher — ich hab das Kursprogramm für Auffahrt geändert. Hi, hast du mein Whatsapp, äh, SMS, nein, Email-Reminder gekriegt? Also wenn es dich nicht stört, dass es mich immer wieder raushaut, dann ziehen wir das durch. Ist ja für dich ärgerlich. Ok, ja. Ja. Also nochmal, duplizieren kann ich ja, nur. Ja. Ja. Ok. Hm. Jetzt musst du die drei letzten Sätze wiederholen, ich habe dich gerade nicht mehr gehört. Hihi. Also den Zeitraum Pfingsten, oder oder vielmehr Auffahrt. Hm. Hi, also der Chris hat den Zeitraum Auffahrt erstellt, aber er zeigt ihn nicht an. Der soll stattfinden. Auffahrt gegeben, ja ja. Verehrte Reisende — in Kürze erreichen wie Horb. Alle Anschlüsse werden erreicht. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung links. Hast du gesehen den Eintrag. Ja du, ich bins. Sag mal, ist das nadelnde Geräusch normal? Aber ich sehs nicht auf der Webseite! Dacht ich mir. Ich wollt es bloss sagen. Ja. 3099. Jaa. Ja, um wieviel? Bis viertel vor zehn. Ja, Master klein nullachtfünfzehn. Yes. Genau. Genau! Also einfach in Aborn und du siehst es ja dann. Du kannst mir auch gerne ein Whatsapp schicken. Super! Danke dir. Tschau! Entschuldigung, hält der Zug auch in Walldorf? Das weiss ich nicht, ich fahr nur bis Stuttgart. Das Zugteam begrüsst die zugestiegenen Fahrgäste des Intercitys Richtung Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt und wünscht ihnen eine angenehme Reise. Entschuldigung, den Platz habe ich reserviert. Ja, bis er eingenommen wird. Ist da noch was frei? Jemand zugestiegen? Fahrkarten bitte. Jemand zu-ge-stiegen, Fahrkarten bitte. Ja vielleicht d gross. Ich hab dich grad nicht gehört. Auh. Oh ja. Hallo? Hallo? Ha-llooo! Ja. Ich hör dich grad net. Ja. Ja. Nee. Nee, ich glaub nicht. Hallo? Ja. Ich habs eingegeben, aber seh es nicht auf der Webpage. Wenn ein Kurs um 13 Uhr beginnt, werden dann alle anderen auf inaktiv gestellt? Hallo? Ha-llo? Nächster Halt Böblingen. Verehrte Reisende, sie werden in Böblingen alle Anschlüsse erreichen. Vielen Dank für das Fahren mit der Deutschen Bahn, der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung links. Dear passengers. Hallo? Hallo! And wishes you a pleasent journey.
Okkasion
Tanz den Mai
Thx Jack.
Budgetkult
Executive Summary*
Im Jahr 1996 lancierte die Migros mit M-Budget eine Eigenmarke der tiefsten Preiskategorie. Die Einführung dieser Billiglinie war mit dem Ziel verbunden, die eigene Wettbewerbsposition im Discount-Bereich zu stärken und damit eine Abwanderung der preissensiblen Kundschaft zur zunehmenden Konkurrenz zu verhindern. Gleichzeitig sollten die Grossfamilien und die weniger kaufkräftigen Haushalte finanziell entlastet werden. Dadurch, dass einzelne Produkte von M-Budget in den Qualitätstests von Kassensturz und K-Tipp immer wieder gute Ergebnisse erzielten, oder die Konsumenten selbst positive Erfahrungen mit M-Budget machten, wurden die Produkte immer häufiger auch von anderen Schichten gekauft und bald in der ganzen Bevölkerung beliebt. Eine eigentliche Zielgruppe existiert deshalb heute nicht mehr. M-Budget wurde mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis verbunden und als eine Marke wahrgenommen, die bewusst auf ein aufwändiges Design und eine teure Warenpräsentation verzichtet, um trotz tiefer Preise eine angemessene Qualität anbieten zu können. Als das M-Budget-Sortiment ab Ende 2003 erstmals um einzelne Gebrauchsartikel erweitert wurde, die nur in limitierter Auflage erhältlich waren, brach, vor allem unter den Jugendlichen, eine regelrechte M-Budget-Euphorie aus. Die Migros begriff schnell, dass diese Artikel besonders bei den Jugendlichen gut ankommen und richtete die Sortimentserweiterungen deshalb gezielt auf diese Gruppe aus.
Neben einem Snowboard, einem Skateboard oder einem Prepaid-Angebot für Handys, wurde eine Party-Serie gestartet, die über mehrere Jahre in allen grösseren Schweizer Städten Halt machte. Gleichzeitig brachte die Migros das Wort Kult in Umlauf und nutzte den Hype unter den Jugendlichen aus, um M-Budget als Kultmarke zu verkaufen und diesen Begriff zu verbreiten. Dazu wurde im Internet ein M-Budget „Kultshop“ eingerichtet, in welchem es Kleidung und Accessoires im M-Budget-Design und zu M-Budget-Preisen zu erwerben gab. M-Budget wurde schnell in der ganzen Schweiz als Kultmarke anerkannt und auch in den Medien wurde dieser Begriff im Zusammenhang mit M-Budget oft verwendet. Dabei schien sich niemand ernsthaft Gedanken zu machen, woher dieser Begriff kam und was er überhaupt bedeutet.
Laut Definition wird Kult als die Verehrung einer Gottheit angesehen und die damit verbundenen spirituellen Handlungen in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt. Nach heutigem Verständnis und auf die Markenwelt angewendet nimmt der Begriff eine etwas andere Bedeutung ein. Demnach muss eine Marke, die einen Kultstatus erreichen will, über eine klare Identität und Persönlichkeit verfügen, eine eindeutige Einstellung repräsentieren, also Ausdruck eines bestimmten Lebensstils sein, und in der Wahrnehmung einer bestimmten Gruppierung dauerhaft eine Sonderstellung einnehmen. Dazu braucht es neben einer überzeugenden Qualität und einer klaren Positionierung auch immer eine gewisse Kreativität. Die Marke muss sich also mit etwas Ungewöhnlichem von der Konkurrenz abheben. Oftmals steht dabei eine Ästhetik im Vordergrund, die mit den gesellschaftlichen Normen kollidiert und nur eine subkulturelle Gruppe anspricht. Wichtig ist auch ein über viele Jahre oder sogar Generationen beständiger und einheitlicher Auftritt, denn nur eine Marke, die eine aussergewöhnliche Idee langfristig erfolgreich umsetzt, kann eines Tages einen Kultstatus erlangen.
Die Migros hat die zunehmende Preisorientierung der Konsumenten Ende der 90er Jahre frühzeitig erkannt und mit der Lancierung von M-Budget ein Zeichen gesetzt. Durch den grossen Sparcharakter konnte M-Budget viele Sympathien gewinnen. M-Budget ist in der ganzen Schweiz bekannt und verfügt über eine angemessene Qualität. Das Image von M-Budget in der Öffentlichkeit ist grösstenteils positiv. Darüber hinaus verfügt die Marke über eine klare Persönlichkeit und konnte in der Vergangenheit immer wieder mit der kreativen Umsetzung ihrer Idee punkten. Das spezielle Design von M-Budget hebt sich zudem deutlich von Konkurrenzprodukten ab, beinhaltet eine gewisse Selbstironie und wird von der breiten Masse eher als unästhetisch wahrgenommen. Darüber hinaus könnten die M-Budget-Parties durchaus als Kultrituale, Verehrung und Pflege der Marke an gesehen werden. Die Grundvoraussetzungen zur Erreichung von Kultstatus wären bei M-Budget also durchaus gegeben.
Wurden während dem M-Budget-Hype die Jugendlichen, die die Marke oftmals regelrecht gelebt haben, als Hauptzielgruppe und mögliche Kultanhängerschaft in den Mittelpunkt gerückt, ist M-Budget inzwischen auch bei dieser Gruppe zum Alltag geworden, da die Überraschungseffekte seitens der Marke ausblieben und einige Konkurrenzanbieter mit zu ähnlichen Konzepten in den Markt drängten. Zudem wurde das Sortiment mit aktuell 652 Produkten zu unübersichtlich, wodurch die Marke ihren speziellen Reiz verlor. Die Sonderstellung von M-Budget in den Köpfen der Jugendlichen verschwand und die Kernzielgruppe als dauerhafte Pfleger und Verehrer der Marke löste sich auf. Heute wird die Marke zwar immer noch von grossen Teilen der Bevölkerung geschätzt, doch nimmt M-Budget längst keine herausragende Stellung mehr ein, wird weder verehrt, noch als aussergewöhnlich empfunden, da zu viele vergleichbare Angebote existieren. Der Marke M-Budget kann deshalb kein Kultstatus zugeschrieben werden.
* Marketing Analyse am Institut für BWL der Universität Zürich
Gelegenheit
Evangelisierung
Kretschmann: Ja, dabei ist die Wirklichkeit doch ganz anders:
So christlich wie heute waren wir noch nie in unsrer Gesellschaft!
ZEIT: Wie bitte?
Kretschmann: Das Evangelium wird doch in unserer heutigen Zeit mehr denn je gelebt – bloß dass es nicht immer draufsteht. Nehmen Sie die Ideale des Sozialstaats oder der Bewahrung der Schöpfung oder der Würde des Menschen, das sind doch durchgreifende Erfolge der Evangelien in der heutigen Welt.
(Auszug aus einem Interview in: Die Zeit)
Golddeckung
"Fußball steht für die Schönheit der Arbeiterklasse" #museumderbildendenkünsteleipzig #mdbk #leipzig #neinzurbl pic.twitter.com/jqiPyb0ZQG
— Falscher Neuner (@Farnkraut) February 7, 2015













