Warenfetischismus

Gemäss dem Schweizer Markenbarometer ist Glarner Schabziger die älteste Marke der Eidgenossenschaft. Seit 1463 ist die Rezeptur dokumentiert.

Unter den Top Ten befinden sich zwei Käsemarken, drei Verlage, eine Weinhandlung, ein Bettenbauer, ein Uhrmacher und zwei Brauereien.

Kein Chocolatier? Noe, erst ab 1819 wird die Schoggi getafelt.

Beinahe wäre der legendäre Schabziger zu Beginn des letzten Jahrtausends mangels Nachfrage vom Markt verschwunden, was jedoch keinesfalls am Hobbyschweizer lag, dem das Schaben genetisch einverleibt wurde. Eine bleibende Kindheitserinnerung ist der Geruch des frisch geriebenen Zigers und das Anrichten mit Butter und wenigen Spritzern Bier…

Reine Alchemie und ein wahrhaft exotischer Geschmackstest für einen Kindergaumen!

Opferrolle

Kaum ist die Ausschaffungs-Initiative angenommen, wird hartherzig ausgeschafft und pikanterweise ist der Initiant selber das erste Opfer.

Die SVP steht nämlich für den sonnabendlichen Programmparteitag plötzlich ohne die vorgesehenen Räumlichkeiten da. In der einen tagt bereits der Gewerkschaftsbund UNIA und will partout nicht mit der Volksseele unter einem Dach sitzen. Die als Ausweichquartier auserkorene Universität Lausanne sagte wegen drohender Proteste ab und andere Örtlichkeiten stehen im Kanton Waadt in der notwendigen Grösse schlichtweg nicht zur Verfügung.

Herbergsloses Bibbern in der Weihnachtszeit

Zum Glück hat ein örtlicher SVP-Scherge etwas Grundbesitz in der Nähe von Rolle am Genfer See und jetzt findet der Parteitag halt in frischer Landluft statt.

Viel Hirn wird dabei trotz der prognostizierten minus fünf Grad vermutlich nicht erfrieren — die Reden sind zackig kurz und der ganze Spuck wird schon nach gut zwei Stunden vorüber sein.

Für die SVP ein Wahlkampfauftakt nach Mass, kann man doch als eidgenössischer Märtyrer prima weiter an der selbstgebastelten Legende stricken…

Wutbürger

sorgen für klare Verhältnisse:

Arbeitsscheu nein, Ausschaffung ja — (erwartete) 54% Zustimmung entsprächen quasi Minarettverbotniveau.

Edit:
Schlappe 53% wollen ausschaffen, in der Zentralschweiz und im Tessin mit teils weit über 60% Zustimmung.
Dagegen war (wie fast immer) die Romandie.

Es lebe der Röstigraben!

Souplesse

Geschafft! Das Schwinger-Album ist vollgeklebt.

Nach einem halben Jahr Sammelstressspass nebst unnötiger Geldausgaben und überflüssiger Zeitverschwendung sind alle 178 Bildli eingeklebt. Den Schlusspunkt unter das langwierige Hin- und Hergetausche setzte Nummer 167 (per Post aus Luzern) — jetzt kommt das grosse schwarze Loch…

Auffällig war, dass 80 Prozent der Tauschpartner Mädchen oder Frauen waren. Schwingen ist halt sexy.

Volksstimmung

Ende November wird über die neue Zürcher Parkplatzverordnung volksabgestimmt, wonach jedem Einwohner ein Veloabstellplatz zusteht. Ungleich mehr Echo wird die Annahme der Auschaffungs-Initiative krimineller Ausländer durch das Wahlvolk auslösen — Völkerecht hin, Abschiebung her.

Die rechts-nationale SVP hat einmal mehr die propagandistische Oberhoheit erreicht. Dank ihres milliardenschweren Führers und mittels der deftigen Gestaltung durch die Werbeagentur eines zugewanderten Deutschen (! genau, der mit den rot-schwarz-weissen Hetzplakaten) bekommt man werbepsychologisch vermittelt, dass Detlev, Faruk, Ivan und Ismir nicht bloss fingerkauende schlecht rasierte und mies gekleidete Ausländer sondern potentielle schwarze Schafe sind.

Nach der allfälligen Verabschiedung werden juristisch auffällig gewordene Eidgenossen auch zukünftig nicht ausgewiesen, gleichwohl sie annähernd doppelt so kriminell sind wie die braven Gastteutonen.

Hey-ø-live

Exil Zürich: Hey-ø-Hansen performen teilweise halbnackt aber hochkonzentriert an den Reglern. Im Club direkt vor der Bühne wiegen sich dunkelhäutige Grazien (if only slightly overdone perhaps), daneben süsslich-herbe Verstösse gegen das Rauchverbot und der lokale harte Kern der Version-Fans.

Auf der kleinen Bühne zwei angenehm bescheiden auftretende Tiroler Dubstepper, die spielerisch mit Maschinen improvisieren. Als der Eine einen besonders gelungenen Klangeffekt taktgenau auf die Elektrodrum des Anderen legt, entfährt dem Anderen ein kerniges „Supa!“ und auf seinem Antlitz erscheint selbstvergessen ein verliebtes Leuchten, wenn er lobend zum Einen hinüber blickt.

Nur die Anstosszeit um 00.30h war etwas familienunfreundlich.

Sprachschatz

Äbese, Ambeisse, Ambessgi, Ambitzli, Ameisi, Ämesse, Aweissi, Bumbeisgi, Empeisele, Hampeissi, Harmäusli, Hobäsle, Humbetzgi, Lombeisse, Omeisele, Umbasle, Umbeisse, Uweisse, Wambusle, Wumbitzgi, Wurmasle, Wurmeisle, Wurmeissi.

Zipfel, Wegge, Scherbitz, Reifteli, Obenäbli, Mutsch, Mürrgi, Münggel, Mugerli, Gutsch, Gruschte, Gupf, Güpfi, Götsch, Fux, Fuudi, Houdi, Deckel, Chropf, Chäppli, Bode, Änggel, Aaschnitt, Aamündli, Aahau, Aahäulig, Aahäueli.