(Ausriss: Migros Magazin 35/2010)
Für die gepflegte Vaganterei von heute eine anschauliche und verständliche Anleitung von Bernadette La Hengst und ihren Freunden.
Weiteres zur Zukunft dort.
(Ausriss: Migros Magazin 35/2010)
Für die gepflegte Vaganterei von heute eine anschauliche und verständliche Anleitung von Bernadette La Hengst und ihren Freunden.
Weiteres zur Zukunft dort.
In der Schweiz wird in Bälde eine Initiative für Todesstrafe bei Mord mit sexuellem Missbrauch Unterschriften sammeln. haben die Urheber der Initiative dieselbige nur einen Tag nach Veröffentlichung im Bundesblatt zurückgezogen. Die letzte Hürde auf dem Weg zu einem Volksentscheid besteht in 100.000 Unterschriften innert 18 Monaten. Dies scheint machbar und seit der erfolgreichen Minarett-Initiative in diesem Land nichts mehr ausgeschlossen.
Im Erfolgsfalle könnte man die anstehenden Exekutionen dann durch die clevere Ausnutzung des Konkurrenzdruckes der Söldnerfirmen, welche sich vermehrt in der „freizügigen“ Eidgenossenschaft niederlassen, kostenneutral privatisieren.
In der Halbzeitpause des Feldzuges der Restgermanen gegen die Altherrenriege aus Australien war ich kurz zufällig Gast bei einem grossdeutschen Sender und wurde durch eine ziemlich gewagte Metapher der Moderatorin belohnt irritiert.
Reichsparteitag und Miroslavs Innenleben, hm, ein Gschmäckle hatte es schon, aber ich wollte meinen Ohren nicht recht trauen. Vielleicht steckten einfach zuviele summende Uweseelers im Hörkanal, zumal meine Frage an die Mitgucker „Was hat die gerade gesagt? Hat die wirklich dingens gesagt?“ nicht schlüssig beantwortet wurde, sondern mit der Gegenfrage gekontert wurde, was denn so ein Reichsparteitag überhaupt sei.
Sind doch herzige Menschen diese Schweizer.
Flugs wieder zu den Tröten im Schweizer Fernsehen umgeschaltet (ja — die waren dort wirklich viel lauter zu hören!), allein schon weil deren Kommentator nicht eingedeutscht war…
Sehr geehrter Herr Hofmann,
vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF und Ihr Interesse an unserer Übertragung des WM-Spiels Deutschland – Australien.
Wir können Ihre Kritik an der Äußerung Katrin Müller-Hohensteins durchaus nachvollziehen und verstehen. Durch die Zusammenarbeit mit unserer Moderatorin möchten wir Ihnen darüber hinaus aber auch versichern, dass sie niemals die Absicht hat, die Gefühle unserer Zuschauer zu verletzen.
Auf der anderen Seite basiert die hohe Beliebtheit von Katrin Müller-Hohenstein als Moderatorin beim Fußball gerade eben auf ihrer Spontaneität und ihrer Schlagfertigkeit.Deshalb möchten wir Sie bitten, der besonderen Situation in einer Live-Sendung Verständnis entgegenzubringen, die jeden Moderator in ganz außergewöhnlicher Art und Weise fordert. Wir meinen, dass man da nicht jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen sollte. Selbstverständlich haben wir Katrin Müller-Hohenstein und die Sportredaktion über Ihren berechtigten Hinweis aber bereits informiert.
Wir hoffen, dass Sie uns auch in Zukunft als Zuschauer gewogen bleiben.
Mit freundlichen Grüßen
Rita Böcklen
ZDF, Zuschauerredaktion
Manches macht der Schweizer lieber im Verborgenen: Löcher in den Käse schnitzen, laut lachen und Geld zählen. Anderes hingegen völlig überraschend füdliblutt in der Öffentlichkeit.
Das Wandern ist auch des Schweizers Lust und diese wird ganz salopp in Gottes freier Natur befriedigt.
PS: Begründung des (vorläufigen) Freispruchs hier. Deutsche Netzpräsenz der federlosen Wandervögel dort.
Um den ungehobelten teutonischen Invasoren eidgenössische UnterwürfigkeitHöflichkeit beizubringen, hängt man in Zürich jetzt solche Plakate:
Mir macht der augenzwinkernde blondbärtige Onkel irgendwie Angst — ob die Rechnung auf beiden Seiten tatsächlich aufgeht?
Switzerland zero two points • La Suisse zéro deux points.
Bitte, wenn es keine Umstände macht, könnte hier vielleicht noch der eine oder andere Brüller versteckt sein.
„Don’t be evil.“ lautet scheinheilig das Google-Motto.
“It’s bullshit!” kontert der Scheinheilige iGod Jobs.
Beim Freizeitspass wilfen googelt man sich gar nicht uneitel schon mal selber und findet dann eine solche Obskurität:
Evil bullshit. Nice try, but I don’t buy it.
FIFA-Boss Blatter, selbst aus dem Wallis stammend aber im steuerschonenden Zürich residierend, lästert auf einer im südafrikanischen Cape Town Stadium angebrachten Schautafel mal so richtig ab über die selbsternannte Little Big City.


Traditionell wird der Walliser an sich in der Rest-Schweiz für nicht ganz voll genommen. Eine hohe Dosis Vuvuzela ist bei diesem Allgemeinzustand eine absolute Kontraindikation!
Verblüffend klare Worte erzeugen hiesigen Widerhall.

Bloss die Kuckucksuhr haben die Eidgenossen auch in 500 Jahren eher nicht erfunden!
Pandemrix wird bevorzugt ab dem Alter von 6 Monaten empfohlen, da dieser Impfstoff mit einer einzigen Dosis in jedem Alter einen sehr guten Schutz bewirkt (ausser bei immunsupprimierten Personen).
Mit dem alternativen Impfstoff Celtura sind bei Personen im Alter von 3-9 sowie ab 60 Jahren 2 Dosen im Abstand von 3 Wochen notwendig. Für Erwachsene im Alter von 40-59 Jahren können die beiden Dosen Celtura gleichzeitig (in unterschiedliche Extremitäten) verabreicht werden.
Paradoxerweise kommt Hype Axolotl kaum auf der gemeinen Strasse zum Einsatz, zumal der kleine Molch ausschliesslich im Wasser lebt. Der Steinfest Heinrich aber würde das Urviech gegebenenfalls wie Nervöse Fische intertextuell in der Berliner Donau ansiedeln.
Doch für solche Kindereien ist der österreichische Meister einfach zu originell.
Die lauernde Aufmerksamkeit gegenüber den Eigen- und Besonderheiten des gastgebenden Landes ist für den Hobbyschweizer eine wesentliche, gleichwohl immer wieder überraschende Erfahrung. Fast täglich nimmt er allerlei wundersame Dinge wahr, welche manchmal fast unwirklich, oft genug zumindest sonderbar erscheinen. Ausländersein ist befremdlich, schärft und verengt den Blick zwangsläufig.

Das unablässige Herausstellen der Verschiedenheit gegenüber den drei grossen Nachbarländern ist für die Schweiz, die nicht über einen gemeinsam verbindenden und damit homogenisierenden Sprachraum verfügt, zum nationalen Fetisch geworden und unterstützt so den verbreiteten Hang zum Isolationismus. Das in allen drei Sprachräumen zu Tage tretende ehrgeizige Strebertum Marke kleiner Bruder ist zwar Identitätsstiftend aber auch ziemlich anstrengend für alle Beteiligten.

Ist die Schweiz markentechnisch nicht tipp-topp gelistet wie bei einem unbedeutenden Ranking zum Thema Lebensqualität, wird die Sorge vor schlechter Reputation publizistisch gerne geschürt.
In der Binnenwahrnehmung ohnehin als Insel der Glückseligkeit geltend irritiert schlechter Leumund wie in Sachen Finanzplatz. Reflexartig wird von einschlägigen Lobbyisten das Mantra Bankgeheimnis bemüht, um die ertragreiche Unterscheidung im Schweizer Steuerrecht zwischen Steuerhinterziehung (kein Straftatbestand) und Steuerbetrug zu bewahren.

Die national-aufrechte Gesinnung verspürt nach der überraschend deutlichen Annahme des Minarett-Verbots starken Aufwind und wurde durch jenen Volksentscheid quasi salonfähig – schliesslich hat die Mehrheit immer recht und beansprucht automatisch Deutungshoheit. Helvetisierung scheint nun das politische Ziel der rechten Schweizer Parteien und Medien zu sein. Holzschnittartig wird der Ausländer an sich und der in Zürich besonders als Toitscher in Erscheinung tretende zum Feindbild:

Dass der in Genf tagende UNO-Menschenrechtsrat den Gastgeber selbst kritisiert, überrascht angesichts xenophober Kampagnen mit schwarzen Schafen oder zum Thema Minarett-Verbot keineswegs.

Die betrübliche Melange aus populistisch angeheiztem Nationalismus und wachsender Fremdenfeindlichkeit wird zunehmend jauchiger und verstört selbst den Hobbyschweizer.
Lustig ist das Migrantenleben…
Pfiffiges Marketing verhalf der Marke Schweiz zu einem perfekten Logo, nämlich dem ohnehin schon bekannten weissen Schweizerkreuz auf rotem Grund. Die Popularität Schweizer Werte wird werbewirksam umgesetzt: trendig und kultig verziert das Schweizerkreuz allerlei Waren.

Sicherheit, Souveränität, Strebsamkeit und Sauberkeit mit einem Schuss Urchigkeit gewürzt und einer Prise Wohlstand verfeinert — Swissness schmeckt herzhaft, wirkt edel und ist zudem kleidsam.
Swissness als regionaler Gegenbegriff zur Globalisierung braucht besondere Hege und Pflege, weil das zum Warenfetisch mystifizierte Nationalsymbol ansonsten Gefahr läuft am Markt Wert zu verlieren und in der Folge die Schweiz selbst.
Verständlich dass die eidgenössischen Markenschützer etwas irritiert sind angesichts einer übertrieben pubertär geratenen libyschen Internetseite:

Bildschirmfoto von www.hannibal.ly, zeitweise nicht erreichbar aufgrund Fehlercode 509: „Bandwidth Limit Exceeded“. Die absurde Entwicklung der Libyen-Affäre kurz & bündig auf Wikipedia.
Die geistige Landesverteidigung ist eidgenössische Metapher für die hiesige Spezialität der Abgrenzung nach Aussen und kulturellen Konzentration auf heimatliche Werte. Diese Art wehrhafter Igelstellung wurde in den 1930er Jahren ursprünglich als antifaschistisch geprägter urchiger „Landigeist“ mystifiziert. Noch heute aber spukt jenes Überbleibsel aus heissen und kalten Kriegszeiten speziell in patriotisch gesinnten Köpfen. Beim wilfing schliesslich auf der Hauptseite der heute cybertechnisch gut ausgerüsteten ambulanten Landesverteidiger angelangt, überkam mich ein ungläubiges Staunen über die dort ausgebreitete Banalität helvetischen Gedankengutes mit ordentlich rechter Schlagseite.
Die von einem aus der Ex-DDR (!) stammenden Versicherungsvertreter in seiner angeblichen Funktion als „stellvertretender Pressesprecher“ betriebene Internetpräsenz geistige-landesverteidigung.ch bietet neben national-paranoidem Geschwurbel ausserdem diverses „infowar“-Material für den weltläufigen Verschwörungstheoretiker. Am Fuss jeder Seite steht „Unsere Webseite darf aus rechtlichen Gründen nur in der Schweiz genutzt werden.“ (Ist dem wirklich so? Kann man vom Grossen Kanton aus nicht auf die landesverteidigende Seite zugreifen?) Unter Nutzungsbedingungen befindet sich der Hinweis: „Telefonate werden mitgeschnitten. Sie erklären sich damit bei einem Anruf einverstanden.“
Das Versicherungsgeschäft scheint eine ausgewachsene Phobie zu erzeugen!
Neben kruden Podcasts – angeboten auf der Subdomain radio-freie-schweiz.ch – stellen die entgeisterten Landesverteidiger auf ihrer Internetbastion jovial Gratis-Banner zur Verfügung, welche aufrechte Eidgenossen zum Schutz vor dem inneren Schweinehund und der Verteidigung ihrer Lieblinge anhalten:

Innerer Feind? Fast 100 Selbstmorde mit Ordonanzwaffen jährlich!

Mit dem automatischen Sturmgewehr nationale Patina verteidigen!
Wirklich amüsant süffisant: ein gelernter Ossi stellt anständigen Schweizern den Hort von Freiheit und Demokratie zur Verteidigung anheim…
Aus der Leserbriefspalte vom Tagblatt Zürich:


Auszug aus der Online-Leserbriefseite des Tagesanzeiger aus Zürich:

Hm, wg v. Brauchitsch – das erinnert doch an Flick
Aus der psychosozialen Studie des scheidenden Zürcher Schauspielhaus-Direktor:

Die spinnen, die Schweizer Rechten.
Die stramme AUNS mit ihrer dumpfen und anrüchig völkisch bestimmter Phobie gegen das „Fremde“ hätte die Selbstauswechslung der Schweiz aus dem europäischen Spiel am kommenden Sonntag vollauf verdient.
Überhaupt erscheint mir mein herziges Ausland zur Zeit ausgesprochen konservativ; nicht nur dem Augenschein nach sind die schwarzen Raben derzeit klar in der Überzahl – lediglich Ausdruck von reflexartigem Verlangen nach Nestwärme in Krisenzeiten?
Vielleicht schafft aber Kunigunde überraschend den Ausgleich mit ihrer überzeugend putzigen Kampagne „Recht auf Recht“.
Eigentlich sollte die Schweizer Volkspartei (SVP) überhaupt kein Thema (wert) sein. Doch dann stiess mir leider deren aktuelles Machwerk in Plakatform böse auf. Dass es mir überhaupt auffiel, spricht werbetechnisch durchaus für die laufende Kampagne. Bewährt hetzt die SVP klassisch in Schwarz auf Rotweiss:

Mit Hilfe der schwarzen Vögel polemisiert die SVP gegen den Fortbestand der bestehenden bilateralen Verträge mit der EU, welche im Wesentlichen die Personenfreizügigkeit und den Beitritt zum Schengenabkommen beinhalten und am 8. Februar 2009 zur Volksabstimmung anstehen.
Der rechtsgerichteten SVP gelang in den vergangenen Jahren ein rasanter Anstieg in der Wählergunst. Bei der Nationalratswahl 2007 war sie mit 28,9 Prozent Stimmenanteil die mit Abstand stärkste Partei; seit 1919 hat in der Schweiz keine Partei mehr einen derart hohen Stimmenanteil erreicht. Dreist und populistisch schürt die SVP geschickt die in der Bevölkerung vorhandenen Ängste mit selbst für hiesige Verhältnisse ziemlich derben Stammtischparolen und fremdenfeindlicher Schweiztümmelei. Durch diese national gefärbte Demagogie hat es die Blocher-Clique geschafft ihren prozentualen Stimmenanteil von 1991 bis heute fast zu verdreifachen.
Eine Auswahl propagandistischer Tier-Versuche:

Das berühmt-berüchtigte Motiv wurde durch folgenden «Gag» noch zugespitzt:

Tapfer stemmt sich die SVP schon immer gegen die drohende Globalisierung:

Noch schwärzer und deutlicher werden die wahren Schuldigen entlarvt:

Und fast schon unfreiwillig komisch wirkt dieser Hilferuf von 2003:

Die grenzenlose HeimatTierliebe der SVP gipfelt in einem Zweck-Bündniss mit den Teletubbies, um gegen die drohende feindliche Übernahme der Eidgenossenschaft anzustrampeln. Der steppende Knecht Ueli wurde im Dezember 2008 dann tatsächlich zum bislang letzten Mitglied der Schweizer Regierung gewählt und wird nun als Verteidigungsminister dem Ausland den Krieg erklären.
Natürlich sind die Kameraden von der SVP auch sonst immer mega lustig und fidel.