Where there´s a hope, there´s a will.
Schlagwort: Zürich
Gartenidylle
Ring my bell
Über 100 zart behandschuhte Glockenspieler fanden sich im St. Jakob in Zürich ein, um dieser eher exotischen Musiksparte zu frönen. Das Abschlusskonzert des European Handbell Festivals brachte die ganze Vielfalt des doch eher kitschigen Glockenklangs zur Geltung.
Vom Lamento Burincano über Ländlerweisen wie das Guggisberglied und Talerschwingen bis hin zu You never walk alone wurde ein bezaubernder Klangteppich in gelegt, in den selbst diverse Rezeption-Klingeln aus der Hotellerie eingewebt wurden. Das Schweizer Duo Golden Bells aus Solothurn sorgte dabei für einen fast schon zirzensische Darbietung, wobei Glocken um der Obertöne wegen nur gestrichen wurden, eine Art Glockenbaum die Schwingungen nach Anschlag weiter trug und vierhändig ein Zäuerli gegeben wurde.
Wann eine tannigi Hose hätt
und hagebuechig Strümpf
so chaner tanze, wiener will,
es git em keini
ri-ra ri-ra ridi ridi ridi ridi ridi Rümpf,
Ri-ra, ri-ra, ridi ridi ridi ridi
Rümpf, Rümpf, Rümpf…
duuuu, dulidu, duli duli duli duli dulidu.
Duuuu, dulidu, duli duli du.
Wänn eine…
Vaterstolz #9
Secondo Front
Ausländer ist man bekanntlich fast überall auf der Welt, so auch in der Schweiz. Eine kulturpolitische Intervention versuchen die Macher vom Salon Bastarde. Idealerweise fand der Kickoff im Zürcher Club EXIL statt.
Die normative Kraft des Faktischen wurde betont und Jurzcok verhandelte diese genial absurd unter dem Stichwort Scheinbevölkerung. Bis zur zweiten Generation besitzen beinahe 40% einen Migrationshintergrund, und bilden in manchen Städten bereits die Mehrheit. Der von den überraschenden Resultaten jüngster eidgenössischer Initiativen ausgehende Schwung gelte es mitzunehmen. Spoken Word und Rap, eine dauerassimilierte Nationalrätin, Interviews und szenische Rück- und Ausblicke auf Fremd- und Gastarbeiter, Flüchtlinge und Migration generell öffneten Augen, Ohren und Herz und machten viel Mut und gute Laune. Die Schweiz bewegt sich doch.
Gewissensbisse
Ein weisser T3 Minibus inkusive am Dach angebrachter Ausleger für Licht- und Tonanlage reicht völlig, um an das Gewissen zu appellieren. Das ambulantes Strassentheater von Laura Huonker und ihrer Kleincompagnie «rock the babies» verhandelt mit ihrem Rollenden Gewissen und minimer Technik beeindruckende Szenen zum Thema Was ist das Gewissen?
Ein auf dem Wagendach thronendes Supergewissen, das fragmentarische vorgetragene Sätze erst gar zu Ende spricht, sondern dem Publikum Platz lässt für eventuell lückenfüllende Gewissensbisse eröffnet den munteren Reigen der Gewissensfragen. Im Kleinbus zuvor aufgezeichnete Interviews mit Passanten zum Generalthema Was-Wo-Wie-Warum-Wann-Gewissen werden als Zwischenszenen projiziert. Es geht um Sexismus, Manipulation, Gewissenskonflikt. Eine Spieluhr klimpert den Lennon-Song Imagine, während auf einem Overheadprojektor Bilder gezeichnet, anschliessend mit Verdünner und Pfauenfeder modifiziert bis hin zur völligen Unkenntlichkeit immer mehr verwischt werden. Gewissensauslöschung. Dann tauchen die unbeantwortbaren Fragen der unsäglichen Gewissensprüfung bundesdeutscher Wehrdienstverweigerer wieder auf, «Was würden sie machen, wenn Wald, Russe, Freundin». Originalaussagen von Adolf Eichmann und Lance Armstrong bieten ein dokumentarisches Stelldichein, welches von den zutiefst ehrlich wirkenden Interviewschnipseln wiederum konterkariert wird. Eine systembedingte Gewissenslosigkeit wird offenbar und das Ganze mündet in dem Verweis auf die Tragödie von Antigone, die vom Gewissen getrieben Suizid begeht.
Das da capo vom rührseligen Imagine umrahmt die finale Wiederholung aller gestellten Interviewfragen, und nach dem Schlussapplaus wird verlautbart, dass dies ein weiterhin offenes Projekt sei, dass der Gewissensbus weiterziehe, weiter Fragen stelle, um unser aller Gewissen möglichst umfassend abbilden zu können.
Eine starke Vorstellung. Und Mona Petri ist einfach toll!
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one
Sound and Vision
Aus der berüchtigten Zürcher Eckkneipe Elisaburg wurde nach dem Blues zunächst eine im Resto-Underground geschwängerte Speiselotterie mit Swissness-Finish (Bündner Yak) und im Juli isses — Überraschung — temporäres Livestudio des engagierten Webradios gegendenstrom. Musik ist immer und meist zuviel, aber dieses Sommerspezial ist schon speziell und per Livecam kann man die hippen Zürcher Ausgänger amtlich in Echtzeit abhängen sehen. Programm hier, Live-Stream dort.
Liebesbeweis
Schüsseldienst
Stage of Meditation nennt sich eine Holzkonstruktion, die als begehbare offene Halbkugel dem Rezeptienten eine neue Wahrnehmung der Realität im öffentlichen Raum ermöglichen soll. Kunst?
Jedenfalls als Sidekick im Halbschatten der Zürcher Manifesta 11 halbwegs charmant kuratiert und in Kunstvermittlerdeutsch medial einwandfrei kommuniziert. Ein Werk, welches vom Künstler skizziert, aber nicht gefertigt wurde. Handwerklich solide Schreinerarbeit schuf die satte zwei Tonnen schwere Schüssel, die nun vor der Kirche St. Jakob temporär Zuflucht vor dem infernalischen Draussen als auch Spielfläche für Selbstdarsteller, Kinder und Hunde bietet.
Ein dreister Blickfang am hoch frequentierten Stauffacher ist die einnehmende Skulptur allemal. Und als katalytische Reibungsfläche ist die Kirche ohnehin prädestiniert…
Pokalpleite
Der FC Zürich steigt diese Saison mit dem Trostpflaster Coupe de Suisse ab. Nach einem 0-4 Heimdebakel gegen Finalgegner Lugano just in der Vorwoche wurden die Spieler von den Fans mit «Usse, Usse!» erst gar nicht in die Kurve gelassen, einige Anhänger erstürmten den Kabinentrakt, Müllcontainer wurden vom wütenden Mob auf Strassen gekippt und der Trainer noch geschwind entlassen. Nach dem Coup wurde der Kübel vom Kapitän nebst dem vom Spiel gezeichneten Stellvertreter in die während des Spieles weitgehend stumm gebliebenen Fankurve getragen.
Dem Tabellenletzten reichte dabei ein glückhaftes 1-0 gegen den Vorletzten aus dem Tessin, um der berüchtigten Südkurve ein Besänftigungsopfer darzubringen. Feierstimmung Fehlanzeige.
Pfingstwunder
Afterglaube
Kleingartenidylle
Zonenrandgebiet
DSInFORMATION
In Zürich fand wieder ein lockerer Rundgang mit basslastiger Begleitmusik und gemeinsamen Einwurf der Stimmcouverts statt.
Nachdem Linke und Gutmenschen über die letzten Jahre von der nationalistischen Propaganda ausgiebig zum Feindbild einer eidgenössischen Identität aufgebaut wurden, der rechte Financier Blocher gar von einem Weg in die Diktatur ohne das Korrektiv SVP bramarbasierte, steht bei der Durchsetzungsinitiative definitiv ein Richtungsentscheid an. Es geht um Gleichheit vor dem Gesetz, den (nicht immer recht habenden) Volkswillen als ultima ratio, die Brutalisierung von Souveränität in eine «Souveränität der Willkür»:
Man kann den Ausländern zeigen, wer Herr im Haus ist. Es ist die Form von Macht, die Kinder auf dem Pausenplatz ausüben, wenn das Rudel sagt: Du gehörst nicht dazu.
Bei der Initiative ist diese Kindergrausamkeit mit der schlimmsten Grausamkeit kombiniert, die Erwachsene erfunden haben: mit Bürokratie. Einer gesichtslosen Maschine, die Urteile nach Buchstaben exekutiert, ohne Ansehen von Fall und Person. (Constantin Seibt, Tagesanzeiger 11.02.2016)
Schwarze Schafe, Schwarze Stiefel, Schwarze Raben — es muss aufhören mit dieser permanenten perfiden Schwarzmalerei. Schliesslich ist die Welt viel bunter und farbenfroher!
L’art est mort. Vive DADA!
Schäfchenzählen
Der Ton wird zunehmend rauher und gereizter: von Ausschaffung über Schiessbefehl bis hin zur Durchsetzung ist offenbar völlig ernsthaft und immer lauter die Rede. Da kommt eine herzige Guerilla-Aktion auf dem Stauffacher in Zürich (bewusst) ohne schwarze Schafe ganz gut.

Leider waren alle Schäfchen gegen Abend bereits entschwunden…
Delikat Essen LXV
Klimawandel
Der Stadtzürcher Orgelbeauftragte testierte anlässlich der jährlich anstehenden Auswertung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit im jakobinischen Kirchenraum periodisch wiederkehrende Muster, welche nicht mit den handelsüblichen Gottesdiensten korrelierten.

http://youtu.be/54el7hLCmyw
Ringelpietz mit Anfassen macht warm und feucht plus Aufwind.
Zürichick

by sTeLla



















