Meditative Pizza in der Zürcher Seebahnstrasse
Autor: swisspa
Legalizeit
Anfang November wird in Kalifornien über die völlige Freigabe von Cannabis abgestimmt. Damit wird auch die Entscheidung gefällt, ob im US-Bundesstaat die Kreuzung Swiss Sativa mit einer Schoggi-Geschmacksnuance legal angebaut werden darf.
Die Zahl der Yay-Sayer dürfte dort drüben ähnlich hoch sein wie in der Schweiz, wo 2008 eine Legalisierungs-Initiative immerhin 36,8 Prozent Zustimmung erhielt. Hinterliesse der in Bälde abtretende Gouvernator ein Kifferparadies, wäre dies zweifellos eine reine Skurrilität.
Cannabis wird zunehmend gesellschaftsfähig und für die selbstgebastelte Heimorgie hier noch ein paar mutige Cocktails.
Bom schankar.
Bilderrätsel III
Zugluft
Inszeniertes Hochamt mit Durchschlag. Höhlenmenschen im medialen Taumel. Schnäbelnde Bundesräte mit feuchten Augen. Weihwasser und Dosenbier. Roman Signer jagt 100 gelbe Bauhelme in die Luft. Patrouille Suisse düst trotz Hochnebels lautstark Formation. Tunnelbohrmaschinen sind deutsch und weiblich. Tunnelbauer überwiegend männlich, deutsch, österreichisch, südländisch und ausländisch.

Verschnupft
Grössenwahn
Im Zuge der weltweiten Finanzkrise wurde seit 2008 jede Menge Kohle verheizt, um einen drohenden Kollaps zu verhindern. „Global banks are global in life, but national in death“ stellte der Chef der Bank of England dazu lapidar fest. Es erschien volkswirtschaftlich rentabler marode Grossbanken staatlicherseits zu stützen oder gar aufzukaufen, als angesichts eines nationalökonomischen GAUs eine Weltwirtschaftskrise durch Domino-Effekt zu riskieren. Die tradierte Krisenerfahrung innerhalb der Bankenwelt — der Staat wird im Notfall schützend eingreifen — wurde so in ihrer Gewissheit weiter bestärkt.

Grossbanken erhalten Fremdkapital zu vergünstigten Zinsen aufgrund der quasi staatlich garantierten Kreditwürdigkeit. Mit dem billigen Geld gehen die Bonusjunkies enorme investive Risiken ein, wobei wiederum staatliche Hilfe bei Misserfolg in die Kalkulation mit eingeht. Eine möglichst niedrige Eigenkapitalquote erhöht die Rendite und die Spekulation mit geliehenem Geld ist dank Hebelwirkung hochattraktiv. Ein eventuelles Scheitern systemrelevanter Grossbanken hinterlässt ein volkswirtschaftliches Fiasko — die Staatsfinanzen von Island und Irland lassen grüssen.
Hinzu kommen handwerkliche Fehler:
Es steht doch fest, dass die Krise von Finanzspezialisten verursacht wurde, die perverse Risikoberechnungen angestellt haben. Und die Banker, letztlich wir alle haben diesen mathematischen Modellen vertraut. Nun muss man wissen, dass viele dieser Spezialisten ehemalige Mathematiker und Physiker sind, Männer und Frauen also mit meiner Ausbildung.
Tatsache ist, dass vor allem die zweitklassigen Physiker zu den Banken abgewandert sind. Kein Wunder, haben die jetzt, ich kann es nicht anders sagen, Scheisse produziert. Die haben vor allem davon profitiert, dass kein Mensch verstand, was sie eigentlich taten. Erstklassige Physiker hätten solche Modelle niemals entworfen.(aus einem Interview mit dem Astrophysiker Ben Moore)
In der Schweiz übersteigt die aktuelle Bilanzsumme der beiden Grossbanken Union de Banques Suisses (UBS) und Credit Suisse (CS) die inländische Wertschöpfung um das vierfache! Die Bilanzsumme der Deutsche Bank beträgt immerhin 80% der deutschen Wirtschaftsleistung.
Im testosterongesteuerten Finanzgeschäft dominiert die triebhafte Lust an Unterwerfung, Gier und Herrschaft und neigt systembedingt zur Übertreibung. Die zwitterhaft entstandene Finanz-Aristokratie mit ihrem ausgeprägten Individualismus als subjektiven und absoluten Massstab hat einen verzerrten Blick auf das grosse Ganze. Eine Zerschlagung der too-big-to-fail-Banken ist notwendig, um dem assymetrischen Risikogebaren (wenn es schief geht passiert nix, wenn es gut geht, rollt der Rubel) den Boden zu entziehen.
Das ganze Finanzsystem beruhte schon immer darauf, dass die „kleinen Leute“ ALLES zahlen: Wer zahlt Miete? Wer bringt sein Geld auf die Bank? Wer zahlt Zinsen und Renditen auf alles mögliche? Wer arbeitet für den Reichtum der Reichen? Wer zahlt Steuern? Schlimmer kann es sowieso nicht mehr werden. Nur die Wege, wie das Geld zu den Banken und Reichen fliesst, ändern sich etwas. Immer Trickle-Up.
(Leserbriefschreiberin Nadine Binsberger)
Delikat Essen XXIII
Siebenschüssiger Kaltmacher im Café Remor, Gèneve.
Loch Mega
Das Loch an sich ist eine Schweizer Spezialität: das berühmte im Käse, das experimentelle Schwarze, das finanzielle Schlupfloch und sogar die Wohnmaschine heisst Loch-er-gut. Manchmal allerdings misslingt das Lochen und ein Rumoren bleibt.
Hierzulande werden die siebartig durchlöcherten Berge bloss noch vom Zement der Tunnelröhren vor dem Zusammenfallen bewahrt. Für das einsturzgefährdete Gotthard-Massiv erfolgt Mitte Oktober der Durchstich zu einer gleich doppelt angelegten Querverstrebung im Rahmen der NEAT. Bei einem aktuellen Bodycount von acht wird die neue Betonröhre mit 57 km Länge durch den Gotthard neuer Weltrekordhalter für stabilisierende Querverstrebungen mit Lochcharakter.
Die vom Lochojochen Joken aus B in D freudig erwartete und ursprünglich als touristische Attraktion geplante Porta Alpina mit Vertikallöcherung nebst Lifteinbauten und Imbissstuben wurde kurzfristig auf Eis gelegt: wegen einer Temperaturdifferenz zwischen Innenloch und Aussenwelt von bis zu 50 Grad Celsius bekamen die lokalen Lochfans kalte Füsse und Zugluft.
Chinesischer Durchfall
Ein Setzer vom Tagblatt Zürich zeigte unlängst (s)eine lustige Seite:
Die SVP hat dann doch zuletzt gelacht – das geplante Nagelhaus wurde in einem Plebiszit von den Zürchern abgelehnt.
In einem von der SVP kampagnenhaft geführten Kulturkampf überzeugte das goldige Plakat — wieder einmal hat die SVP-Agentur anscheinend die richtige Bildsprache gefunden. Nix wird verlocht und goldene Nasen verdient keiner. Vielleicht liegt es an der lehrerhaften Kunstvermittlung, zumal der geplante Hafenkran am Limmatquai schon für Irritationen sorgt. Dass eine lokale Bausünde — ein in den 1970er Jahren gebauter Autobahnzubringer zerschneidet die Stadt — prominent ans Kreuz geschlagen wird, setzt eine selbstkritische Distanz voraus. Diese scheint bei dem über moderne Kunst abstimmenden Volk dann doch etwas zu gross zu sein. Wahrscheinlich ist der gedankliche Weg von China zum Zürcher Escher-Wyss-Platz auch einfach zu weit. Näherliegende Minarette haben sich die Schweizer aber schon verboten.
Eine lässige Weltläufigkeit demonstrieren solche Entscheide nicht gerade. Die kulturelle Bunkermentalität in der Kinderstube des Dadaismus vertrüge wohl eher ein kolossales Schwingerhosendenkmal im Ausflugshafen der selbsternannten Little Big City.
Neumanntag
ufgstellt: gut drauf; gut gelaunt; fröhlich
Punk´s not dead.
Minimetal sind zwei durch die Punk-Ära geprägte Schweizer an Stromgitarre und Schlagzeug. Im Theaterhaus Gessnerallee führten die beiden Künstler nun ihre Punkrock-Oper Super Biker Girl auf. Das Klangbild ist brachial und laut, die verdichtete Bühnenpräsenz mit sparsam gesetzten Lichtakzenten unbedingt authentisch und eindringlich. Zudem wird das Ganze mit einer Prise Selbstironie und Unfertigkeit vorgetragen und bewahrt so die Darbietung davor allzu artsy-fartsy zu wirken.

Zugegeben: das Gutheissen der Transformation von Punk zu Galerieware und theatralem Auftreten erfordert eine Portion generationsbedingter Altersmilde und wohlwollende Autoreflexion ist hierbei durchaus hilfreich.
Zur Zürcher Premiere wurden Ohrenstöpsel gereicht. Der Hobbyschweizer nahm seine unbenutzt mit nach Hause.
Atmosphäre
When I woke up the sun was shining in my eyes
My silver spurs were gone my head felt twice its size
She took my silver spurs a dollar and a dime
And left me cravin´ for more summer wine
Ohh-oh-oh summer wine

Mit Kater aber ohne Kohle in den Herbst — Sekundaräquinoktium pünktlich am 23. September um 05:09h MESZ.
Next stop: Winter.
Delikat Essen XXII.2
Behutsame Annäherung an die Kunst – Wurstkritik folgt…
Multikulti
Die UNESCO will angesichts der notorischen Globalisierungstendenz das immaterielle Kulturerbe, quasi die überlieferten Volksbräuche weltweit erfassen. Beabsichtigt wird den Respekt, das Bewusstsein sowie die Wertschätzung für gelebte Traditionen aufrecht zu erhalten und zu pflegen.
Überall in der Schweiz werden jetzt Vorschläge gesammelt, wie etwa der Sennabtrieb, die Basler Fasnacht oder das Zürcher Sechseläuten. Weitere Vorschläge finden sich hier.

Falls Chlaus unvermittelt zubeisst und den Betruf auslöst, schnell noch eine Runde Eiertröhlen bevor der crazy Yodel eine Tessiner Laiengruppe anlockt.
PS: Was für eine Suchmaschine ist eigentlich dieses UNESCO?
Föhn macht schön
Ausscheidung
Das Hochgebirge der Schweiz scheidet zwei über die Landesgrenzen hinweg bekannte Abwässer aus: den Rhein und die Rhône. Aus hygienischen Erwägungen werden beide gründlich gereinigt bevor sie sich ins jeweilige Nachbarland ergiessen. Der Rhein wird im Schwäbischen Meer tapfer nach Kehrwochenplan (immerhin drei Parteien!) geputzt während die Rhône ihre mitgeführten Ballaststoffe einfach im Lac Léman sinken lässt.
Vom Seeausfluss auf Genfer Stadtgebiet bis hin zur Grenze nach Frankreich benötigt die aufgeklärte Rhône bei sommerlicher Fliessgeschwindigkeit schlappe zwei Stunden. Diese Zeitspanne nutzen findige lokale Bootsbauer, um beim alljährlichen radeaux du Rhône genevois mit ihren selbstgebastelten Wasserfahrzeugen gemütlich flussabwärts zu driften. Konstruktionsbedingt havarieren einige der Prototypen schon kurz nach dem Stapellauf, weil schlichtweg das archimedische Prinzip unterschätzt wird.
Nichtsdestotrotz wird bei diesem lustigen Treiben auf dem Wasser tüchtig gefeiert, viel getrunken und ausgeschieden — und so kommt die Rhône an einem Samstag im Jahr etwas trüber rüber.
Schlussgang
Als beim Eidgenössischen ein junger Berner Senn nach sieben Siegen ensuite bereits vor dem letzten Gang uneinholbar in Führung lag, war das Kopfzerbrechen von Jury, Fachleuten und Zuschauern gross, ob — im etwaigen Falle einer Niederlage im traditionellen Schlussgang — er lediglich als Erstgekrönter oder trotzdem zum König ausgerufen werden solle.
Emporkömmling Wenger Kilian liess aber an jenem heissen Wochenende alles kalt und er bodigte schlussendlich auch seinen achten Gegner.

Für den neuen Schweizer Liebling steht IMG als Vermarkter parat und der Lidl-Stucki jetzt etwas dumm da. Trotz langatmiger Positionierung als urchige Marke hat er sich zu billig an den Falschen verkauft und wird nun auch noch mit rechtem Gedankengut („Schweizer kann jeder werden, Eidgenosse nicht“) in Verbindung gebracht. Marketingtechnisch reiner Sepukku.
Generell werden durch die zunehmende Gigantonomie des Älplerfestes selbst kleinere Nachbeben innerhalb der Schwingerszene medial verstärkt.
Ein typischer Fall des dialektischen Umschlags von Quantität in Qualität.
Als Schmankerl zum Saisonausklang noch ein eindrücklicher Hintergrundbericht einer (professionellen) Besucherin des Eidgenössischen Schwingfestes und ein für Nicht-Helveten aufschlussreicher Artikel in der FAZ.
Gut Schwung!
Vaganterei
(Ausriss: Migros Magazin 35/2010)
Für die gepflegte Vaganterei von heute eine anschauliche und verständliche Anleitung von Bernadette La Hengst und ihren Freunden.
Weiteres zur Zukunft dort.
Cardinalzahlen
und notorischer Globalisierungsdruck veranlasst Carlsberg den untertänigen Cardinal demnächst überflüssig zu machen.
Die Produktionsverlagerung der alkoholfreien Biere nach Frankreich als Hauptgrund der Schliessung entbehrt nicht einer gewissen Süffisanz. Der bleifreitankende Hobbyschweizer trank was er konnte, muss jetzt aber wohl eine neue Zapfstelle ansteuern.
Immerhin bleibt blieb der treue Boxer trotz schwieriger Auswärtsspiele in Frankreich und Indien (bis zur Fusion mit Doppelleu 2017) hart am Ball.
Delikat Essen XXII
Heimweh-Würste für Deutsche
An der Langstrasse 238a im Kreis 5 hat ein neuer Wurststand eröffnet. Die beiden Betreiber Michael Marchetto und André Sigrist legen den Schwerpunkt auf die deutsche Spezialität Currywurst, die auch zum Namen des Lokals, Körry, inspirierte. Angeboten werden gemäss Mitteilung die gleichen Würste, welche die beiden bekannten Berliner Imbisse Curry 36 und Konopke´s Imbiss verkaufen. Dazu gibt es die Currysauce der Currywurst-Erfinderin Herta Heuwer. Dies soll die „Herzen der deutschen Kundschaft höher schlagen“ lassen. Weiter im Angebot stehen original Thüringer Rostbratwürste und St. Gallener Olma-Bratwürste der Metzgerei Schmid. Cervelats fehlen auf der Karte, da diese nicht den Qualitätsvorstellungen der Betreiber entsprechen.
aus Tagesanzeiger Zürich














