Schlanderei

Auch der Hobbyschweizer hat sich beim Studium der Yülcel-Kolumnen zum globalen Prollsport vor Lachkrämpfen den Bauch gehalten. Sowohl letztes Jahr bei den Jungs, wie auch dieses Jahr bei den Mädels waren die Leser-Reaktionen in der TAZ die perfekt abgeschmackte Zutat. Zumeist völlig humorbefreit hat sich die grünalternative Spiesserschaft mit Leserkommentaren tapfer selber blamiert und ziemlich nackig gemacht.

Die 30 Riesen sind als Schmerzensgeld völlig ok und der Wrobel Ignaz tät sich bestimmt mitfreuen:

„Dürfen darf man alles – man muß es nur können.“

Masseneinwanderung

Diego Orlando Benaglio (* 8. September 1983 in Zürich) ist ein Schweizer Fussballtorhüter.

Stephan Lichtsteiner (* 16. Januar 1984 in Adligenswil) ist ein Schweizer Fussballspieler.

Johan Djourou (* 18. Januar 1987 in Abidjan, Elfenbeinküste) ist ein Schweizer Fussballspieler ivorischer Herkunft.

Philippe Sylvain Senderos (* 14. Februar 1985 in Meyrin) ist ein Schweizer Fussballspieler spanisch-serbischer Abstammung.

Reto Ziegler (* 16. Januar 1986 in Genf) ist ein Schweizer Fußballspieler.

Blerim Džemaili (* 12. April 1986 in Tetovo, SFR Jugoslawien, heute Mazedonien) ist ein Schweizer Fussballspieler albanischer Abstammung.

Gökhan Inler (* 27. Juni 1984 in Olten) ist ein Schweizer Fussballspieler mit türkischer Abstammung.

Xherdan Shaqiri (* 10. Oktober 1991 in Gjilan, SFR Jugoslawien) ist ein Schweizer Fußballspieler kosovarischer Herkunft.

92. Min: Nassim Ben Khalifa (* 13. Januar 1992 in Morges) ist ein schweizerisch-tunesischer Fussballspieler.

Granit Xhaka (* 27. September 1992 in Gjilan, Kosovo) ist ein kosovo-schweizerischer Fussballspieler.

88. Min: Gelson Fernandes (* 2. September 1986 in Praia, Kap Verde) ist ein Schweizer Fussballspieler.

Admir Mehmedi (* 16. März 1991 in Gostivar, Mazedonien) ist ein Schweizer Fussballspieler.

84. Min: Innocent Emeghara (* 29. Mai 1989 in Lagos, Nigeria) ist ein nigerianisch-schweizerischer Fussballspieler.

Eren Derdiyok (* 12. Juni 1988 in Basel) ist ein Schweizer Fussballspieler mit kurdischen Wurzeln.

Ottmar Hitzfeld (* 12. Januar 1949 in Lörrach) ist ein deutscher Fußballtrainer.

Sauschwaben

Schwaben tun sich nicht nur mit dem Zungenschlag schwer. Auch in Sachen Zuneigung von Nicht-Schwaben benötigen sie dringend Nachhilfe. Ein Zeitungsausträger aus Berlin-Neukölln hat jüngst gestanden, aufgrund chronischem «Schwabenhass» Kinderwagen im Bezirk Prenzlauer Berg abgefackelt zu haben.

Porno-Hippie-Schwaben raus aus Mitte! — selbst die joviale Mittwoch-Schicht im Stimmungslokal Mysliwska versuchte mit solchen Parolen bereits um die Jahrtausendwende den angehenden Hobbyschweizer vom Barhocker zu moppen — doch, Moment mal, Feuer hin, Brand her: sind die in Schwabenhausen zuhauf abgefackelten Automobile nicht fast allesamt süddeutscher Provenienz?

Audi, BMW und Mercedes-Benz sind unser Unglück?!

Von der Eidgenossenschaft wurde seit den Schwabenkriegen ein klarer Grenzstrich gezogen und der nachbarschaftliche Streit mit den Schwaben beschränkte sich auf blosse Verbalinjurien. Seit aber die nördlichen Nachbarn auf der Suche nach Milch und Honig vermehrt den Rhein überqueren, sinkt die Reizschwelle wahrnehmbar.

Noch spielt die sich naiv gebende rechtsnationale SVP heutzutage nur mit faschistoider Propagandaästhetik. Sie würde sich kaum erlauben, das im obigen Plakat (mit grenzwertigem Humor) vom Juden zum Schwaben mutierte Feindbild zu übernehmen, obgleich derartige Personifikationen ziemlich treffend das paranoide Weltbild ihrer Anhänger beschreiben.

Die SVP ist aber bauernschlau genug, die zugewanderten Sauschwaben aller Länder für die Migrationsfolgen in der Schweiz haftbar zu machen und der eifrig geschürten Angst vor Überfremdung das Heilsversprechen einer Helvetisierung entgegenzusetzen.

*   *   *

PS: Historische Hintergründe zum Thema Sauschwaben hier.
Ein eher zeitgeistliches Essay findet sich da.

Hetzkampagne

Zeitungsinserat der Schweizerischen Volkspartei:

Schweizer sind nett.
Schweizer sprechen langsam. Schweizer wählen gerne.
Schweizer verseuchen den Rhein. Schweizer spielen schlecht Fussball.
Schweizer horten Schwarzgeld. Schweizer vergewaltigen Frauen.
Schweizer bauen Bunker. Schweizer schlagen Deutsche.
Schweizer sind langweilig.

Gewaltmarsch

Mit ihrem permanenten Wahlkampf verstärkt die Schweizer Volkspartei («Schweizer wählen SVP») die latent vorhandenen Ängste der (Land-) Bevölkerung mit fremdenfeindlichen Motiven auf aggressive Weise.

Nach Überstehen des (gewollten) Kulturschocks kommt dem verblüfften Hobbyschweizer das Schunkellied «Die lustigen Stiefel marschieren über Polen» von DAF anno 1980 in den Sinn.

Das Spiel mit nationalsozialistischer Propaganda funktioniert halt prächtig:
Guggus? Dada!

Killermärchen

Im Durchschnitt waren sie klein und kräftig. In den ersten Tagen meinte er, alle hätten Kröpfe. Sie hatten diese kurzen und stämmigen Nacken, wenig Hinterkopf, eine niedrige und kantige Stirn, darunter zwei Augen mit einem stechenden Blick. Eigentlich blickten sie einen nicht an, sie musterten. Sie hatten ein hartes Leben, aber sie waren stolz darauf.

(aus: Wilhelm Tell für die Schule von Max Frisch)

Zureich

Bandenwerbung für Auswärtige:

Zugegeben: oben wurde ein überflüssig scheinendes „Z“ nebst Umlaut weg retuschiert und so machts ja auch Sinn.

Nach den heimeligen Claims „Little Big City“ und „Downtown Switzerland“ erklärt Zürich Tourismus Stadt und Kanton nun schlicht zur Weltklasse.

Geltungsbedürfnis + heimische Silberdistel = Swissnessklasse.

Schmitt Pál szerintem is pojáca!

Szervusz miteinand!

Pál Schmitt ist ein Hanswurst. Echt jetzt!

Nachdem das hier und jetzt geklärt ist, schlagen wir flugs einen grossen Bogen von den nationalbesoffenen Magyaren über das alte (Schweizer!) Geschlecht der Habsburger mitsamt ihren etwas seltsamen Riten hin zu einem pathologisch ebenfalls sehr interessanten hiesigen Hanswurst.

Bis auf die Hohlwelttheorie scheinen alle gängigen Verschwurbelungen mustergültig erfasst worden zu sein. En garde!

Autismus

Die Mundartler haben im Kanton Zürich ein Machtwort gesprochen und Hochdeutsch „grundsätzlich“ aus dem KindergartenChindsgi verbannt.

Somit wird In den staatlichen Kindergärten der Unterricht künftig exklusiv auf Züritüütsch erfolgen und die radebrechenden Deutschschweizer werden ihr Sprachvermögen weiterhin am Fernsehapparat mehren.

Helvetia zero points.

Sprachforderung

Natürlich sind es wieder einmal die lustigen Volksmutanten von der Schweizer Volkspartei, welche instinktsicher mit der Bevölkerung Witterung aufnehmen und eine Initiative für die Deutschschweizer Mundarten lancieren.

Im Kanton Zürich wird seit 2008 im Kindergarten (Vorschule mit obligatorischem Besuch) teilweise auf Schriftdeutsch (Standardsprache) unterrichtet, wobei die Kinder frei parlieren können, ganz wie sie wollen. Eigentlich sinnvoll: frühzeitig angeboten erlernen Kinder leichter Fremdsprachen und das Schweizerdeutsch besitzt als Mundart keine (einheitliche) Schriftsprache.

Die angestrebte Rolle Rückwärts der Hauchdeutsch-Nerds soll das Schriftdeutsche komplett aus dem Kindergarten verbannen. Mundart sei Beziehungssprache und ein Kulturgut, der pädagogische Nutzen der Standardsprache hingegen nicht nachgewiesen.

Stimmt.

Schwiizertüütsch ist amüsanter.

Grenzwert

Die Eidgenossenschaft wehrt sich tapfer an allen Fronten: im Süden drohen die Italiener sich einzuarbeiten, im Westen frisieren Franzosen nicht nur Frisuren und im Norden sowieso Teutonen über alles. Nur im Osten herrscht Ruhe seit der Statthalter der Habsburger einst eins vor den Latz bekam.

Beim zähen Ringen mit dem überzähligen Feind misst sich der Eidgenosse furchtlos gar mit allerlei Fabelgetier. Schaf und Rabe kennen wir schon von der einen oder anderen Schlacht, jetzt gilt es gegen die auswärtige aber tanzwütige Ratte den heimischen Käse zu verteidigen.

Die rechts-schwurbelige Lega dei Ticinesi triumphierte bei den kantonalen Wahlen mit tierlieben Motiven:

Der spitzbübische Capo der Legion will eine fünf Meter hohe Mauer an der Grenze zu Italien errichten. Interessante Idee, zumal er ja Bauunternehmer ist.

Die Ratten aber könnte Zwerg Nase vielleicht doch besser als Drogenkuriere einsetzen.

Frauenstimmen

«Die Frauen stehen hierzulande stärker links als die Männer. Mehr noch: Sie driften immer weiter gegen links.»

Eine ernüchternde Zwischenbilanz.

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Der Schweizer gewährte 1971 nur kurz nach dem Jemen aber noch vor Bangladesch den Frauen eine Stimme. Im Appenzeller Land allerdings wurde das Frauenstimmrecht erst nach einer 19 Jahre währenden Farce schliesslich 1990 von Justitia selbst umgesetzt.

Begrünung

„Wer ist dieses Wesen mit schrecklichen Klauen
und schrecklichen Zähnen, um Tiere zu kauen?
Mit knotigen Knien, einer gräßlichen Tatze
und vorn im Gesicht einer giftigen Warze,
mit feurigen Augen, einer Zunge sooo lang
und Stacheln am Rücken – da wird einem bang.“

Volksstimmung

Ende November wird über die neue Zürcher Parkplatzverordnung volksabgestimmt, wonach jedem Einwohner ein Veloabstellplatz zusteht. Ungleich mehr Echo wird die Annahme der Auschaffungs-Initiative krimineller Ausländer durch das Wahlvolk auslösen — Völkerecht hin, Abschiebung her.

Die rechts-nationale SVP hat einmal mehr die propagandistische Oberhoheit erreicht. Dank ihres milliardenschweren Führers und mittels der deftigen Gestaltung durch die Werbeagentur eines zugewanderten Deutschen (! genau, der mit den rot-schwarz-weissen Hetzplakaten) bekommt man werbepsychologisch vermittelt, dass Detlev, Faruk, Ivan und Ismir nicht bloss fingerkauende schlecht rasierte und mies gekleidete Ausländer sondern potentielle schwarze Schafe sind.

Nach der allfälligen Verabschiedung werden juristisch auffällig gewordene Eidgenossen auch zukünftig nicht ausgewiesen, gleichwohl sie annähernd doppelt so kriminell sind wie die braven Gastteutonen.

Multikulti

Die UNESCO will angesichts der notorischen Globalisierungstendenz das immaterielle Kulturerbe, quasi die überlieferten Volksbräuche weltweit erfassen. Beabsichtigt wird den Respekt, das Bewusstsein sowie die Wertschätzung für gelebte Traditionen aufrecht zu erhalten und zu pflegen.

Überall in der Schweiz werden jetzt Vorschläge gesammelt, wie etwa der Sennabtrieb, die Basler Fasnacht oder das Zürcher Sechseläuten. Weitere Vorschläge finden sich hier.

Eieieieiei.

Falls Chlaus unvermittelt zubeisst und den Betruf auslöst, schnell noch eine Runde Eiertröhlen bevor der crazy Yodel eine Tessiner Laiengruppe anlockt.

PS: Was für eine Suchmaschine ist eigentlich dieses UNESCO?